Göres, Joachim: Der Kicker als Kolumnist und Vorleser. Yves Eigenrauch gewährt Einblicke ins Innenleben des Profifußballs, aber ohne den Voyeurismus zu befriedigen. Frankfurter Rundschau, 28. 2. 2001
"ja, diese menschen sind auch nicht zu beneiden, die fünfzigjährigen müssen den zwanzigjährigen für ein kurzes gespräch hinterherlaufen", lautet Eigenrauchs ironisches Bedauern über geplagte Sportreporter, alles in konsequenter Kleinschreibung.
Meisen, Wilfried: Sindorf jeck. Klüngel-Vorwurf ließ Klingele kalt. Kölner Stadt-Anzeiger, 28. 2. 2001, Erftkreis
Tausende machten beim Veilchendienstagzug mit. Darunter waren wieder zahlreiche Klassen der Mühlenfeld-, der Ulrich, der Real- und der Adolf-Kolping-Schule, die als Dalmatiner, Löwen oder Elefanten verkleidet einmal vom trockenen Unterricht befreit waren: "Schuhle ist kein Honnigläcken" hatten sie auf ein Plakat geschrieben, was ihren Oberlehrern zu denken geben sollte. Doch statt sich mit den verhängnisvollen Folgen der Rechtschreibreform zu beschäftigen, feierten die lieber mit.
Moreno, Juan: Ich bin das erste Opfer der Rechtschreibreform. Als der Siedler-Verlag die neue Rechtschreibung einführte, weigerte sich Lektor Wilfried Sczepan, "dieses Verbrechen zu begehen": Jetzt bekämpft er es von zu Hause. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27. 2. 2001, s. BS1, Berliner Seiten
"Und machen wir uns nichts vor, ein Mensch ist erst dann ein Mensch, wenn er Altgriechisch kann."
Grosser, Hans-Jürgen:
Die biologische Lösung der Rechtschreibreform.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. 2. 2001, nr. 48, s. 10, Briefe an die Herausgeber
Ebenso wie es keine „arische Physik“ geben kann, kann es auch keine Schreibweisen geben, die den Regeln der Grammatik widersprechen. Daher kann auch kein Lehrer dazu gezwungen werden, den Schülern grammatisch falsche Schreibungen wie „heute Abend, gestern Morgen“ und so fort als korrekt zu vermitteln. Substantive können nämlich nicht durch vorausgehende Adverbien näher bestimmt werden.
Michel, Alexander: Mut zur deutschen Sprache. Stuttgarter Nachrichten, 26. 2. 2001, 56. jg., nr. 47, s. 2, Meinung, Leitartikel
Soll Oberlehrer Staat, der mit der Rechtschreibreform auf die Nase gefallen ist, mit Polizeigewalt gegen "Internet-Surfer" und die mit der "Green Card" angelockten "Software-Entwickler" vorgehen?
Goettle, Gabriele: Alle Kröter liegen immer. Zu Gast bei einem Linguisten. die tageszeitung, 26. 2. 2001, nr. 6382, s. 1314, Kultur
Was ist ein Linguist? Herr Professor Bierwisch lächelt ein wenig, dreht seinen Stift zwischen den Fingern und sagt: "Das gehört zu den Krankheiten, die man als Linguist hat, dass es keine vernünftige Antwort gibt, wenn man erklären soll, was für ein Fach das ist. Die üblichen Partygespräche sind ja ... ,Ach, Sie sind Linguist, da können Sie wohl viele Sprachen' ... ,Oder ach, Linguist sind Sie, was halten Sie von der Rechtschreibreform' ... In dieser Art sind die Standardfragen.
"Kunde sollte König sein und nicht der Schaffner." Westfälische Rundschau, 26. 2. 2001
"Das Problem ist doch nicht, wie schreibe ich 'Portemonnaie', ich bin ja schon froh, wenn die Schüler 'Geldbeutel' richtig schreiben." (Saarlands Kultusminister Jürgen Schreier zum Streit um die Rechtschreibreform)
Kurz, Isabell: Männerbeine in Tutus Dritte Erzinger Pflommafasnet. Pflommasäck stellen abwechslungsreiches Programm zusammen. Zollern-Alb-Kurier, 26. 2. 2001
Maler und Tapezierer Philipp Otto Häfele sprach über die neue Rechtschreibreform.
sug.: (Mainzer Jugendmaskenzug.) Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25. 2. 2001, s. 12, Rhein-Main
Inspiriert von der Diskussion um Sinn oder Unsinn der Rechtschreibreform, verpaßten sich die vorwiegend in Mainzer Schulen und Kindergärten rekrutierten Nachwuchsnarren für ihren Umzug das Motto "Der Duden sagt's und das ist wichtig schreib's määnzerisch, dann ist es richtig!"
Heithoff, Tom: Angerissen. Ausgebeulte Schädeldecke. Badische Zeitung, 24. 2. 2001, Kultur
Seit einiger Zeit muss auch der Geist fit sein. […] Man macht sich fit, bis die Schädeldecke ausbeult, indem man Kreuzworträtsel ausfüllt, Sprachen lernt, Computerkurse besucht, Bücher liest, Gesetze verabschiedet oder eine Rechtschreibreform durchführt . . . Deutschland, ein Fitness-Studio.
Ickler, Theodor: Die Zwiespältigkeiten besseren Wissens. Eine Sammlung von Beiträgen zur Problematik und Geschichte der deutschen Rechtschreibung [Buchbesprechung Nerius, Deutsche Orthographie]. Rhein-Neckar-Zeitung, 24. 2. 2001
So hinterläßt das Werk einen zwiespältigen Eindruck: Zuverlässig, wenn auch etwas trocken im Sprachwissenschaftlichen, ist es zugleich ein weiterer Hilfsdienst für die Kultusminister in ihrem zähen Kleinkrieg gegen die Bevölkerung, die von der Zwangsbeglückungsmaßnahme Rechtschreibreform nach wie vor nichts wissen will.
