Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)presseartikel → bis 31. 10. 2000

Aus der presse

Nachgeführt 15. 4. 2010

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31. 10. 2000

Kranz, Manuela: „Also, ääh“. Rolf Miller am Abend. Nürnberger Zeitung, 31. 10. 2000, Feuilleton

Würden in Millers Repertoire nicht ab und an Wörter wie „Rechtschreibreform“ oder „Handy“ auftauchen, könnte man sich vollends in die kabarettistischen Achtziger zurückversetzt fühlen.

30. 10. 2000

Güntner, Joachim: Die Tagung fiel aus, der Büchnerpreis bleibt. Die > Akademie in Klausur und Volker Braun auf der Bühne. Neue Zürcher Zeitung, 30. 10. 2000, 221. jg., nr. 253, s. 30, Feuilleton

«Rechtschreibreform und Nationalsozialismus» heisst das Buch, […] dessen suggestiver Titel sich vorzüglich dazu eignet, Aufmerksamkeit und böses Blut zu stiften. Als 1998 das Bundesverfassungsgericht seine Anhörung zur Rechtschreibreform durchführte, hatte > Christian Meier auf die Reformversuche des nationalsozialistischen Erziehungsministers Rust in den vierziger Jahren hingewiesen und pointiert, das gegenwärtige Bestreben, eine bei der Bevölkerung unerwünschte Orthographie staatlich durchzusetzen, erinnere doch sehr an die Ambitionen der Nazis — ein Vergleich, für den er sich entschuldigen musste und den er jetzt in Darmstadt auch nur wiederholte, um ihn zu verneinen. Mit dem nun vorliegenden Buch freilich bleibt die Suggestion in der Welt. […] Hoch ging es her in Darmstadt, es war die lebhafteste Veranstaltung der Akademie seit langem.

dpa: Gute Tradition. > Akademie gegen Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, 30. 10. 2000, 56. jg., nr. 250, s. 17, Feuilleton

Mit Ausnahme der Rechtschreibreformen der Nationalsozialisten 1941 und 1945 sei es bisher eine "gute deutsche Tradition" gewesen, nichts gegen den Willen des überwiegenden Teils der Sprachgemeinschaft zu tun.

unterm strich. die tageszeitung, 30. 10. 2000, nr. 6283, s. 14

Und wo wir schon bei Nazis sind: Auch die > Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung setzt ihren Anti-Reform-Alarmismus fort. "Rechtschreibreform und Nationalsozialismus" heißt ihre jüngste Publikation, von der die Akademie uns schreibt, sie provoziere mit dem Ergebnis, dass die 1996 beschlossene Neuordnung der deutschen Orthographie in ungebrochener Kontinuität auf den Reformbemühungen der Nazis aufbaut, und liefere so einen tabubrechenden Beitrag für die aktuelle Diskussion. War uns gar nicht bekannt, dass Dämlichkeit ein deutsches Tabu ist.

28. 10. 2000

dpa: Immer diese neue Rechtschreibung. Berner Zeitung, 28. 10. 2000, nr. 253, s. 47, Kultur, Kultour

Mit einer Attacke gegen die Reform der deutschen Rechtschreibung hat sich die > Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung zu Wort gemeldet.

27. 10. 2000

Völling, Kerstin: Reinhard Mey. Zeitgeist getrotzt. Kölnische Rundschau, 27. 10. 2000, Kultur

Aus Überzeugung hält der Berliner an Altbewährtem fest. Und das sind nicht nur seine Cowboy-Stiefel mit Metallbeschlag. "Ich singe nach der alten Rechtschreibung, lasse mir mein ß nicht wegnehmen und ein ph, das wie f klingt, habe ich auch untergebracht", raunt Mey trotzig.

APA/df: Reich-Ranicki über Handke, Computer und Mahnmäler. Kurier online, 27. 10. 2000

Bei einem Bankett im Presseclub Concordia machte Marcel Reich-Ranicki wieder einmal Rundumschläge. […] Alle 100 Jahre darf einmal die Rechtschreibung reformiert werden.

21. 10. 2000

gg: Das Wunderbare der deutschen Sprache. Kabarettisten-Duo Michael Angierski und Elmar Thüner untersuchten im Pub Wortgebilde Lampertheimer Zeitung (Main-Rheiner), 21. 10. 2000, Nachrichten aus der Region

Aufs Korn genommen wurden Rechtschreibreform und die Gefährdung der Arbeitsplätze, egal wie sich die Menschen verhalten.

Düperthal, Gitta: Gemischtes Doppel. Gremliza und Tomayer auf der Buchmesse Frankfurt. Main-Echo Online, 21. 10. 2000, Kultur

[…] liefern sie bissige Polemik: Über jenes bedeutende Blatt Deutschlands, das gewichtig mit der Rechtschreibreform aufmachte, obgleich zum gleichen Zeitpunkt in Düsseldorf ein fremdenfeindlicher Anschlag erfolgte […]

20. 10. 2000

Schmitter, Katja: «Qu'est-ce-que you have gseit?!?» Gedanken zur Sprachendiskussion links und rechts von neuer Rechtschreibung und Frühenglisch. Zofinger Tagblatt, 20. 10. 2000

Die Frage «Bist du reformiert oder katholisch?» ist schon lange der Frage «Schreibst du kennen lernen getrennt oder zusammen?» gewichen. […] Weshalb man bei der rechtschreibreform nicht gleich nägel mit köpfen gemacht statt alten wein in neuen schläuchen verkauft hat, bleibt im verborgenen (ja, kein überlegen, ob gross oder klein!).

kan: Man spricht (noch) Deutsch in Tschechien. An den Schulen des Nachbarlandes läuft Englisch unserer Muttersprache langsam den Rang ab. Der neue Tag, Oberpfalznetz, 20. 10. 2000

Bei der Tagung […] ging es auch um die Rechtschreibreform mit ihren Fallstricken, die aber den Tschechen, wie sich herausstellte, weniger Probleme bereitet als vielleicht erwartet. "Man kann's lernen", meinte eine Seminarteilnehmerin. Das gelte für Schüler wie für Lehrer.

