Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

Aus der presse (bis 1994)

Nachgeführt 25. 2. 2006, 16. 5. 2005

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28. 12. 1994

siehe Nolte, Dorothee: Lustobjekt oder Regelwerk? Der Tagesspiegel, 28. 12. 1994, Literaturspiegel

Schreibregeln sind keineswegs heilig, sondern unterliegen wie alle sprachlichen Phänomene dem Wandel. Wie schnell man sich an zuvor Unvorstellbares gewöhnt, ist fünf Jahre nach dem Mauerfall und ein Jahr nach der Umstellung der Postleitzahlen jedem klar. Wir hätten auch die totale Kleinschreibung überlebt. [. . .] Die Experten wollten halt niemandem weh tun, die Gebildeten nicht verprellen und auch die nicht völlig enttäuschen, die angesichts zunehmender Schwierigkeiten von Schülern mit der Rechtschreibung für eine radikale Vereinfachung plädierten.

3. 12. 1994

siehe Kutschera, Walther: Wer den Fortschritt liebt, darf sich freuen ... (I). "Der Geküsste büßte den Kuss an der Küste" (26. November). Die Presse, 3./4. 12. 1994, nr. 14.03, Spectrum, s. XIV, Tribüne der Leser

Bisher gehörte es zum Unterricht, die gewohnte Rechtschreibung zu lehren; die Schüler konnten mit Aufmerksamkeit und Fleiß bis auf den heutigen Tag die Rechtschreibung unserer Väter erlernen. Im übrigen kommen Wirtschaft, Wissenschaft, Gerichtsbarkeit und Presse mit der bisher geübten Rechtschreibung vortrefflich aus.

siehe Kashofer, Brigitte: Wer den Fortschritt liebt, darf sich freuen ... (II). "So oder auch anders" (23. November). Die Presse, 3./4. 12. 1994, nr. 14.03, Spectrum, s. XIV, Tribüne der Leser

Einfacher wird die Rechtschreibung dadurch nicht — ganz im Gegenteil. Die Kinder müssen sich statt bisher eine nun mehr zwei Möglichkeiten der Rechtschreibung merken, und es wird immer noch unzählige Schreibweisen geben, die nicht gestattet sind.

2. 12. 1994

Zimmer, Dieter E. Bitte nicht lachen. Die Zeit, 2. 12. 1994, nr. 49, s. 63

Es handelt sich also nicht um eine große Vision besessener Sektierer, die sich des Allgemeinguts Sprache bemächtigen wollen, sondern um eine bescheidene Unfugbereinigungsaktion. So empfiehlt es sich, den Plan jetzt nicht kaputtzulachen. So bald gäbe es keinen anderen.

28. 11. 1994

Zu-cker für Theo. Der Spiegel, 28. 11. 1994, nr. 48, s. 221—222, Wissenschaft

So schrumpfte das allumfassend geplante Reformwerk, das siehe Mentrup als Hauptbearbeiter und Koordinator zu verwirklichen trachtete, auf einen ortografischen Minimalkonsens — was vor allem jene bedauern, die keine Erinnerung mehr an häßliche Diktatzensuren haben. Immerhin aber ist das neue Regelwerk die erste Reform seit dem Jahre 1901, als auf der Berliner Orthographischen Konferenz die althergebrachte Thür abgeschafft und das Wörterbuch des Hersfelder Gymnasialdirektors Konrad Duden zum Wachorgan über die deutsche Sprache bestellt wurde.

26. 11. 1994

Schweighofer, Christina: Der Geküsste büßte den Kuss an der Küste. Die Presse, 26./27. 11. 1994, nr. 14.025, s. 3, Die Seite drei

Umstrittenster Punkt der Reform war die Groß- und Kleinschreibung. Gegen die einstimmige Empfehlung der Kommission wird die gemäßigte Kleinschreibung [. . .] nicht eingeführt. Vielmehr kommt die „modifizierte Großschreibung“. Zu deutsch: Noch mehr Wörter als bisher werden groß geschrieben. Die Kleinschreibung scheiterte letztlich politisch, und zwar am Widerstand einiger BRD-Länder. So bleibt das Deutsche die einzige Sprache mit Substantivgroßschreibung.

25. 11. 1994

dpa, AP: Reform für lange Zeit. Viele Reaktionen auf die neue Rechtschreibung. Stuttgarter Zeitung, 25. 11. 1994, 50. jg., nr. 272, s. 18, Feuilleton

Das neue Regelwerk, das in Deutschland erst nach Zustimmung der Kultusminister und des Bundesinnenministeriums in Kraft treten wird, „ist unantastbar für lange Zeit“, sagte der deutsche Professor siehe Gerhard Augst. Eine weitere Reform der Rechtschreibung würde bei den Bürgern nur Verunsicherung schaffen.

