Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

Aus der presse

Nachgeführt 19. 11. 2000

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31. 12. 1999

Fischer, Karl: Die Uhren ticken, der Countdown läuft. Auf ins neue Millennium. Neue Luzerner Zeitung, 31. 12. 1999

Wir begleiten Sie auf diesen Seiten von A bis Z ins Millennium, mit Tipps und Trends, mit Tratsch und Klatsch, mit Augenzwinkern und Schmunzelgeschichten. [. . .] X ist der lästige Buchstabe, der uns vor dem PC erstarren lässt. Was fällt einem dazu schon ein? Wäre zu überlegen, ob er bei der nächsten Rechtschreibreform nicht ersatzlos gestrichen werden könnte. Immerhin: Das wird im in wenigen Stunden beginnenden Jahr 2000 mit Sicherheit nicht passieren. Immerhin etwas, wofür wir wirklich garantieren können.

EB/mn: Neunten Geburtstag am 9. 9. gefeiert. Zahl der Eheschließungen aber am 8.8.88 höher. Nordkurier-Online, 31. 12. 1999, Lokales Fenster Neustrelitz

Ab Morgen stehen bekanntlich komplett andere Zahlen hinter der Monatsangabe und eigentlich wird nach neuer Rechtschreibung das Datum jetzt noch ganz anders geschrieben. Damit hatten offensichtlich auch der Mieterverein Neubrandenburg ein paar Bauchschmerzen als er seine letzte Monatssprechstunde gegenüber SZ für das Jahr 1999 für den 200-01-04 ankündigte.

EB/Th. Koch: In Amtsstuben herrscht Angst vor Schreibfehlern. Teterower entscheiden doppelte Beschilderung. Nordkurier-Online, 31. 12. 1999, Lokales Fenster Teterow

In den Amtsstuben des Teterower Rathauses hat die neue Rechtschreibreform für große Verunsicherung gesorgt. Um in der Öffentlichkeit peinliche Fehler zu vermeiden, werden neue Straßenschilder ab sofort in zweierlei Schreibweise aufgestellt. Gestartet wurde der Modellversuch in der Ot(t)imar-Straße.

Überflüssiges aus 2000 Jahren. die tageszeitung, 31. 12. 1999, nr. 6030, s. 6

277. Rechtschreibreform

Goos, Diethart: Flops und Tops — So war das Jahr 1999 im hohen Norden. "Pallas", A3XX, A 20 — Die Begriffe stehen für das, was nicht so gut lief im zurückliegenden Jahr, aber es gab auch Positives — Eine Bilanz. Die Welt, regionalausgabe Hamburg, 31. 12. 1999, Norddeutschland

Ein langes Hickhack, bei dem sich die rot-grüne Regierung nicht gerade mit Ruhm schmückte, endete zum 1. Oktober. Durch Änderung des Schulgesetzes wurde die neue deutsche Rechtschreibung auch in Schleswig-Holstein eingeführt. Damit setzte sich das Kabinett über einen Volksentscheid hinweg, der das Reformwerk für Schleswig-Holstein als einzigem der 16 deutschen Länder abgelehnt hatte.

Groß, Dagmar: Was Sie 1999 nicht in Ihrer WZ lesen konnten. Westdeutsche Zeitung, 31. 12. 1999, Krefeld Stadt

Und dann auch noch diese Rechtschreibreform. Da weiß man ja gar nicht mehr, wo ein rundes und wo ein scharfes "s" hingehört. Und im Übereifer geraten dann schon mal die Traummaße eines Models zur "Masse" oder ein schönes Spiel des KFC zum "Gaumenschmauß".

Zimmermann, Heinz: Wenn die Schildkröte dreimal röchelt . . . Stilblüten und sonstige Fehlleistungen 1999. Zeitungsgruppe Lahn-Dill, 31. 12. 1999

Etwas verwirrt war wohl auch der Schöpfer folgender Schlagzeile: "Mit schwarzem T-Shirt maskiert: Nackter Sittenstrolch schockierte 24jährige". Der kundige Leser wird zwar über den wirklichen Aufzug dieses Herrn weiter rätseln, aber immerhin ersieht er an der Altersangabe, dass besagter Artikel vor dem Inkrafttreten der mit Recht so beliebten Rechtschreibreform erschienen ist. [. . .] Die bange Frage, ob die uns so dominierende Technik in der Neujahrsnacht ihren Dienst versagt, hat auch viele Abkassierer auf den Plan gerufen. Einer bot seine Dienste so an: "Das Jahr 2000 kommt!!! Sämtliche PC-Systeme stürtzen ab!!!" Selbst nach der Rechtschreibreform scheint bei diesem Unternehmen größte Vorsicht geboten.

30. 12. 1999

lhe: Schulbuch-Etat wird nicht gekürzt. Wolff: Eltern sollen sich bei Spezial-Lektüre beteiligen. Mannheimer Morgen, 30. 12. 1999, Hessen

Hessens Schüler lernen aus teilweise veralteten Büchern. "Manche sind zehn Jahre und älter, dadurch kommt es natürlich gelegentlich zu überholten Inhalten — von der Anpassung an die Rechtschreibreform ganz zu schweigen", sagte Hessens Kultusministerin Karin Wolff (CDU) gestern.

Seibold, Friedrich: Morgen: Die Zwei vorne dran und drei Nullen dahinter. Am Tag vor der Jahrtausendwende macht sich Friedrich Seibold, Birkmannsweilers früherer Bürgermeister, seinen Reim auf die Jahrtausendwende. ZVW-Online (Waiblinger Kreiszeitung), 30. 12. 1999, Aus der Region

Gewandelt sind Werte und Sprache enorm / vom Minnesang bis zur Rechtschreibreform.

29. 12. 1999

Cuny, Daniel: Helmut Kohl — der Exkanzler. Basler Zeitung, 29. 12. 1999, Briefe (neu 19. 11. 00)

Manche haben inzwischen vergessen, wem die Bescherung zu verdanken ist. Jawohl! Die Reform trägt einen Namen: Helmut Kohl. Niemand anders hätte so etwas veranlassen können.

Fischer, Lutz: In Frankfurt und der Welt wird es am helllichten Mittag zappenduster. [. . .] Die Jahreschronik, Teil II. Frankfurter Rundschau, 29. 12. 1999

1. August: Dass man daß nun anders schreiben muss, sehen die FR-Leser jetzt jeden Tag. Die neue Rechtschreibung hält in den Zeitungen Einzug. Das klappt im Allgemeinen, auch wenn mancher das ziemlich gräulich findet. Einige Leser halten das für reinen Stuss und schauen gelegentlich belämmert, weil sie im Unklaren sind, ob irritierende Worte nun falsch oder neu geschrieben sind.

Chiari, Margarita: Durchstarter, Dauerbrenner und einige Sternschnuppen. Die Produkte des Jahres 1999 hatten eines gemeinsam: den schnellen Erfolg — oder den schnellen Absturz. Der Tagesspiegel, 29. 12. 1999, Wirtschaft

Duden: Schifffahrt mit drei "f", den Blumenstängel mit "ä" — der Duden-Verleger F.A. Brockhaus AG konnte in diesem Jahr endlich aufatmen. Nachdem zum 1. August die meisten Tageszeitungen und Magazine auf die neue Rechtschreibung umstellten, scheint der Damm endgültig gebrochen. Das Standardwerk Duden schnellte wieder auf die Bestsellerlisten.