Käppner, Joachim: Mehr Demokratie ist kein Wagnis. Süddeutsche Zeitung, 24. 2. 2001, Meinungsseite
Warum sollte im Bund nicht funktionieren, was in Ländern und Kommunen längst Usus ist? Es gibt Bürgerbegehren gegen die Rechtschreibreform und für mehr Demokratie, für die Rettung der Altstadt von Aschaffenburg und gegen Buchheims Kunstmuseum am Starnberger See, für sinnige Projekte und für unsinnige.
jh: "Traatsch" lüftete manch süßes Dorfgeheimnis. "Die Spätzünder" schlugen gnadenlos zu Spitzfindige Wortspiele und tolle Tänze. Saarbrücker Zeitung, 22. 2. 2001, St. Wendel
Beim Vortrag von "Lehrer Lämpel" (Helmut Busch) fielen die Groschen merklich langsamer, angesichts der spitzfindigen Wortspielereien zu Themen der neuen Rechtschreibung, der Kommunalpolitik und der örtlichen Zustände in der Mehrzweckhalle.
König, Ewald: Braucht Deutschland eine German Academy? Die Presse, 22. 2. 2001, Kultur
Da Werthebach in den letzten Jahren der Kohl-Regierung als Staatssekretär im Bundesinnenministerium für die Rechtschreibreform zuständig war, weiß er jedoch aus eigener Erfahrung, wie unbeliebt von oben verordnete Sprachvorschriften sind.
man.: Kurioses Schild: Am Nordholzer Kreisel ging's nach "Cuxhafen". Fehler inzwischen beseitigt; das "v" hat durchaus seine Berechtigung. Cuxhavener Nachrichten, 21. 2. 2001
Einige Autofahrer hielten es für einen Karnevalsgag, andere sahen in dem Straßenschild die Spätfolgen der Rechtschreibreform: "Cuxhafen" prangte bis gestern auf einem Verkehrszeichen am Nordholzer Kreisel.
ale: Dem Kreitweg fehlt das "h". Dolomiten, 21. 2. 2001, s. 24, Überetsch und Unterland
Die Vorschläge Kollmanns und deren Auslegung seitens der Gemeindeverwaltung betreffen zahlreiche Örtlichkeiten: dem Kreit- und dem Karteinerweg wird beispielsweise in Zukunft gemäß der neuen Rechtschreibung das "h" fehlen.
Seitz, Gabi: Ganz schön lästig. Immer mehr Anglizismen in der deutschen Sprache. Nürnberger Zeitung, (20. 2. 2001), Politik, Kommentar
So schlimm wird es nicht werden. Nicht so schlimm jedenfalls, dass ein Gesetz zum Schutz der deutschen Sprache notwendig wäre. Berlins Innensenator, der sich das ausgedacht hat, sollte doch wissen, dass von oben aufgezwungene Sprachregelungen beim Volk gar nicht gut ankommen. Der Unmut über die Rechtschreibreform hat sich längst noch nicht gelegt.
Beirat eingesetzt. Der Tagesspiegel, 20. 2. 2001, Wissen & Forschen
Die
Rechtschreibkommission will nach wie vor bis Ende des Jahres ihren Bericht über die Umsetzung der Reform der Öffentlichkeit vorstellen. Erste Aufgabe des neuen
Gremiums ist es, diesen Bericht zuvor "unter dem Gesichtspunkt der Praktikabilität und der Akzeptanz in der Sprachgemeinschaft" ausgiebig zu prüfen, teilte die
Kultusministerkonferenz (KMK) […] mit.
Ickler, Theodor: Noch ein Wörterbuch-Desaster. Kempcke, Günter: Wörterbuch Deutsch als Fremdsprache. Zeitschrift für Dialektologie und Linguistik 58, 20. 2. 2001, 1, s. 8890
Leider wird dieser positive Eindruck bei näherem Hinsehen durch einen einzigen Mißgriff völlig zunichte gemacht: Das Wörterbuch folgt der sogenannten Rechtschreibreform. Die Folgen sind fatal, das Werk kann in der vorliegenden Fassung schlechterdings nicht benutzt werden.
Das Engagement der Bürger wird nur selten von Erfolg gekrönt. Der Beteiligung an direkter Demokratie stehen hohe Hürden entgegen; die Organisation Mehr Demokratie zeigt Wege aus der "hausgemachten Sackgasse" auf. Frankfurter Rundschau, 19. 2. 2001
Die Gegner der Rechtschreibreform verfehlten in Bremen die Zehn-Prozent-Marke, gaben jedoch kein genaues Ergebnis bekannt. […] Nur in zwei Fällen widersprachen die Richter den Anliegen der Landesregierung und ließen beanstandete Volksbegehren doch noch zu. In beiden Fällen mussten die Initiatoren jedoch deutliche Einschränkungen hinnehmen. Der bremische Staatsgerichtshof gab grünes Licht für den Antrag "Wir gegen die Rechtschreibreform". Eine Passage, die im Falle eines erfolgreichen Volksentscheids die Rechtschreibreform durch das Veto Bremens in der Kultusministerkonferenz insgesamt zu Fall bringen wollte, wurde von den Richtern aus dem Gesetzentwurf gestrichen.