Da schweizer bürger weniger angst vor verunsicherung haben, halten wir es mit siehe Gallmann.

21. 9. 1990

Drieschner, Frank: Reform oder Rewoluzjon. Siebenhundert Experten warnen vor dem "Analphabtentum". Die Zeit, 21. 9. 1990, nr. 39, s. 85 (563 wörter)

Wo die Herrschenden stur jede Reform verhindern, wo mit dem Druck von außen die Unzufriedenheit im Inneren wächst, da, lehrt uns die jüngste Geschichte, ist die Revolution nicht weit. Das gilt auch in der Rechtschreibung. [. . .] Wie es tatsächlich um den äußeren Druck auf die Rechtschreibung steht und wie um unsere Fähigkeit zur Bewahrung der althergebrachten Orthographie, lehrt uns eine Meldung der Deutschen Presse-Agentur. „UNESCO: Analphatentum eine Herausforderung an das Weltgewissen.“ dpa schreibt diesen Satz Federico Mayor zu, dem Generaldirektor der Organisation. Vielleicht war dem Mann angesichts von 42 Millionen Analphabeten allein in den reichen Ländern der Welt die Orthographie wirklich schnuppe; vielleicht hatte auch nur ein Redakteur keine Lust mehr zum Dienst nach Vorschrift des Dudens. Beides würde auch erklären, wieso trotz der „Fortschritte in der Schulbildung“ für Mayor laut dpa „der Analphetismus Anlaß zur großer Sorge“ bleibt.

15. 3. 1990

siehe Haberthür, E.: Rechtschreibreform und kein Ende. print, 15. 3. 1990, nr. 11, s. 844, Magazin, Leserbriefe (473 wörter)

Die angebliche Kleinschreibung im Englischen und Französischen ist in der Praxis viel problematischer als die vielgeschmähte Regelung im Deutschen. Die «gemässigte Kleinschreibung» für das Deutsche einzuführen wäre wahrlich ein Schildbürgerstreich, wie ihn nur praxisferne (druckereiferne) Theoretiker aushecken können. [. . .] Die anscheinend unaufhaltsame «Aufweichung» der Rechtschreibregeln [. . .] und EDV-Neuerungen wie Textübernahme ab Disketten und Desktop-Publishing untergraben die Stellung des Druckereikorrektors. [. . .] Man mag es bedauern, aber es scheint unausweichlich: Das Ende einer mehr als 500jährigen Tradition der Sprach- und Rechtschreibpflege durch die Buchdrucker ist absehbar.

«Aufweichung» und verbesserung ist nicht dasselbe. — Kurz nach den profetischen schlussworten begann die tradition der sprach- und rechtschreibpflege durch die internetuser.

21. 2. 1989

siehe Möcker, Hermann: "das/daß": Trennung seit 1333 nachweisbar. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 2. 1989, Briefe an die Herausgeber

Man muß sich damals wohl etwas gedacht haben, als Artikel/Pronomen "das" von der neuen Konjunktion "daß" rechtschreiblich geschieden wurde.

13. 1. 1989

Krieger, Hans: Wozu Rechtschreibung, wozu Rechtschreibreform? Nicht die Orthographie, sondern der Unterricht bedarf der Reform. Bayerische Staatszeitung, 13. 1. 1989

Der Sinn einer Rechtschreibregelung ist nämlich nicht, daß sie möglichst leicht zu lernen ist, und sie ist auch nicht dazu da, daß möglichst alle Leute im Sinne der Regeln völlig korrekt schreiben. [. . .] Es ist keineswegs notwendig, daß jedermann die deutsche Rechtschreibung mit all ihren Raffinessen völlig beherrscht.

6. 12. 1988

Schreck, Diana: Minister lassen "Keiser" sterben. Kernstück der Rechtschreibereform gekippt. Mannheimer Morgen, 6. 12. 1988

Während die Reform der Laut-Buchstaben-Beziehung definitiv vom Tisch ist, wird über die vier anderen Teile des Reformpakets noch weiterberaten.