> Fuchs, Michael: In die rechte Ecke geschoben. Klar, schlicht und stark; SZ vom 2./3. Oktober (I). Süddeutsche Zeitung, 20. 10. 2000, s. 15, Briefe an die SZ (136 wörter)

Weil ich die Rechtschreibreform zumindest zum großen Teil befürworte […], bin ich tief in meinem Innersten ein Nazi und arbeite von mir unbemerkt daran, zum „späten Vollstrecker des NS-Willens“ zu werden. […] Seit längerer Zeit ist zu beobachten, dass den Reformgegnern anscheinend die Argumente ausgehen, und so greift man zur vermeintlich schärfsten Waffe […].

> Kimm, Egbert: In die rechte Ecke geschoben. Klar, schlicht und stark; SZ vom 2./3. Oktober (II). Süddeutsche Zeitung, 20. 10. 2000, s. 15, Briefe an die SZ (142 wörter)

Ich würde mir wünschen, dass Sie diesen Weg der kritischen Auseinandersetzung mit Sachargumenten weitergehen würden[,] und hoffe sehr, dass Sie sich am Ende dieser Auseinandersetzung dazu durchringen, dem Schritt der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, die alte Rechtschreibung zu verwenden, zu folgen.

Einschliesslich kommaregeln, alt oder neu.

> Schübel, Klaus: In die rechte Ecke geschoben. Klar, schlicht und stark; SZ vom 2./3. Oktober (III). Süddeutsche Zeitung, 20. 10. 2000, s. 15, Briefe an die SZ (144 wörter)

Hans Kriegers Artikel ist ein Beispiel für die politische Unkultur in unserem Land. […] Versuchten die Gegner der Rechtschreibreform ursprünglich, die Reformer als Alt-68er hinzustellen, die nachträglich ihre sozialistischen Utopien durch die Reform umsetzen wollten, so sollen sie jetzt als Nazis diffamiert werden.

19. 10. 2000

Kronauer, Brigitte: Kreuzdonnerwetter! Kann man auf Deutsch nur Befehle brüllen? Über den unwiderstehlichen Singsang und die Rechtschaffenheit unserer Muttersprache. Weltwoche, 19. 10. 2000, 68. jg., nr. 42, s. 45f, Literatur

Jedenfalls ist die deutsche wie jede Sprache jederzeit politisch und ästhetisch zu missbrauchen, partiell im Wortschatz verschlissen und in einigen Fällen für eine Weile unbenutzbar geworden durch unerträgliche Assoziationen […]. Trotzdem sollte man ihre Karikatur, dazu gehören die Wortvergewaltigungen einer Bürokratiesprache durch ungehemmten Prä- und Suffixgebrauch wie auch die Highlights der aktuellen Rechtschreibreform, nicht mit ihr selbst verwechseln.

> Gauger, Hans-Martin: Rechtschreibreform — personelle Identität und Kontinuität. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. 10. 2000, s. 57, Feuilleton

Merkwürdig finde ich es, nebenbei, daß niemand von einer anderen Orthographiereform redet, die tatsächlich stattgefunden hat. Natürlich ist es im strengen Sinn keine Orthographiereform, aber doch etwas in die Nähe Kommendes. Ich meine die Einführung der lateinischen Schrift und die gleichzeitige Abschaffung der bisherigen, der Sütterlin-Schrift. […] Gut, dies ist ein anderes Kapitel, aber daß es in Zusammenhang mit der Rechtschreibreform überhaupt nie aufgemacht wird, ist schon ein wenig überraschend. […] Man kann auch gegen die Kleinschreibung sein, aber daß dies eine wirkliche Reform gewesen wäre und auch eine wirkliche Vereinfachung — jedenfalls fürs Schreiben — kann wirklich nicht bestritten werden. Als dies nicht ging, da konnten nur noch Kinkerlitzchen bleiben, die nun irritieren.

Zur fraktur: «Überhaupt nie» ist nicht ganz richtig, wie eine suche nur schon auf diesen seiten zeigt.

tg: CDU fordert mehr Geld für Schulbücher. Kölner Stadt-Anzeiger, 19. 10. 2000, Rhein/Wupper

Heinz Wilgenbusch, schulpolitischer Sprecher der CDU-Fraktion, begründete den Antrag mit der Rechtschreibreform […]

Feichtner, Raimund: Ein altersweiser Mey. Oberbayerisches Volksblatt, 19. 10. 2000, Kultur

Und er sang, wie er augenzwinkernd erzählte, «nach der alten Rechtschreibung».

18. 10. 2000

smu.: Deutsche greifen weiter zum Reformduden. Rechtschreibdebatte hat die Käufer von Wörterbüchern nicht verunsichert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18. 10. 2000, s. 20, Wirtschaft

Die 22. Auflage des Rechtschreib-Duden verkauft sich nach Angaben des Mannheimer Bibliographischen Instituts überdurchschnittlich gut. […] Der Absatz des Konkurrenzwerkes von Bertelsmann ist dagegen im Vergleich zum Juli um 10 bis 20 Prozent gesunken. […] Im Gegensatz zu 1996 zeigten sich die Käufer diesmal nicht verunsichert. "Damals haben die Leute noch nach der alten Rechtschreibung gefragt", erinnert sich eine Hugendubel-Mitarbeiterin. Inzwischen habe man sich gewöhnt — auch Gerüchten, daß möglicherweise wieder alles anders werde, begegneten die Kunden mit Gelassenheit.