28. 12. 1999

Seidel, Robert: Kulturzentrum des Kurfürsten. "Lebenslust und Frömmigkeit": Schau über Mannheims glanzvolle Zeit unter Regent Carl Theodor. Darmstädter Echo, 28. 12. 1999, Kultur

Neben berühmten Gästen wie Schiller und Mozart oder lokalen Lichtfiguren wie dem Theaterintendanten Dalberg, dem Instrumentalmusikdirektor Stamitz und dem Hofbildhauer Verschaffelt finden sich bei genauem Hinsehen auch unbekanntere, des Entdeckens werte Vertreter des regionalen Kulturlebens, so Johann Jakob Hemmer, der eine Rechtschreibreform für die Pfalz einleitete, ohne dadurch freilich seinen Landsleuten ihre "singende Mundart" abgewöhnen zu können.

Danneberg, Jochen: Ministerin lobt Nachwuchs-Redakteure. Der "Schnüffler", die Schülerzeitung der Realschule, ist top in Bayern: Vierter Platz erreicht. Mittelbayerische Zeitung, (28. 12. 1999), Lokales

"Die Texte", loben die Beamten der Ministerin, "sind altersgerecht verfasst sowie im Großen und Ganzen stilistisch gelungen." Offenbar ebenfalls sehr wichtig war ihnen, wie sollte es anders sein bei einem Preis der Kultusministerin, die Rechtschreibung. Die sei in Ordnung, "die Rechtschreibreform wurde beachtet."

22. 12. 1999

Glück, Helmut: EisenBahnRechtSchreibung. Sprach Spiele. Die Welt, 22. 12. 1999, nr. 299, s. 34, Feuilleton

Die Deutsche Bahn AG hat ein Herz für MitMenschen, die das Lesen langer Wörter anstrengt. Deshalb schreibt GroßBuchStaben, wenn ein neuer WortBestandTeil anfängt.

21. 12. 1999

Liebs, Altrud: Haartrockner als Bettwärmer. Hundert Jahre eines Elektrogeräts mit windigem Namen / Immer stärker und immer leichter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 12. 1999, nr. 297, s. T 2, Technik und Motor

Bis zur jüngsten Rechtschreibreform unterschied der Duden zwischen dem namensgeschützten Elektropuster ohne h und dem Alpenwind mit h. Jetzt aber gilt die Schreibweise Föhn auch für jeglichen Kunstwindapparat.

Meier, Bernd: "Rächtschreibung" nun vor Gericht. Wenig Chancen für Gegner der Reform. Weser-Kurier, nordwest.net, 21. 12. 1999, Bremen

Der Staatsgerichtshof deutet unmissverständlich an, dass der Antrag der Reformgegner auf Zulassung eines Volksbegehrens kaum Aussicht auf Erfolg hat.

Krause, Gerhard: Rechtschreibreform macht vor Straßennamen nicht Halt. Neue Schreibweise auf Straßenschildern die Ausnahme: In Dokumenten bei Neuausstellung. Kurier online, 21. 12. 1999, Kurier-Schlagzeilen, Chronik

Die Wiener Straßennamen werden in Hinkunft nach den Regeln der Rechtschreibreform gestaltet.

16. 12. 1999

maj: Praktikum für Storys von A bis Z. 4. Nachwuchsjournalisten-Wettbewerb "Recycle '99" mit attraktiven Preisen. Leipziger Volkszeitung Online, 16. 12. 1999, Meldungen aus der Region Delitzsch/Eilenburg

Gefragt ist eine Geschichte mit 26 Sätzen, die mit A wie Ameisenbär beginnen könnte und mit Z wie Zuckerwatte die Pointe setzen darf. Dazwischen sollte jeder Satz mit einem anderen Buchstaben anfangen — und zwar in alphabetischer Reihenfolge. "Wir wollten nicht zu viele Vorgaben machen, sondern genügend Raum für Fantasie lassen", sagt Ellen Rößler von Stora Enso Sachsen. Das diesjährige Motto "Von A bis Z über einen alten Duden, der die Welt nicht mehr versteht" sei aus aktuellem Anlass der Rechtschreibreform und deren Folgen entstanden.

15. 12. 1999

red.: Kein Frieden vor Weihnachten im Wiener Landtag. Die Presse, 15. 12. 1999, Wien-Journal

Die letzte Sitzung des Gemeinderates am Freitag hat eine umfangreichere Tagesordnung. Der Bogen reicht von der Einführung der neuen Rechtschreibung auf Verkehrszeichen und in Personal-Dokumenten (nur bei Neuausstellung) bis zu den Subventionen der Stadt Wien.

13. 12. 1999

Winterberg, Klaus: Viel Platz zwischen Kohl und Schröder. Kabarettist Richard Rogler alias Camphausen in der Festhalle Opladen. Kölner Stadtanzeiger, 13. 12. 1999, Leverkusen

Dazwischen bleibt noch reichlich Platz für Kohl und Schröder, Fischer und Merkel, Rechtschreibreform, Rentenreform, die Grünen und die Medien.

HH: Mein Wochenende. Mainpost, 13. 12. 1999, Schweinfurt

Ein anderer [. . .] teilt erfreut mit, seine zunächst angekündigte Boykott-Haltung aufgegeben zu haben, wenngleich mitunter hin- und hergerissen zu sein. Wenn "Quäntchen" Glück — weil angelehnt ans Quantum — oder Stängel (wegen Stange) und das "ä" beim Verbläuen ihm auch einleuchten, Letzteres der Farbe der Flecken wegen, sei ihm dennoch längst nicht alles klar: Warum es beispielsweise jetzt Biografie und Delfin heißt, man aber an der Philosophie fest hält, man der Roh- oder Zähheit ein "h" dazu gab, nicht aber der Hoheit.

wk: Aufreisser. Rheinpfalz online, 13. 12. 1999, Kultur, kommentar

Gerade noch schlagen wir uns mit der Machete der Verzweiflung durch das Dickicht der Rechtschreibreform, da schließen sich die Ranken des Sprachdschungels neuerlich um uns. Milenium, Millenium, Milennium, Millennium?

Geldner, Andreas: Arbeit für Gerichte. Rechtschreibreform ohne Ende. Stuttgarter Zeitung, 13. 12. 1999, 55. jg., nr. 288, s. 3, Die dritte Seite

Bewundern wir einfach unvoreingenommen die Hartleibigkeit der Anhänger der alten Orthografie. Niederlagen gibt es für sie nicht, wo es um die recht geschriebene Sache geht.

Unterstöger, Hermann: Stück vom Och’s. Lesezirkel. Süddeutsche Zeitung, 13. 12. 1999, 55. jg., nr. 288, s. 18, Feuilleton

Die Sache stellt sich mittlerweile so dar, als ob falsch gesetzte Apostrophe zu einem echten Volk’ssport würden.

11. 12. 1999

gel: Karlsruhe erklärt sich für nicht zuständig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11. 12. 1999, nr. 289, s. 41, Politik

Die Verfassungsrichter befanden, Karlsruhe könne den Streit um die Einführung der neuen Rechtschreibregeln in Schleswig-Holstein nicht entscheiden, weil es dabei um Fragen gehe, für die das Bundesverfassungsgericht nicht zuständig sei.

