Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

Aus der presse

Nachgeführt 30. 5. 2000

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29. 4. 2000

Ermert, Kathrin: Der Deutsche Didacta Verband in Darmstadt. Interessensvertreter für Schulmöbelproduzenten, Malkasten- und Softwarehersteller. Darmstädter Echo, 29. 4. 2000, Lokales

Nur selten, wie bei der Rechtschreibreform, geht der Verband mit seiner Meinung an die Öffentlichkeit. Die Motivation war in dem Fall wirtschaftlicher Natur: Ein Scheitern der Reform hätte hohe Verluste für einige Verbandsmitglieder bedeutet.

Volger, G.: „Fachwissen von A-Z." Der Immobilien-Buchtipp. Süddeutsche Zeitung, 29. 4. 2000, s. V2/17, Immobilien

Erwin Sailer: Immobilien Fachwissen von A-Z, Das alphabetische Sach- und Fachwörterbuch für schnelle Antworten auf direkte Fragen. [. . .] Früher, in der Zeit vor der Rechtschreibreform, hätte man als Buchtitel „Immobilien-Fachwissen" gewählt.
Oder gar Immobilienfachwissen, früher oder heute. Das mit der rechtschreibreform ist ein dummer spruch; vielmehr zeigt das beispiel (einschliesslich eines vom rezensenten nicht bemerkten typografischen fehlers), wie die verlage mit der von ihnen angeblich so hoch gehaltenen einheitlichen rechtschreibung umgehen.

siehe Rock, Zé do: Ie’m Napoelien! Wunschdeutsche Vorschläge für eine Rechtschreibreform der englischen Sprache. Süddeutsche Zeitung, 29. 4. 2000, s. VII, Letzte Seite

Wegen der ortografie machen vile nicht-muttersprachis nich nur vile rechtshreibfelus, sondern auch jede menge aussprachefelus. Bis ins 16. jarhundert ging die englishe shriftsprache hand in hand mit der gesprochenen sprache. Dann wurde sie müde und rürte sich nich mer vom flek, so das ir die sprechsprache davon lif. Keine andre sprache hat so vile berühmte verfechtis einer rechtshreibreform: Benjamin Franklyn, Mark Twain, George Bernard Shaw sind nur die prominentesten namen.

WiJo: Schüler gegen Rechtschreibreform. Schüler diskutierten mit drei Parlamentariern von SPD und CDU über Rechtschreibreform — ohne sie zu überzeugen. taz Bremen, 29. 4. 2000, nr. 6130, s. 24, Bremen Aktuell

Drei Bildungspolitiker hatten sich zu dem von den Schülern angeregten Gespräch unter Ausschluss der Öffentlichkeit bereit erklärt: Ulrike Hövelmann (SPD), Thomas vom Bruch und Klaus Bürger (beide CDU) setzten sich mit den Schülern und VertreterInnen der Initiativen an einen Tisch.

27. 4. 2000

bi: Im Jahr 2000 der 20. Band. Das "Oettinger Land" feiert ein Jubiläum. Passauer Neue Presse, 27. 4. 2000, Lokalteil Altötting

Eine rege Diskussion entstand über die Frage, ob im "Oettinger Land" künftig die neue Rechtschreibung angewendet werden solle. Bei Zitaten aus historischen Werken wirke die neue Schreibweise unpassend, wurde kritisiert. Trotz mancher Bedenken beschloss man, die neue Rechtschreibung ab dem Jahre 2003 einzuführen.

Dillmann, Emil: Eugen Motschs gesammelte Worte: "Mer schwäddse wie ons de Schnawwel gewaggs esch." Das "St. Ingberter Wörterbuch" des Rohrbacher Autors in rheinfränkischer Mundart ist nicht nur für "Dengmerder" interessant — Jetzt gibt es wieder eine Neuauflage. Saarbrücker Zeitung, 27. 4. 2000, St. Ingbert

Mit der mundartlichen Rechtschreibung ist es nicht ganz so, wie mit den verbindlichen Rechtschreiberegeln der deutschen Hochsprache, die in ihrer jetzigen Neufassung allerdings keine große Begeisterung ausgelöst hat. Die aber akzeptiert und praktiziert wird, um nicht "ungebildet" zu sein.
Mit der kommasetzung ist es auch nicht ganz so.

26. 4. 2000

swz: Jungliberale: "Stop" künftig mit zwei "p". Rheinpfalz Online, 26. 4. 2000

Ein Angleichung der Straßenverkehrszeichen an die gültige neue Rechtschreibung haben die Jungen Liberalen (Juli) von Rheinland-Pfalz in Mainz gefordert.