17. 10. 2000

> Dové, Stephan: «Regeln benutzerfreundlicher umgesetzt.» Dudens Neuauflage der deutschen Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, 17. 10. 2000, nr. 242, s. 68, Feuilleton

Es scheint, als ob aus dem Duden-Wörterbuch, von dem erwartet wird, das es richtungweisend für die Rechtschreibung sein soll, ein Verzeichnis der Möglichkeiten geworden ist. Wer ob der Vielfalt der Möglichkeiten irritiert wird, den verweist der Duden-Verlag auf das im Oktober 1998 erschienene Praxiswörterbuch zur neuen Rechtschreibung, «denn es zeigt für alle Wörter in der Regel nur eine Schreibvariante».

Kellerhoff, Sven Felix: An der Ostfront begann der «Holokaust». Guido Knopps ZDF-Dokumentation schildert in sechs Teilen den Mord an den europäischen Juden. Berliner Morgenpost, 17. 10. 2000, TV & Medien

Die Schreibweise ist kein Irrtum und hat auch nichts mit der umstrittenen Rechtschreibreform zu tun. Die ungewohnte, «eingedeutschte» Schreibung ist vielmehr Programm: «Das Verbrechen ist von deutschem Boden ausgegangen.

16. 10. 2000

vor der buchmesse: gesamtbuchstabenmenge liegt über höchstgrenze. die tageszeitung, 16. 10. 2000, nr. 6271, s. 19

Der Grund: die von den deutschen Verlagen immer häufiger angewandte Rechtschreibreform. […] Die wenigen eingesparten Kommata reichen kaum aus, um das diesjährige Buchstabengesamtgewicht der Messe unter die zulässige Höchsttonnage zu drücken. Das Buchstabengewicht hat sich durch die teilweise Abschaffung des "ß" zugunsten von "Doppel-s" deutlicher erhöht als zunächst vermutet.

Sauer, Wolfgang: Felerquoten! Sprach Spiele. Die Welt, 16. 10. 2000, Feuilleton

Angesichts der rauhen/rauen Wellen, die die Orthografieglaubensfrage derzeit schlägt, heißt es gegenüber den wahren Tücken: Ruhe bewaren. Entschuldigung: Rue bewahren. Nein, auch falsch. Unerhört schwierig, keine Fehler zu machen.

Maier, Stefan: Aus dem Maximilianeum. Anmerkungen zur Landespolitik. Die Welt, 16. 10. 2000, Bayern

Es umfasst knapp 500 Seiten, wiegt zwei Kilo und hat einen himmelblauen Plastikeinband: Das offizielle "Handbuch des Bayerischen Landtages". […] Wie gewissenhaft der Landtag seine Informationen überarbeitet, zeigt auch der Blick auf die neue Rechtschreibung: Der gute alte "Ausschuß" (sic!) heißt ab sofort "Ausschuss", genauso wie aus dem SPD-Abgeordneten Johannes Straßer (sic!) ein Strasser wurde — auf eigenen Wunsch, wie der Landtag betont, "er hat sogar sein Geburtsregister ändern lassen".

15. 10. 2000

von Wrangel, Cornelia, und Riebsamen, Hans: "Ein Walser veröffentlicht nicht im Internet." Die Konkurrenz der elektronischen Medien, die Rechtschreibreform und die literarische Bildung: Fragen an Deutschlands wichtigsten Verleger, Siegfried Unseld. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15. 10. 2000, s. 9, Sonntagszeitung

Ich wäre sehr für eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung. Ob wir das bei unseren Kultusministern schaffen? Ich glaube nicht, denn Minister wollen sich ungern revidieren.

14. 10. 2000

Hunold Straub, Irène: Lesefieber bei Glarner Harry-Potter-Fans. Der vierte Band «Harry Potter und der Feuerkelch» erscheint heute auch im Glarnerland. Südostschweiz Glarus, 14. 10. 2000, nr. 241, s. 3, Glarnerland

«Um neun Uhr morgens werden die Camions geladen, und dann werden die Buchhandlungen in der Schweiz beliefert», so Hanspeter Joos, Leiter der Verlagsauslieferung, im Vorfeld. […] Und auf die Frage, ob er schon mal einen solchen Run erlebt habe, meinte er: «Höchstens, als der neue Duden aufgrund der neuen Rechtschreibung erschien.»

13. 10. 2000

Wittwer, Peter: Ein Wortverliebter, der etwas zu erzählen hat. Reinhard Mey stellte im fast ausverkauften Stadtcasino sein mittlerweile 21. Album «Einhandsegler» vor. Basler Zeitung, 13. 10. 2000, nr. 239, s. 44, Kultur aktuell

Meys auf die Rechtschreibereform gemünzte Bemerkung «Ich bin schon zu alt, um umzulernen» («Haben Sie gehört — im letzten Lied waren einige Phs drin»), lässt sich ohne weiteres auf sein ganzes dichterisches Selbstverständnis übertragen.

