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Aus der presse

Nachgeführt 15. 4. 2010

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31. 5. 2000

bw: Kritik an der Rechtschreibreform via Internet. Westfälische Rundschau, 31. 5. 2000, Lokales

Per Internet will die "www.rechtschreibreform.com"-Redaktion über die "Fehlentwicklung im Bereich der Rechtschreibung in Schulen, Zeitungen und Unternehmen sachlich informieren".

Tomasch, Otto: [Leserbrief zu:] Rechtschreibung: Reform der Reform 2003? (30.05.00). Die Presse, Online-Leserforum, 31. 5. 2000

A Plan for the Improvement of English Spelling by Mark Twain.

30. 5. 2000

Güntner, Joachim: Besser als ihr Ruf. Die > Deutsche Akademie in zwei Publikationen. Neue Zürcher Zeitung, 30. 5. 2000, nr.125, s. 66, Feuilleton

Ihr Kampf gegen Rechtschreibreformer hat Tradition; 1958 gelang die Abwendung der radikalen Kleinschreibung.

Huber, Andreas: [Leserbrief zu:] Rechtschreibung: Reform der Reform 2003? (30.05.00). Die Presse, Online-Leserforum, 30. 5. 2000

Ich persönlich wähle meine Zeitung nicht danach aus, welche Orthographie sie wählt, sondern welche Information und Unterhaltung sie bietet.

Ickler, Theodor: [Leserbrief zu:] Rechtschreibung: Reform der Reform 2003? (30.05.00). Die Presse, Online-Leserforum, 30. 5. 2000

Daß die deutschen Zeitungen es inzwischen bitter bereuen, sich der sogenannten Rechtschreibreform unterworfen zu haben, hat einen ganz schlichten Grund: Die Gesamtauflage ist seit dem August 1999, als die Verleger gegen den Willen der Redakteure den Neuschrieb verordneten, um 513.000 zurückgegangen.

Rolland, Maria Theresia: [Leserbrief zu:] Rechtschreibung: Reform der Reform 2003? (30.05.00). Die Presse, Online-Leserforum, 30. 5. 2000

Es wird im Hinblick auf die Übergangszeit, nämlich 2005, behauptet: „dann gelten nur noch die neuen Regeln". Diese generelle Aussage ist falsch, und es ist notwendig, die Bevölkerung in aller Deutlichkeit darüber aufzuklären. Es handelt sich lediglich um eine Maßgabe für die Schulen.

Rechtschreibung: Reform der Reform 2003? Die Presse, 30. 5. 2000, Kultur und Medien

Die F.A.Z. bastelt an einer Hausorthographie, die "Neue Zürcher" hat eine solche kürzlich vorgelegt. […] Das Unbehagen an der 1996 beschlossenen Orthographie-Reform artikuliert sich immer deutlicher.

29. 5. 2000

Sauer, Wolfgang: Sitzen bleiben ist nicht das Gleiche wie sitzenbleiben. Die Rechtschreibreform ist nach Ansicht der zuständigen Reform-Kommission reformbedürftig. Die Welt, 29. 5. 2000, Feuilleton

Die Frage, ob eine Nachbesserung ansteht, beantwortet der Vorsitzende der > Kommission für Rechtschreibfragen, > Gerhard Augst, eindeutig mit "Ja". "Erwachsene, die professionell schreiben, haben die Neuregelung nicht in allen Punkten übernommen." Halsstarrig sei die Kommission nicht, meint Augst. Sie setze vielmehr auf Konsens.

27. 5. 2000

dpa: Boomjahre für Brockhaus vorbei. Süddeutsche Zeitung, 27. 5. 2000, s. 31, Wirtschaft

dpa: Boomjahre für Brockhaus erstmal vorbei. Umsatzrückgang — Ausbau des Internetgeschäfts. Die Welt, 27. 5. 2000, Wirtschaft, Web-Wirtschaft

Die dank Rechtschreibreform und Wiedervereinigung erzielten Rekordumsätze der neunziger Jahre von teilweise über 200 Mio. DM seien nicht mehr zu erreichen.

