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Aus der presse

Nachgeführt 15. 4. 2010, 2. 1. 2010

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12. 1996

Looser, Roman: Überblick über die Geschichte der Bemühungen um eine Rechtschreibreform in der Schweiz von 1901 bis 1996. 1. Teil: Von 1901 bis 70er Jahre. Sprachspiegel, 12. 1996, 52. jg., nr. 6, s. 196—205

Die Bemühungen um eine Reform der deutschen Rechtschreibung in der Schweiz waren während der hier untersuchten Zeit immer massgeblich von den Reformbemühungen in der Bundesrepublik Deutschland beeinflusst. In den folgenden Ausführungen werden die Ereignisse in Deutschland jedoch nur am Rande angesprochen.

28. 10. 1996

neu Logik von oben. Der Spiegel, 28. 10. 1996, nr. 44, s. 71

Ist die Reform vor den Gerichten zu stoppen? Verfassungsrechtler sehen Chancen. […] "Sobald der Lehrer zum erstenmal ein Wort in der neuen Schreibweise an die Tafel schreibt", sagt der Bundesverwaltungsrichter und Schulrechtsexperte Jörg Berkemann, könne es losgehen: "Ihr müßt es mit einer Unterlassungsklage vor dem Verwaltungsgericht versuchen", ist sein Rat an die Eltern. […] Daß der Rechtsweg gegen "nummerieren" und "Stängel" steinig und langwierig werden könnte, hat erst im Juni dieses Jahres der Jenaer Rechtsprofessor > Rolf Gröschner bescheinigt bekommen. Der legte für sich und seine Tochter Alena, 15, Verfassungsbeschwerde ein - und scheiterte prompt.

23. 10. 1996

Atzgerstorfer, Jürgen: Statt Neues weiterhin Flickwerk. Leserbriefe zu: Widerstand gegen Rechtschreibereform, TA vom 15. 10. (I). Tages-Anzeiger, 23. 10. 1996

Obwohl die ablehnende Haltung so vieler angeblicher Sachverständiger gegenüber den Neuerungen aus menschlicher Sicht verständlich ist — der Wissensvorsprung gegenüber den Laien verringert sich in offenbar unangenehmem Masse —, so ist nicht einzusehen, warum die grosse Mehrheit der Deutschsprechenden und Deutschlernenden sich nur aus Rücksicht auf ein paar Elfenbeinturmbewohner weiterhin das (orthographische) Leben schwerer machen sollten, als es unbedingt nötig ist.

Suter, Adrian: Statt Neues weiterhin Flickwerk. Leserbriefe zu: Widerstand gegen Rechtschreibereform, TA vom 15. 10. (II). Tages-Anzeiger, 23. 10. 1996

Dass das "Fussvolk" am Alten festhalten möchte, kann man noch verstehen. Aber dass die gescheiten Intellektuellen nicht mal einen kleinen Schritt vorwärts wagen, wirkt eher befremdlich.

Artho, Walter: Statt Neues weiterhin Flickwerk. Leserbriefe zu: Widerstand gegen Rechtschreibereform, TA vom 15. 10. (II). Tages-Anzeiger, 23. 10. 1996

Was uns im neuen Duden präsentiert wird, ist nichts als Kosmetik und keine echte Reform. Bei der Umstellung auf die Kleinschreibung würden die Vorteile bei weitem überwiegen.

Studer, Martin: Statt Neues weiterhin Flickwerk. Leserbriefe zu: Widerstand gegen Rechtschreibereform, TA vom 15. 10. (IV). Tages-Anzeiger, 23. 10. 1996

An der neuen Rechtschreibreform der deutschen Sprache hat man zehn Jahre lang herumgebastelt, und dennoch ist eines der grössten Probleme dieser Sprache, die Gross-Klein-Schreibung, beibehalten worden.

Gnädinger, Franz: Statt Neues weiterhin Flickwerk. Leserbriefe zu: Widerstand gegen Rechtschreibereform, TA vom 15. 10. (V). Tages-Anzeiger, 23. 10. 1996

Für mich ist die eher skurrile Reform ämel ein weiterer Anlass, auf Englisch umzusteigen.

22. 10. 1996

Aerni-Henriquez, Stefan: Geht die Politiker nichts an. Leserbriefe zu: Proteste gegen Rechtschreibreform und Kommentar, TA vom 15. 10. (I). Tages-Anzeiger, 22. 10. 1996

"Muss die Heimat wirklich Schaden nehmen", mokiert sich der TA […], "wenn wir Spaghetti einst Spagetti nennen?" Mit Verlaub: Ja, sie nähme Schaden, weil die albernen Spagetti (wohl dann "Spadschetti" ausgesprochen …) wieder ein paar Zentimeter mehr Distanz schüfen zu unseren italienisch sprechenden Landsleuten.