Thies, Werner: Der Krieg der Feuilletons. Die Kulturressorts der renommierten deutschen Zeitungen gehen derzeit mit harten Bandagen aufeinander los. Sonntags-Zeitung, 18. 2. 2001, 15. jg., nr. 7, s. 55, Kultur
Seit Gerhard Schröder Deutschlands Bundeskanzler ist, schlingert die
FAZ und reisst ihre Leserschaft in tiefe Strudel der Verunsicherung. Nicht einmal die Reform der deutschen Rechtschreibung hat die Zeitung durchgehalten. Deutschlands Bildungsbürger und solche, die das gerne wären hin und her gerissen. Was sollen sie lesen, glauben, denken?
pci: Aufgabe Nr. 13 für Herkules. Der Bund, 17. 2. 2001, 152. jg., nr. 40, s. 38, Boulevard de Berne
[…] wie wenn jemand versuchen wollte, die deutsche (oder x eine) Sprache perfekt einzurichten, so dass alles ein System hat und es keine Unklarheiten oder Abweichungen mehr geben kann, er aber dann, je weiter er die Sprache perfektioniert, entdecken muss, dass für jede beseitigte Unregelmässigkeit zwei neue nachwachsen. Derartiges konnte unsereins ja bis vor kurzem beziehungsweise weiter (wenn auch mit sinkender Einschaltquote) andauernd verfolgen bei den Bemühungen um eine einfachere deutsche Rechtschreibung, deren nachwachsende Köpfe nun ständig hintennachgeschnitten werden müssen und erst in vereinzelten Fällen fachmännisch verlötet wurden.
Es ist aber doch noch ein kleiner unterschied zwischen der sprache und der in geschichtlicher zeit vom menschen erfundenen rechtschreibung. Letztere muss keine hydra sein, wenn man wucherungen an der richtigen stelle abschneidet.
Rose, Ulrich: Gemach, gemach. Badische Zeitung, 17. 2. 2001, Politik, Leitartikel
Mal abgesehen davon, dass die Vorstellung kurios anmutet, jene Bürokraten, die jüngst die Rechtschreibreform angezettelt haben, würden nun auch Sprachschutz-Bataillone aufstellen Grund zur Aufregung besteht nicht.
Kaletta, Herbert: Schuldienst schnappt qualifizierte Dozenten weg. EDV, Gesundheit und Sprachen: Volkshochschule Unterland hat zunehmend Probleme, genug Lehrkräfte für ihre Kurse zu finden. Heilbronner Stimme, 17. 2. 2001
Wie Gabriele Langohr. Die 45-jährige Gymnasiallehrerin war mit ihrem Mann 1997 nach Heilbronn gezogen. Schuldienst? Zunächst keine Chance. […] Dann nutzte sie die "Marktlücke" Rechtschreibreform. "Sie hat wohl zwei Drittel aller Rathausteams im Landkreis Heilbronn geschult", sagt Bereichsleiterin Andrea Witt […].
Kürschner, Wilfried:
Früher nannte man es Kauderwelsch.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. 2. 2001, s. 49, Briefe an die Herausgeber
Bei der Entscheidung der FAZ.NET-Redaktion wird wohl auch eine Rolle gespielt haben, daß "die Inhalte der Redaktion sich an die Zielgruppe der neunzehn- bis neununddreißigjährigen, gut ausgebildeten Nutzer wenden […]". Man ist also offenbar der Ansicht, daß diese Zielgruppe mit der neuen Rechtschreibung vertraut ist, daß diese für sie die moderne Schreibung ist, während die alte Orthographie die altmodische Schreibung gewisser älterer oder umstellungsunwilliger Menschen darstellt. Wie die Druckausgabe unter dieser Voraussetzung noch lange bei der alten Schreibung bleiben kann, wenn ihr die jungen, älter werdenden Leser davonlaufen, ist eine gar nicht allzu spannende Frage.
Giordano, Ralph: Zelluloid-Ouvertüre für den Holocaust. Der Überlebende des Nazi-Regimes sah den Propaganda-Streifen 1940 mit einem Jugendfreund. Nürnberger Nachrichten, 17. 2. 2001, Politik
Ach armes Deutschland, daß du auch nimmer zur Ruhe kommt. (Der Autor besteht darauf, dass alle seine Texte in der alten Rechtschreibung veröffentlicht werden)
dis: Die 53 Festival-Beiträge stehen fest. Oberzentrum kann sich zur Multimediastadt mausern; internationale Beteiligung. Schwarzwälder Bote, 17. 2. 2001, Schwarzwald-Baar-Kreis
"Die Rechtschreibreform" ist eine verbale Karikatur in Dia-Audiovision.
Siemons, Mark: Was bin ich? Vor dem Genom: Das Meinungswesen kollabiert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 2. 2001, s. 41, Feuilleton
Unter allen Meinungen, die dem aufmerksamen Debattenkonsumenten abverlangt werden, sind zweifellos diejenigen am erfreulichsten, die am wenigsten mit ihm zu tun haben. Eine klare Positionierung in der Frage der Berliner Bezirksbenennung zum Beispiel […] ist das reine Glück. […] Gleiches gilt für Meinungen über Bayern München, Boris Becker oder die Rechtschreibreform. […] Niemand scheint etwas dabei zu finden, zur "Humansubstanz" genauso unbekümmert Stellung zu nehmen wie zur Rechtschreibreform. Nicht einen Augenblick wird gezögert, um mehr oder minder virtuos mit den im Angebot befindlichen Begriffen zu jonglieren und daraus eine klare Position abzuleiten.
Maxeiner, Dirk: Sprachschutz als Donquichotterie. Gastkommentar. Die Welt, 16. 2. 2001, nr. 40, s. 8, Forum
Genau jene Nachtwächter, die uns eine grandios gescheiterte Rechtschreibreform eingebrockt haben, wollen jetzt den Gebrauch von Fremdwörtern fürsorglich für uns regeln. Seit dem Rechtschreibdebakel weiß in Deutschland niemand mehr, was er wie schreiben soll. Vielleicht weiß demnächst auch niemand mehr, was er wie sagen darf.
An diesem artikel kann man fast alles gelten lassen, nur «genau jene» waren es eben nicht. Genau jene haben uns die rechtschreibreform nicht eingebrockt, sondern sie halb verhindert, und deshalb ist sie auch nicht grandios herausgekommen, aber immerhin nicht ganz gescheitert.
