Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

Aus der presse

Nachgeführt 30. 11. 2001 (siehe 28. 7.)

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31. 7. 2000

E.B.: Tagesschau. St. Galler Tagblatt, 31. 7. 2000 (neu 12. 9.)

Und Günter Kunert freut sich: «Die Sprache triumphiert über die Kultusministerbürokratie.» Wird da nicht Rechtschreibung mit Sprache verwechselt?

B.K.: Auf freiem Gedankenflug. St. Galler Tagblatt, 31. 7. 2000, Kultur (neu 12. 9.)

Und weil neben der Rechtschreibreform und dem Verschönerungsverein seines oberösterreichischen Heimatdorfs Pichl der Eisvogel im Mittelpunkt der klugen Spracherkundungen steht, erlaubt sich Brandstetter anregende Gedankenflüge über viele Themenfelder [. . .].

Lütkehaus, Ludger: Angerissen. Die FAZ – ein Vorbild? Badische Zeitung, 31. 7. 2000, Kultur

„In Deutschland weiß keiner mehr, wie man richtig schreibt", so Thomas Steinfeld in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 26. Juli 2000 über die Folgen der Rechtschreibreform. Recht hat er: In einer einzigen Kolumne bringt er es auf sieben zum Teil gravierende Fehler.

Cerha, Michael: Trennung von Politik und Sprache. Ohne Rückzug des Staates kommt der Zank um die Rechtschreibung nicht zur Ruhe. Der Standard, 31. 7. 2000, s. 24, Kommentar

Hier bereitet die Staatsschule die Kinder nicht mehr auf die gesellschaftliche, also auch sprachliche Wirklichkeit vor, sondern sie nimmt mittels der Schule selbst Einfluss auf diese Wirklichkeit. [. . .] Denn die Lehre der Rechtschreibreform 1998/2005 ist doch offenkundig: Es wird von der Öffentlichkeit nicht mehr toleriert, wenn der Staat auf dem Gebiet der Kommunikationsweise sein Panier aufpflanzt. Dieser Staat wäre daher gut beraten, sich schnellstens und, solange es möglich ist, geordnet aus dem Gebiet der Sprachregulierung zurückzuziehen. Gelassen möge er sehen, was der Mehrheit der Sprachbenützer beliebt. Dann würde ein orthographischer Entschluss, getroffen in einer Redaktionsstube, der Politik auch kein Wochenende mehr vermiesen.
Und wie wäre es ohne reform? Nähme die staatsschule dann keinen einfluss auf die sprachliche wirklichkeit? Wo lernen denn die kinder schreiben? Zu hause? Es geht heute wie früher um die von einem siehe Presse-gastkolumnisten formulierte frage: «Aber wer entscheidet dann, wie Schüler und Beamte schreiben?»

29. 7. 2000

Kalberer, Guido: Frankfurter Revolte. Tages-Anzeiger, 29. 7. 2000, s. 2, Meinung

Neben den Sachfragen geht es in der Debatte auch um die Frage, wer das Sagen hat im Lande: die Mannheimer "Duden"-Experten oder die Frankfurter FAZ-Experten? [. . .] Die gemeinsame Front von FAZ und der deutschen Intelligenzija ist für beide Seiten mit einem Prestigegewinn verbunden.

Grünbein, Durs: Aus Mangel an Hygiene. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. 7. 2000, nr. 174, s. 41, Feuilleton (neu 12. 9.)

Merke: Man vergreift sich nicht an der Mutter.

Sattler, Dieter: Schreibreform: Wer A sagt, muß nicht B sagen. Frankfurter Neue Presse, 29. 7. 2000, Meinung

Es wäre nicht zu spät: Noch wenden 90 Prozent der Bundesbürger die alte Rechtschreibung an. Wie übrigens die meisten deutschsprachigen Schriftsteller lassen sie sich ihre Korrespondenz und Privatsprache nicht von irrsinnigen Regeln diktieren, die in Hinterzimmern ausgebrütet worden sind und erst kurz vor ihrem Inkrafttreten in der Öffentlichkeit diskutiert wurden.

Heinrich, Karl: Reform der Reform. Volksblatt Würzburg, 29. 7. 2000, Weltspiegel, Kommentare

Recht haben all diejenigen, die nun fordern, der Bundestag müsse sich mit der Angelegenheit beschäftigen. Das hätte bereits anfangs der Rechtschreibreform geschehen müssen.

Thron, Hans-Joachim: Zurück, marsch marsch. Südwest Presse, 29. 7. 2000, Politik, Glosse

Kann das deutsche Volk wirklich dulden, dass man jetzt Schifffahrt mit drei f schreibt? Nein, kann es nicht. „Nur über meine Schriftstellerleiche!", donnert der von uns hoch geschätzte siehe Ralph Giordano. Dumm nur, dass es schon vor der Reform Wörter mit drei Konsonanten gab — Balletttruppe, Pappplakat oder Sauerstoffflasche zum Beispiel.

28. 7. 2000

Sommer, Peter: Neue deutsche Rechtschreibung. Appenzeller Zeitung (St. Galler Tagblatt), 28. 7. 2000, Leserbrief

Als Sprachlehrer für Englisch und Deutsch und Inhaber eines Übersetzungsbüros konnte ich die echten Beweggründe für die Einführung einer neuen Rechtschreibung nie richtig verstehen.

siehe mü: Die FAZ und die BaZ. Rechtschreibreform ff. Basler Zeitung, 28. 7. 2000 (neu 19. 11.)