Baumann, Adolf: Geht die Politiker nichts an. Leserbriefe zu: Proteste gegen Rechtschreibreform und Kommentar, TA vom 15. 10. (II). Tages-Anzeiger, 22. 10. 1996

[…] dass bestimmte politisch und kulturell randständige Gruppierungen (zum Beispiel die Kleinschreiber) hinter den Kulissen auf eine Umgestaltung der Orthographie drängen und die Arbeiten daran auf leisetreterische Weise — damit ja keine Hasen aufgescheucht werden — in Gang gekommen sind. (Über die Notwendigkeit einer solchen Reform ist ja nie öffentlich diskutiert worden […])

Scherer, Franz: Geht die Politiker nichts an. Leserbriefe zu: Proteste gegen Rechtschreibreform und Kommentar, TA vom 15. 10. (III). Tages-Anzeiger, 22. 10. 1996

So ist zu hoffen, dass bald ein grosser Schweizer Verlag dem Beispiel des "Spiegels" folgt, die neuen Regeln ignoriert und damit Signalwirkung erzielt. Das Thema würde sich von selbst erledigen.

21. 10. 1996

> Denk, Friedrich: Fremde Federn: Friedrich Denk. Noch ist es nicht zu spät. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 10. 1996, S. 16, Politik

Kann man den Zug noch stoppen? Jeder Zug kann angehalten werden. Und dieser Zug ist kaum angefahren. […] Die Unterzeichner der "Frankfurter Erklärung" gegen die Rechtschreibreform wollen diese Schreibreform, so wie sie jetzt und erst jetzt erkennbar wird, nicht haben. Sie fordern deshalb die verantwortlichen Politiker auf, diese Reform zurückzunehmen, um jahrzehntelange Verwirrung zu vermeiden, um Millionen sinnlose Arbeitsstunden und Milliarden Mark einzusparen.

20. 10. 1996

Martenstein, Harald: Meister der Kampagne. Der Tagesspiegel, 20. 10. 1996, Literaturspiegel

Vielleicht nur für einen Wimpernschlag der Geschichte ist der Deutschlehrer > Friedrich Denk einer der bekanntesten Männer im Land. […] Friedrich Denk, 53 Jahre alt, kämpft gegen die Rechtschreibreform. Er hat, im Alleingang, eine der wuchtigsten Pressekampagnen der letzten Zeit in Gang gesetzt, und scheinbar war alles ganz einfach. Er mußte mit einer Tüte voller Flugblätter sowie einer Resolution zur Frankfurter Buchmesse reisen, und er mußte ungefähr 70 Repräsentanten des deutschen Geisteslebens anrufen, die fast alle sofort seiner Meinung waren: die Rechtschreibreform soll weg. Dann erschien eine Titelstory im Nachrichtenmagazin "Der Spiegel", seitdem brennt in Weilheim die Luft.

18. 10. 1996

Gallmann, Peter, und Sitta, Horst: "Wir haben vorwiegend an die Lernenden gedacht." Tages-Anzeiger, 18. 10. 1996

Keiner, der das neue Regelwerk ernsthaft prüft, wird mit dem erreichten Ergebnis bis in alle Einzelheiten einverstanden sein. Das gilt auch für uns. Insgesamt haben wir mehr gewollt, einiges wollten wir anders, manches wollten wir nicht. Dies ändert aber nichts an unserer Überzeugung, dass die neue Regelung als Ganzes der bisherigen klar überlegen ist: Sie ist einfacher handhabbar — dies gilt für Kinder wie für Erwachsene —, und sie ist besser lehrbar und lernbar.

Küng, Thomas: "Ich kämpfe für meine alte Gemse." Autoren, Verlegerinnen und Linguisten äussern sich zum Boykottaufruf gegen die Reform der deutschen Rechtschreibung. Tages-Anzeiger, 18. 10. 1996

Es scheint, also ob die Debatte nördlich des Rheins heftiger geführt werde als bei uns. […] Ruth Schweikert, Schriftstellerin: "Von einer solchen Reform erwarte ich radikale Schritte, wie zum Beispiel die konsequente Kleinschreibung." […] Jürg Laederach, Schriftsteller: "Die Reaktion der deutschen Schriftsteller kommt spät, und ich finde sie seltsam. Auf den Punkt gebracht bedeutet sie: keine Änderung! Das sind ungewohnte Töne aus dieser Ecke." […] Renate Nagel, Verlegerin: "Ich habe mich schon 1994 gegen die Rechtschreibreform ausgesprochen." […] Kurt Marti, Schriftsteller: "Ich halte nichts von dieser Reform, sie ist unnötig. Ich sehe nicht ein, weshalb die Rechtschreibung von irgendwelchen Kulturbürokraten geregelt werden soll."

15. 10. 1996

Köppel, Roger: Urschrei der Autoren. Kommentar. Tages-Anzeiger, 15. 10. 1996

Muss die Heimat wirklich Schaden nehmen, wenn wir Spaghetti einst Spagetti nennen? […] Am Duden kämpft die deutsche Intellektuellengarde mit Verzweiflung ums Überleben im öffentlichen Raum.