Pohlmann, Dirk: Für den Duden ist das Internet kein Fremdwort. Bibliographisches Institut und F.A. Brockhaus AG setzen auf moderne Medien. Mannheimer Morgen, 27. 5. 2000, Wirtschaft

Von Rekordumsätzen wie Mitte der 90-er Jahre, als 200 Mio. DM überschritten wurden, ist gar nicht mehr die Rede. "Das waren Sondereffekte wie Rechtschreibreform, Wiedervereinigung und der große Erfolg der 19. Auflage der Enzyklopädie" […].

25. 5. 2000

"Otto" und "Boys don't cry". Die neuesten Filme im "Lichtblick"-Kino. Neue Westfälische, (25. 5. 2000), Lokales

Diesmal bietet Otto neben überraschenden Special-Effects und neuer Rechtschreibung auch gute Unterhaltung.

Baur, Dominik: In und out. Was Claudia Schiffer von Tony Blair unterscheidet. Spiegel online, 25. 5. 2000, nr. 21

Ein Nachschlagewerk gibt es neuerdings für Menschen, die mit dem richtigen Vokabular in der Szene auftreten wollen. […] Längst der Mittäterschaft bei der Rechtschreibreform überführt, legt der Duden-Verlag jetzt mit dem "Szene-Duden" nach.

Jaguar für Schüssel. Neues Volksblatt (Linz), 25. 5. 2000

Eine "politische Führung" durch den Tiergarten Schönbrunn […] gab es Dienstag Abend für die Bundesregierung auf Einladung von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel. […] Jedem Regierungsmitglied wurde vom Tiergarten sein Tier zugeordnet. Für Bundeskanzler Schüssel wurde der "Bis in die Wolle schwarz gefärbte Jaguar" ausgewählt, […] für Unterrichtsministerin > Elisabeth Gehrer — im Hinblick auf die Rechtschreibreform — die Gämse.

24. 5. 2000

Vollertsen-Diewerge, Margrit: Ständige Erneuerung. Lehrstuhl für Linguistik wird nun 50 Jahre alt. Erlanger Nachrichten, (24. 5. 2000), Lokales

An der Rechtschreibreform war die Abteilung auch beteiligt; 1987 zum Mitglied der "Kommission für Rechtschreibfragen" gewählt, erlebte > Munske alle Höhe und Tiefen — vom hoffnungsvollen Beginn bis zum Protest gegen die seiner Meinung nach verfrühte und mangelhafte Einführung. Eine seiner Aufgaben war die Fremdwort-Orthografie, etwa bei griechischen Lehnwörtern wie "Telefon" oder "Fotografie". "Die Rechtschreibreform war kein Drittelmittelprojekt und hatte keine Sponsoren, dauerte länger als ein Sonderforschungsbereich der Deutschen Forschungsgemeinschaft, kostete die Auftraggeber aber weniger als eine kleine Sachbeihilfe. Dafür hat sie die Arbeitskraft aller Beteiligten außerordentlich in Anspruch genommen", so der Wissenschaftler.

Tefelski, Norbert: Ich nix Asülant! — Drei türkische Kabarettisten lösen sich von alten Klischees. Der Tagesspiegel, 24. 5. 2000, Kultur, Theater/Kleinkunst

Vierzig Jahre, nachdem Ernst Jandl seine Gedichte in "heruntergekommener Sprache" verfasste, transportieren "die zwei, die was die Rechtschreibreform erst möglich gemacht haben", absurden Humor mit Meta-Jargon.

21. 5. 2000

Werner, Hendrik: Das Maß aller Dinge. Am Montag fängt die Woche an (DIN 1935): Wie das Deutsche Institut für Normung unseren Alltag regelt. Berliner Morgenpost, 21. 5. 2000, Berlin

Walter Porstmann, ein akribischer Avantgardist der Rationalisierung, der unter anderem jahrelang vergeblich darum kämpfte, die Kleinschreibung einzuführen, um nicht dauernd die Tastatur seiner Schreibmaschine hochstellen zu müssen, klügelte 1922 ein mathematisches System aus, das die Abstufung der unterschiedlichen Schreibpapierformate verbindlich regelt. Danach weist DIN A4 eine Höhe von 29,7 Zentimetern und eine Breite von 21 cm auf.