Und weil uns das Leben überhaupt — inkl. Rechtschreibung — ein einziges Interpretationsproblem zu sein scheint, das nie zu lösen und schon gar nicht zu beseitigen ist, warten wir mit einiger Ungeduld auf den neuen Duden (Auslieferung 25. August). Andere warten nicht. In Deutschland, wo der Kampf zwischen Sprachbewahrern und Sprachmodernisierern Leidenschaften entbunden hat, die die europäischen Nachbarn geradezu erstarren liessen, sind die vermeintlich geräumten Vorposten an der Orthographie-Front sogleich wieder besetzt worden.
Lesenswerte glosse aus schweizerischer sicht (ganzer artikel im BaZ-archiv).

ap: Die Gämse bleibt eine Gämse. Neue Luzerner Zeitung, 28. 7. 2000, Die andere Seite

Auch die grossen Printverlage in der Schweiz wie NZZ Verlag, TA Media AG und Ringier Verlag wollen an der Rechtschreibreform festhalten.

Meier, Andrea: Neue Rechtschreibung abschaffen? Meinungen von Lehrern zur neuen Rechtschreibereform. St. Galler Tagblatt, vom 28. 7. 2000, Bodensee

Martin Müller, Primarlehrer Arbon: «Die Vereinfachungen sind so minim, dass der Erfolg dieser Reform ausgeblieben ist.

Güntner, Joachim: Rechtschreibreform — quo vadis? Die Reformer bessern nach, die «FAZ» steigt aus. Neue Zürcher Zeitung, 28. 7. 2000, nr.174, s. 54, Feuilleton

Enthusiasmierte Anrufer liessen die Telefone in der Redaktion nicht mehr stillstehen, berichtet Literaturchef Thomas Steinfeld: «Die Leute sind wie befreit.» Auf die Frage, ob die Rückkehr zur herkömmlichen Orthographie konsequent vollzogen werde, antwortet er: «Einige Modifikationen werden wir uns vorbehalten — aber das tun Sie bei der NZZ ja auch.»

Sattler, Dieter: "Der Versuch, mit der neuen Ortographie zu leben, ist gescheitert." Frankfurter Neue Presse, 28. 7. 2000, s. 4, Hintergrund

Auch die Mehrheit der Bürger lehnte die durch die Hintertür eingeführte Neuerung ab.

Hartmann, Rainer: Eine Rückkehr auf Raten. Kölner Stadt-Anzeiger, 28. 7. 2000, Politik, Leitartikel

Der Kampfruf "Zurück zur alten Rechtschreibung" schallt wie Donnerhall. [. . .] richtet die "FAZ" genau das an, was sie an der Reform kritisiert: Sie selbst gefährdet vom 1. August an Tag für Tag die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung. Sie erhöht die Mauer zwischen denen, die der Reform folgen, und denen, die sie ablehnen. Sie unternimmt damit einen eindeutig politischen Schritt, um eine Situation zu verändern, die ihr nicht passt, und sie reißt mit dieser Machtdemonstration einen Spalt in die Zeitungslandschaft, zumal absehbar ist, dass so bald kein weiteres Blatt umschwenken wird.

Groß, Thomas: Schlechtes Vorbild. Mannheimer Morgen, 28. 7. 2000, Kommentare auf Seite 2

Der Konkurrenzdruck zwischen beiden konservativen überregionalen deutschen Tageszeitungen wächst. Warum sonst hätte "Die Welt" das Gerücht in ebendiese setzen sollen, die Reform werde überarbeitet, warum sonst will die FAZ Vorreiter bei der Umkehr sein als allein, um sich ins Gespräch zu bringen?

Kielinger, Thomas: Das Englische widersteht jeder Reform. Rechtschreibfehler werden in Großbritannien großzügig übersehen, weil die Orthografie völlig unsystematisch ist. Die Welt, 28. 7. 2000, nr. 174, s. 3

Selbst siehe Tony Blair verhaspelt sich ständig, siehe sein kürzlich bekannt gewordenes Memorandum vom 29. Ap­ril, wo er unter anderem schreibt. "We need a strategy that is almost discrete (sic)". Phonetisch geht "discrete" vollkommen in Ordnung, wie in "complete", nur leider ist es falsch geschrieben: "discreet" wäre richtig gewesen, wie in "sheet". Aber wie soll ein britischer Premierminister das bei der chaotisch unbere­chenbaren Rechtschreibung des Englischen wissen, ohne einen eigenen linguistischen Berater?

27. 7. 2000

Scheible, Bruno: Die kleine Revolution. Als erste grosse Tageszeitung kehrt die «FAZ» zur alten Rechtschreibung zurück. St. Galler Tagblatt, 27. 7. 2000, nr. 174, s. 2, Aktualität

Im Feuilleton der «FAZ» wurde gestern vom Leder gezogen wie in einem Wörterbuch des Boulevards: «Bankrott, gemeingefährlich, Skandal» — gemeint ist immer die neue Rechtschreibung: «Diese Reform ist ein einziges Fiasko. [. . .] zweifelhaft ist, ob das Beispiel der «FAZ» [. . .] Schule machen wird und weitere grosse Zeitungen sich anschliessen und die Neuschreibung beenden werden. Somit käme dank der «FAZ» in den Dschungel der unterschiedlichen Rechtschreibungen lediglich eine weitere Orthografie hinzu — nämlich die alte.

Mühlegg, Martin: Clinch um Gämse und Portmonee. Neue Rechtschreibung wird nicht überall umgesetzt. Die Südostschweiz, 27. 7. 2000, Region Gaster/See

Schon bevor die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» die Rückkehr zur alten Form verkündete, machte man sich auch bei der «Südostschweiz» Gedanken über Anpassungen. Gegenwärtig wird darüber diskutiert, ob die Zusammen- und Getrenntschreibung wieder nach den alten Regeln erfolgen soll.