14. 10. 1996

neu „So überflüssig wie ein Kropf.“ > Hans Magnus Enzensberger zur neuen Rechtschreibreform. Der Spiegel, 14. 10. 1996, nr. 42, s. 266, Titel

Spiegel: Herr Enzensberger, die Landessprache, in der Sie schreiben, soll sich ändern - statt „Gemse“ soll künftig „Gämse“ […] und statt „Haß“ „Hass“ geschrieben werden. Wie finden Sie das? Enzensberger: Eine Clique von selbsternannten Experten will sich wichtig machen, zwei Großverlage schnappen nach dem Monopolgewinn, und die Politik übt sich wie gewöhnlich im Etikettenschwindel. Dabei geht es überhaupt nicht um die Sprache, sondern um die Rechtschreibung, die von jeher das Steckenpferd aller Besserwisser war.

Immerhin berichtigt Enzensberger, dass es «nicht um die Sprache, sondern um die Rechtschreibung» geht. – Übrigens war «Steckenpferd» im artikel zufällig getrennt und lebt nun im Spiegel-archiv als «Stekkenpferd» weiter.

neu Kostspieliger Unsinn. Siegfried Lenz zur neuen Rechtschreibreform. Der Spiegel, 14. 10. 1996, nr. 42, s. 268

Erstens: Welch eine Notwendigkeit besteht zu solchen Veränderungen? Zweitens: Wer hat ein Interesse daran? Drittens: Wer besitzt die Legitimation, diese Veränderungen als Regel einzuführen?

neu Ich fahre so fort. Martin Walser zur neuen Rechtschreibreform. Der Spiegel, 14. 10. 1996, nr. 42, s. 270

Ich habe ein Autorenleben lang verhindern müssen, daß die unter Duden-Diktat lebenden Lektorate mir in meinen Büchern "eine Zeit lang" zu "eine Zeitlang" zusammenschweißten. "Eine Zeit lang" soll jetzt sein, dafür muß ich jetzt "leichtbekleidet" gegen rohe Trennung verteidigen. […] Ich fahre fort, die Wörter möglichst so zu schreiben, wie ich sie höre und wie ich sie ihrer Herkunft nach verstehe. […] Solange man abends im Freien sitzen kann, mag ich mich nicht mit Normen belästigen, die mich nicht beleben. Und tagsüber arbeite ich ja. Erst der sach- und fachverständige > Friedrich Denk […] hat mich aus dem verantwortungsscheuen Sommerschlaf geweckt und an die Unterschreibfront zurückgeholt.

neu > Reich-Ranicki, Marcel: Komma muß bleiben. Der Spiegel, 14. 10. 1996, nr. 42, s. 273 (379 wörter)

Einmal in 100 Jahren sollte man sich von dem stets zu erwartenden Widerstand der älteren Generationen nicht beirren lassen und die Rechtschreibung reformieren.

Kronsbein, Joachim, und Stolle, Peter: Spiegel-Gespräch: "Ich fühle mich gedemütigt". Der Schriftsteller Walter Kempowski über die Mißhandlung der deutschen Sprache. Der Spiegel, 14. 10. 1996, nr. 42, s. 276, Titel

Ich bin dagegen, die Schüler unnütz zu quälen, aber diese Rechtschreibreform, die sich unsere Kultusminister ausgedacht haben, ist keine Hilfe, sie ist einfach nur Murks. […] Aber wenn sich die Bürokraten schon daran vergreifen, dann bitte gleich viel radikaler — mit der gemäßigten Kleinschreibung. Damit hätte man jedenfalls an Europa gedacht und sich anderen Schriftsprachen angeglichen. […] Wer hat überhaupt diese Reform beschlossen? Ich hab' den Eindruck, das ist so ein Professoren-Mulm, beschlossen von praxisfernen Gestalten, die nicht wissen, wo der Kellerschlüssel liegt, aber klug daherquasseln.

12. 10. 1996

> Ickler, Theodor: Wie wir schreiben sollten — Die Rechtschreibreform ist bankrott. Die Erneuerung der deutschen Orthographie stürzt nicht über ihre Lächerlichkeit, sie geht an ihren Widersprüchen zugrunde. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 10. 1996, S. 36, Feuilleton

Eine kultivierte Rechtschreibung dient dem Leser, denn sie macht die Bedeutung für das Auge sinnfällig. Für den Schreiber jedoch stellt sie eine Erschwernis dar, denn sie setzt nichts Geringeres voraus als eine fast schon wissenschaftliche Analyse der Sprache. Und die Großschreibung der Substantive? Die zeigt dem Auge, von welchen konkreten oder abstrakten Gegenständen in einem Text die Rede ist. Sehr sinnvoll auch dies.