AP: Nida-Rümelin fordert Deutsch als Pflichtfach in Abiturprüfung. Kieler Nachrichten, 15. 2. 2001
Staatliche Sprachregelungen oder Verbote von Anglizismen wären dagegen unsinnig. "Der Staat sollte sich da raushalten", sagte
Nida-Rümelin. Die Rechtschreibreform "sollte einem eine Warnung sein".
AP: Nida-Rümelin fordert Deutsch als Abitur-Pflichtfach. Neuß-Grevenbroicher Zeitung 15. 2. 2001, Kultur
Staatliche Sprachregelungen oder Verbote von Anglizismen wären dagegen unsinnig. "Der Staat sollte sich da raushalten", sagte
Nida-Rümelin. Die Rechtschreibreform "sollte einem eine Warnung sein".
AP: Keine Academie Française für Deutschland. Kulturstaatsminister Nida-Rümelin fordert aber Deutsch als Pflichtfach in der Abiturprüfung. Saarbrücker Zeitung, 15. 2. 2001, Kulturleben
Staatliche Sprachregelungen oder Verbote von Anglizismen wären dagegen unsinnig. "Der Staat sollte sich da raushalten", sagte
Nida-Rümelin. Die Rechtschreibreform "sollte einem eine Warnung sein".
AP:
Nida-Rümelin: Deutsch als Abitur-Pflichtfach.
Süddeutsche Zeitung, 15. 2. 2001, s. 5, Nachrichten
Staatliche Sprachregelungen oder Verbote von Anglizismen seien dagegen unsinnig. „Der Staat sollte sich da raushalten“, sagte der Minister. Die Rechtschreibreform „sollte einem eine Warnung sein“.
hg.: Neue deutsche Rechtschreibung. Wiler Zeitung (St. Galler Tagblatt), 14. 2. 2001, Wil
Die Volkshochschule Wil bietet dieses Frühjahr nochmals eine Einführung in die neue deutsche Rechtschreibung an, die sich mittlerweile schon ziemlich eingebürgert hat.
ötu: Wo sich die Grenzen öffnen, verbinden sich auch die Sprachen. Offenbach-Post, 14. 2. 2001, Dreieich
Man sollte nicht gleich von "Verhunzung" der Muttersprache reden […], meint Dr. Knud Dittmann, Leiter der Ricarda-Huch-Schule. Andererseits sei die Verwendung der englischen Begriffe nicht selten überflüssig […]. Die Politik sollte bei diesem Thema jedoch nicht eingreifen, meint Dittmann. Das habe er schon bei der Rechtschreibreform als unnötig empfunden, weil Sprache eben etwas ist, was lebt und sich ändert. Deshalb seien keine Gesetze gefragt, "sondern die guten Beispiele von Lehrern, Medienleuten und Politikern."
Wenn das auch für die rechtschreibreform gilt, dann bitte!
Niederhauser, Jürg:
Meldung und Wirklichkeit.
Der Bund, 12. 2. 2001, 152. jg., nr. 35, s. 5, Feuilleton
Wenn in Meldungen ein Rechtschreibchaos behauptet wird, dann verstärken solche Meldungen die Unsicherheit, was auch deren Zweck ist. Für den täglichen Gebrauch der Rechtschreibung und der Umstellung ist aber vor allem eines vonnöten, worauf auch der Chefkorrektor einer Schweizer Wochenzeitung hingewiesen hat: die nötige Gelassenheit.
Stirnemann, Stefan: Auch für Schweizer ist Missstand unästhetisch. Manche Eidgenossen vermissen deshalb das Eszett. www.rechtschreibreform.com, 11. 2. 2001
Ich habe mir auch schon überlegt, die Eszett-Regeln zu lernen.
Rat eines schweizers, der die regeln (alt und neu) gelernt hat: Ich würde es beim überlegen bewenden lassen.
Kunze, Reiner: Die WamS ist schuld. In: Muss die deutsche Sprache gerettet werden? Welt am Sonntag, 11. 2. 2001, nr. 6, s. 46, Kultur
Solange Zeitungen wie diese der deutschen Sprache die Solidarität verweigern, indem sie der Rechtschreibreform nicht nur keinen Widerstand entgegensetzen, sondern dazu beitragen, sie zu etablieren, bis das Sprachgefühl entsprechend abgestumpft und es den Menschen gar nicht mehr bewusst sein wird, dass ihre Sprache zum Beispiel um Hunderte von differenzierenden Zusammenschreibungen ärmer geworden ist, dürfte alles Bemühen, ihr zu helfen, vergebens sein.
"Verunreinigung des Deutschen." Sprachgesetz: CDU steht nicht hinter ihrem Senator. Der Tagesspiegel, 9. 2. 2001, Berlin
Der Berliner Innensenator wolle seine Initiative in den nächsten Wochen auf eine breite gesellschaftliche Basis stellen, sagte sein Sprecher. Sonst drohe ein jahrelanges Tauziehen wie bei der Rechtschreibreform.
Beirat für Rechtschreibung. Die Presse, 9. 2. 2001, nr. 15.892, s. 28, Kultur
Das
Gremium wird nur von deutscher Seite getragen und beschickt und tritt neben die bereits bestehende
zwischenstaatliche Kommission zur Rechtschreibreform auf den Plan.
sda: Rechtschreib-Reform zerfällt. Die Südostschweiz, 8. 2. 2001, nr. 32, s. 17, Kultur
Zugleich werde das Thema tabuisiert, auch den Verantwortlichen in Medien und Verlagen sei die Reform peinlich, erklärte
Ickler.