Mühlegg, Martin: Was Hänschen lernte, vergisst Hans. Die Debatte über die Rechtschreibereform ist frisch lanciert. Die Südostschweiz, 27. 7. 2000, Region Gaster/See

Am Dienstag teilte die FAZ mit, dass sie per 1. August zur alten Rechtschreibung zurückkehrt. [. . .] Wenig beeindruckt von dieser Mitteilung zeigt man sich beim Kantonalen Erziehungsdepartement in St. Gallen. «Bei uns gibt es im Gegensatz zu Deutschland keinen heiligen Krieg um die Reformen. Wir gehen die Sache pragmatisch und gelassen an», sagt Felix Baumer, Leiter des Amtes für Volksschulen. [. . .] Das gegenwärtig herrschende Nebeneinander von alter und neuer Form sieht Baumer gar als Chance: «Es ist jetzt ein günstiger Moment, in den Schulen Grammatik und Rechtschreibung zu lehren. Texte können verglichen werden, und die Kinder können darüber reden.» Die Schulen im Kanton hätten grössere Probleme zu lösen als jene der neuen Rechtschreibung, so Baumer. Wenn ein zwölfjähriger Kosovare Deutsch lernen müsse, sei es nicht wichtig, ob es «Gämse» oder «Gemse» heisse.

Reuters: Die «FAZ» kehrt zur alten Rechtschreibung zurück. Neue Zürcher Zeitung, 27. 7. 2000, nr.173, s. 2, Ausland

In den kommenden Wochen werde Reuters beobachten, wie sich die Kunden, aber auch die Politiker zu Änderungen bei der reformierten Rechtschreibung äusserten.

AP: Rückkehr der Gemse. Die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» kehrt zur alten Rechtschreibung zurück. Tages-Anzeiger, 27. 7. 2000, nr. 173, 108. jg., s. 12, Kehrseite

Zwei Jahre nach Inkrafttreten der Rechtschreibreform kehrt mit der «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» (FAZ) eine der renommiertesten deutschen Tageszeitungen zur alten Rechtschreibung zurück.
Eigentlich sind es ja 4 jahre. Oder 1 jahr nach inkrafttreten bei der presse.

Hupka, Stefan: Chaos oder Vielfalt? Badische Zeitung, 27. 7. 2000, Tagesspiegel

Die Erfinder der Reform wollten mit ihr vor allem dieses: mehr erlauben und nicht mehr verbieten. Warum nicht Ernst machen damit? Warum nicht neben der neuen die alte Rechtschreibung erlauben und neben der alten die neue? Man kann das finster „Chaos“ nennen [. . .]. Man kann das aber auch begrüßen und fröhlich „Vielfalt“ dazu sagen. Die Lage wird jedenfalls nicht übersichtlicher dadurch, dass diejenigen, die laut „Chaos“-Alarm schlagen, jetzt mitten im Sommerloch beginnen, ein Chaos noch zu vergrößern, das es ohne ihren Alarm zweifellos nicht gäbe.

Reumann, Kurt: Die F.A.Z. kehrt zur alten Rechtschreibung zurück. Schluß damit: Die Reform stiftet nur Verwirrung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. 7. 2000, nr. 172, s. 1

Die neue Rechtschreibung rettet die Einheitlichkeit nicht, vielmehr zerstört sie sie.

unterm strich. die tageszeitung, 27. 7. 2000, nr. 6203, s. 14

Es herrsche Verwirrung! In Deutschland! Dilettanten seien am Werk gewesen! Und: Geld habe es auch noch gekostet! Milliarden! Am besten hat uns der Schlusssatz des Kommentars gefallen: "Sie (die Rechtschreibrefom) war das dümmste und überflüssigste Unternehmen in der deutschen Kulturpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg: ein gemeingefährlicher Akt." Fragt sich nur, was der Zweite Weltkrieg eigentlich damit zu tun hat, außer natürlich, dass er auch dumm, überflüssig und ein gemeingefährlicher Akt war. Aber doch eigentlich kein Unternehmen innerhalb der deutschen Kulturpolitik, oder?

DW: Neue Initiative gegen Schreibreform. Sprachexperten fordern "Rückbau" — "FAZ" führt alte Regeln wieder ein. Die Welt, 27. 7. 2000, Feuilleton

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat eine neue Initiative zur Abschaffung der Rechtschreibreform gestartet. Es sei höchste Zeit, "mit dem Rückbau zu beginnen", heißt es in einer Resolution, die an viele Redaktionen versandt wurde und den ausdrücklichen Hinweis enthält: "Wir bitten herzlich, diesen Text nur in der Schreibung, in der er abgefaßt ist, abzudrucken."

Guratzsch, Dankwart: Rechtschreibung: Deutsche Akademie fordert Reform der Reform. Streit um Neuschreibung dauert an — FAZ kehrt zur alten Schreibweise zurück. Die Welt, 27. 7. 2000, Feuilleton

Angesichts des "Drunters und Drübers", das in der neuen Rechtschreibung herrscht, hat der Weilheimer Deutschlehrer Friedrich Denk gestern gefordert, "die Rechtschreibkommission wegen erwiesener Unfähigkeit zu entlassen".

FAZ gibt neue Schreibweise wieder auf. Die Presse, 27. 7. 2000, Kultur

Ab 1. August kehrt das renommierte Blatt zur alten Rechtschreibung zurück.
Die Presse, die das neue gar nie eingeführt hat, freuts natürlich. Hier ein tipp von einem, für den sprache wichtiger ist als schreibung: Es müsste heissen «Am 1. August kehrt . . .» oder «Ab 1. August gilt . . .».

26. 7. 2000

Backhaus, Michael: Zu dumm zum Schreiben. Kommentar. B.Z. (Berlin), 26. 7. 2000, s. 5, Politik

Es handelt sich nämlich um einen Schildbürgerstreich der Sonderklasse, wenn Teile der Reform nach zwei Jahren schon wieder zurückgenommen werden müssen.