Neue Niederlage für Gegner der Schreibreform. Frankfurter Neue Presse, 11. 12. 1999, Nachrichten

Die Gegner der Rechtschreibreform sind vor Gericht erneut gescheitert.

ap: Rechtschreibung: Gegner der Reform erneut gescheitert. Frankfurter Rundschau, 11. 12. 1999, Nachrichten Inland

Das Bundesverfassungsgericht (BVG) nahm die Klage dreier Schüler aus Schleswig-Holstein gegen die Einführung des Reformwerks auch im nördlichsten Bundesland nicht zur Entscheidung an.

kek: Hürden zur Verfassungs-Klage. Darum scheiterte eine Beschwerde gegen die Rechtschreibreform. Hamburger Abendblatt, 11. 12. 1999, Norddeutschland

Da Schleswig-Holstein das einzige Bundesland ist, das kein Landesverfassungsgericht hat, wandte der Vater sich direkt an das BVG in Karlsruhe. [. . .] Nach der Landesverfassung sei der Rechtsweg einer Landesverfassungsbeschwerde nicht vorgesehen, erklärte die Sprecherin des Bundesverfassungsgerichtes, Uta Fölster. [. . .] Die Klage muss den normalen Instanzenweg gehen, entweder über Amtsgericht, Landgericht und Oberlandesgericht oder über eine Fachgerichtsbarkeit wie Verwaltungsgericht, Oberverwaltungsgericht, Bundesverwaltungsgericht. Diese Gerichte können Entscheidungen dem Bundesverfassungsgericht vorlegen, wenn sie der Ansicht sind, ein Landesgesetz verstoße gegen die Verfassung.

do: Kein Rechtsweg gegen Rechtschreibreform. Stuttgarter Zeitung, 11. 12. 1999, Politik

Ein Jahr später hatte der Landtag die Einführung der neuen Regeln dennoch beschlossen und damit das Ergebnis des Volksentscheids missachtet. Drei Schüler hatten dagegen Verfassungsbeschwerde erhoben, weil dem Landtag die Kompetenz dazu gefehlt habe.

Neu gewinnt. taz Hamburg, 11. 12. 1999, nr. 6014, s. 23, Hamburg Aktuell

Die Karlsruher Richter erklärten sich in dieser Sache für unzuständig, weil die schleswig-holsteinische Verfassung ausschließe, das Bürger in Karlsruhe gegen die Vereinbarkeit von Landesrecht mit der Landesverfassung klagen.

Bauer, Joe: "Politiker sind langweilig wie Serientäter." Heute in der Liederhalle: Kabarettist Mathias Richling über Antworten und andere Fragen. Stuttgarter Nachrichten, 11. 12. 1999, Kultur

"Schon mal was von Rechtschreibreform gehört? [. . .] Es ist heute möglich, dass eine -> Verona Feldbusch mit ihrer Unsprache ins Fernsehen kommt — davon handelt 'Das @ntWort'."

10. 12. 1999

Seybold, Eberhard: Fortschritt. Frankfurter Neue Presse, 10. 12. 1999, Blick in die Welt

Man kann gegen die Rechtschreibreform sagen, was man will — gelegentlich bewahrt sie uns auch vor Fehlern. [. . .] Wenn wir [. . .] aus dem Gemüse das ü fortnehmen, dann entsteht eine Gemse. Dank der Rechtschreibreform ist das aber mittlerweile ein Wort, das es nicht mehr gibt.

9. 12. 1999

Enßlen, Bettina: Ist die "Große Kreisstadt" etwa nur noch eine kleine? Suche nach "Großer Kreisstadt" wurde zu einem kleinen Abenteuer. Heidenheimer Zeitung, 9. 12. 1999, Stadt Giengen

Was denn das überhaupt für eine ominöse Kommission sei, die eigenmächtig Große Kreisstädte abschafft? Ach so, die siehe Kommission, die die Rechtschreibreform ausgearbeitet hat, am siehe Institut für deutsche Sprache. "Große Kreisstädte" werden nach neuer Regelung kleingeschrieben.

efl: Speyer bekommt neue Lampen. Rheinpfalz online, 9. 12. 1999

Außer in der Altstadt sollen die alten Schilder überall nach und nach ausgetauscht werden. Die Frage von Roswitha Pitsch, ob sie der neuen Rechtschreibung genügten, konnte [Oberbürgermeister] Werner Schineller nichts abgewinnen: "Es handelt sich doch um Eigennamen." Es bleibt also zum Beispiel beim "Roßsprung".

Heithoff, Tom: Auf alt getrimmt. Rechtschreibreform an Berliner Unis: Professoren und Studenten schreiben, wie sie wollen. Der Tagesspiegel, 9. 12. 1999, nr. 16899, s. 40, Campus

"Überhaupt keine Probleme" sieht TU-Germanist Hans Dieter Zimmermann. Es sei sogar ein positiver Effekt zu bemerken, denn "da jetzt nicht mehr so genau feststeht, was richtig und was falsch ist, ist eine gewisse Toleranzbreite eingetreten." Das Landesprüfungsamt nämlich, das bei der Beurteilung von Staatsexamensarbeiten bisher immer mit einer "besonderen Pingeligkeit" auf die Jagd nach Rechtschreibfehlern ging, ist jetzt "etwas ruhiger und vorsichtiger" geworden. "Insofern ist gar kein Chaos eingetreten, sondern ein Gewinn an Toleranz."

8. 12. 1999

Kropf, Thomas: (Gedanken zur nun seit 4 monaten in den zeitungen angewandten neuen rechtschreibung.) Schweizer radio DRS 1, 8. 12. 1999, 13.30 uhr, sendung Rendez-vous

[Sinngemässe wiedergabe:] Ein aspekt wurde nie erwähnt: Wenn ich früher schiffahrt oder schifffracht schrieb, musste ich immer 1 oder 2 sekunden überlegen, ob 2 oder 3 f zu schreiben sind. Wie viele solche wörter gibt es wohl? Wenn man die anzahl mit der zahl des auftretens und der der schreiber multipliziert, kommen in einem jahr sehr viele sekunden zusammen. Diese sparen wir nun, woraus sich für die geschäftswelt ein standortvorteil der Schweiz ergibt. Allerdings haben Deutschland und Österreich den gleichen vorteil.

chb: Auch im Rathaus wird "daß" jetzt zu "dass". Aller-Zeitung, 8. 12. 1999, Lokales

Wesendorf. [. . .] Damit die Angestellten und Beamten wissen, ob "Beschlußempfehlung" oder "Ausschußsitzung" in Zukunft weiter mit "ß" oder doch mit "ss" geschrieben werden, hat die Realschullehrerin Edelgard Schmidt an drei Nachmittagen mit ihnen gebüffelt, Diktate geschrieben, Regeln abgefragt.

Richter, Ann Claire: Rechtschreibung orientiert sich an göttlicher Eingebung. "Boomtown Braunschweig" von Hartmut El Kurdi gibt es jetzt auch als Büchlein — Stück geht in die 3. Spielzeit. NewsClick, Braunschweiger Zeitungsverlag, 8. 12. 1999, News: Kultur

"Die Rechtschreibung und Zeichensetzung im vorliegenden Text orientiert sich an den Regeln der alten Rechtschreibung. Und der neuen. Und am Zufall. Und an der göttlichen Eingebung." Hartmut El Kurdi baut vor. Der Autor von "Boomtown Braunschweig" nimmt pingeligen Hütern der deutschen Sprache in seiner gedruckten "Büroballade in 3 Akten und 2 Ordner" offenherzig den Wind aus den Segeln.