Reumann, Kurt: Antreiber der Poeten. Porträt Politik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 10. 1996, s. 12. Politik, Zeitgeschehen

Der 53 Jahre alte, im schlesischen Wohlau geborene und auf der Schwäbischen Alb und in Bayern aufgewachsene Germanist und Romanist [> Denk] ist ein Wirbelwind in allen Gassen der Literatur und Pädagogik. […] Der frühere bayerische Kultusminister Maier ermahnte Denk, er solle sich bei seiner Kampagne gegen das "Portmonee" (statt Portemonnaie) nur keinen Herzinfarkt holen. Prompt antwortete der Unermüdliche: Für den Chikoree (statt Schikoree) zu sterben wäre "ein starker Abgang".

7. 10. 1996

neu "Nach Belieben." Hessens sozialdemokratischer Kultusminister Hartmut Holzapfel, 52, über den Duden als Regelwerk für die neue Rechtschreibung. Der Spiegel, 7. 10. 1996, nr. 41, s. 20, Panorama (252 wörter)

Die Rechtschreibreform sorgt für Verwirrung an den Schulen: Welches Regelwerk empfehlen Sie den Lehrern? Holzapfel: Jedenfalls nicht den Duden in seiner neuesten Fassung. Der vermischt die neuen amtlichen Regeln mit eigenen Empfehlungen in einer Weise, die für den Benutzer schwer durchschaubar ist.

16. 9. 1996

neu Ab-s-t-rak-te Regeln. Der Spiegel, 16. 9. 1996, nr. 38, s. 20, Panorama (176 wörter)

Die neue Rechtschreibung überfordert offenbar auch die Hersteller von Wörterbüchern. Obwohl die Rechtschreibregeln von insgesamt 212 auf 112 reduziert wurden, gibt es Fehler und Widersprüche in neu erschienenen Lexika.

20. 8. 1996

Trösch, Peter Niklaus: Wer den Duden kauft, sieht erst mal rot. Der Duden erscheint nach neuen Regeln — Buch-Verleger sind noch nicht vorbereitet. Tages-Anzeiger, 20. 8. 1996

Wer den Duden vielleicht übermorgen Abend genauer anschaut, wird sich zuerst schnäuzen oder gar einen Katarr kriegen. […] Wer sich da und auch bei den neuen Kommaregeln auskennen will, kommt um diese 21. Duden-Ausgabe nicht herum; der Verlag rechnet mit einer Million verkauften Exemplaren bis Jahresende.

7. 7. 1996

Deutsch, Fibo: DEUTSCH & DEUTLICH über Deutsch. Sonntagsblick, 7. 7. 1996, nr. 27, s. 20

Die Rechtschreibereform, die jetzt eingeläutet worden ist, räumt mit einigem Unsinn auf - indem sie neuen Unsinn einführt.

4. 12. 1995

Tschapke, Reinhard: "Warum müssen wir uns nach den Buckligen richten?" Stichtag 1. August 1998: Ob Siegfried Lenz oder Martin Walser, die Schriftsteller sind gegen die Orthographiereform, die Verlage finden sich ab. Die Welt, 4. 12. 1995, nr. 283, s. 10

Offensichtlich können Rechtschreibreform und Schriftsteller nicht zueinanderkommen. […] Rechtschreibung sei "Stimmungssache", weiß Martin Walser, eine "Konvention", von der man sich inspirieren lassen kann, aber nicht muß. […] Auf völliges Unverständnis stoßen die Pläne bei Siegfried Lenz. "Jedes Wort trägt schließlich in der geschriebenen Form seine Bedeutung. Warum soll man das ändern?" fragt der Hanseat. "Wo ist die Legitimation derer, die uns die neuen Regeln aufzwingen?"

18. 11. 1995

Sitta, Horst, und Gallmann, Peter: Wer diktiert die Rechtschreibreform? Eine Stellungnahme aus sprachwissenschaftlicher Sicht. Neue Zürcher Zeitung, 18./19. 11. 1995, 216. jg., nr. 269, s. 46

Unklar ist, wie denn die Entscheidungsprozesse in der Bundesrepublik verlaufen.

3. 11. 1995

Gallmann, Peter: Der Duden, nicht das Amtsblatt. Neue Zürcher Zeitung, 3. 11. 1995, 216. jg., nr. 256, s. 79, Briefe an die NZZ

Diese verlegerischen Freiheiten werden — wenn es denn zu einer neuen amtlichen Regelung kommen soll — auch in Zukunft erhalten bleiben. Man wird bei Rechtschreibfragen also weiterhin im Duden, in einem anderen Wörterbuch oder auch in einer geeigneten Grammatik nachschlagen und nicht im Amtsblatt.