K.W.: CDU-CDA gegen "Green Card". taz Bremen, 26. 4. 2000, nr. 6127, s. 21, Bremen Aktuell

Der CDU-Politiker (der die Rechtschreibreform offenbar ablehnt) beruft sich dafür auf die Stimmung in der Bevölkerung: "Für die große Mehrheit der Bevölkerung steht doch außer Frage, daß Ausländer, die dauerhaft in Deutschland leben wollen, die deutsche Sprache beherrschen und die Grundwerte der deutschen Gesellschaftsordnung anerkennen müssen."

"Kinder Lieda" aus Castrop. Westfälische Rundschau, 26. 4. 2000

"Kinder Lieda" ist nicht das Ergebnis der Rechtschreibreform, sondern der Titel einer neuen CD des Castroper Tonstudios "klang:art".

25. 4. 2000

String, Martin: Goethes Orthographie ist plötzlich progressiv. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. 4. 2000, nr. 96, s. 10, Briefe an die Herausgeber

Wenn die KMK jetzt nach der Aussage ihres Vorsitzenden „die professionell Schreibenden nicht vergessen" will, so wird sie vor allem die Meinung und mehr noch die Praxis der Schriftsteller berücksichtigen müssen.

EB/ast: Sporthallenname ist beschlossen. Schreibweise wird geprüft. Nordkurier-Online, 25. 4. 2000, Lokales Fenster Ueckermünde

Die neue Pasewalker Drei-Felder-Sporthalle wird den Namen Uecker-Sport-Halle erhalten. [. . .] Die Stadt will aber noch die richtige Schreibweise entsprechend der neuen Rechtschreibung klären lassen.

22. 4. 2000

Thurnher, Eugen: Wo bleibt die Logik? Rechtschreibreform und kein Ende. Dolomiten, 22. 4. 2000, Kultur

Aber leider bietet der neue Große Duden keine endgültige Klarheit. Die durchgeführten Reformen werden nicht deutlich erklärt und fachlich begründet, sondern teilweise wieder zurückgenommen, so dass ein völliges Durcheinander entsteht.

19. 4. 2000

Meifert, Jens: Grummeln im Bauch. Deutsche Rechtschreibung: Ein munteres Durcheinander hat sich etabliert. Kölnische Rundschau, rundschau-online, 19. 4. 2000, Kultur

Einzelne Gräueltaten sorgen noch immer für Missstimmung, aber in Angst versetzt die neue Rechtschreibung niemand mehr. Gut eineinhalb Jahre nach Einführung des umstrittenen Reformwerks hat sich ein munteres Durcheinander in der deutschen Sprache etabliert [. . .].

lö: Keine Angst vor Gruß und Kuss. Saarländische Lehrer verteilen überwiegend gute Noten für Rechtsschreibreform. Saarbrücker Zeitung, 19. 4. 2000, Saarlandseite

Und Alfred Metz, Schulleiter des Saarlouiser Robert-Schuman-Gymnasiums [. . .], freut sich darüber, "dass die meisten Schüler die neue Schreibweise bewältigen, nur ein Mädchen zeigte Schwächen bei den S-Lauten". Die neue Rechtschreibung ist nach seinen Ausführungen "zwar generell vereinfacht, aber noch nicht der große Wurf". Der Deutschlehrer regt daher eine weitere Vereinfachung durch allgemeinen Kleinschreibung an.
Vielleicht ist der korrektor für die gedruckte ausgabe noch tätig geworden; jedenfalls freut uns die anregung.

15. 4. 2000

Münstermann, Sabine: Schräge und spitzfindige Kabinettstückchen. Taunus-Zeitung (Frankfurter Neue Presse), 15. 4. 2000, Lokales

Bernd Gieseking belohnte die Besucher mit einem Kabarett der Extraklasse. [. . .] Sein Repertoire reichte von Erinnerungen an die 68er, über Rechtschreibreform und Spendenaffäre der CDU bis hin zu Sparpolitik (köstlich: Hans Eichels angeblicher Brief an den Künstler, der aus Sparmaßnahmen auf das "z" verzichtete).

Sprüche. Salzburger Nachrichten, 15. 4. 2000

"Das ist ja schon nach der neuen Rechtschreibung." "Pfundskerl" Ottfried Fischer nach der Lektüre eines in Kietzinesisch abgefassten Drohbriefs.

