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Sinnvolle statt grammatikalische grossschreibung:
eigennamengrossschreibung

= substantivkleinschreibung, gemässigte kleinschreibung

Gross geschrieben werden die satzanfänge, die eigennamen und die höflichkeitsfürwörter der dritten person.

Für einzelheiten siehe regeln

Das ist der ursprüngliche brauch, und so gilt es in allen sprachen, die unsere oder eine ähnliche schrift verwenden.


Wilhelm Bleich, 1900

Daß ohne irgend einen Nachtheil der Gebrauch, alle Dingwörter mit einem großen Anfangsbuchstaben zu schreiben, unterbleiben kann, erweist der Schriftgebrauch aller anderen europäischen Völker, welche, wie bis zu 16. Jahrhundert auch das deutsche Volk, außer den Eigennamen nur das erste Wort am Anfange eines Lesestückes und nach einem Punkte durch einen großen Anfangsbuchstaben zu dem Zwecke hervorheben, dem Lesenden den Ueberblick zu erleichtern.

W.-F. Schubert, 1817

Die gewohnheit, die hauptwörter mit grossen anfangsbuchstaben zu schreiben, hat gar keinen grund in der sprache selbst und beruht so wenig auf einer allgemeinen sicheren regel, dass wir in vielen fällen gar nicht wissen, wie wir schreiben sollen.

Leo Weisgerber, sprachwissenschafter, 1974

Eigennamen gehören nicht in derselben weise zum bestand einer bestimmten sprache wie wörter; es ist also zweckmässig, sie im zuge des geschriebenen zu signalisieren, und dafür sind grosse anfangsbuchstaben ein geeignetes mittel.

Heinrich Böll, deutscher schriftsteller, 1973

Eine sprache verliert weder an informationswert noch poesie, wenn sie — wie die englische und die dänische — von der gross- zur kleinschreibung übergeht.

H. C. Artmann, öster­reichischer schriftsteller, 1999

die kleinschreibung ist viel sinnlicher.

Andrea Zogg, schweizer schauspieler und regisseur, 2010

substantive gehören vom sockel gestossen und eingereiht, um material und geist in ein neues gleichgewicht zu bringen. nebenbei: auch elfriede jelinek setzt sich für die gleichwertigkeit aller wortarten ein. gegner der idee behaupten zwar, dann wisse keiner mehr, warum spinnen spinnen, was die sucht sucht oder wie man dichter dichtet. aber wäre es nicht ein neuer interpretationsspielraum für verkrustete gebrauchstexte? schliesslich haben schon die lieben genossen die liebe genossen und mit konsequenter kleinschreibung helfen wir auch den armen vögeln. es ist also ökologisch, sich mit brüsten zu brüsten.

Wie bisher: im zweifelsfall klein.

Im weiteren gilt: ph → f, th → t, rh → r


Die eigennamengrossschreibung

Radikale kleinschreibung oder eigennamengrossschreibung?


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Rolf Landolt, 2011-1-12