28. 10. 1995

Güntert, Hans: Der Tod aller Bücher. Badener Tagblatt, 28. 10. 1995, 148. jg., nr. 252, s. I/II, BT am Samstag

Um die Jahrtausendwende müssen wir uns 12 500 neue Wortbilder einprägen. Dieses Zitat stammt […] von > Wolf Schneider. Diese hätten, worauf er ebenfalls hinweist, "die dramatische Wirkung, alle nach der alten Norm gedruckten Bücher fast unlesbar zu machen für die, die in die neue Norm hineingewachsen wären . . ." […] Angesichts derart schwerwiegender Konsequenzen darf ich getrost das Schlusswort wagen: Der Eifer der Reformer ist grösser als der Bedarf an den Reformen, die sie ebenso zielstrebig wie inkompetent verordnen.

Kaspar, Claudia: "Sie sind unfähig, zu entscheiden" Deutschland verschiebt Rechtschreibreform — Auswirkungen auch auf die Schweiz. St. Galler Tagblatt, 28. 10. 1995, 157. jg., nr. 252, s. 2

Die Rechtschreibreform stehe in der 10. Priorität an der 20. Stelle, soll der frühere Zürcher Erziehungsdirektor Alfred Gilgen einmal gesagt haben.

Uwer, Helmut: Rechtschreibreform erhält Verspätung. Deutsche Bundesländer vertagen Entscheid. Tages-Anzeiger, 28./29. 10. 1995, 103. jg., nr. 251, s. 12, Kehrseite

Die Einführung der Rechtschreibreform in Österreich, Deutschland und der Schweiz gerät in Verzug. […] Einige Ministerpräsidenten fragten, ob sie überhaupt das Recht zu einer solchen Verordnung hätten.

Heller, Mathias: Eine Reform der Halbherzigkeit. Berliner Kurier, 28. 10. 1995, s. 2, Politik, Kommentar (205 wörter)

Nach der deutschen Vereinigung gab es geringfügige Veränderungen im Wortschatz, nicht aber in der Orthographie. Der Grund, sie zu ändern, ist nicht zu finden. Schon gar nicht durch eine aufgezwungene und halbherzige Reform, die nur auf platte Vereinfachung zielt. Eine wirkliche Reform bestünde in genereller Kleinschreibung ähnlich dem Englischen.

jr: Sie kommt nicht, sie kommt. Frankfurter Rundschau, 28. 10. 1995, 51. jg, nr. 251, s. 3, kommentar

"Ach Sie wissen doch, wie es ist: Man beschäftigt sich mit den Dingen erst, wenn man entscheiden muß." So sagt > Bayerns Kultusminister treuherzig. Und so sagen es auch die in Lübeck versammelten Ministerpräsidenten und verlangen Aufschub zwecks (Eigen-)Bildung und Aufklärung. Von der Rechtschreibreform, den internationalen Vereinbarungen im deutschsprachigen Raum wollen sie in den letzten zehn, zwanzig Jahren nichts gehört, nichts gesehen, nichts gelesen haben.

27. 10. 1995

> Zemb, Jean-Marie: Wer ohne Hindernis lernt, lernt nichts. Noch einmal: Vom Irrtum, die deutsche Rechtschreibung ließe sich bürokratisch regeln. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. 10. 1995, nr. 250, s. 43, Feuilleton

Diese Reform versucht, semantische Merkmale der Sprache durch formelle zu ersetzen, und geht dabei von einer falschen Vorstellung der "Form" aus: Weder die Groß- oder Kleinschreibung noch das Zusammen- und/oder Getrenntschreiben sind bloße "orthographische Varianten". Sie drücken verschiedene Inhalte aus. […] Vom ursprünglichen Vorschlag zur Neuregelung der Orthographie, in dessen Mitte die längst vergessene "gemäßigte Kleinschreibung" stand, ist ohnehin so wenig übriggeblieben, daß man von einer "Reform" gar nicht mehr reden kann.

23. 10. 1995

Rechtschreibung. Neue Regeln: Jetzt oder nie. Der Spiegel, 23. 10. 1995, nr. 43, s. 102—109, Gesellschaft

Die Reform der Rechtschreibung steht auf der Kippe, diese Woche entscheiden die 16 Länderchefs. In den Medien und in der Bevölkerung wächst die Stimmung gegen das umstrittene Reformwerk. Worum es wirklich geht, wissen noch immer nur wenige Bundesbürger. […] "Es steht 50 zu 50, ob es zu einer Rechtschreibreform kommt." Größere Chancen gibt Sachsens Kultusminister Matthias Rößler dem Projekt nicht, das sieben Jahre lang vorbereitet wurde und seit einigen Wochen das meistdiskutierte Bildungs- und Schulthema ist.

17. 10. 1995

> Haberthür, E.: Für eine sanfte Sprachrenovation. Neue Zürcher Zeitung, 17. 10. 1995, 216. jg., nr. 241, s. 67, Briefe an die NZZ

Hundertjährige französische Bücher wirken denn auch noch durchaus modern, während deutsche Werke aus jener Zeit dank unablässigem Reformeifer praktisch unlesbar geworden sind.