Schleichender Zerfall der Rechtschreib-Reform. Liechtensteiner Volksblatt, 8. 2. 2001, Zeitgeschehen
Die neue deutsche Rechtschreib-Reform weicht nach Auffassung ihrer Kritiker immer mehr auf und wird immer nachlässiger angewendet. Der internationale Konsens sei am Zerbrechen, sagte der deutsche Sprachwissenschaftler
Theodor Ickler am Mittwoch.
Neuer Beirat für Rechtschreibung. Main-Echo, 8. 2. 2001, Kultur
An diesem Donnerstag tritt der mit Vertretern von 15 Organisationen besetzte
»Beirat für deutsche Rechtschreibung« erstmals in Mannheim zusammen.
Stephan, Rainer: Werthebachs Wurzelbürste. Der Berliner Innensenator denkt laut über ein Gesetz zur Pflege der deutschen Sprache nach. Süddeutsche Zeitung, 8. 2. 2001, s. 4, Meinungsseite
Nicht nur die eher verworrenen Bemühungen um die jüngste Rechtschreibreform sollten doch hinlänglich klar gemacht haben, dass Sprache sich nicht von oben pflegen lässt, und schon gar nicht mit den Methoden der Verwaltungsbürokratie.
dpa: Die Reform nur ein missglücktes Experiment? Sprachwissenschaftler vermisst klare Linie. Südwest Presse, 8. 2. 2001, Politik
Die Rechtschreibreform wird nach Ansicht des Erlanger Sprachwissenschaftlers
Theodor Ickler immer nachlässiger angewendet.
Bischoff, Jörg: Die Rechtschreibung lebt. Kommentar. Südwest Presse, 8. 2. 2001, Politik
"Es geht wie Kraut und Rüben durcheinander", jammert ein Professor. […] Na und? Lasst Sie doch leben, diese deutsche Sprache, mit allen ihren Geheimnissen und Besonderheiten. Das war gerade der Sinn dieser Reform […]. Mag sich auch die Oma nicht mehr umstellen wollen lasst wenigstens die Enkel weiter glücklich sein!
dpa: "Beirat für Rechtschreibung" soll Reform mitgestalten. Sprachwissenschaftler sieht eine schleichende Auflösung der neuen Regeln. Die Welt, 8. 2. 2001, Politik, Deutschland
Ickler forderte die Beibehaltung der alten "bewährten" Rechtschreibung, die lediglich von einigen "Haarspaltereien" des Duden befreit werden müsse. Der Sprachwissenschaftler verwies auf die hohen Kosten, die den Verlagen durch ständige Änderungen des Regelwerks entstünden. "Das Einfachste und Billigste wäre, die ganze Reform als missglücktes Experiment total zu vergessen bevor die Kosten noch weiter explodieren."
Schaar, Gerd: Schneller und bequemer Schreiben. Die vereinfachte Ausgangsschrift kommt ab September in die Schulen. Mainpost, 7. 2. 2001, Hammelburg
Erst kam die Rechtschreibreform und jetzt sollen die bayerischen Schüler auch noch neue Buchstaben schreiben?
Janka, Rainer W.: Semantische Pirouetten mit schrägen Akkorden. Oberbayerisches Volksblatt, (2. 2. 2001)
Wolfgang Schierlitz […] liest aus seinen Werken, Band vier […], betitelt «Freude, schöner Spötterfunken», im Dorfhaus Achenmühle. […] Am sprachwitzigsten ist die Rechtschreibreform-Glosse «Ein Germanist im Bierzelt», worin es um die richtige Schreibweise der Maß Bier geht.
Buddenberg, Jörg: Auf kleiner Flamme. Lippische Landeszeitung, lz-online, 28. 1. 2001, Kultur
Neue Intendanz, neuer Name: „schauspielhannover“ lautet seit Spielzeitbeginn der offizielle Name des niedersächsischen Staatsschauspiels. Kleinschreibung! Hier suggeriert ein Staatstheater, auf der Höhe unserer rechtschreibreformierten Spaßgesellschaft zu spielen.
Arbeiter, Peter: Warum Ilsabein die Kinder holte. Das verrät unter anderem das Buch zum 850-jährigen Bestehen Brackwedes. Neue Westfälische Zeitung, nw-news, 28. 1. 2001, Bielefeld
Alle, die sich über die Rechtschreibreform aufregen, sollten einmal versuchen, den Text der Bestellungs-Urkunde zu entziffern […]. Hier heißt es unter anderem: "Als wird zu eines jedweden, in specie derer, in den brock- queller- und Sandhager baurschaften, wohnender Eingesessene, Notiz und wißenschaft gebracht, und ernstlich, auch bey straffe von sechs goldgl anbefohlen, und auferlegt […]".
Macharski, Christian: Glossiert: Zwischenbilanz. Wissensvakuum beim Frühstück. Aachener Nachrichten, an-online, 26. 1. 2001, Nachrichten aus Geilenkirchen
Doch es besteht Hoffnung. Die Rechtschreibreform hat schließlich auch dafür gesorgt, dass jeder alles richtig schreiben kann. Warten wir also in aller Ruhe auf die Allgemeinbildungsreform.
Kluge, Michael: Der lange Marsch nur einer kam an. Frankfurter Neue Presse, 25. 1. 2001, Kultur
Wieder andere fanden, auch an der Rechtschreibreform trügen die Langhaarigen die Schuld. Was immer daran Wahres sein mag, seit einigen Wochen ist uns 1968 wieder näher gerückt.
fro: »Exklusivität statt große Stückzahlen.« Westfälische Nachrichten, 25. 1. 2001, Lengerich
Übrigens: Trotz Rechtschreibreform blieb Bornemann bei der bisherigen Schreibweise von »Rolladen«, der Duden dagegen sieht »Rollläden« oder seltener »Rollladen« als Mehrzahl vor. Wie auch immer die Kunden wissen, was gemeint ist.