14. 4. 2000

Borowczyk, Ulrike: Kübelweise Häme. Messerscharfer Blick mit schnellem Strich, auch wenn die Realität an Satire manchmal schwer zu übertreffen ist: Die Cartoonfabrik zeigt «Gute Zeiten - Schlechte Zeiten: Cartoons zur Lage der Nation». Berliner Morgenpost, 14. 4. 2000, Feuilleton

Spendenaffäre, Ossi-Wessi-Animositäten, Rechtschreibreform, Zwangsarbeiterentschädigung oder Mahnmaldebatte sind das Salz in der Cartoonistensuppe.

12. 4. 2000

Michel, Karl Markus: Zur Sprache. Wer rächt sich an der Schreibreform? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 4. 2000, nr. 87, s. 56, Stil

Da solche Wortwitze selten geworden sind, fallen sie mehr auf als früher die Dutzendware aus Calau. Es ist übrigens anzunehmen, dass die angebliche [. . .] etymologische Herkunft des Wortes aus jenem Ort in der Niederlausitz es war, die den Kalauer in den neunziger Jahren im Westen hatte aufblühen lassen. Bemerkenswert bleibt hingegen, dass diese Blüte in der Zeit der Orthographie-Debatte stattfand, als den Deutschen eingeredet wurde, sie seien so blöde, sich ein paar Dutzend Regeln zu merken, weshalb sie ein paar Tausend Doppelschreibungen pauken sollten.

(Knitz): Die Alb unter Albdruck? Stuttgarter Nachrichten, 12. 4. 2000, Stuttgart

Dort treiben höchstens die Alben ihr Unwesen, also die zum Beispiel für Albdrücke und sonstige Beklemmungen zuständigen Nachtmahre. Ihr finsteres Tun verstärkte sich spürbar, als der Duden ihnen Albdrücke mit p, also Alpdrücke, unterjubelte; doch das hat die neue Rechtschreibung ja nun wieder in Ordnung gebracht.

Spannuth, Wiebke: In den Behörden muss noch gelernt werden. Die Welt, regionalausgabe Hamburg, 12. 4. 2000, Hansestadt Hamburg

Mit der neuen Rechtschreibung haben Hamburgs Behörden offensichtliche Schwierigkeiten. Manche, etwa die Sozialbehörde, hätten wohl gern das "ß" ganz abgeschafft: In einer internen Stellungnahme an den Eingabenausschuss der Bürgerschaft schreiben die Sachbearbeiter konsequent alles mit "ss" [. . .]. Rolf Polle findet das empörend. [. . .] Mit einer Kleinen Anfrage hat er sich daher an den Senat gewandt.

11. 4. 2000

ps: Kabarett mit dem "Perlentaucher". Taunus-Zeitung, Frankfurter Neue Presse, 11. 4. 2000, Lokales

"Der Perlentaucher" Bernd Gieseking [. . .] taucht ab in einen Fundus aus Texten, Szenen, Gedichten und Kuriositäten der vergangenen Jahre und holt echte Perlen an die Oberfläche - sei's die Rechtschreibreform, der Rinderwahnsinn oder ein Briefwechsel mit der AOK.

mit: Nicht einmal der Duden hält sich an alle Regeln. Die siehe Kommission für deutsche Rechtschreibung hat ihren zweiten Bericht vorgelegt. Die Presse, 11. 4. 2000, Kultur

Am Schluß des Berichts wird nochmals etwas trotzig darauf hingewiesen, daß die von der Kommission vorgeschlagenen Korrekturen unberücksichtigt geblieben sind. Man werde also die Vorschläge erneut prüfen - natürlich "unter Einbeziehung der Erfahrungen, die sich aus der Umsetzung der Neuregelung ergeben".

10. 4. 2000

mib: westerwelle oerli. Lippische Landes-Zeitung, (10. 4. 2000)

Mit klaren Worten warb Westerwelle dafür, dass die FDP bei der Landtagswahl die Grünen vom dritten Platz verdrängen muss [. . .]. Nicht die Rechtschreibung, sondern die Bildungspolitik müsse reformiert werden und ganz oben auf der politischen Tagesordnung stehen.

Marquardt, Susanne: Test mit Tupperware und Glühwürmchen. Mäc Härder im Show-Business. Volksblatt Würzburg, 10. 4. 2000, Schweinfurt-Land

Der fränkischen Sprache helfe, so der Kabarettist, keine Rechtschreibreform, sondern nur eine neue Rechtsprechung.

km: Galerie-Theater / Die "Stichlinge": Kohl & Co als dankbares Thema. Wolfsburger Allgemeine, (10. 4. 2000)

Die Blamage von Deutscher und Dresdner Bank, der Vatikan mit seiner doppelbödigen Moral, die Rechtschreibreform, Pannen bei der Deutschen Bahn, Verständigungsschwierigkeiten zwischen den Generationen - die Stichlinge ließen kein Thema aus.