Seifert, Heribert: Produktive Unruhe geht von den Alten aus. Die überregionale deutsche Tagespresse in Bewegung. Neue Zürcher Zeitung, 13. 10. 2000, nr. 239, s. 77, Medien und Informatik

Vor allem aber inszeniert das > «FAZ»-Feuilleton mit Inbrunst und grossen rhetorischen Gesten gesellschaftspolitische «Debatten» und besetzt selbstbewusst viele der Themen mit, die Traditionalisten eigentlich für politische Ressorts reservieren möchten. […] Ohne Scheu hat Frank Schirrmacher, der junge für Kultur verantwortliche Herausgeber, eine etwas skurrile Kampagne für die Rückkehr zur alten Rechtschreibung losgetreten. Mancher Leser wäre freilich schon dankbar, wenn die Zeitung beim Redigieren der Artikel etwas mehr Sorgfalt walten liesse und nicht so viele Druck- und Grammatikfehler produzierte.

Stache, Rainer: Hamburg zeigt Flagge in Berlin. Neue Landesvertretung eröffnet — Alt-Kanzler Schmidt warnt vor neuer Gigantomanie und falscher Europapolitik. Berliner Morgenpost, 13. 10. 2000, Berlin

Aber auch in der Bundesrepublik sei der Föderalismus ausgehöhlt wie seit 1949 nicht. Neben der Finanzpolitik sei «der ballonartig aufgeblähte Apparat der Kultusministerkonferenz dabei ein Hauptschuldiger. Die Konferenz gehöre abgeschafft, inklusive der überflüssigen Rechtschreibreform», forderte Schmidt unter spontanem Beifall des Auditoriums.

Baar, Michael, Und Wetzel, Holger: "Recht guter Jahrgang". Thüringer Allgemeine, 13. 10. 2000

Der Nobelpreis für den gebürtigen Weimarer Herbert Kroemer hat nicht nur das Rathaus bewegt. Alte Schulfreunde, das Schillergymnasium und ehemalige Nachbarn kramen in Erinnerungen und suchen nach Spuren des plötzlich weltberühmten Wissenschaftlers. […] Auch der Mathe-Leistungskurs der zwölften Klassen hat einen Brief geschrieben. "Dabei haben wir uns entschlossen, die Rechtschreibreform außen vor zu lassen. Damit kann der Professor bestimmt nichts anfangen", fanden die Schüler. In dem Brief heißt es: "Wir sind sicher, daß es nicht nur in unserem Interesse liegt, Sie willkommen zu heißen. Wir vermuten, auch Sie sind neugierig, wie das Friedrich-Schiller-Gymnasium und Weimar heute aussehen."

DW: Helmut Schmidt warnt vor zu viel Macht für Brüssel. Ausufernde "Mischkompetenz und Mischfinanzierung" löse ein tiefes Misstrauen der Bürger aus. Die Welt, 13. 10. 2000, nr. 239, s. 4, Politik, Deutschland

In diesem Zusammenhang, so sein Vorschlag, könne auch umgehend die "aufgeblähte Bürokratie der Kultusministerkonferenz abgeschafft werden" — einer Einrichtung, die auch noch eine überflüssige Rechtschreibreform geschaffen habe. Die Kultusministerkonferenz habe keine Existenzrechtfertigung: "Wenn etwas bundeseinheitlich zu regeln ist, ist das Sache von Bundesregierung und Bundestag."

12. 10. 2000

Solomicky, Michael: Ales ferkehrd. Facts, 12. 10. 2000, nr. 41, s. 46ff, Schweiz

Unsere Kinder sind von der deutschen Sprache total überfordert, ihre Kenntnisse katastrophal. Statt Frühenglisch wäre Frühdeutsch nötig. […] Von Orthografie und Grammatik, Konjugation und Deklination scheinen viele Schulabgänger nichts begriffen zu haben. Stattdessen behelfen sie sich mit fonetischer Schreibweise […].

Stoffels, Alfred: Schloßstraße wird zur Schlossstraße. In Aachen werden 61 Straßenschilder ausgewechselt. Aachener Nachrichten online, 12. 10. 2000, Nachrichten aus Aachen

Getilgt wird flächendeckend jeder Straßenname, der unzeitgemäßerweise ein "ß" hinter kurzem Vokal aufweist […]. 17 Aachener Straßen sind betroffen […]. Angesichts von etwa 3000 Straßennamensschildern in Aachen (bei einer Gesamtzahl von 30.000 Verkehrszeichen) findet die Rechtschreibreform nur relativ geringen Niederschlag im Stadtbild. Dennoch gibt es kritische Stimmen, die fragen, ob es in Zeiten leerer Kassen so dringend nötig sei, einige tausend Mark wegen ein paar Veränderungen am deutschen Schriftgut auszugeben (die Lebensdauer eines Schildes beträgt in der Regel zehn bis 15 Jahre).

Schmidt, Michael: Williges Werkzeug des bayerischen Kultusministeriums. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 10. 2000, s. 10, Politik

Der Bayerische Philologenverband ist seit langer Zeit ein williges Werkzeug des bayerischen Kultusministeriums. […] Daß es an den deutschen Schulen auf Jahre hinaus zu einem unerträglichen Rechtschreibchaos gekommen ist, liegt am Desinteresse oder an der Inkompetenz von Verbandsfunktionären, die keine Germanisten sind.