14. 10. 1995

von Planta, Eleonore: Der Duden ist tot — es lebe der Duden! Neue Zürcher Zeitung, 14. 10. 1995, nr. 239, s. 81, Wochenende (348 wörter)

Doch ab morgen wird alles anders. Die Schriftgelehrten unseres Jahrzehnts in unserer Sprachregion haben sich etwas Neues ausgedacht, das sie — wie könnte es anders sein — als Reform, als Verbesserung, als Vereinfachung, kurz: als ideale Lösung empfinden. Eine Lösung, die unsere Abc-Schützen und alle, die es geblieben sind, aus dem Labyrinth der deutschen Orthographie sicher herausführen soll. Ein neuer Duden ist schon fast auf dem Markt, und ab 1996 ist beinah alles erlaubt, was verboten war, und umgekehrt. Nein, nicht das Chaos wird herrschen, sondern die ganz grosse Freiheit. Da freuen sich die Computer, denn es gibt neues Futter, die Verlage, denn es gibt neue Bücher, und nur die Deutschlehrer, Redaktoren und Korrektoren überlegen, ob sie den Beruf wechseln oder sich einen Strick kaufen sollen.

12. 10. 1995

Aerni-Henriquez, Stefan: Schmerz fürs Auge. Lukas Lessing: "Katastrofen und Ketschup"; Nr. 37 (I). Weltwoche, 12. 10. 1995, 63. jg., nr. 41, s. 19, Forum (leserbriefe)

Besonders die Manie zur Eindeutschung fremdsprachiger Wörter irritiert.

Keller, Max: Schmerz fürs Auge. Lukas Lessing: "Katastrofen und Ketschup"; Nr. 37 (II). Weltwoche, 12. 10. 1995, 63. jg., nr. 41, s. 19, Forum (leserbriefe)

Dieser aufschlussreiche Artikel lässt mich erschaudern, wenn ich denke, was da alles noch auf die Schreiberinnen und Schreiber deutscher Sprache zukommen soll.

Litscher-Stirling, Roland: Schmerz fürs Auge. Lukas Lessing: "Katastrofen und Ketschup"; Nr. 37 (III). Weltwoche, 12. 10. 1995, 63. jg., nr. 41, s. 19, Forum (leserbriefe)

Liber keine reform als so eine, kann mensch dazu nur sagen. Di ide einer reform wäre docch eigentlich, dass die orthografi einfaccher und/oder konsekwenter und/oder sinnvoller würde.

29. 9. 1995

Einheitliche Kleinschreibung. Berliner Zeitung, 29. 9. 1995, s. 30, Ratgeber (56 wörter)

Wir schlagen vor, den Unterschied zwischen "daß" und "das" abzuschaffen, eine einheitliche Kleinschreibung einzuführen und Wörter so schreiben zu können, wie wir sie sprechen.

26. 9. 1995

> Camartin, Iso: Die lächerlichste Bastelei der Welt. Zur aktuellen Orthographie-Diskussion. Neue Zürcher Zeitung, 26. 9. 1995, 216. jg., nr. 223, s. 45, Feuilleton

Natürlich gäbe es eine Lösung. Die Politiker und die Experten sollten ihre amtsmässigen Kompetenzen in Fragen der Rechtschreibung an drei Personen abtreten. An je eine deutsche, eine österreichische und eine schweizerische Schriftstellerin oder Journalistin, die in ihren Büchern bewiwsen haben, dass sie Meisterinnen im Umgang mit der Sprache sind. Die drei Frauen setzen sich für drei Monate zusammen und teilen der deutschsprachigen Welt dann mit, wie sie es für die kommenden dreissig Jahre mit der Rechtschreibung zu halten hat.

25. 9. 1995

> Schneider, Wolf: Wie man seine Mitmenschen mobbt. Warum eine Rechtschreibreform nur Scherereien bringt. Focus, 25. 9. 1995, nr. 39

Manche Reformen sind nützlich, andere wenigstens diskutabel; für die dritten gilt, daß sie Genugtuung und Belästigung redlich verteilen, wie die drohende Rechtschreibreform dies tut: 100 Reformer sind hochzufrieden, und von den 100 Millionen Menschen deutscher Muttersprache, die sich der Reform nun unterwerfen sollen, haben 98 Millionen den Ärger. […] Mindestens sollte es uns stutzen machen, daß in England und Frankreich eine Rechtschreibreform gar keine Chancen hat, obwohl dort Sprache und Schrift viel weiter auseinanderklaffen.

21. 9. 1995

Glogger, Helmut-Maria: Meinen Sprachforscher das wirklich ernst? Wenn der Keiser vom Tron fellt — eine Katastrofe! Blick, 21. 9. 1995, s. 15, Feuilleton

Konrad Duden (1829—1911) würde zusammen mit seinem «Vollständigen orthographischen Wörterbuch der deutschen Sprache» im Grab rotieren: Sein 1880 erschienenes Sprach-Standardwerk wird komplett überarbeitet.