9. 4. 2000

CDU mit Rechtschreib-Reform auf Kriegsfuß: "Tschüß". Westfälische Rundschau, 9. 4. 2000

Nicht nur mit Computern und Internet-Spezialisten scheint die CDU auf Kriegsfuß zu stehen, sondern auch mit der neuen Rechtschreibreform: Und "Tschüß" meint(e) die Union im Kreis Olpe auf den Plakaten zum Landtagswahlkampf und verabschiedete sich damit auch von den amtlichen Rechtschreibregeln.

8. 4. 2000

AP: Briefmarken-Block mit Schreibfehler. Berliner Morgenpost, 8. 4. 2000, Aus aller Welt

Die Initiative «Wir gegen die Rechtschreibreform» teilte gestern mit, der Fehler auf dem seit Januar verkauften Albert-Schweitzer-Block sei erst jetzt bemerkt worden.

ap: Briefmarken-Block mit Schreibfehler. Saarbrücker Zeitung, 8/9. 4. 2000, Blick in die Welt

AP: Post kann nicht richtig schreiben. Süddeutsche Zeitung, 8. 4. 2000, s. 16, Vermischtes

Statt "Dass . . ." heißt es auf dem Block: "Das jeder in der Lage, in der er sich befindet, darum ringt, wahres Menschentum am Menschen zu bestätigen: davon hängt die Zukunft der Menschheit ab."

7. 4. 2000

cf.: «Wandalismus»-Kampagne gegen ärgerliche Tags. Basler Zeitung, 7. 4. 2000, Baselland & Region

Auch nach der Rechtschreibreform schreibt man Wandalismus nicht mit W, sondern mit V. Der Klientel, die mit der Kampagne angesprochen werden soll, wird auch keinerlei Orthographieschwäche unterstellt. Die Vertauschung des grossen Buchstabens bei «Wandalismus» soll einzig darauf hinweisen, dass es sich hierbei um Vandalenakte handelt, die an Wänden stattfinden, [. . .]

siehe Guratzsch, Dankwart: Diese heuchlerischen Basisparteien. Die Welt, 7. 4. 2000, nr. 83, s. 10, Forum, Kommentar

In den Bundesländern, in denen Volksbegehren zugelassen sind, hat man dem Publikum erst vor Jahresfrist gezeigt: Gerichte, Parlamente und Regierungen können sie nach Belieben aushebeln oder bis zur Unkenntlichkeit verbiegen. Schlagendes Beispiel dafür war die Rechtschreibreform.

6. 4. 2000

Boll, Matthias: Wo die Wolfgangsee-Wellen wogen. "Im weissen Rössl" oder: Gesammeltes Schweigen über die Sache mit der verflixten Rechtschreibreform. Fürther Nachrichten, (6. 4. 2000), Kultur

"Im weißen Rößl", so und nicht anders steht es auch noch in allen betagten Operettenführern. Doch welche der drei folgenden Schreibweisen, mal ganz entspannt in die Runde gefragt, mag wohl anno 2000 die korrekte sein? "Weißes Rößl", "Weisses Rössl" oder etwa "Weißes Rössl"? [. . .] Die Marketing-Agentur AMC als Veranstalter des Fürther Singspiel-Musical-Unternehmens wirbt konsequent und allerorts mit dem Titel "Im weissen Rössl".

Breuer, Helmut: Wahlkampf-Plakate in NRW: Nicht viele, aber dafür böse. Die Welt, 6. 4. 2000, Deutschland

Landesweit wirbt dagegen die CDU mit einem riesigen, rot geschminkten Kussmund, der nach der neuen Rechtschreibung fehlerhaft "Tschüß" sagt und dem unsichtbaren Empfänger der Liebkosung bescheinigt: "30 Jahre SPD sind genug".

5. 4. 2000

Ebel, Martin: Vom Wachsen der Elefanten. Die 100 grössten Verlage. Basler Zeitung, 5. 4. 2000, nr. 81, s. 41, Feuilleton

Die Gruppe Bibliographisches Institut/Brockhaus, zu der auch der Duden-Verlag gehört, verzeichnete ein Umsatzplus von 18 Prozent (auf 146 Mio.), was sie immer noch der Rechtschreibreform verdankt.