20. 5. 2000

Lebherz, Andrea: Kinder fühlen sich als Spezialisten. Rechtschreibung ist auch nach der Reform eine Sache des Trainings — so die Erfahrung an Lampertheimer Schulen. Mannheimer Morgen, 20. 5. 2000, Lampertheim

Positive Aspekte der Diskussion rund um die Einführung der neuen Rechtschreibung sehen viele Lehrer darin, dass die Schreibthematik in der Schule und zu Hause nun generell stärker beachtet wird. "Ist das die neue Rechtschreibung oder schlichtweg falsch?" sei eine Frage, die auch im Alltag eine Rolle spiele.

Antworten auf die frage geben unsere fundsachen.

Pickel, Helmut: Die Frust-Reform. Neue Rechtschreibregeln stiften viel Unsicherheit. Nürnberger Nachrichten, (20. 5. 2000), Politik

War sie so gedacht, die Reform – um Unsicherheit, Ratlosigkeit, Frust und Ärger zu stiften? Die > Rechtsschreib-Kommission, die Ordnung in das Chaos zu bringen hätte, verweigert auf jeden Fall konsequent jegliche Wegweisung.

19. 5. 2000

Broger, Urban: Hier die Stille, dort ein Leben in Fülle. Begegnung mit dem Gospelpapst Bruder Karl. Appenzeller Zeitung (St. Galler Tagblatt), 19. 5. 2000, Appenzellerland

Bruder Karl Bauer ist Kapuziner, Gymnasiallehrer, Organist, Kirchenchorleiter, Gospelchorleiter […]. Und ein konsequenter Kleinschreiber. Dies, weil er oft genug in seiner Tätigkeit als Deutschlehrer gesehen habe, wie viel Mühe die Rechtschreibung bereite. «Damit wäre schon mal ein Problem gelöst. Wäre. Natürlich muss ich meine Schüler die Gross- und Kleinschreibung lehren, aber privat ziehe ich das durch.»

Bravo! Vgl. anwendung in der praxis.

rk: Sommerlager 2000 in Graubünden. Zofinger Tagblatt (Neue Mittelland Zeitung), 19. 5. 2000, Luzern

Unter dem Motto «Araund de Wörld», was frei übersetzt etwa so viel wie «rond om d'Wäut» bedeutet, (man könnte meinen, die Lehrer in Reiden hätten die neue Rechtschreibung allzu wörtlich genommen) zieht die Schule in diesem Sommer nach Brigels (GR).

18. 5. 2000

Gertz, Holger: Der Samstagabendmann. Ein Anarchist auf dem Laufsteg, der manchmal große Momente schafft: Thomas Gottschalk wird 50. Süddeutsche Zeitung, 18. 5. 2000, s. 23, Medien

Beim ZDF haben sie die Videoaufzeichnung von der ersten Sendung noch, […] der Wetten dass . . . ?-Schriftzug erschien über einem blauen Himmel, schon damals mit Doppel-S, so lange vor der Rechtschreibreform.

17. 5. 2000

Uphoff, Lisa: Virtuelle Sprechstunde im Schloss. Berliner Morgenpost, 17. 5. 2000, Politik

Gegner der Rechtschreibreform durften sich freuen: > Rau benutzt noch immer reichlich das "ß".

Bruhns, Meike: Mit der neuen Rechtschreibung hat er es nicht so. Der Bundespräsident > Johannes Rau chattet live im Internet — beantwortet aber nur handverlesene Fragen. Berliner Zeitung, 17. 5. 2000

"Die muss ich auch nicht mehr lernen", sagt er später, "es gibt ja eine Frist bis 2005, da bin ich vielleicht gar nicht mehr im Amt."

Schütz, Alex: Der Präsident chattet in der alten Rechtschreibung. > Johannes Rau lädt die Welt der Internetnutzer zum virtuellen Plausch — und tippt die Antworten sogar selbst. Stuttgarter Zeitung, 17. 5. 2000, Politik

Weil er das alles selbst tippt (Fred: "Super, Sie tippen ja selbst!"), zeigt sich sehr schnell, dass es der Bundespräsident mit der neuen Rechtschreibung nicht so genau nimmt. Statt einem doppelten "s" gibt es bei Rau im Nebensatz beispielsweise stets das alte, das scharfe "ß".