Steinfeld, Thomas: Bankrott! Gemeingefährlich: Der Skandal der neuen Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. 7. 2000, nr. 171, s. 49

Milliarden hat dieser Bankrott der deutschen Rechtschreibung gekostet, sie hat viele Tausende an Arbeitsstunden gefordert, sie hat in mehreren Schüben Berge von Büchern hervorgebracht, die innerhalb von kurzer Zeit überholt waren, und sie hat nie die Unterstützung der Bevölkerung besessen. Sie war das dümmste und überflüssigste Unternehmen in der deutschen Kulturpolitik nach dem Zweiten Weltkrieg: ein gemeingefährlicher Akt.

25. 7. 2000

Langkammer, Claus: Zwischen Selbstmord und Stilfragen. Nachtleben eines Hotel-Rezeptionschefs – am Beispiel Atilla Kulaksizoglus im „Columbia“. Main-Spitze, Main-Rheiner, 25. 7. 2000, Nachrichten aus der Region

Mister Quest, der amerikanische Stammgast, kam irritiert an die mitternächtliche Rezeption geschlendert. Er war der einzige, der in der Sauna Badehose trug. Er wollte wissen, ob er „crazy“ sei oder die anderen. [. . .] Am Abend des „Main-Spitze“-Besuches befand er sich mit Michaela in angeregtem Geplauder über die Rechtschreibreform unter besonderer Berücksichtigung des Doppel-S.

nic: 300 Mark für neue Schulbücher: Second-Hand ist angesagt. Im VHS-Zentrum am Schloss geht es schon morgens um 9 Uhr los — Bis Samstag können Schüler und ihre Eltern gebrauchte Schulbücher zu Schleuderpreisen kaufen und verkaufen. Saarbrücker Zeitung, 25. 7. 2000, Lokalausgabe Saarbrücken

Auch Christel Wirschheim aus Saarbrücken nutzt seit einigen Jahren die Bücherbörse. "Die Rechtschreibreform und immer neue Auflagen von Büchern machen es fast unmöglich, Schulmaterial in der Familie weiterzugeben."

Schmidt, Matthias: Verschwiegener Freund der Sportler. Stuttgarter Zeitung, 25. 7. 2000, Sport

Der Freiburger Professor Joseph Keul ist der bekannteste Sportmediziner Deutschlands gewesen — und einer, der polarisiert. [. . .] Im Fragebogen der "Frankfurter Allgemeinen'' gab er vor zwei Jahren Antworten, die typischer nicht sein könnten. Welche Reform er am meisten bewundere? "Die Rechtschreibreform, die keiner will.''

gur/DW: Die deutschen Rechtschreibregeln werden erneut reformiert. Kommission plant tief greifende Änderungsvorschläge — Duden nimmt Teile der Reform zurück — Germanisten sehen gravierende Folgen. Die Welt, 25. 7. 2000, nr. 171, s. 1

Die umstrittene Rechtschreibreform ist großen Teilen der Bevölkerung offenbar nicht vermittelbar und wird deshalb von Experten stillschweigend überarbeitet. Nach Informationen der WELT hat die Rechtschreibkommission aus negativen Erfahrungen gelernt und plant bereits tief greifende Änderungsvorschläge.

Guratzsch, Dankwart: "Auf Wiedersehen, Rechtschreibreform!" Hausorthografien ersetzen unsinnige Regeln. Die Welt, 25. 7. 2000, nr. 171, s. 4, Deutschland

Insgesamt, so hat die Bonner Sprachwissenschaftlerin Maria Theresia Rolland ermittelt, werden zurzeit mindestens 23 unterschiedliche Orthografien angewandt.
Ist da unsere schon mitgezählt?

Ickler, Theodor: Die "wohl durchdachte" Reform stirbt. Die Rechtschreibkommission kehrt stillschweigend zur alten Orthografie zurück. Die Welt, 25. 7. 2000, nr. 171, s. 9, Forum, Essay

Es kostet nur einen Federstrich, die erzwungene Scheinblüte der ohnehin welken Neuschreibung zu beenden und wieder so zu schreiben, wie es unter gebildeten Erwachsenen üblich ist.
In der Welt ist die reform schon tausend tode gestorben.

Hehn, Jochen: Rechtschreibreform auf Französisch. 3000 Romanisten streiten in Frankreich vehement um die Modernisierung der Orthografie. Die Welt, 25. 7. 2000, nr. 171, s. 36, Aus aller Welt

Selbst kleinere Korrekturen pflegen den Unmut der Sprachschützer hervorzurufen, wie der Streit um die Feminisierung von Berufsbezeichnungen ("Madame la ministre") gezeigt hat. Deshalb überrascht es um so mehr, dass sich seit einer Woche rund 3000 Französischlehrer aus 108 Ländern auf ihrem Kongress in Paris die Köpfe darüber heiß reden, ob es vielleicht doch sinnvoll sei, die französische Orthografie zu "modernisieren", das heißt: zu vereinfachen.

22. 7. 2000

Schermann, Ralph: Aus dem Leben und daneben gegriffen. Witzbolde, Reformignoranten und Buchstabendreher. Sächsische Zeitung, 22. 7. 2000, Görlitz

Nicht einmal originale Straßenschilder überdauern alle Zeiten. [. . .] Vor allem scheint [. . .] das "ß" auszugehen. Selbst der persönliche Name von Heinrich Karl Otto Straßburg, 1862 geborener Erfinder der Straßburgpassage, bekommt mittlerweile per Rechtschreibreform ein Doppel-S übergebraten. Die DDR wusste schon, warum sie sich nicht auf solche Schreibkrämpfe einließ: HO-Passage schrieb jeder richtig . . .

21. 7. 2000

Köhler, Monika: Gegenüber: Simone Weiss: Motto: Der Geist kann nicht im Trockenen wohnen. Pfalz-Nachrichten, Rheinpfalz Online, 21. 7. 2000, Bad Dürkheim

Das mit der verschiedenen Schreibweise des Familiennamens ist übrigens kein Versehen. Sie sei, als die Rechtschreibreform in Kraft trat, von ihrem Arbeitgeber gefragt worden, wie sie ihren Namen künftig schreiben wolle. Sie entschied sich für Weiss, im Gegensatz zum Rest der Familie, der sich weiterhin Weiß schreibt.