Pochon, Christophe: Ein ermüdender Tangotanz. Lesung und BT-Lesezeichen: Werk von Ueli Zingg. Bieler Tagblatt, (5. 4. 2000), Kultur

Hoffentlich wird das Komma in einer weiteren Rechtschreibereform nicht wegrationalisiert. Ueli Zingg hat es getan.

4. 4. 2000

Irvine, Martha: In E-Mails gelten Rechtschreibung und Grammatik nichts. Salopper Umgangston verführt aber auch zu übergroßer Offenheit. Kölnische/Bonner Rundschau, rundschau-online, 4. 4. 2000, Wirtschaft

Andere, wie die 28-jährige Shonquis Moreno aus New York, die für eine Internetfirma arbeitet und jeden Tag rund 30 E-Mails beantwortet, lieben die Kleinbuchstaben. Das sei irgendwie intimer, nicht so verknöchert, sagt Moreno. Auch Tippfehler berichtigt sie kaum noch. "Ich glaube, man erkennt Tippfehler als Tippfehler und hält sie nicht für Rechtschreibfehler."
Unser vorschlag: Man hält sich an regeln, aber an siehe bessere!

3. 4. 2000

Sind Sie reingefallen? Die witzigsten, übelsten, glaubwürdigsten Aprilscherze in Berlin und dem Rest der Welt. B.Z. (Berlin), (3. 4. 2000), Vermischtes

Englisch ersetzt Deutsch als Unterrichtssprache in den Schulen. Darauf habe sich die Kultusministerkonferenz der Länder verständigt. Dadurch werde Deutsch zur ersten Fremdsprache, in der die Schüler wohl meist mit gut oder sehr gut abschneiden und so im internationalen Leistungsvergleich wieder im ersten Drittel landen, meldete die Initiative "Wir gegen Rechtschreibreform".

lin: "Man muss weniger anstreichen!" Ibbenbüren: Lehrer sehen Rechtschreibung gespalten. Westfälische Nachrichten, WN Online, 3. 4. 2000, Ibbenbüren

Noch ziehe das Lehrerkollegium nicht an einem Strang bei der Verwendung der neuen Schreibweisen. Ein Manko sei außerdem, dass die Mehrheit der verwendeten Bücher und Texte nach der alten Rechtschreibung gedruckt seien.

Magdans, Frank: Brontale Sprachattacke droht uns nun vom Planet Döner. Heute erscheint die Single der "Superchecker" Erkan und Stefan. Zeitungsgruppe Lahn-Dill, 3. 4. 2000

Als er ein Bonanza-Radl ergattern wollte, lernte er seinen mittlerweile besten Freund Stefan Lust kennen. [. . .] Stefan ist der schlacksige und ein wenig "brainigere" Gegenpart zum immer agilen Erkan. [. . .] Ihre Markenzeichen: feine Oberlippenbärtchen, Baseball-Caps und Sportanzüge mit drei Streifen . . . und neue Rechtschreibreform.
Letzteres ist auch ein markenzeichen der zeitung: schlacksig hat (noch) kein ck.

1. 4. 2000

Overhoff, Jürgen: Neue Tourismus-Idee: Gailbach bald Geilbach? OB Reiland fragt die Bürger der Stadt - Heute anrufen. Main-Echo, 1. 4. 2000, Stadt Aschaffenburg

Es geht um ein heikles, nicht zu sagen um ein pikantes Thema: Der Stadtteil Gailbach soll nach dem Willen des Rathauschefs vom 1. Mai an nicht mehr Gailbach, sondern Geilbach heißen. [. . .] Dr. Willi Reiland folgt mit diesem kühnen und für einen Mann seines Alters geradezu anrüchigen Vorstoß nicht etwa einer Forderung der Dudenredaktion im Zuge der Rechtschreibreform.
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4. 2000

siehe Osterwinter, Ralf: Die reformierte Gross- und Kleinschreibung - eine (Zwischen-)Bilanz. Teil 3: Fortsetzung der Bewertung und Schlusserwägungen. Sprachspiegel, 4. 2000, 56. jg., nr. 2, s. 50-55

Je konsequenter aufgrund rein formaler, auf das einzelne Wort bezogener Substantiv- bzw. Substantivierungskennzeichen grossgeschrieben wird, desto mehr kommt es zu ungrammatischen Grossschreibungen. [. . .] Schon seit rund siebzig Jahren wird die Frage nach der angemessenen Reform der Gross- und Kleinschreibung in Fachkreisen mit grosser Mehrheit durch das Konzept der so genannten gemässigten Kleinschreibung (auch Substantivkleinschreibung) beantwortet.

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Rolf Landolt