16. 5. 2000

Hermann, Sophie Und tschü. Berliner Morgenpost, 16. 5. 2000, nr. 133, s. 17, Feuilleton, Glosse

Aber auch der Abschied vom ß, dieser lieb gewonnenen Eigenheit der deutschen Sprache von geradezu identitätsstiftendem Format, war hart. Und wahrscheinlich, um die Härte etwas abzumildern und vielleicht auch von anderem Blödsinn der Reform abzulenken, hat man das ß dann doch nicht ganz eliminiert. […] Weswegen tschüß sein ß noch hat […]

Am härtesten ist wohl der abschied von etwas, was man nie hatte. Tschüs (neu auch tschüss) hatte kein ß.

15. 5. 2000

Die Umsetzung der Rechtschreibreform in der NZZ. > Neue Zürcher Zeitung, 15. 5. 2000, nr. 112, s. 35, Feuilleton

Die "Neue Zürcher Zeitung" hat die Politik der Rechtschreibreform von Anfang an nicht ohne Skepsis verfolgt. Man ist im Hause NZZ der Auffassung, dass zwar einige Änderungen durchaus wünschbar sind, andere hingegen nicht nur der Tradition, sondern auch der Logik des Sprachverstands klar widersprechen. Deshalb hat sich die NZZ schon früh dazu entschieden, von Fall zu Fall ihre eigenen Wege zu gehen.

zz: Anwendung in der "Neuen Zürcher Zeitung" ab Montag, 15. Mai 2000. > Neue Zürcher Zeitung, 15. 5. 2000, nr. 112, s. 36—37, Feuilleton

Die letzten Sommer von den deutschsprachigen Nachrichtenagenturen verfassten Richtlinien sind von der NZZ zusammen mit der Neuregelung der deutschen Rechtschreibung geprüft worden. Die NZZ hat nun entschieden, die Neuregelung der deutschen Rechtschreibung ab Montag, 15. Mai 2000, in der von uns als sinnvoll erachteten Form ebenfalls anzuwenden. Die Änderungen betreffen die Bereiche Laute und Buchstaben, Getrennt- und Zusammenschreibung, Schreibung mit Bindestrich, Gross- und Kleinschreibung, Zeichensetzung sowie Trennung am Zeilenende.

13. 5. 2000

Guthmann, Babette: Die Mütter müssen mit der Zeit gehen. Altmühl-Bote 13. 5. 2000, Gunzenhausen

Auch im Hinblick auf die Neuen Medien ist eine Frau mit Kindern hip: Sie kann den Super-Mario hopsen lassen, […] und findet im Internet die Diddl-Seite ebenso im Schlaf wie die mit Rechtschreibfehlern übersäte Club-Fan-Page. Apropos Rechtschreibung: Welcher Erwachsene in mittleren Jahren interessiert sich für alle Details der Rechtschreibreform, wenn sie oder er nicht von Berufs wegen dazu gezwungen wird? Eine Mutter von Grundschülern jedenfalls kennt bald die neuesten Nachschrift-Kniffe und weiß sehr wohl zwischen zusammen gebauten und zusammengebauten Häusern zu unterscheiden. (Die einen sind ein Gemeinschaftsprodukt mehrerer Baumeister, die anderen stoßen Wand an Wand aneinander.)

Lehmann, Birgit: Gymnasiasten zur Wahl. "Politiker sollten mal zur Schule gehen." Kölner Stadt-Anzeiger, 13. 5. 2000, Erftkreis

Volksabstimmungen — da sind sie sich alle einig — wären ein echter Fortschritt. Worüber sie hätten abstimmen lassen? "Rechtschreibreform", "Euroeinführung", kommt es spontan.