Schmidt, Marion: Die Peepshow-Affäre. Saarheim ist ein Ort mit extrem hoher Kriminalitätsrate; aber die Gesetzesbrecher haben keine Chance. Berliner Zeitung, 24. 1. 2001, Multimedia
Gegründet hat die Stadt der Professor für Öffentliches Recht an der Universität Saarbrücken, Klaus Grupp. Die Studenten sollen sich mit Hilfe der Saarheimer Fälle auf juristische Übungen und Examensklausuren vorbereiten. […] Auch eine Parteispenden-Affäre ist unter den Rechtsstreitigkeiten, genauso wie die Legalisierung weicher Drogen, die Rechtschreibreform […] das ganze Staats- und Verwaltungsrecht, gebündelt in einer Stadt.
Käfer, Armin: "Die Kugel kam aus Springers Blätterwald." Stuttgarter Zeitung, 24. 1. 2001, Die dritte Seite
Die
FAZ, letzte Bastion gegen Reformeifer und zwanghaften Modernismus, auch wenn es bloß um die Rechtschreibung geht, lobt SPD-Kanzler Schröder auf der ersten Seite und duldet Verständnis für den Straßenkämpfer Fischer im Feuilleton.
mtu: Metzgereien sahen aus wie Fliesenfachgeschäfte. Auch DDR bekam bei Jürgen Kristen ihr Fett ab. Fränkischer Tag, 23. 1. 2001, Lokales, Erlangen-Höchstadt
Die Endstufe der Rechtschreibreform müsste Kristens Logik nach das Deutsch eines besoffenen Franken sein.
Hirtenfelder, E.: Dialog: Entwicklungen eines Mädchens. Kleine Zeitung, 23. 1. 2001, Kärnten, Kultur
Sie haben erst kürzlich für eine Rückkehr zur alten Rechtschreibung plädiert. Warum? Kerschbaumer: Weil es zum Beispiel meine Ästhetik beleidigt, wenn ich mir vorstelle, dass man das "ph" an den ererbten Wörtern weglässt.
Kreutner, Frank: Glimpfliches Urteil für die Kultusministerin. Annette Schavan wehrt sich tapfer gegen die schwer wiegenden Vorwürfe, die Kanzler Karl-Anton Hanagarth vor dem Breisacher Narrengericht gegen sie vorbringt. Badische Zeitung, 22. 1. 2001, Breisach
So wurde der Ministerin vorgeworfen, sie […] fordere ein Turbo-Abitur, unterstütze die Rechtschreibreform, obwohl die Schüler noch nicht die alte und die Lehrkräfte noch nicht die neue beherrschten […].
Rossmann, Andreas: Von unsichtbaren Mächten. Christian Meier hält "Krupp-Vorlesungen" in Essen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. 1. 2001, s. 50, Feuilleton
Den meisten Zuspruch aber erfährt
Meier für seine Kritik an der Rechtschreibreform: "In Deutschland sind Schriftsteller nicht einmal für Schrift zuständig."
@kue: Soviel Wortmüll war nie Unwörter von 1991 bis 1999. FAZ.NET, 22. 1. 2001, Uptoday, Kultur
Ein Rückblick auf bisherige Unwörter erhellt schlaglichtartig die gesellschaftliche Diskussion des letzten Jahrzehnts. […] Wohlstandsmüll (1997) […] Häufigste Nennungen: Rechtschreibreform (132), Elchtest (80), Steuerschlupfloch (62).
Moser, Charlotte: Welch eine Sprache! Schwäbische Zeitung Online, 22. 1. 2001, Lokales, Bad Waldsee
Die über 40-Jährigen werden mit unschönen, ja barbarischen Untertiteln beschrieben, wobei "Grufti" noch zu den harmlosesten gezählt werden darf. Wir, also die oben Genannten, haben auch mit der zwangszudiktierten Rechtschreibung nichts mehr am Hut, das stimmt, aber das Schreiben und das Lesen der deutschen Sprache ist schwierig geworden, denn es drängeln, zwängeln sich Wörter in den Gebrauch, die uns geradezu ängstigen, dass sich der Unterkiefer verspannt, wenn nicht Schlimmeres, dass man ausgelacht wird, wenn die Betonung falsch ist.
Kahl, Reinhard: Lob des Skandals. die tageszeitung, 20. 1. 2001, nr. 6351, s. 14
Der Skandal, ausgerechnet der Skandal, wird zum wichtigsten Portal, durch das heute Themen und Stimmungen hindurch müssen, um in die Arena zu gelangen, in der die großen Debatten geführt werden. Ob Kampfhunde oder Spendenbetrug, ob Rechtschreibung oder Rechtsradikale, jedes Mal gibt es ein schlummerndes Thema hinter dem Thema, das nach Artikulation drängt, ja oftmals zum Himmel schreit und sich häufig der martialischen Skandalmaske nur bedient, um für sich Aufmerksamkeit zu erringen.
Kessels, Johannes: In San Trupé snacken sogar die Enten platt. Heinz Lemmermann trug in Adolphsdorf einen ganzen Hümpel Döntjes von Menschen und Tieren vor. Weser-Kurier, 20. 1. 2001, Wümme-Zeitung
Aber mit Grammatik und Orthographie haben Niederdeutsche bekanntlich manchmal ihre Schwierigkeiten, davon wusste auch Heinz Lemmermann zu berichten, dessen Großvater 1882 in Adolphsdorf seine erste Stelle als Lehrer angetreten hat. Die Groß- und Kleinschreibung wollte den Kindern nicht so recht in den Kopf, und da es damals noch keine Rechtschreibreform-Kommissionen gab, musste man ihnen wohl oder übel die Regeln erklären: Alles, was man anfassen kann, schreibt man groß, außerdem das erste Wort in jedem Satz. Aber bei dem Satz "Die Katze sitzt hinterm Ofen" kann Trina diese Regel nun gar nicht glauben die Katze lässt sich nicht anfassen, den Hintern kann man anfassen, und den Ofen kann man im Winter nicht anfassen. Einfach allgemeine Kleinschreibung einzuführen, davon riet Lemmermann allerdings ab. Es sei schließlich ein Unterschied, ob man in Hamburg liebe Genossen oder Liebe genossen habe.