Wyss Kolb, Monika: Gibt sich und hat Mühe; wie Lehrlinge schreiben. Neue Zürcher Zeitung, 21. 9. 1995, nr. 219, s. 96, Schule und Erziehung (659 wörter)

Um Aufschlüsse über die schriftsprachlichen Stärken und Schwächen von Lehrlingen und Lehrtöchtern zu erhalten, wurden im Schuljahr 1991/92 Aufsätze von Schülern einer Zürcher Berufsmittelschule auf ihre formalen Qualitäten hin untersucht. […] Beinahe jede oder jeder dritte schreibt jedoch dezidiert ungern: «freiwillig nie» oder «nur wenn es unbedingt notwendig ist». […] Über alle Kategorien sprachlicher Korrektheit (orthographisch-interpunktionelle, grammatische, semantische) betrachtet, ist durchschnittlich auf 16,6 Wörter einmal eine Sprachregel verletzt worden. […] Bei knapp drei Vierteln aller sprachlichen Irrtümer handelt es sich um Verstösse gegen die Regeln der Rechtschreibung und Zeichensetzung. […] Am häufigsten, d. h. in 40 Prozent aller Fälle, wurde gegen Interpunktionsregeln verstossen. Vier von fünf dieser Fehler betreffen die Kommasetzung, vor allem jene im zusammengesetzten Satz. In zwei von fünf Orthographiefehlern geht es um die Gross- bzw. Kleinschreibung, in einem von fünf um die Getrennt- und Zusammenschreibung; beide Gebiete der Rechtschreibung gelten als besonders schwierig. Da sich die Schreibung leicht überprüfen lässt, werden Texte oft auf Grund ihrer orthographischen Qualität als gut oder schlecht beurteilt — vorschnell, wie die Analyse der Lehrlingstexte vermuten lässt, konnte doch kein signifikanter Zusammenhang zwischen der orthographischen Fehlerdichte und den übrigen formalen Qualitäten eines Aufsatzes eruiert werden.

16. 9. 1995

> Zehetmair, Hans: Rechtschreibreform. Nötige Denkpause. Bayernkurier, 16. 9. 1995, 46. jg., nr. 37, s. 2

Es geht sicher nicht darum, die Neuregelung zu stoppen. Sie enthält viele sinnvolle Neuerungen und eindeutige Erleichterungen, reduziert das für niemand mehr überschaubare Regelwerk auf ein erträgliches Maß und macht Schluß mit Inkosequenzen wie "Auto fahren" und "radfahren". […] Das kann aber nicht heißen, daß die in Deutschland für die Neuregelung verantwortlichen Kultusminister jetzt nur noch automatisch abzusegnen hätten, was ihnen ihre Beamten aufgeschrieben haben.

15. 9. 1995

Raschke, Ulrich: Setzen, > Hans Zehetmair! Ulrich Raschke über einen wahren Kämpfer um die Rechtschreibung. Die Woche, 15. 9. 1995, nr. 38, s. 48, Menschen

Das war knapp! In letzter Minute konnten Sie eine Konspiration ungeahnten Ausmaßes aufdecken: Wissenschaftler und Ministerialbeamte wollten allen Ernstes die deutsche Rechtschreibung reformieren.

14. 9. 1995

Lessing, Lukas: Katastrofen und Ketschup. Viel Wirbel um die Orthographie-Reform — aber kommt sie auch wirklich? Weltwoche, 14. 9. 1995, 63. jg., nr. 37, s. 65, Kultur

Eine Gemeinsamkeit mit dem Jahrhundertwerk von 1901 steht jetzt schon fest — das Scheitern. […] Jetzt gelingt nicht mal die von Linguisten und Germanisten so sehr herbeigesehnte Vereinheitlichung , von der Vereinfachung ganz zu schweigen: Die Deutschen und die Österreicher mochten sich nicht (analog zu den Schweizern) zur vollständigen Abschaffung des fehlerverursachenden Buchstabens ß entschliessen […] Was noch scheiterte: die von allen Linguisten erwünschte gemässigte Kleinschreibung […] Alles sei ein Kompromiss auf kleinstem gemeinsamem Nenner, meint auch > Dr. Klaus Heller von der Arbeitsstelle Graphie und Orthographie beim Institut für deutsche Sprache […] Witzig erscheint […] der Ursprung der gesamten Orthographiediskussion, der eindeutig in der Themengruppe Orthographie am Zentralinstitut für Sprachwissenschaft an der Akademie der Wissenschaften in Berlin/Ost zu lokalisieren ist.

Der BVR würde niemals für sich in anspruch nehmen, der ursprung der gesamten ortografiediskussion zu sein, aber immerhin kommt 1924 (seine gründung) vor 1949 (gründung der DDR).