12. 5, 2000

Rehnert, Leoni: Straßenschilda: -ss im Überfluss. Fuldaer Zeitung, (12. 5. 2000)

4000 Schilder seien jetzt falsch […]. Auf 200000 Mark schätzte der Magistrat die Kosten dafür. […] Jemand aus der städtischen Verwaltung hatte die Liste für die Antwort zusammengestellt und dem Magistrat zur Beantwortung der CDU-Anfrage vorgelegt. […] Er (oder auch sie) war schlicht davon ausgegangen, dass neuerdings eben auch das Wort "Straße" sich in "Strasse" verändert. […] Genau acht Straßen in Fulda sind von der Reform betroffen.

neu Schwarz, Moritz: "Achtlos und unterwürfig." Walter Krämer über den Umgang der Deutschen mit der eigenen Sprache und seinen Kampf für die Erhaltung des Deutschen. Junge Freiheit, 12. 5. 2000, nr. 20, s. 3, Im Gespräch

Wie beurteilen Sie die Rechtschreibreform? Krämer: Dazu habe ich eine persönliche Meinung: Ich richte mich nicht danach. Und ich habe eine "amtliche": Unser Verein ist in dieser Frage neutral. […] Ich habe einfach keine Lust, noch einmal umzulernen auf meine alten Tage. […] Ich wundere mich etwas darüber, daß diese Frage solche Emotionen auslöst.

Kunstwerk des Monats / Otl Aichers Plakat für den olympischen Fackellauf. Seine Idee waren die Regenbogenspiele. Südwest Presse, 12. 5, 2000, Ulmer Kulturspiegel

1990 erinnerte er sich in seiner für ihn typischen Kleinschreibung: "ich baute unsere farbskala übereinander auf, […]"

11. 5. 2000

Peschel, Volker: In dreizehn Jahren um die Welt. Der Brasilianer > Zé do Rock macht "Performens" auf "ultradoitsh" in der Werkstatt 3. taz Hamburg, 11. 5. 2000, nr. 6139, s. 23, Kultur, Kommentar

Ganz nebenbei liefert er eine Rechtschreibreform für die deutsche Sprache ab.

10. 5. 2000

Nachrichten. Taunus-Zeitung (Frankfurter Neue Presse), 10. 5. 2000, Lokales

Die Rechtschreibreform traf die Falschen. […] "Hier wird Ausgebildet!", heißt es folgerichtig auf dem Pappschild im Friedrichsdorfer Postamt.

8. 5. 2000

Aboul-Kheir, Magdi: Ist das Weib sächlich? Lesung / > Zé do Rock und die deutsche Sprache. Südwest Presse, 8. 5. 2000, Ulmer Kulturspiegel

Weg mit Groß- und Kleinschreibung: "Helft den armen Vögeln" oder "Helft den Armen vögeln", der Sinn werde schon klar. Weg mit Dehnungsbuchstaben: "Im se sa si so schön aus." Weg mit den Kommaregeln: "Wie immer schon nach Gefühl setzen, nur ohne schlechtes Gewissen." Weitere Ideen: chs wird x, tz wird z, sch wird sh ("Drei Buchstaben für einen Laut, das mach ich nicht mit"). Also heißt es: "Fux du hast di gans gestolen."

Kohn, Edith: Unglückliches Österreich. Die Welt, 8. 5. 2000, Politik, Europa

Am Ballhausplatz treffen sich wie immer donnerstags bis zu 2000 Menschen, um gegen die neue Regierung zu demonstrieren. Widerstandsgedichte werden verlesen und verteilt, in eigenwilliger Rechtschreibung: "Ich wach auf und habe schmerzen, Mich erdrückt das rechte land, Es brennt Blut im linken herzen, Hirntot oder Widerstand . . ."

Fortiss. Salzburger Nachrichten, 8. 5. 2000, Lokales

Am Eigennamen Kleßheim könnte also die Rechtschreibreform durchaus rütteln. Dann würde in ein paar Jahren — falls gebaut — das Stadion Klessheim eröffnet.

6. 5. 2000

Seubert, Hans-Peter: Mehr Mitsprache künftig gewünscht. Arbeitskreis größerer Darmstädter Sportvereine diskutiert neue Förderrichtlinien der Stadt. Darmstädter Echo, 6. 5. 2000, Lokalsport

Neben kosmetischen Änderungen – Umstellung auf Euro, Rechtschreibreform, weibliche Bezeichnungen – und Beseitigung innerstädtischer Irritationen mit dem Revisionsamt, gebot die Neugründung des TC Bessungen Eile bei der Änderung.