Bis: Im Kabarett ist Wahnsinn System. Frankfurter Neue Presse, 18. 1. 2001, Kultur
[…] so leicht und schnell gleitet Matthias Brodowy mit seinem Kabarett durch die verschiedensten Sujets: Big Brother, Handymanie, Spendenaffäre, Rechtschreibreform, Leitkultur. . .
Heess, Jutta: Die alte Tante wird modern. die tageszeitung, 18. 1. 2001, nr. 6349, s. 17
[…] schweigt die FAZ-Redaktion beharrlich über das neumodische Kind von nebenan, das denn auch gleich ein bisschen aufmüpfig daherkommt: Während sich die FAZ eisern der neuen Rechtschreibung verweigert, texten die Onlineredakteure munter reformiert.
Karge, Hansjürgen: Eine Verschwörung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16. 1. 2001, s. 10. Briefe an die Herausgeber
Ich stelle bei der Korrektur von Aufsichtsarbeiten von Studenten und Referendaren fest, daß die Regeln der deutschen Rechtschreibung weitgehend unbekannt sind, wissend, daß dies von Leuten, die sich für fortschrittlich hielten, so gewollt war. Von der Rechtschreibreform soll hier gar nicht die Rede sein.
Bedürftig, Friedemann: Das heitere Spiel mit den Normen. Ausnahmen sind ohne Regeln nicht zu haben: Rechtschreibverstöße das Salz in der poetischen Suppe. Süddeutsche Zeitung, 13. 1. 2001, SZ am Wochenende, s. III
Das Thema Rechtschreibung hat uns in den letzten Jahren so ausgiebig beschäftigt, dass die Stille nach dem Sturm im sommerlichen FAZ-Glas zu Entzugserscheinungen bei manchem geführt haben mag. Ein kleines PS zur Debatte darf daher vielleicht sein. […] „Er klagt / daß der Frühling so kortz blüht“ steht über dem Gedicht von Arno Holz (18631929).
ras: Ein bisschen zu alt für «FAZ» Online. Ein prominenter Nachzügler nun auch mit Gratis-Informationen. Neue Zürcher Zeitung, 12. 1. 2001, nr.9, s. 69, Medien und Informatik
«Die Inhalte der Redaktion wenden sich an die Zielgruppe der 19- bis 39-jährigen, gut ausgebildeten Nutzer […]». Der Grund für die Altersbeschränkung von «faz.net» liegt vielleicht darin, dass die Meinung vorherrscht, im hohen Alter also ab 40 nehme die intellektuelle Flexibilität rapide ab. Eine solche verlangt die Website der «FAZ» tatsächlich. Denn der Leser muss fähig sein, gleichzeitig Artikel in alter und neuer Rechtschreibung zu lesen. […] Da sieht man, wie das Internet zur friedlichen Koexistenz animiert und die Heroen […] kläglich scheitern lässt.
Dräger, Matthias: Endlich - der Ärger mit dem Neuschrieb hört auf! Erste Testreihen für eine Aktion Bumerang. www.rechtschreibreform.com, 12. 1. 2001
JEDER, der mir in Zukunft Neuschrieb ins Haus schickt, bekommt von mir jetzt etwas Aufklärungsmaterial geschickt - solange, bis er das sein läßt. […] Das ist erst die erste Stufe. Wenn mir die Sache zu bunt wird, gehen in der zweiten Stufe an die Absender von Neuschrieb Einschreiben mit Formularen für die Abgabe strafbewehrter Unterlassungserklärungen mit der Aufforderung, in Zukunft keine Post mehr an mich zu senden.
Jähner, Harald:
Meine Gelassenheit ist nicht rauszukriegen. Kulturstaatsminister
Nida-Rümelin äber die Kultur aus dem Blickwinkel praktischer Vernunft.
Berliner Zeitung, 11. 1. 2001, nr. 9, 57. jg., s. 13, Feuilleton
Mich hat verblüfft, wie wichtig dieses Thema genommen wurde. Ich glaube nicht, dass diese Rechtschreibreform zwingend notwendig war, man hätte es auch lassen können. Ich glaube auch, dass manche Regelungen überflüssig waren, insbesondere das Stammprinzip, was ja sowieso nicht durchgehalten wird, sonst müsste man Eltern mit "Ä" schreiben. Bei der Groß- und Kleinschreibung ist mir in der Tendenz das Ergebnis der Rechtschreibreform sympathisch, aber mitunter gehen da Differenzierungen verloren. Dass "dass" mit Doppel-S geschrieben wird, finde ich ganz vernünftig, und dass "Schifffahrt" mit drei F geschrieben wird, ist jedenfalls für Kinder plausibler, weil die gerade gelernt haben, dass zwei plus eins drei ergibt.
Mahrenholz, Ernst Gottfried:
Der Kulturstaat nur eine Ländersache? Heute wird
Julian Nida-Rümelin Staatsminister; Plädoyer für eine behutsame Bundeskulturpolitik.
Berliner Zeitung, 10. 1. 2001, nr. 8, 57. jg., s. 13, Feuilleton
Die
KMK trifft, wenn auch weit gehend im Wege der Abstimmung zwischen den Bürokratien, notwendige zum Teil auch überflüssige Regelungen für das Schulwesen in Deutschland. […] Das hat Kopfschütteln hervorgerufen, und dieses Kopfschütteln würde sich noch erheblich vermehren, wenn man erführe, um welche Details sich die KMK kümmert und wo sie wie etwa bei der so genannten Rechtschreibreform auf Artikulation notwendiger Vorgaben für die
Kommission der Fachleute verzichtete.
dpa:
FAZ jetzt auch im Internet: FAZ.NET gestartet. Server am Anfang überlastet.