Baltzer, Burkhard: Das Millennium — ein Irrtum? Die Welt ist doch überall voller Rätsel. Saarbrücker Zeitung, 8. 12. 1999, Themen des Tages

Denn auch auf die Rechtschreibregelwerke ist längst nicht mehr Verlass. [. . .] Zum Beispiel das Allerweltsdings dieser Tage "Millennium". Zwei "L" sind drinne in dem Wort, also müssen nach der "Tipp-Regel" auch zwei "N" rein. Oder? Gestern haben wir in Bertelsmanns "Deutscher Rechtschreibung" nachgeguckt und auf Seite 650 "Millenium" gefunden. Im Duden steht aber "Millennium". [. . .] Warum verwirrt man uns derart?

7. 12. 1999

Heinz, Kurt: Lesen und Schreiben als Lebensaufgabe. Geburtstag: Heinz Schönfeldt, ehemaliger Feuilletonchef unserer Zeitung, wird heute 70. Mannheimer Morgen, 7. 12. 1999, Kultur

In seinem neuen pfälzischen Domizil lässt ihn freilich auch der selbst gewählte Ruhestand nicht in Ruhe. Mit wachen Sinnen verfolgt er, was sich kulturell in und um Mannheim tut, bis hin zu der Auseinandersetzung um die Rechtschreibreform.

Blick nach Thüringen. Mainpost, 7. 12. 1999, Mellrichstadt

Wann jedoch die Rechtschreibreform endgültig in den Amtsstuben der Stadt Meiningen umgesetzt wird, sei noch nicht entschieden, heißt es aus dem Rathaus.

6. 12. 1999

Bauer, Maria: Virtuose Worte einer Literatur-Besessenen. Friederike Mayröcker las im Waschhaus. Berliner Morgenpost, 6. 12. 1999, Brandenburg

Friederike Mayröcker gehört neben ihrem Lebensgefährten Ernst Jandl, Elfriede Jelinek oder Ilse Aichinger zur österreichischen Interessengemeinschaft, die gegen die Anwendung der Rechtschreibreform auf literarische Texte in Schulbüchern kämpft.

Scholl, Roger: Vorpremiere für Weihnachtsmänner. Begegnungen mit den Bärtigen in der City / Wer ist der Echte? Mannheimer Morgen, 6. 12. 1999, Mannheim

Denn die beliebte Jahresendzeit-Figur mit dem langen weißen Bart, dem roten Mantel und dem dicken Bauch tritt neuerdings stets im Plural auf: Nikoläuse und Weihnachtsmänner (oder heißt das jetzt nach der Rechtschreibreform Weihnachtsleute?) feierten jedenfalls am Samstag eine Art "Vorpremiere", sie bevölkerten gleich säckeweise die Innenstadt.

EB/Perl: Terminkalender. Nordkurier-Online, 6. 12. 1999, Lokales Fenster Usedom

Die in Ahlbeck geplante Diskussionsrunde zur Rechtschreibreform musste sich einen anderen Veranstaltungsort suchen, weil die Gemeinde den Reform-Gegnern keinen Raum zur Verfügung stellen wollte.

4. 12. 1999

Freies Forum: «Kleinschreibung generell -- muss das sein?» www.seniorweb.ch, Pinwand, 4. 12. 1999

Kurt Kirchweiher (kkirch@swissonline.ch): Seit einiger Zeit stelle ich fest, dass die Unsitte der generellen Kleinschreibung auch bei den Senioren Einzug hält. — Hans Moser (hamoser@access.ch), 8. 12. 1999: Seit 1924 gibt es den «Bund für vereinfachte rechtschreibung». Im internet findet man ihn unter www.sprache.org. [. . .] Mir scheint wesentlich, dass man zwei fehler vermeidet: Der eine besteht darin, dass man aus der rechtschreibung eine glaubensfrage macht, und der andere, dass man menschen, die mühe mit der rechtschreibung haben, als dumm betrachtet.

Wilsdorf, Sandra: Schifffahrt ist kein Geschäft. Die Nachfrage nach Seminaren zur Rechtschreibreform hält sich in Grenzen. Die einen wissen es längst, den anderen ist es egal. taz Hamburg, 4. 12. 1999, nr. 6008, s. 27, Spezial

Immerhin: Auch wenn die neuen Regeln noch nicht sehr viele Menschen bewegen, so haben sie doch ihr Gutes: "Für Leute, die vorher Schwächen in der Rechtschreibung hatten, ist die Reform ungeheur entlastend. Denn sie sind jetzt nicht mehr die einzigen, die damit Schwierigkeiten haben", sagt Almut Schladebach [Hamburger Volkshochschule].

3. 12. 1999

Thiele, André: Einführung in das Werk des Dichters Ronald M. Schernikau (1960 bis 1991). Zweiter Teil. junge Welt, 3. 12. 1999, Feuilleton

Die vom Dichter verfochtene radikale Kleinschreibung wirkt manieriert modern und ist auf Dauer schwer zu lesen.

2. 12. 1999

EB/uq: Rechtschreibreform ist Gesprächsthema. Nordkurier-Online, 2. 12. 1999, Lokales Fenster Usedom

Stop oder stopp? Auch diese Frage soll am 8. Dezember bei einer Diskussionsrunde über die Rechtschreibreform beantwortet werden. Kompetenter Gesprächspartner ist Karl-Heinz Requard von der Bürgerinitiative "Wir stoppen die Rechtschreibreform". Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Ahlbecker Gemeindesaal.

Siehe stichwort stopp.

1. 12. 1999

Kirchschlager, Bernd: Schlachtfeld zerplatzter Träume. Albert Ostermaier entwickelt im neuen Gedichtband "Heartcore" seinen Stil weiter. Augsburger Allgemeine, 1. 12. 1999, Landsberg

Albert Ostermaier hat, obwohl erst 32 Jahre alt, schon lange seinen eigenen Stil gefunden, den er mit seinem neuesten Werk konsequent weiterentwickelt. So hat er auch seine private Rechtschreibreform eingeführt, die sich beileibe nicht nur im Weglassen des ß erschöpft. Er hat die Großschreibung generell abgeschafft und sogar die Satzzeichen ausgemerzt.

Miserable Testergebnisse — IHK fürchtet Bildungs-Gau. Frankfurter Neue Presse, 1. 12. 1999, Wetteraukreis

= »Ausgaben für Bildung reichen nicht aus, um für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.« Langzeitstudie der IHK zeigt Defizite beim Rechnen und bei der Rechtschreibung. Main-Echo, 25. 11. 1999

Christiansen, U. W., und Krauel, Torsten: Rechtschreibreform: Soll sie wirklich bleiben? Leser schreiben — die Zeitung antwortet. Die Welt, 1. 12. 1999, nr. 281, s. 9, Forum

Nicht alle bislang zusammen geschriebenen Begriffe werden durch Trennung in ihrem Bedeutungsgehalt verändert. Viele von ihnen wirkten in der alten Schreibweise ebenfalls verwirrend. Aber Bedeutungswandlungen treten häufig genug auf, um uns wichtiger sprachlicher Feinheiten zu berauben.

Commerz. Dolomiten, 1. 12. 1999, Wirtschaft

In diesen Tagen schreiben viele über Weihnachten, über Weihnachtsmärkte, Weihnachtsgänse, Weihnachtsangebote, also schreiben sie über Kommerz. [. . .] Vielleicht hilft ja eine Miniatur-Rechtschreibreform. "Commerz" mit dem edlen C klingt noch würdevoll nach Handel und Wandel.