Becht, Manfred: Polemik auf Wolters Homepage. Frankfurter Neue Presse, Höchster Kreisblatt, 12. 10. 2000, Lokales

[…] die Internetseite des CDU-Bürgermeisterkandidaten Ralf Wolter. Der letzte Eintrag übrigens stammt vom CDU-Kreisvorsitzenden und Landtagsabgeordneten Axel Wintermeyer. Der äußert sich […] lobend über Wolters Internet-Seiten. Allerdings hat er seinen gesamten Beitrag ohne Großbuchstaben abgefasst. Ein neuer Vorschlag zur Reform der Rechtschreibreform?

fa: Vier gute Argumente für den "Hohenbogen". Schreibweise, wie sie die Geschichte nahelegt. Kötztinger Zeitung (Straubinger Tagblatt, Landshuter Zeitung), (12. 10. 2000), Regionalnachrichten

"Hoher Bogen" oder "Hohenbogen"? Mit dieser Frage setzte sich Ludwig Baumann in seinem Vortrag am Dienstag beim Wald-Verein in Kötzting auseinander. […] Die Getrenntschreibung […] ist eine Mode unserer Zeit. […] Das Sprach- und Schreibwirrwarr um den "Hohen Bogen" gehört für unsere Redaktion seither der Vergangenheit an, zumal "Hohenbogen" für Transparenz und Vereinfachung sorgt. Was man von vielen Bestandteilen der Rechtschreibreform nicht gerade behaupten kann.

10. 10. 2000

Vogel, Elke: Warten auf Harry Potter: Fans rüsten sich mit Butterbier. Rhein-Neckar-Zeitung, rnz-online, 10. 10. 2000, Kultur

Der erwartete Run auf das Buch sei wohl nur mit dem Sturm auf den neuen Duden nach der Rechtschreibreform vergleichbar, heißt es in einer großen Düsseldorfer Buchhandlung.

9. 10. 2000

Vogel, Elke: Warten auf Harry Potter: Fans rüsten sich mit Butterbier. Südkurier, 9. 10. 2000, Nachrichten

Deutschland ist im Harry Potter-Fieber: Tausende lesehungrige Fans des Zauberers zählen die Tage bis zum Erscheinen des vierten Bandes «Harry Potter und der Feuerkelch» an diesem Samstag. […] Der erwartete Run auf das Buch sei wohl nur mit dem Sturm auf den neuen Duden nach der Rechtschreibreform vergleichbar, heißt es in einer großen Düsseldorfer Buchhandlung.

8. 10. 2000

Schwilk, Heimo: Rechtschreibung nach Nazi-Vorbild? Die Art und Weise der Rechtschreibreform von 1996 zeigt große Ähnlichkeiten mit den Reformplänen, die 1941 im Auftrag Hitlers ausgearbeitet wurden, fanden zwei Forscher heraus. Welt am Sonntag, 8. 10. 2000, nr. 41, s. 38, Zeitgeschehen

Anders als die Reformer von heute hätten sich die Nationalsozialisten aber nicht getraut, ihre Pläne gegen die Öffentlichkeit durchzusetzen.

Wir haben den vätern der neuregelung immer vorgeworfen, dass sie zu sehr auf die akzeptanz schielten. Oh, wie haben wir uns getäuscht! Es waren die zartbesaiteten nationalsozialisten, denen die akzeptanz das höchste war. Eine rechtschreibreform lag oberhalb, der millionenfache mord dagegen unterhalb der akzeptanzschwelle. Eine interessante geschichtsauffassung! In dieser abstufung nimmt sich das, was sich die heutigen reformer getrauen, entsprechend schlimm aus. (Nicht zu reden von dem, was der BVR will.) Jetzt verstehen wir, warum gegner wie > Jürgen Frielinghaus nur noch beten können.

7. 10. 2000

Nolte, Jost: Rückbau. Berliner Morgenpost, 7. 10. 2000, Feuilleton, Glosse

Im Ernst, der > Präsident der Akademie sollte uns verraten, was er im Sinn hat. Will er Korrekturen, die «leid» und «Leid» betreffen, oder will er die Rechtschreibreform zu Klumpatsch schlagen? Merke: Ein Euphemismus ist eine besonders tückische rhetorische Figur.

Aly, Götz: Wenn das der Führer wüsste. Berliner Zeitung, 7. 10. 2000, Feuilleton

Mit der von Hitler gestoppten Rechtschreibreform war eine andere von ihm gewollte Reform einhergegangen: Die Abschaffung der Frakturschrift […]. Wir empfinden diese Modernisierung nicht als Willkürakt der Diktatur. Auch sie ging auf die Brüder Grimm zurück. In der Einleitung zum Deutschen Wörterbuch hatte Jacob Grimm die deutsche Schrift als "unförmlich und das auge beleidigend" bezeichnet und zur Orthographie bemerkt: "in den letzten drei jahrhunderten, trägt die deutsche schreibung so schwankende und schimpfliche unfolgerichtigkeit an sich, wie sie in keiner anderen sprache jemals stattgefunden hat, und nichts hält schwerer als diesen zustand zu heilen. Berlin 2. merz 1854." Merke: Geschichte ist kein ideologischer Selbstbedienungsladen.

rf: Ausblick auf Herbsttagung. Darmstädter Echo, 7. 10. 2000

Die Herbsttagung der > Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung steht vor der Tür […]. Am Freitag (27.) gibt es um 14.30 Uhr im Maritim-Konferenzhotel eine Buchvorstellung: „Rechtschreibreform und Nationalsozialismus“.

Reumann, Kurt: Gedämpfte Hoffnung auf Besserung. Die Kultusminister beobachten die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 10. 2000, nr. 233, s. 5

Erst am Ende ging > Lemke auf die Rechtschreibreform ein. […] In dem Gesamtbericht soll sie [die > kommission] Ende 2001 auch die Ergebnisse ihrer Gespräche mit Schulbuchverlagen, Zeitschriftenverlagen und Nachrichtenagenturen berücksichtigen. Von Literaturverlagen ist nicht die Rede. Daß überhaupt Bewegung in die bislang auf die Verteidigung der Reform konzentrierte > Kultusministerkonferenz kam, ist nach dem Urteil von Beobachtern der Rückkehr der > Frankfurter Allgemeinen Zeitung zur alten Rechtschreibung und dem Engagement der hessischen Wissenschaftsministerin und FDP-Vorsitzenden > Wagner zu verdanken.