Mannheimer Morgen, 10. 1. 2001, Aus aller Welt
Anders als die Print-Zeitung, die im August als erste wieder zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt war, wenden die Online-Redakteure die neuen Regeln an. Grund dafür sei, dass man eine einheitliche Schreibweise mit den Kooperationspartnern erreichen wolle.
Schwarz, Harald:
Spätzünder. Als letzte große überregionale Tageszeitung geht die
FAZ online mit neuer Rechtschreibung.
Süddeutsche Zeitung, 10. 1. 2001, Medien
Auch wenn seine Zeitung Anfang August vorigen Jahres zur alten Rechtschreibung zurückkehrte, wird die FAZ-Online-Redaktion mit den neuen Regeln arbeiten.
Nonnenmacher ist darüber nicht glücklich. Die Gründe lägen vor allem in den Partnerschaften: Einheitlichkeit habe gewahrt bleiben müssen.
"Verunreinigung des Deutschen." Sprachgesetz: CDU steht nicht hinter ihrem Senator. Potsdamer Neueste Nachrichten, PNN online, 9. 2. 2001, Berlin
Der Berliner Innensenator wolle seine Initiative in den nächsten Wochen auf eine breite gesellschaftliche Basis stellen, sagte sein Sprecher. Sonst drohe ein jahrelanges Tauziehen wie bei der Rechtschreibreform.
ap: FAZ online in neuer Rechtschreibung. Handelsblatt, 8. 1. 2001, Technologie + Medien, Medien
Die aktuellen Artikel der Online-Ausgabe sind im Unterschied zur Druckausgabe in neuer Rechtschreibung gehalten. Chefredakteur Gaube begründet dies mit der Zusammenarbeit mit anderen Online-Partnern bei einem hochintegrierten Produkt wie der Online-Ausgabe müssten die allgemein verwendeten Standards eingesetzt werden. Die online veröffentlichten Artikel der Druckausgabe aber folgen weiterhin der alten Rechtschreibung. Die
FAZ war Anfang August vergangenen Jahres zur traditionellen Schreibweise zurückgekehrt und hatte damit die Diskussion über Sinn oder Unsinn der Rechtschreibreform neu ausgelöst.
Ohlendorf, Jann: Zwischenruf: Schwere Geburt. Handelsblatt, 8. 1. 2001, Technologie + Medien, Medien
Es ist noch nicht so lange her, da tönte es apodiktisch aus Frankfurt, die Zeitung könne auf das Internet gut und gerne verzichten. […] Den FAZ-Lesern wird sich der Stimmungsumschwung wahrscheinlich ähnlich gut vermitteln lassen wie die plötzliche Kehrtwende bei der Rechtschreibreform.
Dokalik, Alfred Franz: Wie die Lemminge . . . Neue Kronen-Zeitung, 6. 1. 2001, Leserbrief
Ich hatte einen Traum ich schlug am 1.1.2001 die Krontschi auf und las wieder die gute alte Rechtschreibung, ohne dass, ohne Tipp, ohne blödsinnige Abteilungen; ich träumte, dass Geistesgrößen wie R. Nimmerrichter […] usw. sich den selbst ernannten Sprachregeln verweigerten […].
«Selbst ernannten Sprachregeln» würde ich mich auch verweigern.
Schlolaut, Marie-Anne: Die Mama ist so gut wie der Duden. Leverkusenerin hilft im Dschungel der Rechtschreibung. Kölner Stadt-Anzeiger, (4. 1. 2001), Leverkusen
Ein Seminar bei ihr, und der Kunde muss sie dann eigentlich gefressen haben die neue Rechtschreibreform mit ihren Klippen, mit ihren sinnvollen und manchmal auch zweifelhaften Änderungen in der Schreibweise. Die Neu-Leverkusenerin Ania Dornheim, 33 Jahre alt, gehört mit ihrem "Büro für schriftliche Kommunikation" mit Sitz in der Waldsiedlung an der Richard-Wagner-Straße eigentlich zu den klassischen Existenzgründerinnen […]. Sie hat sich der Vermittlung der neuen Rechtschreibung angenommen und hat bei hiesigen Firmen gute Adressaten gefunden.
Broder, Henryk M.: Yoram und die Königin. Israel-Tagebuch von Henryk M. Broder. Spiegel Online, 4. 1. 2001, nr. 1
Deutsche und israelische Intellektuelle haben einiges gemeinsam. Sie werden nicht gehört, versuchen trotzdem immer wieder, sich Gehör zu verschaffen. Dabei sind die Israelis besser dran: Ihnen geht es um Krieg und Frieden, Leben und Überleben, den deutschen Kollegen nur um die Rechtschreibreform und die Kultursubventionen.
Abgesehen davon, dass krieg nicht unbedingt erfreulicher ist als rechtschreibreform, hier unser buchtipp: Landmann, Michael: Neugestaltung der hebräischen Schrift. 1977. Bonn.
PAU: Schlema: Heißes Wiener Blut. Neujahrskonzert im Kurbad Schlema auf hohem Niveau. Freie Presse Online, 3. 1. 2001, Schlagzeilen Erzgebirge
Dass auch ältere Herren auf dem Arbeitsmarkt Vorzügliches leisten, bewies Moderator und Bariton Götz Schneegaß. Er wartete mit lockeren Plaudereien auf, sang bemerkenswert gut. Zu Beginn kam er auf die umstrittene Rechtschreibreform zu sprechen. Als Lösung bot er das Couplet des Schweinefürsten Zsupan aus der Operette "Der Zigeunerbaron" an: "Ja, das Schreiben und das Lesen ist noch nie mein Fach gewesen ... Mein idealer Lebenszweck sind Borstenvieh und Schweinespeck."