30. 11. 1999

dfs: Aus dem Reichstag. Die Welt, 30. 11. 1999, Politik, Hauptstadt

Jürgen Möllemann surft gerne auf "arab.net" und - auf "schalke04.de". [. . .] Sein Parteifreund Guido Westerwelle klickt sich auf "duden.bifab.de" — "weil ich hier einen Crashkurs in neuer Rechtschreibung machen kann".

29. 11. 1999

Stocker, Peter: «Orthographische Schwulität» gestern und heute. Gottfried Keller und die Orthographie-Reform. Neue Zürcher Zeitung, 29. 11. 1999, nr. 278, s. 31, Feuilleton

Wer beruflich schreibt, ist von der Einführung der neuen Orthographie besonders betroffen. Das ist, wie Gottfried Kellers Werk zeigt, nicht neu. Als junger Schriftsteller hatte er sich mit einer uneinheitlichen und teilweise ungeregelten Orthographie abzufinden gewusst. 1880 brachten das preussische Regelbuch und der erste Duden Ordnung in die Rechtschreibung. Der alte Keller lernte um und sah sich noch einmal auf der Seite des Fortschritts stehen. Dies illustrieren Auszüge aus Kellers Briefwechsel mit Verlegern und Freunden — wiedergegeben in originaler Orthographie.

Graber, Dieter A.: siehe Gerhardt und die Kunst des Leidens. Frankfurter Neue Presse, 29. 11. 1999, Lokales

Trotz ist neben der ihm nachgesagten Konturlosigkeit die wichtigste Eigenschaft des Hunde- und Klavierkonzertliebhabers Wolfgang Gerhardt aus Helpershain im Vogelsberg. Und das Fordern seine größte Tugend: Mehr Mut zu Reformen forderte er 1997 von der Union, die Erhöhung der Mehrwertsteuer (1996), den Stopp der Rechtschreibreform vom Bundestag (1997), die Abschaffung des Solidaritätszuschlags ("mehr Netto für alle", 1998), die Freigabe der Ladenöffnungszeiten auch an Sonntagen und in der Nacht (1995).

Voges, Ernst: Kinder der Vorklassen gestalten einen Kalender fürs Jahr 2000. Frankfurter Neue Presse, Taunus-Zeitung, 29. 11 .1999, Lokales

Die Bibliothek umfasst derzeit etwa 270 Bücher und wird demnächst durch eine Elternspende auf 500 Exemplare aufgestockt. [. . .] Die Bücher sind übrigens alle nach der neuen Rechtschreibung gedruckt, "ansonsten würde das doch die Kinder später nur noch zusätzlich verwirren", meint die erfahrene Pädagogin.

28. 11. 1999

Keller, Walter: Sprachlicher Terrorismus. «Die Cleverness von Hingis», Sonntags-Zeitung vom 21. November. Sonntags-Zeitung, 28. 11. 1999, 13. jg., nr. 48, s. 39, Leserbriefe

Vom kritiklosen Nachbeten der «Sprachreform» durch die Sonntags-Zeitung bin ich ja schon einigermassen abgehärtet. «Aufwändig» verwenden Sie in jeder Ausgabe mindestens drei Mal. Über «hier zu Lande» mag ich schon gar keine Worte mehr verlieren; ich werde versuchen, mich in den Ferien dort zu Wasser davon zu erholen.

26. 11. 1999

dpa: Volksentscheid darf aufgehoben werden. Berliner Morgenpost, 26. 11. 1999, Politik

Die neue Rechtschreibung ist auch für Schleswig-Holstein gerichtlich abgesichert worden.

ubi: Gericht: Landtag durfte Volksentscheid zur Rechtschreibung kippen. Hamburger Abendblatt, 26. 11. 1999, Norddeutschland

Die Verfassung regelt nicht, wie lange ein Volksentscheid gilt.

höv: Landtag durfte Volksentscheid kippen. Gericht lehnt Antrag eines Elternpaares ab. Kieler Nachrichten, 26. 11. 1999, Schleswig-Holstein, Kiel

Nach Auffassung des Gerichts ist das Kultusministerium auch berechtigt, die Rechtschreibregeln für den Unterricht in den Schulen per Erlass vorzuschreiben. "Grundrechte von Eltern und Schülern werden durch die Neuregelungen nicht verletzt."

Heine, Matthias: Die Lücke in der Sprache. Die Welt, 26. 11. 1999, nr. 277, s. 32, Berlin Feuilleton, Glosse

In Kreuzberg hängen noch die Plakate der Rechtschreibreform-Gegner: "Gegen Machtmissbrauch und Zerstörung der deutschen Sprache."

25. 11. 1999

Wunder, Dieter: Weltfremd & zaghaft. Anmerkungen zum Kommissionsbericht Lehrerbildung. Frankfurter Rundschau, 25. 11. 1999, Schule/Bildung

Zur Weltfremdheit der Kommission passt nicht nur die Rechtschreibung von gestern (daß, nicht dass), sondern vor allem die merkwürdige Tatsache, dass ein eigenständiges Kapitel zur Aufgabenbestimmung von Schule fehlt, diese nur indirekt über die Definition des Lehrerberufs geleistet wird.

»Ausgaben für Bildung reichen nicht aus, um für den Arbeitsmarkt zu qualifizieren.« Langzeitstudie der IHK zeigt Defizite beim Rechnen und bei der Rechtschreibung. Main-Echo, 25. 11. 1999, Hanau/Offenbach

»Die deutliche Verschlechterung gegenüber den Vorjahren lässt sich mitnichten durch die erst kürzlich eingeführte Rechtschreibreform erklären«, analysiert Andreas Kunz, Leiter der Abteilung Berufliche Bildung bei der IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern. [. . .] Kunz befürchtet daher, dass die angeblich einfacheren Rechtschreibregelungen auf absehbare Zeit keine Besserung bringen werden. Das Lernen werde in der Schule offensichtlich vernachlässigt.

Geiselhart, Brigitte: Schloßkirche oder Schlosskirche? Eine Häfler Kirchengemeinde und ihr Kreuz mit der neuen Rechtschreibung — "ss" oder "ß"? Südkurier, 25. 11. 1999, Friedrichshafen

Besonders das Problem mit dem scharfen "ß" oder dem doppelten "ss" ist eine Sache für sich. [. . .] Das diesjährige Weihnachtsoratorium wird in der Schlosskirche aufgeführt. Jedenfalls steht es so auf dem Werbeplakat. Der dazu passende Handzettel meint jedoch, die Aufführung sei in der Schloßkirche. Wo nun also? Ein paar Schritte weiter muss der erstaunte Betrachter am Briefkasten feststellen, dass die Schloßverwaltung in der Schlosstraße 1-6 ihren Sitz hat. Daneben steht das städtische Straßenschild und zeigt auf die "Schlossstraße", die man nach der neuen Rechtschreibung eigentlich "Schlossstraße", also mit drei "s" schreiben müsste.

24. 11. 1999

rai: Unheimlich mächtig. Das Bundesverfassungsgericht hat oft das letzte Wort. Stuttgarter Nachrichten, 24. 11. 1999, Landesnachrichten

"Das Bundesverfassungsgericht", urteilt ein Kenner kurz und trocken, "hat in vielen Fragen des privaten, gesellschaftlichen und staatlichen Lebens in Deutschland das letzte Wort." Ob über Legehennen, Rechtschreibreform oder Länderfinanzausgleich gestritten wird — Karlsruhe ist die letzte Instanz.