RH: Rechtschreibung wird 2001 geprüft. Kölner Stadt-Anzeiger, 7. 10. 2000, Kultur

Bereits Ende des Jahres 2001 werden die Erfahrungen mit den neuen Rechtschreibregeln zusammengefasst.

Hartmann, Rainer: Nur Mut, Kultusminister. Kölner Stadt-Anzeiger, 7. 10. 2000, Kultur, Kommentar

Die Kultusminister sehen nach den jüngsten Protesten Handlungsbedarf. Jetzt muss ihnen Mut zugesprochen werden, vor allem Mut dazu, die unseligen Getrenntschreibungen wieder abzuschaffen.

Rubner, Jeanne: Minister stützen Schreibreform. Experten-Kommission soll aber Bericht früher vorlegen. Süddeutsche Zeitung, 7. 10. 2000, s. 8, Nachrichten

Die Kritik an den neuen Regeln bewerten die Minister als eine „von einzelnen Medien während der Sommermonate hervorgebrachte“. Es gebe wichtigere Bildungsfragen als die Rechtschreibreform, sagte KMK-Präsident Lemke.

Volk, Frank: Unterm Strich. Die Samstagskolumne. Südkurier, (7. 10. 2000), Villingen, Lokales

Ratsrechtsaußen Jürgen Schützinger hat da einmal ins bildungspolitische Feld hinein geschnüffelt und als — vermutlich — ohnehin Anhänger altgermanischer Runenschrift die innig diskutierte Rechtschreibereform auserkoren. […] So recht mochte freilich nicht mal der Hinweis ziehen, dass solches Aufständlertum nach innen nichts kostet und nach außen kostenlose Werbung bringt. Zwar, grummelte Alt-OB Gebauer zum Thema, könne auch er der modernisierten Fassung deutscher Rechtschreibung nicht sonderlich viel Positives abgewinnen, noch weniger allerdings der Aussicht, dass sich Villingen-Schwenningen gegen die neue Rechtschreibung ausspricht, Donaueschingen vielleicht dafür, während ein dritter Ort möglicherweise den heilenden Ausweg im Esperanto sieht. Und ein gesellschaftpolitisch bedeutsames Thema auf dem Altar der schnellen Schlagzeile zu opfern? Nein, irgendwie hat man sich unter den Kommunalpolitikern unter medial wirksamen Events etwas anderes vorgestellt.

Guratzsch, Dankwart: Neue Rechtschreibung wird früher reformiert. Kultusminister beschließen: Kommission muss schon bis 2002 Änderungsvorschläge vorlegen. Die Welt, 7. 10. 2000, Politik, Hauptstadt

Zu dem jetzt beschlossenen Verfahren sagte > Wagner der WELT, die Termine für die "Reform der Reform" würden um mehrere Jahre vorgezogen. So solle die > zwischenstaatliche Rechtschreibkommission in Mannheim bereits im nächsten Jahr eine "Bilanz" der Reform vorlegen. Schon im Jahr 2002 werde sie dann ihre Änderungsvorschläge präsentieren.

Schreibreform: Die Deutschen bleiben ihr treu. Die Presse, 7. 10. 2000, nr. 15.792, s. 33, Kultur

Trotz massiver Kritik hält die deutsche Kultusministerkonferenz an der Rechtschreibreform fest.

6. 10. 2000

stg: Mehr Achtung vor den Lehrern verlangt. Stuttgarter Zeitung, 6. 10. 2000, nr. 231, 56. jg., s. 2, Politik

Hessens Wissenschaftsministerin > Ruth Wagner (FDP) hatte zuvor in der "Welt" gefordert, die KMK müsse dafür sorgen, dass die geplante Überprüfung der Rechtschreibreform durch eine > zwischenstaatliche Kommission nicht erst 2003 erfolge. KMK-Präsident Lemke wandte sich gegenüber der StZ gegen eine Reform der Reform. Denkbar seien allenfalls kleinere Korrekturen am Regelwerk.

Leyendecker, Hans: Strobel gegen alle. Ein emeritierter Hamburger Professor sorgt mit seinen Attacken gegen CDU und SPD für den erhofften Wirbel. Süddeutsche Zeitung, 6. 10. 2000, s. 13, Themen

Wer in der Parteispendenaffäre gräbt, darf sich vor gut gemeinten Hinweisen nicht fürchten. So gab am 31. Januar diesen Jahres ein Apotheker der Wiesbadener Staatsanwaltschaft den Tipp, die anonymen Zahler in den Reihen der Großverlage zu suchen, die mit der Rechtschreibreform kräftig Kasse gemacht hätten. Angesichts des Unsinns der Reform müssten hohe Bestechungsgelder geflossen sein.

bm: Stadt schreibt weiter reformiert. Südkurier, 6. 10. 2000, Villingen

Die Rechtschreibreform ist ein Flop und soll wieder abgeschafft werden, fordert Stadtrat Jürgen Schützinger. Der Rechtsaußen hat einen förmlichen Antrag gestellt.

lsw: Landtag hält an der Rechtschreibreform fest. Nur "Republikaner" für Sonderweg in Baden-Württemberg. Südwest Presse, 6. 10. 2000, Südwestumschau

An der umstrittenen Rechtschreibreform sollte nach dem Willen einer großen Mehrheit im Landtag festgehalten werden.