11. 9. 1995

[> Harenberg, Werner]: Spiegel-Gespräch: "Viele werden erschrecken." Bayerns Kultusminister > Hans Zehetmair über die Rechtschreibreform. Der Spiegel, 11. 9. 1995, nr. 37, s. 226—229, Kultur

Spiegel: Haben Sie Ihre Meinung über die Rechtschreibreform gewechselt? Uns hat voriges Jahr überrascht, daß Sie als erster Minister den Reformvorschlag ohne jeden kritischen Unterton begrüßt haben, als er im November 1994 auf einer internationalen Konferenz in Wien verabschiedet wurde. Zehetmair: Nun, da ist uns ein Malheur passiert. […] Spiegel: Wissen denn die Deutschen in etwa, was auf sie zukommt? Zehetmair: Nein, überhaupt nicht. Die breite Öffentlichkeit ist so gut wie gar nicht informiert. Deshalb werden viele erschrecken, wenn es nun zu einer Reform kommt […]. Viele haben gar nicht mehr an eine Reform geglaubt, nachdem seit fast hundert Jahren alle Vorschläge gescheitert sind. […] Zehetmair: Es wäre eine Katastrophe, wenn es zu Katastrofe käme. […] Spiegel: […] Wie schreiben Sie: Heiliger Vater? […] Zehetmair: Heiliger groß natürlich. Spiegel: Das ist heute richtig und künftig falsch. […] Zehetmair: Unmöglich, das halte ich beinahe für einen Eingriff in Glaubensfragen.

2. 9. 1995

> Zemb, Jean-Marie: Alles gleich ist alles anders Die Reform der Orthographie: Risiken und Nebenwirkungen eines nicht ganz durchdachten Vorschlags. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. 9. 1995, S. 28, Feuilleton

Doch wer nun glaubt, es sei eine einheitliche Schreibung des Deutschen beschlossen, der irrt: Auch in Zukunft wird es keine Rechtschreibung des Deutschen geben, sondern, wie gehabt, eine deutsche, eine österreichische und eine Schweizer Rechtschreibung der gemeinsamen Sprache. Warum dieser Reichtum an Varianten jetzt festgeschrieben — oder, wie es in Zukunft heißen soll, "fest geschrieben" wird, ist nicht einzusehen. […] Vor kaum fünf Jahren ist in Paris der Vorschlag zur Neuregelung der französischen Rechtschreibung an der letzten Hürde, nämlich an der Académie française, gescheitert. Er war ähnlich siegessicher vorgetragen worden. Storniert wurde eine Vorlage, die offiziell nur 273 Wörter betreffen sollte. Doch ein Verlag, dem es weder an unternehmerischer Kapazität noch an wissenschaftlicher Kompetenz mangelt, rechnete schnell das Zehnfache an betroffenen Wörtern aus. Leider gibt es keine deutsche Akademie mit dem gleichen Einfluß wie die französische.

1. 9. 1995

Rennhard Josef: Ungehaltene Rede. Rechtschreibreform: Schon jetzt die Schnauze voll. Der schweizerische Beobachter, 1. 9. 1995, 69. jg., nr. 18

Konrad Duden (1829—1911) diktierte unserem Chefredaktor Josef Rennhard aus dem Jenseits eine Botschaft zur bevorstehenden Reform der deutschen Rechtschreibung.

4. 1995

> Schneider, Wolf: Ein Kaubeu am Rein. NZZ-Folio, 4. 1995, nr. 4, s. 75, Sprachlese (843 wörter)

Dass wir eine Lautschrift hätten […], wird gern gesagt und ist doch in doppelter Hinsicht irreführend: Weder sind unsere Laute geeignet, das, was sie benennen, halbwegs sinnvoll abzubilden, noch sind unsere Buchstaben imstande, die gesprochenen Laute in schlüssige Symbole umzusetzen. […] Nun sollen wir uns, wenn es nach den Reformern geht, um die Jahrtausendwende 12 500 Wortbilder einprägen, Alfabet zum Beispiel oder Stängel, weil der eigentlich eine kleine Stange sei. Eine Umgewöhnung, eine Belästigung also wird uns zugemutet, und der Vorteil, der sie aufwiegen soll, liegt auf einem Feld, auf dem die Schrift ohnehin wenig zu vermelden hat: der Logik.

> stellungnahme

20. 1. 1995

(Gass, Ursula): Vom Tron bis zum Komputer und dem Bändel. Mehr Bindestriche und kleines „du“ zur Tante. Schwäbische Zeitung, 20. 1. 1995

Glücklich sind Rechtschreibreformer wie der Immendinger Realschulrektor > Wilhelm Werner Hiestand über die Ende November 1994 in Wien beschlossene Neuregelung der deutschen Rechtschreibung jedoch keineswegs. „Dass die substantivkleinschreibung der zaghaftigkeit der machtträger zum opfer gefallen ist, schmerzt freilich sehr“, urteilt er mit der > „Tribüne“ […].


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Rolf Landolt