23. 11. 1999

Mit Bücher-Schnäppchen Spendenkasse für »Terre des hommes« reich gefüllt. Flohmarkt mit stolzem Ergebnis — Fast 30000 Bände lockten in die TVA-Halle. Main-Echo, 23. 11. 1999, Stadt Aschaffenburg

Als eiserner Ladenhüter erwies sich ein alter Rechtschreib-Duden. Nach der Rechtschreibreform haben nur noch eingefleischte Nostalgiker Interesse an dem Werk und von denen war am Wochenende offensichtlich keiner in der TVA-Halle.

Baumer, Harald: Es ist ein Scholz geboren. Nürnberger Nachrichten, (23. 11. 1999), Lokales

Seit sich beim britischen Premierminister und seiner Frau Cherie der Storch angemeldet hat, ist Tony Blair beliebter denn je. [. . .] Verflixt, haben wir gedacht, was haben wir für einen schlauen Fuchs von Oberbürgermeister. Liest vor ein paar Tagen in der Zeitung beiläufig was über den Kollegen Blair und, schwuppsdiwupps (neue Rechtschreibung vermutlich: Schwupps di Wupps), ist's bei ihm auch schon so weit.

22. 11. 1999

Crefeld, Sven: Blicke auf Deutschland, seine Menschen und Bücher. "Blickwechsel" beim literarischen Herbst. Leipziger Volkszeitung Online, (22. 11. 99), Meldungen aus der Region Leipzig

[. . .] Podiumsdiskussion "In Deutschland leben — Für das Ausland berichten" [. . .] Der französische Star-Politologe [Alfred Grosser] empfahl in der Alten Nikolaischule [. . .] mehr Unbefangenheit und weniger Selbstverleugnung, zumal bei der eigenen Sprache. Grosser mokierte sich über Anglo-Kauderwelsch, etwa dass im Deutschen ständig "geoutet" werde. Und dann die Rechtschreibreform! "Niemals würde ich einen Buchstaben dreimal hintereinander schreiben ..."
Niemals? Und Sauerstoffflasche? Gab es da eine rechtschreibreform, die wir nicht mitbekommen haben?

Handwerksfrauen bleiben an Spitze. Vorstandschaft bestätigt. Südkurier, 22. 11. 1999, Friedrichshafen

Themen für nächstes Jahr werden ein Abend mit einem Innovations-Berater, die Rechtschreibreform und ein Seminar über Angebot und Auftrag und deren Nachbehandlung sein.

mm: Vorgeschmack auf die Fasnacht. Überzeugender Mix aus Sport und Spott beim Kameradschaftsabend des Turnvereins. Südkurier, 22. 11. 1999, St. Georgen

Die bei der Wahl gescheiterte "IGUB" war ebenso Thema wie die neue Rechtschreibreform in der Verwaltung oder der Blick in die Zukunft mit dem Innenstadttunnel von der Oberen Gerwig- bis in die Ackerstraße . . .

20. 11. 1999

siehe Meier, Christian: Zärtlichkeit für den Status quo. Reformnotwendigkeit, Reformstau: die Angst vor der Zukunft sitzt bei den Deutschen tief. Frankfurter Rundschau, 20. 11. 1999, Feuilleton

Die Republik, die an Baustellen, Neugründungen, Geschäftsaufgaben, Fusionen nur so strotzt, scheint politisch an ihren Status quo gefesselt zu sein. Und wenn eine Reform einmal wirklich eingeführt wird, wie die Neuregelung der Rechtschreibung, ist sie überwiegend schwachsinnig und wird sich am Ende nicht halten lassen.

Folz, Winfried: Vom lang anhaltenden Beifall des ganzen Hohen Hauses. Rheinpfalz online, 20. 11. 1999, Kommentar/Hintergrund

Am vergangenen Donnerstag durfte Gerhard Zeitler zum ersten Mal während seiner Dienstzeit über sich selbst schreiben. Der 62-jährige Leiter des stenografischen Dienstes im Mainzer Landtag [. . .] geht in den Ruhestand. [. . .] Und was hat Zeitler geärgert? Die Antwort kommt prompt: Die Rechtschreibreform. "Was ich davon halte, ist nicht druckreif."

Ickler, Theodor: Wann kommt die Reform der Reform? Vor einem Vierteljahr wurde die neue Rechtschreibung eingeführt — Eine Zwischenbilanz. Die Welt, 20. 11. 1999, Medien

Es ist spät geworden, aber noch nicht zu spät. Wer sich von der erzwungenen Scheinblüte der Reform in den Zeitungen nicht täuschen lässt, der weiß: eine Rücknahme der Reform ist möglich.

tws: Wirklich goltig, dieser Hotzenplotz. Aktuelle Kritik. Die Welt, regionalausgabe Hamburg, 20. 11. 1999, Hamburg

Eine Kiste mit "Golt" soll dem Räuber zum Verhängnis werden. Golt? So steht's jedenfalls auf der Kiste, die als Räuberfalle präpariert wurde. "Ätsch, neue Rechtschreibung", heißt es auf der Bühne. Aber die ABC-Schützen lassen sich natürlich nicht veräppeln.

19. 11. 1999

res: Die neue Rechtschreibung. Referat bei der Kolpingsfamilie – Diverse Schwierigkeiten. Der neue Tag, Oberpfalznetz, 19. 11. 1999

Kürzlich organisierte Ingrid Meier von der Kolpingsfamilie Bruck im Jugendheim einen Vortrag über die deutsche Rechtschreibreform, die im Juli in Kraft getreten ist.

Fischer, Gerhard: Trendmeldungen aus hiesigen Gefilden. Mainpost, 19. 11. 1999, Mellrichstadt

[. . .] fanden wir doch kürzlich folgendes auf dem Etikett: "Hergestellt in 97645 Ostheim/Röhn...". [. . .] Unsere Heimat ist die Rhön, mit dem h gleich hinter dem R, und nicht einmal die Rechtschreib-Reform wird daran je etwas ändern.
Je? Immerhin wurde auch einmal Westphalen zu Westfalen.

18. 11. 1999

Frischknecht, Martin: Too bad. Stadt-Blatt (Winterthur), 18. 11. 1999, s. 13

Wir sagen Trottoir statt Gehsteig, Necéssaire statt Kulturbeutel, Radio statt Rundfunk, und sträuben uns im Innersten, wenn die Herren über die neue Rechtschreibung zu Mannheim beschliessen, fortan sei «Portmonee» zu schreiben für etwas, von dem wir doch alle wissen, woher es kommt und wie man es dort richtig schreibt, «Portemonnaie» eben. Sprache transportiert eben auch Lebensgefühl.
Offensichtlich transportiert «Portemonnaie» mehr lebensgefühl als möbel oder militär, von denen wir auch wüssten, woher sie kommen (meuble, militaire).

sch/dob: Neue Rechtschreibung. Ihr Rechner regelt die Reform. Hamburger Morgenpost Online, 18. 11. 1999

Seit dem 1. August ist unsere Schrift in Unordnung. Die MOPO hat für Sie getestet, ob Rechtschreibhilfen für den Computer die verwirrende Reform leichter zu bewältigen helfen. [. . .] MOPO-Fazit: Perfekt sind die Programme nicht, aber sie nehmen viel Arbeit ab.