28. 10. 1988

Leonhardt, Rudolf Walter: Duden ade? Vom falschen Fummeln an der deutschen Sprache. Die Zeit, 28. 10. 1988, nr. 44

Auf fünf Gebieten haben die vom siehe Institut angeheuerten Doktoren und Professoren Änderungen für nötig gehalten. Noch einmal wieder auf der Groß- und Kleinschreibung herumzureiten, hat man ihnen vorerst glücklicherweise untersagt.

21. 5. 1984

siehe Guratzsch, Dankwart: Wie ein Minister den Kleinschreibern auf den Leim ging. Sonderbare, aber erfolgreiche Methoden eines österreichischen Vereins. Die Welt, 21. 5. 1984

Sowohl der siehe Verein als auch das siehe Institut kämpfen seit Jahren um die Kleinschreibung. Dieser Kampf ist an sich nicht unehrenhaft. Er hatte in der Vergangenheit hervorragende Geister auf seiner Seite, allen voran Jacob Grimm. Freilich hatte er zu allen Zeiten auch mindestens ebenso prominente Gegner, von Johann Christoph Gottsched bis zur Dichterprominenz unserer Zeit.

6. 8. 1982

Spinner, Urs: Kleinschreibung — Blödsinn oder eine gute Sache? Blick, 6. 8. 1982, nr. 180, 24. jg., s. 5, Leserseite

Mit einem Postulat hat sich Grossrat und Sekundarlehrer Ernst Bopp im Stile Winkelrieds in die Schlacht geworfen. Bedeutet sein Vorstoss eine Wende im Buchstabenkrieg?

9. 11. 1981

Locher, Irmgard: "Der gefangene floh." Die letzte Schweizer Gemeinde gibt die Kleinschreibung auf. Stuttgarter Zeitung, 9. 11. 1981

Ostermundingen im Kanton Bern, Wyssachen im Emmental und nun auch Binningen in Basel-Land haben kapituliert; nach sechs bis acht Jahren der gemäßigten Kleinschreibung sind sie reumütig zum Duden zurückgekehrt.

11. 2. 1981

Amstutz, Peter: Der Duden ist wieder in Kraft. Schweizer Ort gab Kleinschreibung auf. Kölner Stadtanzeiger, 11. 2. 1981

"Da sollte doch jemand endlich einen Anfang machen", dachte sich der heute 60jährige Gemeindeschreiber Hans Minder und tippte am 16. Februar 1972 ein amtliches Schreiben nach den Regeln der gemäßigten Kleinschreibung [. . .] in die Maschine. Als der erwartete Proteststurm ausblieb, wurde mit sechs gegen eine Stimme der Beschluß gefaßt, vom 1. März 1973 an den amtlichen Schriftverkehr nur noch in Kleinschreibung zu veröffentlichen.

7. 2. 1981

eko: Das Ende der Kleinschreibung. Der Gemeinderat von Ostermundigen brach ein Experiment ab. Der Bund, 7. 2. 1981, nr. 31, 132. jg., s. 22, Stadt und Region Bern

Obwohl die seither gesammelten Erfahrungen mehrheitlich positiv ausgefallen sind, hat der Gemeinderat [. . .] das Experiment [. . .] abgebrochen. Der Grund dafür liegt vorab darin, dass die erhoffte Signalwirkung weitgehend ausgeblieben ist.

29. 5. 1979

hm.: Mässiges Interesse an der Kleinschreibung. SP-Postulat deutlich abgelehnt. Tages-Anzeiger, 29. 5. 1979, 87. jg., nr. 122, s. 19

Die Mehrheit des Parlaments war mit Erziehungsdirektor Alfred Gilgen der Meinung, eine Rechtschreibereform könne nicht vom Kanton Zürich im Alleingang durchgeführt werden. Es gelte vielmehr, eine für alle deutschsprachigen Länder geltende Lösung anzustreben.

18. 4. 1979

siehe Meier, Fritz: Die «eingeschränkte Kleinschreibung». Wolfgang Mentrup: «Die Gross- und Kleinschreibung im Deutschen und ihre Regeln». Neue Zürcher Zeitung, 18. 4. 1979, nr. 89, s. 31, Feuilleton

Einen ausgefeilten, in Varianten durchdachten Versuch lieferte der Ostdeutsche siehe Dieter Nerius 1975. Und nun legt der Westdeutsche siehe Wolfgang Mentrup eine Kritik und eine Modifikation der Neriusschen Regeln vor. Diesen verwandelten Entwurf nennt er «eingeschränkte Kleinschreibung», eingeschränkt gegenüber der radikalen Kleinschreibung. Auch Mentrup lässt es nicht bei einem einzigen Vorschlag bewenden, sondern gibt gleich einen zweiten mit. [. . .] Wolfgang Mentrup arbeitet unter dem Gesichtspunkt der «Benutzbarkeit» und hat es dar auf angelegt, ein narrensicheres und lückenloses, zudem äusserst knappes System zu schaffen. [. . .] Wir haben ihm zu danken für die Aufklärungsarbeit, die er geleistet hat, auch wenn wir seinen Folgerungen nicht vorbehaltlos zustimmen können.