Nätscher, Richard: So heißt's in Partenstein. Drastische Ausdrucksweisen. Volksblatt Würzburg, 21. 7. 2000, Lohr

Die Mundarten besitzen ein eigenständiges Wertungssystem und unterliegen keiner Normierung und Beschränkung. Die Schriftsprache hat sich in den Amtsstuben, in den Fürstenhäusern und in der begüterten Oberschichten entwickelt. [. . .] Durch den [. . .] Buchdruck gewann die normierte Schriftsprache allmählich die Oberhand. Diese Entwicklung, zu der auch die neuerliche Rechtschreibreform gehört, dauert bis heute an und ist noch nicht abgeschlossen.

20. 7. 2000

Wiegel, Michaela: Ne me touche pas! Französisch-Lehrer tagen in Paris. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. 7. 2000, nr. 166, s. 14, Deutschland und die Welt

Müssen die französischen Rechtschreibregeln vereinfacht werden? Diese Frage beschäftigt die annähernd 3000 Französischlehrer aus aller Welt, die zurzeit in Paris zu ihrem zehnten Kongress zusammengekommen sind. Der Präsident der „Internationalen Föderation der Französischlehrer“ (FIPF), der Belgier Alain Braun, hat die Debatte über die Notwendigkeit einer Rechtschreibreform angestoßen.

Wagner, Rainer: Der geschenkte Gaul. Hannoversche Allgemeine, 20. 7. 2000

Das erzählt uns die Geschichte vom "Weißen Rössl", die jetzt von der Landesbühne Hannover im Kleinen Gartentheater (vormals: Probebühne) in Herrenhausen mal wieder aufgezäumt wird. Bei der Landesbühne schreibt sich der alte Theatergaul übrigens noch "Rößl" — und ist auch sonst sehr gestrig. Denn leider verweigert sich diese Produktion nicht nur der Rechtschreibreform (wofür man noch Verständnis haben kann), sondern auch jedem Denkansatz.

17. 7. 2000

wg: "Anwalt der Fortschrittsverlierer." Gastredner Heinz Schemken fordert mehr "C" in Politik und Gesellschaft. Der neue Tag, Oberpfalznetz, 17. 7. 2000

Der junge Mensch ohne Ausbildung von heute sei der Langzeitarbeitslose von morgen, sagte der Referent. Ihm sei es unbegreiflich, wie es zu einem Mangel an Fachkräften im Computerbereich und der Informationstechnik kommen konnte. "Das Kultusministerium befasste sich zehn Jahre lang mit der Rechtschreibreform, während andernorts längst zeitnah und bedarfsgerecht ausgebildet wurde."

Neumann, Dorle: Ärger über veraltete Schulbücher. Rechtschreibreform findet nur schleppend Einlass in die Klassenzimmer. Westfälische Nachrichten, (17. 7. 2000), Hintergrund und Meinung

Ernst Husse von der Schulaufsicht beim Regierungspräsidenten Münster bittet die Eltern um Geduld: »Wir sind in der Übergangsphase« — der Gesetzgeber habe eine Umstellung bis 2005 vorgesehen. Wegen des geringen Umfangs der Reform hält er die Auswirkungen an den Schulen »für nicht so gravierend«.

15. 7. 2000

Kasperowitsch, Michael: Bizarre Jugendszene hat große Fan-Gemeinde. BR-Zündfunk-Reihe „Neues aus Frammersbach" berichtet regelmäßig über Freizeitgestaltung der „Hotter-Gang". Nürnberger Nachrichten, (15. 7. 2000), Bayern

Zu den Lieblingsbeschäftigungen gehörte es damals noch, die Wand mit möglichst flotten Sprüchen zu bekritzeln. Kostprobe: „Tagsüber penne, und nachts schlafe (en stund)". Die Rechtschreibreform kam ihnen gerade recht, denn „da koste geschreuwe wos de wellt".

mb: Manche haben noch immer Mühe. Die beschlossene Rechtschreibreform scheidet die schreibenden Geister. Vorarlberger Nachrichten, 15. 7. 2000, Lokal

Der Ortsvorsteher der Feldkircher Fraktion Tisis, Herbert Sonderegger, findet die Rechtschreibreform gelinde gesagt "einen totalen Quatsch". [. . .] Ganz anders sieht dies der amtierende Bezirkshauptmann von Feldkirch, Dr. Bernhard Wiederin. Er ist überzeugt, dass die Rechtschreibreform grundsätzlich positiv zu bewerten ist und sehr viele Vereinfachungen gebracht hat.

13. 7. 2000

LexiKom — Wörterbuch für den Telekommunikationsmarkt in 2. erweiterter Auflage erschienen. ots Originaltext: Dschungelführer Verlag (ca. 13. 7. 2000)

Darüber hinaus will das LexiKom seinen Lesern nicht nur bei der Erklärung, sondern auch bei einheitlichen Schreibweisen Hilfestellung leisten. Unter Berücksichtigung der Rechtschreibreform und in Anlehnung an die Schreibregeln der Nachrichtenagenturen hat die Redaktion die wichtigsten neuen Rechtschreibregeln zusammengefasst und zudem spezielle Schreibregeln für Firmennamen und Begriffe entwickelt, die nun im Buch und im Internet (www.lexikom.de) erstmals veröffentlicht werden.