Becker, Michael: Gedruckte Segel der Fantasie. Hand- und Kopfarbeit: "Büchermacher"-Ausstellung im Germanischen Nationalmuseum Nürnberg. Nürnberger Nachrichten, (18. 11. 1999), Kultur

Die Erfindungen der Rechtschreibreform sind in diesem Fall garantiert deplatziert. Sprache ist hier kein bürokratischer Verwaltungsakt, sondern ein lebendiges Wesen mit allen widerborstigen Eigenheiten und kreativen Extravaganzen. Wer den orthografischen Unfug vergessen und in ein (typo-)grafisches Land der Wunder und der Fantasie eintauchen möchte, der hat dazu Gelegenheit in einer schönen Sonderschau des Germanischen Nationalmuseums Nürnberg (GNM).

dpa: Teilerfolg für Ärzte-Inititative. Ostsee-Zeitung, 18. 11. 1999, Politik regional

Eine zweite Volksinitiative "Wir stoppen die Rechtschreibreform" lehnte der Landtag ab.

red./no: Neuer Leiter für Wiens AHS. Die Presse, 18. 11. 1999, Wien-Journal

Der Wiener Landesschulinspektor Karl Blüml ist heute, Mittwoch, von Stadtschulratspräsident Kurt Scholz mit der Leitung der AHS-Abteilung in der Schulbehörde betraut worden. [. . .] Blüml ist Mitglied vieler internationaler pädagogischer und wissenschaftlicher Vereinigungen und war auch maßgeblich an den Arbeiten zur umstrittenen und schwer verständlichen Reform der deutschen Rechtschreibung in den Schulen beteiligt.

16. 11. 1999

hu.: Publikum sang "Hymne".Musik-Show-Band "Die Bauern" hatte Neuheiten parat. Allgemeine Zeitung, Rhein-Mainer, 16. 11. 1999, Nachrichten aus der Region

Die Musik-Show-Band "Die Bauern" hatte zur närrischen Eröffnung der Kampagne ins Vereinsheim eingeladen. [. . .] In der Mainzer Rechtschreibreform setzte sich Klaus Eifler mit Nachdruck für die neue "Meenzer Doppel-E-Partei" ein, während Otmar Kissel den "Schüchternen" mimte.

sch/dob: Neuschreib — kann das auch der PC erledigen? Berliner Kurier, BerlinOnline, 16. 11. 1999, Tips & Trends

Trenne nie "st", denn das tut ihm weh: Damit ist jetzt Schluss. Seit dem 1. August ist unsere Schrift in Unordnung. Wir haben getestet, ob elektronische Rechtschreibhilfen die verwirrende Reform automatisch abhaken können.

Verlosung. Berliner Kurier, BerlinOnline, 16. 11. 1999, Tips & Trends

Die Rechtschreibreform ist durchgesetzt, Pflicht. [. . .] Mit einem cleveren Programm können Sie in Ihrem Schriftverkehr der neuen Schreibweise zum Durchbruch verhelfen. "Rechtschreibung aktuell! 3.0" von Uwe Freund (29,95 Mark) [. . .] ändert das Geschriebene in die neue Rechtschreibung.

siehe Röd, Wolfgang: Richtig sprechen, klar denken. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 11. 1999, nr. 267, s. 11, Briefe an die Herausgeber

Der Nachlässigkeit im Reden und Schreiben wird durch die neue Schreibregelung, die uns aufgezwungen werden soll, Vorschub geleistet. Man hat Differenzierungsmöglichkeiten beseitigt und damit einen Verlust an sprachlicher Genauigkeit in Kauf genommen, zum Beispiel indem man die Unterscheidung von substantivischem und adverbialem Gebrauch durch Groß- und Kleinschreibung oder die Unterscheidung von wörtlichem und übertragenem Wortgebrauch durch Getrennt- und Zusammenschreibung beseitigte.

Gress, Rita: Verein weiter im Aufwind. Verein der Freunde des Gymnasiums zählt jetzt über 100 Mitglieder. Volksblatt Würzburg, 16. 11. 1999, Lohr

Florentine Kempf umriss die Aktivität für das kommende Jahr: Es ist ein Vortrag des Germanisten Dr. Stefan Krimm, zum Thema Rechtschreib-Reform geplant. Der ehemalige Lohrer Gymnasiast ist heute Leitender Ministerialrat am Kultusministerium und Beauftragter in Sachen Rechtschreib-Reform.

15. 11. 1999

Neander, Joachim: Das "N" des Jahrtausends. Glosse. Die Welt, 15. 11. 1999, nr. 267, s. 29, Feuilleton

Es war vorauszusehen, dass die Rechtschreibreformer mit ihren Schmetterlingsnetzen auf der Jagd nach regelbarem Wortgetier nicht überall hingelangen würden. So bleiben wir jetzt ratlos auf einem sozusagen Jahrtausendproblem sitzen: Schreibt sich Millen(n)ium nun mit einem oder mit zwei "n"?

12. 11. 1999

Express: 50 Hits fürs neue Jahrtausend. Noch 50 Tage bis zum Millennium. Express online, 12. 11. 1999, News

37) Ein "s" und ein "t" — denn Trennen (Rechtschreibreform!) tut ihnen bestimmt doch weh.

mb: Die neuen Rechtschreibregeln fallen oft schwer. Eine Umfrage der Südkurier-Redaktion über die Anwendung der neuen Regeln bei Radolfzeller Firmen und Schulen. Südkurier, 12. 11. 1999, Radolfzell

Auf dem Friedrich Hecker-Gymnasium hat man sich schon voll umgestellt. Aber Sekräterin Marlies Rist gibt zu: "Oft fällt es mir schwer nach der neuen Regelung zu schreiben."
Die Sekretärinnen des Friedrich-Hecker-Gymnasiums habens nicht leicht.

11. 11. 1999

dpa/sn: Modellversuch: Kostenlose Weiterbildungskurse für Eltern. Freie Presse online, (11. 11. 1999), Nachrichten aus Sachsen

Frauen oder Männer im Erziehungsurlaub sollen sich künftig in speziellen Kursen wei­ter­bilden können. [. . .] In den Kursen geht es unter anderem um die neue deutsche Rechtschreibung oder das Internet.

Dietschreit, Frank: Zorn altert, die Ironie nicht. Geburtstag: Hans Magnus Enzensberger wird heute 70. Mannheimer Morgen, 11. 11. 1999, Kultur

Obwohl der Büchner-Preisträger (1963) und Parteigänger der Studentenrebellion längst die aufmüpfige Kleinschreibung genauso wie die gesellschaftliche Revolution verworfen und sich mit der zähen Mittelmäßigkeit versöhnt hat, haftet dem ewig jugendlich wirkenden Autor noch heute das Klischee vom zornigen jungen Mann und Bürgerschreck an.

10. 11. 1999

Janisch, Wolfgang: Die roten Roben als Objekte der Begierde. 1000 wollen die Richter in Aktion sehen. Südwest Presse, 10. 11. 1999, Im Brennpunkt

Wenn "Karlsruhe" entscheidet, hat dies oft große Bedeutung für den Bürger: Die Familie wird steuerlich entlastet, die Rechtschreibreform für verfassungsgemäß erklärt.