Dt.: Personalien. > Rolf Wernstedt 60. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. 5. 2000, nr. 105, s. 4, Politik

Bei der Rechtschreibreform, der er aus persönlicher Überzeugung zum Durchbruch verhalf, erschien er manchem gar als Ober-Ideologe. Rolf Wernstedt weist das von sich. Ideologen wollen immer das Vollkommene. Er aber weiss aus christlicher Überzeugung, dass jeder Reform, auch der seinen, etwas Unvollkommenes anhaftet.

Herold, Roland: Erster Preis für die Wiedergeburt eines Dudens. 4. Nachwuchsjournalisten-Wettbewerb unserer Zeitung / Sätze mit Buchstaben in alphabetischer Reihenfolge gefragt. Leipziger Volkszeitung Online, (6. 5. 2000), Meldungen aus der Region Leipzig

Den Hauptpreis, ein Praktikum bei unserer Zeitung und ein Sparbuch, ergatterte der 17-jährige Stefan Banitz aus Leipzig mit seiner Satire über den Duden Conny, den die Rechtschreibreform regelrecht aus der Bahn wirft ("Conny — ein Duden versteht die Welt nicht mehr").

Kritikrax. Salzburger Nachrichten, 6. 5. 2000

In diesem Wonnemonat ist offenbar nicht nur wegen der Rechtschreibreform in so manchem Loveletter der Wurm drin.

5. 5. 2000

-ws-: Keine Albträume in Rathäusern — Schifffahrt setzt sich durch. Westfälische Rundschau, 5. 5. 2000, Lokales

Uneinheitlich ist das Bild in den Stadt- und Gemeindeverwaltungen im Kreis Olpe. Doch auch in den Amtsstuben, in denen noch nach den alten Regeln geschrieben wird, sind die Tage der bisherigen Orthographie gezählt.

Kahlke, R.: Mit Halver als "Stadt im Grünen" ist es bald vorbei. Westfälische Rundschau, 5. 5. 2000, Lokales

Die AFG-Schüler nehmen damit an einem Projekt der Zeitungsgruppe WAZ teil, zu der auch die "Westfälische Rundschau" gehört. Um "Meine Welt 2020" geht es bei den "Reportagen aus der Zukunft". […] Eigenwillig ist dabei auch die Rechtschreibung. Ähnlich wie im Englischen gibt es die gemässigte Kleinschreibung. Nur Satzanfänge und Namen werden noch groß geschrieben, heisst es auf dem Titel.

Bravo! Vgl. anwendung in der praxis.

4. 5. 2000

Seybold, Eberhard: Mit seiner Behaglichkeit lässt sich's gut leben. Frankfurter Neue Presse, 4. 5. 2000, Kultur

> Bichsel macht sich seine Gedanken über die Sprache: "Warum heißt das Rechtschreibung und nicht Richtigschreibung? Es heißt Rechtschreibung, weil jene, die sie können, im Recht sind, und jene, die sie nicht können, im Unrecht."

Wanhoff, Thomas: Das Problem der alten Bücher. Taunus-Zeitung (Frankfurter Neue Presse), 4. 5. 2000, Lokales

Nicht nur der Atlas ist veraltet, auch Geschichtsbücher haben noch den Wissensstand der achtziger Jahre in sich. […] Schulleiter Gerhard Brähler weiß um das Problem. "Natürlich sind die Bücher veraltet. Wir stehen vor einem großen Problem. Zum einen ist die Rechtschreibreform eingeführt worden, zum anderen sind die Mittel für Ersatz- und Neubeschaffungen gekürzt worden", sagt Brähler. […] Hilfe ist dennoch in Sicht: Der Förderverein der Schule wird eine Finanzspritze geben. "Damit soll keineswegs die Lehrmittelfreiheit aufgehoben werden. Vielmehr liegt es an der Rechtschreibreform, dass der Verein mit 15 000 Mark aushilft", sagt Brähler. Mit dem Geld sollen zum Beispiel im Jahrgang 8 neue Chemiebücher und im Jahrgang 5 neue Lesebücher gekauft werden.