8. 7. 2000

Laux, Bernhard: «Einen Streik hätte ich befürwortet.» Der Teufner Primarlehrer Alfred Kern tritt nach 44jähriger Unterrichtstätigkeit in den Ruhestand. Appenzeller Zeitung (St. Galler Tagblatt), 8. 7. 2000, Mittelland

Vor keine Probleme stellte ihn die neue Rechtschreibung, eine Reform, die ihm zu wenig weit ging.

siehe Jochems, Helmut: Den Kultusministern zuliebe. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. 7. 2000, nr. 156, s. 49, Briefe an die Herausgeber

Es geht doch wirklich nicht um "Rechtschreibfrieden", sondern um die Wiederherstellung einer der deutschen Sprache angemessenen Rechtschreibung. Kein ernst zu nehmender Kritiker will ohne Wenn und Aber zu den alten Duden-Schreibungen zurück. Inzwischen liegen ein aufgeklärtes Regelwerk und ein entsprechendes Wörterbuch vor.
Nur ist das eben aus unserer sicht ein zurück zu den alten dudenschreibungen.

siehe Niemann, Borghild: Okkupierte Sprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. 7. 2000, nr. 156, s. 49, Briefe an die Herausgeber

Es darf nicht sein, dass eine kleine Bürokratentruppe, verstärkt durch willige Germanisten, weiterhin die deutsche Sprache okkupiert. Auf weitere empirische Studien, wie siehe Eisenberg sie vorschlägt, kann die Sprachgemeinschaft verzichten.

Schwarz, Elmar: Erstaunliche Leistung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. 7. 2000, nr. 156, s. 49, Briefe an die Herausgeber

Ihre Leistung ist vor allem deshalb erstaunlich, weil Sie das sinnentstellende Getrenntschreiben tagtäglich und vor allem wider besseres Wissen fast ohne jeden Rückfall in die alten Regeln ertragen haben.

Hinweise und Hilfe für Besucher im Schloss. Sieben Schilder mit Informationen zur Geschichte bedeutender Gebäude und Bauteile. Isar-Donau-Wald (Zeitungsgruppe Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung), (8. 7. 2000)

Unter den sieben Schildern in der Schlossanlage nimmt das am Haupttor eine Sonderstellung ein. Hier ist der Text wiedergegeben, wie er vor genau 475 Jahren in die Marmortafel über dem Tor eingraviert worden ist. Diese Inschrift ist ein Zeitdokument an dem deutlich wird, wie sehr die Rechtschreibung einem steten Wandel unterworfen ist.

5. 7. 2000

Essig, Rolf-Bernhard: Fundamental fehlerträchtig. Wenn aus Gulag Gulasch wird: Mit der Rechtschreibhilfe aus dem Computer kann man sein blaues Wunder erleben. Berliner Morgenpost, 5. 7. 2000, Feuilleton

Verschwörungen überall. [. . .] Es beginnt scheinbar ganz harmlos und doch in einem Kernbereich der deutschen Seele — der Rechtschreibung. (Keine Angst, wir legen nicht die alte Platte auf: die Kultusminister und die Schifffahrt mit drei f's.) Welche unsäglichen Qualen, welche unüberwindlichen Probleme sie bislang auch bereitete, mit dem Einsatz moderner Bürokommunikation schien es so, als beginne eine neue Ära ohne Demütigung durch orthographische Schwächen, denn: Fast-Monopolist Microsoft macht's möglich. Deren meist verbreitetes Software-Paket bietet ein Rechtschreibkorrektur-Programm [. . .].

1. 7. 2000

siehe Eisenberg, Peter: Fremde Federn. Korrektur der Rechtschreibreform vorbereiten - jetzt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. 7. 2000, nr. 150, s. 12, Zeitgeschehen

Die bisher vorliegenden punktuellen Erfahrungen reichen nicht aus, wenn das Ziel darin bestehen soll, den Rechtschreibfrieden wieder herzustellen. [. . .] Die Ergebnisse einer empirischen Erhebung müssten dazu führen, dass im Jahr 2005 gezielt Änderungen an den amtlichen Schreibweisen vorgenommen werden. [. . .] Und die Kritiker könnten sicher sein, dass ein Um- und Rückbau in die richtige Richtung ginge, selbst wenn er nur die größten Absurditäten beseitigte.
Oder ein weiterausbau in die richtige richtung?

30. 6. 2000

siehe Ickler, Theodor: Problem Rechtschreibreform. Zu "Wer auf den falschen Beruf setzt, verliert" vom 17. Juni. Stuttgarter Nachrichten online, 30. 6. 2000, Stuttgart

Lehrstellenbewerber haben es zusätzlich schwer, weil die überall verlangten Rechtschreibkenntnisse durch die Rechtschreibreform äußerst problematisch geworden sind. Man weiß nie, wie ein Personalchef es haben will. [. . .] Die bloße Bekundung von Unterwerfungsbereitschaft durch möglichst viele ss-Schreibungen genügt manchem, andere fühlen sich gerade dadurch abgestoßen.
Wenn rechtschreibung etwas mit unterwerfung zu tun hat, ist es in der tat problematisch.

28. 6. 2000

Hiller von Gaertringen, Otto freiherr: Schreiben wie vorher. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 6. 2000, nr. 147, s. 57, Briefe an die Herausgeber

Ich hoffe sehr, dass die F.A.Z. zum August wieder umstellt auf die qualitativ höherwertige und leserfreundliche "alte" Schreibweise.

23. 6. 2000

(Knitz): Hingucker. Stuttgarter Nachrichten, 23. 6. 2000, Stuttgart

Ein Haus der Liebe im Bayerischen Wald, in dem ein junges Paar ungestört sein will. Denn es ist "friesch voheiratet". Der Leser Albrecht Märkisch aus Büsnau hat im Urlaub die Ehehütte mit der etwas anderen Rechtschreibung entdeckt. Das sei wohl die "Rechtschreibreform auf bayrisch", spöttelt er. [. . .] Liebe fragt nicht nach der Orthografie. Anfangs stören kleine Fäler das Eheglick ohnehin nicht. Das kommt erst, wenn man nicht mehr so friesch voheiratet ist, gell.

berichtigung. die tageszeitung, 23. 6. 2000, nr. 6174, s. 13

Das wirklich Ärgerliche an der neuen Rechtschreibung ist doch verdammt noch mal das Verschwinden jeder etymologischen Sicherheit. Weiß doch kein Mensch mehr, ob fantastisch jetzt von Fanta kommt.