Wer liest denn noch? Kleine online, Graz, 10. 11. 1999, (leserbriefe)

Peter Weber, Hausmannstätten: Und mit dem richtigen Modem kann ich meinem Computer schon jeden Text diktieren. Wozu also noch Rechtschreiben lernen? — Klara Jandl, Graz: Die Wichtigkeit der Rechtschreibung wird stark überschätzt.

9. 11. 1999

Scharvogel, Bernhard: "Rechthaber und Kaschperköpf." Kabarettistische Bestandsaufnahme des Durch-und-Durch-Franken Nützel. Fränkischer Tag, 9. 11. 1999, Stadt Bamberg

Auch die Rechtschreibreform sei in Franken schon fast verwirklicht, "weil mir scho seid Jahrhunderten die Sprach' vereinfacht ham".

ADN/EB: Land soll Bücher finanzieren. Vorstoß von der CDU. Nordkurier-Online, 9. 11. 1999, News Mecklenburg-Vorpommern

Die CDU hat die Landesregierung aufgefordert, Mittel für die Anschaffung neuer Schulbücher an den Schulen bereitzustellen. CDU-Generalsekretär Hubert Gehring begründete dies gestern in Schwerin unter anderem damit, dass angesichts der Rechtschreibreform alle Bücher auf den neuesten Stand gebracht werden müssten.

8. 11. 1999

Lüneberg, Bärbel: Literarisches Cafè: Der andere Rosegger. "Zum Verrücktwerden." Frankenpost, 8. 11. 1999, Kultur

Mitveranstalter Monsignore B. Schäffler vom katholischen Bildungswerk im Landkreis Wunsiedel merkte an, dass Rosegger als Erwachsener noch die Rechtschreibung lernen musste: "Wir können es ihm nachfühlen, dank der Rechtschreibreform."

(Knitz): Als ein Land denken. Stuttgarter Nachrichten, 8. 11. 1999, Stuttgart

Der Herr Landeswirtschaftsminister Walter Döring hat behauptet, wir Baden-Württemberger hätten einen Bindestrich im Kopf. [. . .] Nie im Ministerleben erwog er doch ernsthaft die von der Presse kolportierte Radikalfusion Badenwürttemberg, sprachlich angelehnt an Dreiviertelliterflasche oder Auspuffflamme. Der Landesstrich darf seinetwegen bleiben wie der Strich im Magen-Darm-Katarrh oder den O-Beinen, die ja nun wirklich auf ewig getrennt sind.

6. 11. 1999

hwh.: Viele bunte Facetten. Gelungene Präsentation des Heimatjahrbuchs. Allgemeine Zeitung, Main-Rheiner, 6. 11. 1999

Redakteur Günter F. Hattemer sprach bei der Vorstellung des Buches von der Fähigkeit des Staunens, die wir uns in einer sich rasant entwickelnden Welt bewahrt haben, wovon ein Stück sich in dem neuen Jahrbuch widerspiegele. Er setzte sich auch mit der Rechtschreibreform auseinander. Den Wert unserer gesprochenen und geschriebenen Sprache gelte es zu erhalten, rief Hattemer unter zustimmenden Beifall des Auditoriums aus.

bär.: Wörter entfalten dynamisches Eigenleben. Begegnung mit der österreichischen Avantgarde-Autorin Kathrin Röggla bei den Literaturtagen. Wiesbadener Tagblatt, Main-Rheiner, 6. 11. 1999

Konsequent demokratisch schreibt die 1971 in Salzburg geborene Autorin von "Niemand lacht rückwärts" (1995) und "Abrauschen" (1997) ihre Texte in Kleinschreibung. Kein Substantiv spielt sich vor den Adjektiven und Adverbien und den geliebten Hilfsverben in den Vordergrund.

Sagmeister, Günter: Hermann als Sportlerin, Kartnig in Handschellen. Kleine online Graz, 6. 11. 1999, Sport

Bydlinski borgte sich den Pokal von Alexandra Meißnitzer ("Laut Rechtschreibreform schreibt's mich jetzt mit Doppel-S") [. . .]

5. 11. 1999

ef: "Heißer Herbst" bietet Kultur zum Nulltarif. Frankfurter Neue Presse, Taunus-Zeitung, 5. 11. 1999

Ein Leckerbissen für die Liebhaber der Satire wird am Dienstag, 16. November um 20 Uhr in der IG Bau-Bildungsstätte geboten [. . .]. Dabei soll der Kasernenalltag ebenso unter die Lupe genommen und persifliert werden wie wütende Leserbriefe zum Thema "Rechtschreibreform".

4. 11. 1999

dpa: Rechtschreibreform: Protest bleibt erfolglos. Aufwand für eine Rückkehr zu den alten Regeln sei zu groß. Schweriner Volkszeitung online, 4. 11. 1999, Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Der Bildungsausschuss beschloss gestern einstimmig, dem Parlament eine Ablehnung der Volksinitiative "Wir stoppen die Rechtschreibreform" zu empfehlen.

Penning, Lars: Irrwege und Irrfahrten im wilden Osten. Filmstarts a la carte. taz Berlin, 4. 11. 1999, nr. 5982, s. 26, Kommentar

Mittlerweile hat es sich längst herausgestellt: Das einzige, was West- und Ostdeutsche heute miteinander verbindet, ist die glorreiche Rechtschreibreform. Weshalb auch niemand mehr so gern an jenes Ereignis erinnert wird, das sich nun zum zehnten Mal jährt: der Fall der Mauer.

3. 11. 1999

dpa: Ausschuss empfahl Beibehaltung der neuen Rechtschreibung. Ostsee-Zeitung, 3. 11. 1999, Politik regional

Der Landtag wird sich voraussichtlich in seiner Novembersitzung für die Beibehaltung der Rechtschreibreform entscheiden.

mg: Kein Nachwuchs: Aus für Tanzgruppe. Dorn-Dürkheimer Landfrauen zogen Bilanz / Jubiläum als Höhepunkt / Bündel von Angeboten. Wormser Zeitung (Main-Rheiner), 3. 11. 1999, Nachrichten aus der Region

Die Anwesenden regten für die Winterarbeit einen Vortrag über die Rechtschreibreform, den Besuch einer Goldschmiedewerkstatt, eine Anleitung zur Dorferneuerung und einen Leseabend mit der Mundartdichterin Mechthild Allebrand an.

1. 11. 1999

Papst, Manfred: Gräuliche Quäntchen. Deutsch schriftlich. Neue Zürcher Zeitung, 1. 11. 1999, nr. 254, s. 28, Feuilleton

Es ist ja nicht so, dass wir nur auf Gelegenheiten lauerten, an der Rechtschreibreform herumzunörgeln. Im Gegenteil: Wir geben uns alle Mühe, einen guten Faden an ihr zu finden. [. . .] Tatsache ist jedoch: Die Reform hat sich zum Ziel gesetzt, den Flickenteppich übersichtlicher zu gestalten, und das ist ihr nicht gelungen. Sie setzt kein System, sondern kompliziert die bestehende Kasuistik mit einem bunten Gemisch inkonsequent angewandter Kriterien.

11. 1999

Möcker, Hermann: Geschoss. Der Sprachdienst, 11. 1999, jg. 43, s. 245, Aussprache

Hätte man die jetzige ß/ss-Schreibung bereits 1901 nach österreichischem Vorbild eingeführt, wäre es vermutlich nie zu dem phonetischen Chaos gekommen, von dem wir jetzt betroffen sind.

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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR), Rolf Landolt