11. 1978

neu siehe Müller-Marzohl, Alfons: Die rechtschreibreform ist überfällig. Deutsch-Blätter, 11. 1978, nr. 4, s. 10 bis 18 (2543 wörter)

Es ist weder den barocken grammatikern noch ihren nachfolgern gelungen, genau zu umschreiben, was eigentlich unter einem substantiv zu verstehen wäre. Den begriff “nomen“, der die mittelalterliche grammatik beherrschte, konnte man leichter abgrenzen: Er umfasste alle wörter, die der deklination unterliegen, also neben den nomina propria vor allem auch die adjektive. Wohl unter dem einfluss der philosophischen substanzlehre hat sich dann aber das undefinierbare substantiv theoretisch verselbständigt, und es ist deutschem schulmeisterdenken und deutscher pedanterei (Grimm) gelungen, eine substantivweltanschauung aufzubauen. Ganzer artikel

20. 10. 1978

neu siehe Wiesmann, Louis: Kommt die Kleinschreibung? Ergebnisse eines Kongresses in Wien. Neue Zürcher Zeitung, 20. 10. 1978, nr. 244

Der siehe "Oesterreichischen gesellschaft für sprachpflege und rechtschreiberneuerung" ist es erstmals gelungen, vom 10. bis zum 12. Oktober in Wien Vertreter alle vier deutschsprachigen Länder (der BRD, der DDR, Oesterreichs und der Schweiz) am Verhandlungstisch zusammenzuführen, vorwiegend Hochschuldozenten und Pädagogen, und diese waren am Schluss ihrer Beratungen darüber einig, das Oesterreichische Bundesministerium für Unterricht und Kunst nachdrücklich zu bitten, über die politischen Kanäle die andern deutschsprachigen Länder einzuladen, gemeinsam eine Reform vorzubereiten und zuletzt zu beschliessen, ob man sie wolle oder nicht.

3. 4. 1975

neu a. b.: Der Gefangene floh — Der gefangene Floh. Eine Ausstellung in der Zentralbibliothek. Der Landbote, 3. 4. 1975, nr. 75 (486 wörter)

Man kann eine ernste Sache auch mit Humor anpacken. So stellt die Zentralbibliothek ihre am 1. April eröffnete Foyer-Ausstellung über die Rechtschreibereform unter die in unserem Titel wiederholte Schlagzeile mit dem variablen Floh/floh. [. . .] Die lehrreiche Ausstellung wurde von siehe R. Landolt vom Bund für vereinfachte Rechtschreibung in Zusammenarbeit mit R. Diederichs von der Zentralbibliothek Zürich zusammengestellt und aufgebaut.

1975

Ledl, Viktor: Die lesbarkeit der kleinschreibung. Eine untersuchung von prof. dr. Herbert Haberl. die tribüne, 1975, nr. 63

H. Haberl hat durch seine 2. untersuchung bewiesen, dass, gleichgültig ob es sich um erwachsene oder kinder handelt, die kleinschreibung schon nach kurzer gewöhnung leichter bzw. genau so gut gelesen wird wie die grossschreibung.

5. 1974

siehe Flückiger, Max: Die Schreibweise von Eigennamen. Komplizierung der Regeln und Verlagerung der Schwierigkeiten bei Anwendung der Kleinschreibung. Typographische Monatsblätter, 5. 1974, nr. 5, s. 363 bis 366 (1500 wörter)