21. 6. 2000

Illauer, Wolfgang: Deutsch mangelhaft. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 6. 2000, nr. 142, s. 9, Briefe an die Herausgeber

Ich möchte die Kritik an der Einführung des Fremdsprachenunterrichts in der Grundschule noch schärfer formulieren. Es handelt sich um einen Schildbürgerstreich, der noch verrückter ist als die so genannte Rechtschreibreform.

20. 6. 2000

mas: Schaufenster. Rechtschreibung für PR-Leute. Frankfurter Rundschau, 20. 6. 2000

Deutsch ist durch die Rechtschreibreform nicht einfacher geworden. [. . .] Am Dienstag, 27. Juni, veranstaltet die Schwäbisch Hall Training GmbH ein gemeinsam mit der Dudenredaktion erarbeitetes Training für Kommunikationsfachleute [. . .]

Staniok, Holger: siehe Karasek schießt "Mit Kanonen auf Spatzen". Literaturkritiker und Autor liest heute im Werk II. Leipziger Volkszeitung Online, 20. 6. 2000, Meldungen aus Leipzig

Frage: Beachten Sie beim Schreiben die neuen Rechtschreibregeln? Ihr langjähriger Arbeitgeber, der Spiegel, tut es ja, obwohl er das ursprünglich nicht recht wollte. Hellmuth Karasek: Ich habe schon die alte Rechtschreibreform nicht beachtet. Da man aber inzwischen alt neben neu darf, mogle ich mich durch.

Pistor, Gerhart: Gestickte Weltpremiere in der Markenwelt. Kurier, (20. 6. 2000), Vermischtes

Außerdem wird ein Block mit vier Marken zu 20 Franken aufgelegt und als Besonderheit: "1 Kleinbogen in edlem Rahmen, numeriert und handsigniert", so die Post (und kümmert sich nicht um die neue Rechtschreibung "nummeriert") — er kostet stolze 185 Franken (1642,36 S).

19. 6. 2000

Die Regionalsieger des Schülerwettbewerbs "Meine Welt 2020" der Berliner Morgenpost stehen fest / Preisverleihung am 21. Juni im Axel Springer Verlag. ots Originaltext: ASV, 19. 6. 2000

Der 2. Preis geht an die Klasse 8b von der Katholischen Theresienschule in Weißensee. Die 13-Jährigen haben in wochenlanger Gemeinschaftsarbeit eine Zeitung vom 31. Mai 2020 erstellt: selbst geschrieben, layoutet und produziert. Wichtigste Neuerung: Im Jahr 2020 ist die Groß- und Kleinschreibung außer bei Eigennamen und Satzanfängen längst abgeschafft.

18. 6. 2000

Dach über dem Kopf, Körper auf Rädern. Kleine Zeitung, 18. 6. 2000, "Österreich und die Welt"

Ab heute zeigt die 7. Architektur-Biennale von Venedig, wie Architektur auf menschliche Grundbedürfnisse reagieren kann. [. . .] "Weniger Estetik, mehr Etik" — so liest sich das Motto in einer die Rechtschreibreform weiterführenden deutschen Übersetzung in einer 280 (!) Meter langen fantastischen Projektion zum Thema in den Seilereien des Arsenals — ist klarerweise kein monomanisches Unternehmen.

16. 6. 2000

Blom, Philipp: Grosse Kunst und Heringsfang. Das Aldeburgh Festival tritt aus dem Schatten seiner Gründer. Neue Zürcher Zeitung, 16. 6. 2000, nr.138, s. 66, Feuilleton

Aldeburgh (ausgesprochen «Oldbra» gemäss der unergründlichen Flexibilität und Exzentrizität der englischen Orthographie) ist ein seltsamer Ort für ein Festival.

14. 6. 2000

Kusch, Günter: "Ganz nach dem Motto: Frisch, frech, friesisch, frei." Otto Waalkes über Hochzeitspläne und Big-Brother-Manie – Konzerte mit den "Friesenjungs" in Bayreuth und Neumarkt. Der neue Tag, Oberpfalznetz, 14. 6. 2000

Bei Ihrem aktuellen Kinofilm ist mir der Titel aufgefallen. "Katastrofenfilm" mit "f" – entweder ist Otto Legastheniker oder Verächter der neuen Rechtschreibung. — Otto: Ich hab da wohl einen Fehler gemacht. Ich dachte, das wäre die neue Rechtschreibung.
Wir dachten auch schon, das sei die neue rechtschreibung. Aber dann verfügte kultusminister siehe Zehetmair im Spiegel vom 11. 9. 1995: «Es wäre eine Katastrophe, wenn es zu Katastrofe käme.»

13. 6. 2000

Kinner, Sabine: Laut und Luise auf Vers-Freiersfüßen. Frankfurter Neue Presse, 13. 6. 2000, Kultur

Der frühe Tod der Mutter hatte den jungen siehe Ernst Jandl hart getroffen. "sie starb, als ich 14 war, und dies war die erste der katastrophen, aus denen sich mein leben seither zusammensetzt", notierte der Dichter Anfang der 80er Jahre in charakteristischer Kleinschreibung.

Mathies: Die Brust schwimmt nicht mehr. Der Tagesspiegel, 13. 6. 2000, Medien, Glosse

Es soll [. . .] Kollegen geben, die alles nach alten Regeln runterschreiben und dann einfach per Computer-Befehl jedes Eszett nach kurzem Vokal in ein flottes ss ändern.

10. 6. 2000

Kriwanek, Gerd: Experimente mit "Lechts und Rinks": siehe Ernst Jandl gestorben. dpa, 10. 6. 2000

Ausgerechnet der Autor, der Rechtschreibregeln für sich selber nicht zu kennen schien, gehörte bis zuletzt zu den vehementen Gegnern der Rechtschreibreform.