Schubert, Bärbel: Kultusminister bleiben hart. Tagesspiegel online, 6. 10. 2000, Kultur

Grundsätzlich brauche die Umstellung allerdings Zeit. Eltern und Lehrer dürften nicht durch eine neue Änderungsdiskussion verunsichert werden, wie es bei der turnusmäßigen Konferenz der Schul- und Wissenschaftsminister am Donnerstag in Bremen hieß.

5. 10. 2000

lsw: Keine Rückkehr zu alten Regeln. Badische Zeitung, 5. 10. 2000, Baden-Württemberg/Aus der Region

Dem hielt Kultusstaatssekretär Rudolf Köberle (CDU) entgegen, die „Republikaner“ versuchten lediglich eine überflüssige Sommerlochdebatte zu verlängern.

Reumann, Kurt: Die Kultusminister haben vor der nationalen Aufgabe kapituliert. Das Deutschland-Bild spaltet die Länder. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 10. 2000, s. 3, Politik

Anstatt weiter um Verständigung zu ringen, warf sich die > Kultusministerkonferenz 1995 auf die Reform der Rechtschreibung, auf die sie sich Ende des Jahres einigte. Man tritt dem Präsidenten der Konferenz, Reck, nicht zu nahe, wenn man feststellt, daß er das Ausmaß und die Wirkung des neuen Regelwerks nicht durchschaute. Sein Nachfolger im Präsidentenamt, der niedersächsische Kultusminister > Rolf Wernstedt (SPD), war unglücklich darüber, daß er sich 1996 vornehmlich mit der Rechtschreibreform herumzuschlagen hatte und als "Rechtschreibpräsident" in die Geschichte einzugehen drohte. Viel lieber hätte der in der DDR geborene und zur Schule gegangene Politologe seine Kollegen, aber auch Lehrer und Schüler zum "Nachdenken über Deutschland" angeregt.

neu Reumann, Kurt: Die ungeliebte Rechtschreibreform. Chronik einer Überwältigung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 5. 10. 2000, s. 8, Politik

Die Geschichte der Rechtschreibreform läßt sich mit einem Staffellauf vergleichen, bei dem der Stab unabhängig davon weitergereicht wurde, ob in Deutschland eine Monarchie, eine Diktatur oder eine Demokratie den Herrschaftsrahmen abgab. Unablässig variierten die "Neuerer" alte Vorschläge; nur die ideologische Verbrämung änderten sie von Fall zu Fall. Sie waren sich bewußt, daß die Öffentlichkeit ihre Pläne nicht billigen werde.

Guratzsch, Dankwart: Wagner: Die Rechtschreibreform in Teilen zurücknehmen. Die > hessische Wissenschaftsministerin kritisiert die Schreib-Verunsicherung und plädiert für eine Reform der Reform. Die Welt, 5. 10. 2000, nr. 232, s. 4, Deutschland

Die neue "ß/ss"-Regel ist ziemlich inkonsequent. […] Wir schrieben bisher die Anrede "Du" groß. Und da sagen die nun: Wenn man jemanden duzt, dann besteht kein Anlass, ihm eine besondere Ehrerbietung zu bezeugen — also klein schreiben! Aber wenn ich jemanden duze, dann bezeuge ich ihm ja gerade besondere Ehre.

Wissen das mit der besonderen ehre alle? Wenn ja, muss man es nicht jedes mal mit dem grossbuchstaben signalisieren. Wenn nein, wie löst man das problem in der gesprochenen sprache? Ein gross geschriebenes Sie würde es deshalb auch nicht brauchen, und man würde es auch kaum neu erfinden, aber man behält die unterscheidungsschreibung bei.

4. 10. 2000

S., K.: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (I). Tages-Anzeiger, 4. 10. 2000, nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum

Mit einem riesigen Aufwand haben die Reformer nur ein paar Mängel durch andere ersetzt.

Wormser, Peter: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (II). Tages-Anzeiger, 4. 10. 2000, nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum

Es wäre jetzt wünschenswert, dass möglichst alle mitmachen würden; wer nicht umlernen will, verweigert dies in der Regel einfach aus Bequemlichkeit. Dass beim und nach dem Umgewöhnen noch Fehler passieren werden, ist selbstverständlich und nichts Schreckliches.

Fischbacher, Mark: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (III). Tages-Anzeiger, 4. 10. 2000, nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum

Peter Gallmann und die so genannte > Expertenkommission zur Neuregelung der deutschen Rechtschreibung wollten also die geschriebene Sprache vereinfachen — warum haben sie es nicht getan?

Artho, Paul: Gegen die Bequemlichkeit anschreiben. Neue Rechtschreibung wird sich durchsetzen, TA vom 28. 9. (IV). Tages-Anzeiger, 4. 10. 2000, nr. 231, 108. jg., s. 29, Leserforum

Die Lobeshymnen der Rechtschreibreform beschränken sich immer auf ein paar einleuchtende Beispiele, die breiten Beifall finden. Ich bringe ein paar andere […].

dpa: "Münchner Appell" zur Einheit der Schriftsprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 10. 2000, nr. 231, s. 1

Die Reform […] "ist ein obrigkeitsstaatlicher Eingriff in die lebendige Sprache, wie es ihn bisher nur in der NS-Zeit gegeben hat", heißt es in dem Aufruf.

Grill, Michael: Das Gift für die Einheit. „Münchner Appell“ gegen die Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, 4. 10. 2000, s. 47, München

Die vielen Professoren, Schriftsteller und Pädagogen hatten kaum Platz am langen Konferenztisch, und ihre Ansprachen trieften nur so von Untergangsszenarien […].

cd: Der virtuelle Willi will den echten Otto. die tageszeitung, taz Bremen, 4. 10. 2000, nr. 6261, s. 24

Inzwischen ist > Werder-Willi Senator. Wenn er chattet, lässt er heute schreiben — am Montag von einem Mitarbeiter des Internet-Vereins "politik-digital" […] zum Thema Bildungspolitik. Lemke liest die Fragen von "spaceboy", "hamburgerjung" oder "sakarus" […], diktiert routiniert druckfrische Politiker-Sätze über die Verbeamtung der Lehrer, darüber, dass er die Orientierungsstufe in Bremen "auf den Prüfstand" stellen möchte und dass es wichtigere Themen als die Rechtschreibreform gebe.