Die Befürworter der Kleinschreibung sagen, andere europäische Sprachen kämen auch ohne Substantivgroßschreibung aus und die Benützer dieser Sprachen hätten weniger Schreibprobleme. Dies ist ernstlich zu bestreiten. Schreibprobleme haben zum Beispiel die Engländer und Franzosen [. . .] mindestens so viele wie die Deutschsprachigen. Denken wir bloß an die Schwierigkeiten der Schreibung französischer oder englischer Laute [. . .]. Und was die Verwendung der Großbuchstaben betrifft, so werden auch diese einem besondern, zum Teil sehr willkürlichen und unlogischen Regelwerk unterworfen. [. . .] Wie soll in dieser Materie in den Druckereien eine einheitliche Schreibweise eingehalten werden, wenn vom Regelwerk her dem Chaos Tür und Tor geöffnet werden? [. . .] Der also nicht gelungene Versuch zu einer befriedigenden Regelung der Eigennamenschreibweise beweist, daß die heutigen (ich betone: abgesehen von einigen Spitzfindigkeiten nämlich nicht so sehr großen) Schwierigkeiten der Groß- und Kleinschreibung sich bei Einführung der gemäßigten Kleinschreibung verlagern würden auf das Gebiet der Eigennamenschreibung und dort in verstärktem Maße aufträten. [. . .] Eine Regelung der Rechtschreibung aber, die die Schwierigkeiten bloß verlagert, ist unerwünscht.

1965

Vater, Heinz: Eigennamen und Gattungsbezeichnungen. Versuch einer Abgrenzung. Muttersprache, 1965, 75. jg., s. 207 bis 213

Trotz der grossen Schwierigkeiten, die sich dadurch ergeben, dass Eigennamen als Gattungsnamen verwendet werden können, lässt sich also doch mit Hilfe einiger formaler Merkmale — vor allem durch den Artikelgebrauch — eine Begrenzung der Kategorie Eigennamen angeben.

1954

siehe Haller, E.: Die "stuttgarter empfehlungen" der "arbeitsgemeinschaft für sprachpflege". Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, 1954, 8. jg., nr. 5/6, s. 346 bis 357

Die "empfehlungen" [. . .] gehen wahrscheinlich weiter, als der schulausschuß der kultusminister-konferenz sich ursprünglich vorgestellt haben mochte. Doch ist er keineswegs so radikal, wie es in der presse schon öfters dargestellt worden ist [. . .]. Er ist, da man von vorne herein ein praktisches ziel vor augen hatte, ein kompromißwerk.

1952

siehe Haller, E.: Bilanz aus der vorschlägen zur reform der deutschen rechtschreibung von Menzerath, Haller, (bvr), Hiehle, Jessen & Klippel (Zeitschrift für fonetik 1948, heft 1/2 & 1949 heft 3/4). Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, 1952, 6. jg., nr. 3/4, s. 164 bis 169 und 173 bis 179

Allen vorschlägen gemeinsam ist [. . .] das verlangen nach der einführung der antiqua in schrift und druck, ferner anpassung gebräuchlicher fremdwörter an die deutsche schreibweise und drittens die beseitigung möglichst vieler doppelschreibungen. Für die gruppe, die nur annähernd oder grobfonetisch schreiben will [. . .] ergibt sich als minimalprogramm folgendes: gemäßigte kleinschreibung [. . .], teilweise abschaffung der dehnungsbezeichnungen [. . .], fonetische anpassungen [. . .]. Das minimalprogramm [. . .] trägt auch der vernünftigen forderung rechnung, daß das bestehende schriftbild nicht allzu sehr verändert werden dürfe [. . .].

siehe Haller, E.: Das "Erfurter Rechtschreibungsprogramm", beschlossen 1931 vom 7. vertretertag des bildungsverbandes der deutschen buchdrucker in Erfurt. Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, 1952, 6. jg., nr. 3/4, s. 169 bis 170

Die bedeutungsvollsten punkte dieses reformprogramms sind zweifelsohne der übergang zur gemäßigten kleinschreibung & die teilweise abschaffung der dehnungsbezeichnungen.

siehe Haller, E.: Das reformprogramm des lehrerverbandes Niedersachsen. Zeitschrift für Phonetik und allgemeine Sprachwissenschaft, 1952, 6. jg., nr. 3/4, s. 171 bis 173

Es wird ein "bewußte, einsichtsvolle gestaltung der rechtschreibung gefordert, schon im hinblick auf ihre soziale bedeutung".

10. 11. 1928

neu Stern, W. H.: "die gerichtssprache ist deutsch." Berliner Tageblatt, 10. 11. 1928 (390 wörter)

[. . .] das Oberlandesgericht Köln musste sich mit dem exzeptionellen Fall beschäftigen. Es kam zu folgendem Ergebnis: "[. . .] Der Gebrauch der kleinen Anfangsbuchstaben beeinträchtigt nicht die Lesbarkeit und die Verständlichkeit der Klageschrift." (!!) Wodurch wieder einmal eine sehr wichtige Rechtsfrage in äusserst scharfsinniger und wie man zugeben muss, zufriedenstellender Weise gelöst ist.


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Rolf Landolt