Veit, Klaus: Das fängt ja ganz schön bombig an. Frankfurter Neue Presse, 10. 6. 2000, Sport

Mit welchen Erwartungen die wohl alle nach Belgien und Holland aufgebrochen sind? Der Journalist an sich ist ja von Berufs wegen neugierig und fragt sich: [. . .] Wer hat 100 Mark darauf gesetzt, dass Deutschland Europameister wird? Wer hat schon die neue deutsche Rechtschreibung fehlerfrei intus?

mit: Autor des Komischen und Erschreckenden: siehe Ernst Jandl ist tot. Die Presse onlie, 10. 6. 2000, Kultur & Medien

Sehr kritisch äußerte er sich 1996 zur geplanten Rechtschreibreform, die er für unnötig und verfehlt hielt.

9. 6. 2000

KNA: "Der Spiegel" strotzt vor Rechtschreibfehlern. Badische Zeitung, 9. 6. 2000, Aus aller Welt

Die Rechtschreibreform hat nach Auffassung der Initiative "Wir gegen die Rechtschreibreform" zu einer explosionsartigen Vervielfachung der Fehler geführt.

4. 6. 2000

siehe Ickler Theodor: Das Chaos wächst. Die Reformer mißachten ihre eigenen Regeln. www.rechtschreibreform.com, 4. 6. 2000, Kommentar

Es sind nicht nur die „alte“ (d. h. bewährte und moderne) und die „neue“ (d. h. künstlich archaisierende) Rechtschreibung, deren Nebeneinander die Schüler ebenso wie die Erwachsenen verwirrt und jede Schreibsicherheit verhindert, sondern die Reformer nehmen sich das Recht, in ihren Schriften jeweils so zu schreiben, wie sie es schon immer für richtig gehalten und nur leider nicht durchgesetzt haben.
Ja, in unserem fall ist es die natürlich archaisierende siehe eigennamengrossschreibung.

3. 6. 2000

Péus, Günter: Vom Verschwinden der schönen Elbvillen. Hamburger Abendblatt, 3. 6. 2000, Hamburg

Wie an manchen anderen Tagen kommt mir Siegfried Lenz, einer unserer Othmarscher Nachbarn, auf seinem Weg in die Waitzstraße entgegen, und es entspinnt sich eine kurze Diskussion am Gartenzaun. Der Schriftsteller ist eingeladen, das Wiederauftauchen der Mammut-Bohrmaschine vom Elbtunnel mitzuerleben. Eine bewundernswerte Technik — darüber sind wir uns einig und noch über ein anderes Thema: Nein, die neue Rechtschreibung machen wir nicht mit!

Eines der komplexesten Schriftsysteme. Japanische Schriftzeichen sehen für Ausländer extrem verwirrend aus. Isar-Donau-Wald (Straubinger Tagblatt / Landshuter Zeitung) 3. 6. 2000

Sicher wird sich mancher fragen, wieso eine derartig komplizierte Schrift existieren kann — aber hinter dem Erhalt von Schriftsystemen steht wie in vielen anderen Ländern auch die Macht der Gewohnheit. Hat man das Lesen einmal erlernt, wird nicht mehr das einzelne Schriftzeichen betrachtet, sondern eine Sinneinheit in ihrer Gesamtheit aufgenommen. Wer immer noch nicht überzeugt ist, der braucht nur an die Diskussion, die die neue Rechtschreibung oder um die Abschaffung der Groß- und Kleinschreibung in Deutschland ausgelöst hat, denken.

Stockfisch, Werner: Es heißt nicht Scampis, sondern Scampi! Fremdwörterbuch und Aussprachewörterbuch des Dudens neu erschienen. Schweriner Volkszeitung, 3. 6. 2000, Wochenendmagazin

Wenn außer De-skription auch noch Des-kription und sogar Desk-ription möglich sein soll, muss man am Sinn der so genannten Reform erneut zweifeln. Hätte man da die Worttrennung nicht ganz freigeben sollen?

Dräger, Matthias: Was kümmert einen siehe Prof. Augst sein Geschwätz von 1997? www.rechtschreibreform.com, 3. 6. 2000, Kommentar

Es ist keineswegs richtig, daß „das Nebeneinander von alter und neuer Rechtschreibung den Schülerinnen und Schülern keinerlei Probleme bereitet“.

2. 6. 2000

Sauer: Der ss-Marsch und die Folgen. www.rechtschreibreform.com, 2. 6. 2000, Kommentar

In der modernen Rechtschreibung kann man sich zwischen zwei s-Schreibweisen am Wort- bzw. Silbenende entscheiden: Zwischen s und ß. Die Endung ss gibt es nicht. In der mittelalterlichen Schreibung der selbsternannten Reformer, die in Wirklichkeit jedoch Reaktionäre sind, kommt eine weitere Variante hinzu, die ss-Endung.

1. 6. 2000

Balz, Alfred: "Faust" als Drei-Minuten-Nummer. "unterhaus": Ein musikalisch-satirisches Goethe-Programm mit der Gruppe "Liederjan". Allgemeine Zeitung, Main-Rheiner, 1. 6. 2000, Nachrichten aus der Region

Und Gott, Tod und Teufel? Religion und Interpunktion sind Glaubenssache, meinte schon Goethe als früher Befürworter der Rechtschreibreform.

Brandt, W.: Die ss-Regel macht die Rechtschreibung schwieriger. www.rechtschreibreform.com, 1. 6. 2000, Kommentar

Der Wegfall einer klaren und einfachen Regel [„Am Silben- oder Wortende steht statt ss ß“] vereinfacht die Orthographie keinesfalls, wenn wie hier in Situationen, die vorher einfach entscheidbar waren, nunmehr komplizierte Einzelfallregelungen beherrscht werden müssen.

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Rolf Landolt