3. 5. 2000

cd: Ab jetzt: Sammeln im Akkord. Bremens Rechtschreibgegner sammeln doch noch. taz Bremen, 3. 5. 2000, nr. 6132, s. 21, Bremen Aktuell

Grund für den neuen Anlauf sei die mutmachende Motivation von Schülern und Schülerinnen, sagt Initiativen-Sprercherin Petra Ahrens.

Kahlert, Karin: "Liebe taz..." Bremer, macht alle mit! Betr.: "Schüler gegen Rechtschreibreform", taz vom 29./30. April 2000. taz Bremen, 3. 5. 2000, nr. 6132, s. 24, LeserInnenbriefe

Ich hoffe sehr, dass die Jugendlichen mit frischem Mut an das Unterschriftensammeln gehen.

> Guratzsch, Dankwart: "Unzulässige Generalisierungen." Die Fehlerquote steigt: Eine Zwischenbilanz der Rechtschreibreform. Die Welt, 3. 5. 2000, nr. 102, s. 35, Feuilleton

Das doch zum Zweck der Vereinfachung erdachte Regelwerk erzeugt mit seiner wichtigsten Regel, der Ersetzung des "ß" nach kurzem Vokal durch "ss", signifikant mehr Fehler als die herkömmliche ß-Schreibung. Dies hat der Leipziger Erziehungswissenschaftler Harald Marx […] nachgewiesen […]. Das Urteil von Marx wiegt umso schwerer, als sich der Erziehungswissenschaftler in seiner Studie zu den pädagogischen Idealzielen der Reform bekennt. Nach Abschluss seines Tests stellt er ihr jedoch eine rabenschwarze Prognose aus. Auf "längere Sicht" sei "eher mit einer Verschlechterung der Rechtschreibung, vor allem aber auch mit unzulässigen Generalisierungen von Schreibweisen und Gewohnheitsbildungen bei Jung und Alt zu rechnen".

Staatliche eingriffe sind schlecht, die rechtschreibung soll sich organisch entwickeln, meinen die reformgegner. Was heisst das konkret? Doch wohl «generalisierungen von schreibweisen und gewohnheitsbildungen bei jung und alt». Aber das ist nun auch wieder nicht recht!

2. 5. 2000

Kunath, Wolfgang: Das Ritual ist mittlerweile hautnah am Krawall. Die Berliner Polizei hält Demonstranten und Gegendemonstranten auseinander. Stuttgarter Zeitung, 2. 5. 2000, Die dritte Seite

Aber mehr Öffentlichkeit erhalten die sechs-, siebenhundert NPD-Leute, die in der heißen Maiensonne den abstrusen Argumentationen ihrer Einpeitscher lauschen. Es ist eine merkwürdige Deutung der Wirklichkeit […]: Eine zähe, schlichte und scheinbar konsistente Interpretation eines allgemeinen Unterdrückungszusammenhangs. Darin erklärt sich selbst der Kniff eines Softwareherstellers, falsche Orthografie automatisch den Regeln der neuen Rechtschreibung anzupassen, als Bestandteil einer Verschwörung: „Man nimmt uns unsere Sprache!" donnert einer der Redner unter dem Applaus der Menge.

Klüting, Rainer: Star Office gegen Microsofts Übermacht. Version 5.2 soll den Umstieg leichter machen — Internetversion lässt auf sich warten. Stuttgarter Zeitung, 2. 5. 2000, Wirtschaft

Endlich versuchen auch die Macher von Star Office nicht mehr zu ignorieren, dass es in Deutschland eine neue Rechtschreibung gibt. Die kursierenden selbst gestrickten Lösungen kundiger Anwender sollen […] durch eine eingebaute Rechtschreibkontrolle nach den neuen Regeln ersetzt werden.

1. 5. 2000

Belz, Christopher: „Keiner weiß Bescheid." Neue Rechtschreibung spaltet Uni und Stiftung Lesen. Allgemeine Zeitung, Main-Rheiner, 1. 5. 2000

Ursache der Sprachverwirrung ist für Veith die seiner Ansicht nach misslungene Rechtschreibreform. "Da ist Mist rausgekommen", sagt er. Viele Regeln seien in sich widersprüchlich und unlogisch. Außerdem gebe es "zu viele, zum Teil hanebüchene" Ausnahmen.


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Rolf Landolt