Guratzsch, Dankwart: Die Kleinschreibung spart 35 000 Tonnen Blei. Die Rechtschreibreform wurzelt nicht in der NS-Zeit; aber ihre Ziele wollte schon der Reichsminister für Volksbildung realisieren. Die Welt, 4. 10. 2000, nr. 231, s. 33, Feuilleton

Was von den Reformpädagogen der 68er-Bewegung als Waffe gegen ein repressives Bildungssystem verstanden wurde, war seinem Ursprung nach ein Erzeugnis des repressivsten Staatswesens, das in Deutschland je regiert hat.

«Ursprung» würde ja wohl bedeuten, dass es vorher nichts gegeben hat. Unser Bund für vereinfachte rechtschreibung wurde 1924 gegründet, und die angelegenheit war damals schon ein alter hut.

"Münchner Appell" gegen Schreibreform. Die Presse, 4. 10. 2000, nr. 15.789, s. 30, Kultur und Medien

Namhafte Kritiker der Rechtschreibreform haben am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, in München auch eine Rückkehr zur Einheit der deutschen Schriftsprache gefordert.

3. 10. 2000

Schmidlin, Josef: Unnötige Reform. [Leserbrief zu:] BB 32: Sind Sie für die neue Rechtschreibung? Brückenbauer, 3. 10. 2000, nr. 40, s. 26, Ihre Meinung

Mich ärgert an der neuen Rechtschreibung besonders, wie sie eingeführt wurde — nämlich wie in einer Diktatur.

Und wie hätte man es machen sollen?

2. 10. 2000

Corino, Eva: Professor fragt Künstler: du lieben den deutschen sprach? Philip Tiedemann inszeniert Jandls "Humanisten" am BE. Berliner Zeitung, 2. 10. 2000, Feuilleton

> Jandl rührt durch seinen kindlichen Ton, die Rechtschreibreform des Herzens.

Bommarius, Christian: Einladung zum Geburtstag. 1990 verschwand die deutsche Frage von der Tagesordnung. Sie ist nicht erledigt, aber nicht mehr von Belang. Berliner Zeitung, 2. 10. 2000, Sonderbeilagen

Wenn wenigstens die Rente sicher wäre und der nächtliche Gang durch die Fußgängerunterführung, wenn zumindest der Euro stabiler wäre und der Ausweg aus der Globalisierungsfalle erkennbar, wenn die Klimakatastrophe nicht wäre und die Hypothek auf dem Eigenheim, der hohe Ölpreis und die Wachstumsrate, das Desaster der Rechtschreibreform und der persönliche Haarausfall, wenn — mit anderen Worten — die Dinge anders lägen in Deutschland, dann wäre der 3. Oktober 2000 ein Tag der Freude.

Reumann, Kurt: Die Vergangenheit von "kuss" und "keiser". Die heimliche Rechtschreibreform der Völkischen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. 10. 2000, nr. 229, s. 9, Politische Bücher

Birken-Bertsch und Markner arbeiten überzeugend heraus, daß die Nationalsozialisten sich dabei von praktischen und ideologischen Erwägungen leiten ließen.

Wer hätte das gedacht!

Krieger, Hans: Klar, schlicht und stark. Sollen wir schreiben wie die Nationalsozialisten? Das verdrängte Vorbild der Rechtschreibreform. Süddeutsche Zeitung, 2. 10. 2000, s. 16, Feuilleton

Licht in ein dunkles Kapitel der Sprachgeschichte, das in allen historischen Darstellungen der Rechtschreibproblematik geflissentlich ausgespart blieb, bringen jetzt zwei junge Wissenschaftler aus Jena und Halle. […] Das vielleicht Erschreckendste jedoch ist der Nachweis der Studie, wie stark die Denkmuster von damals unerkannt bis in die Gegenwart fortwirken.

Hoffentlich wird wenigstens im buch nicht ausgespart, dass es noch eine Schweiz gibt, in der auch deutsch gesprochen wird. Vgl. z. b. > «20 jahre Bund für vereinfachte rechtschreibung» aus dem jahr 1944.

Guratzsch, Dankwart: Lehrer patzen bei Rechtschreibung. Studie: Die meisten künftigen Pädagogen beherrschen neue Regeln nicht. Die Welt, 2. 10. 2000, nr. 230, s. 4, Deutschland

> Marx stellte eine bislang noch nicht veröffentlichte Untersuchung vor, bei der 200 Lehramtskandidaten für den Grundschulunterricht auf ihre Kenntnisse der neuen Rechtschreibregeln getestet wurden. Danach verstehen und handhaben nur 60 Prozent der künftigen Lehrer die neue Regel für die "ß/ss"-Schreibung richtig.

joe.: Mehr Interesse an Bewahrung der Sprache. Dr. > Uwe Försters Abschied vom Zweigverein Wiesbaden der > GfdS mit dem „Forum der Jugend“. Wiesbadener Tagblatt (Main-Rheiner), 2. 10. 2000, Nachrichten aus der Region

Das Publikum äußerte sich anschließend zu den „Top-Themen“ Sprachverfall, Anglizismen und Rechtschreibreform […].


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Rolf Landolt