Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)presseartikel → bis 30. 10. 2001
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Aus der presse

Nachgeführt 3. 6. 2011


30. 10. 2001

Stirnemann, Stefan: Subtile Nuancen. Neue Rechtschreibung und Literatur. Neue Zürcher Zeitung, 30. 10. 2001, nr. 252, s. 66, Feuilleton

Die neue Rechtschreibung hat sich in den belletristischen Neuerscheinungen noch keineswegs durchgesetzt. […] Die Entscheidung über die Schreibweise trifft der Autor, nicht der Orthograph.

Aber gewiss doch, wenn sich der autor dafür interessiert, was ja nun wirklich nicht bei allen der fall ist. In der belletristik wurde die fraktur auch nicht so schnell abgeschafft wie in der schule, jedenfalls nicht schneller, und selbst die übergangszeit für die schule läuft ja noch.

cip.: Babbelfisch. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30. 10. 2001, nr. 252, s. T1, Technik und Motor

Wer ist heute, in Zeiten der sogenannten Rechtschreibreform, noch der deutschen Sprache mächtig? Und wer hat gar Fremdsprachenkenntnisse? […] Wir baten "Babelfish" von Altavista um die Übersetzung eines Mustersatzes aus unserer täglichen redaktionellen Produktion […].

mym: Werbeträger. Aufgefallen. Ostsee-Zeitung, 30. 10. 2001

Werbung ist so leicht nicht. Das wird meist unterschätzt, wie sich am Beispiel der Rostocker „Pizzeria Hawai“ zeigte. Die ist nu pleite. Ob das am „i“ lag? Wir wissen es nicht. Wir wissen aber, was ein pfiffiger Werbetexter unter den Aufsteller eines Rostocker Reisebüros geschrieben hätte. Dort wurde für „Wenedig“ geworben. Eine schöne Unterzeile wäre gewesen: „Liebesurlaub für Analphabeten“.

Venedig ist im gegensatz zu Venezia ein deutsches wort — also warum eigentlich nicht? Aber leider schreiben wir nicht einmal Oliwa und Jawa, obwohl diese namen im polnischen bzw. indonesischen so geschrieben werden.

Osing, Sven-Lennart: Mit Pilzköpfen und der Ehefrau Guste. Herbert Knebel mit seinem Affentheater in der Katt. Rheinische Post, 30. 10. 2001, Wermelskirchen

Ob Kinder, Rechtschreibung, Fußball und Frauen — jeder der Rentner äußerte sich auf seine Art — mit gezielten Pointen, die ihre Wirkung nicht verfehlten.

29. 10. 2001

dpa: Späte Ehrung für Mayröcker — > Akademie berät über Anglizismen. Braunschweiger Zeitung, (29. 10. 2001), Kultur

dpa: Ehrung für Mayröcker — > Akademie berät über Anglizismen. Frankfurter Neue Presse, 29. 10. 2001

Senft-Werner, Ingo: Sehschule der Sprache. Büchner-Preis an Friederike Mayröcker. Südwest Presse, Schwäbische Donau Zeitung, 29. 10. 2001, Feuilleton

Wer das Skript vor sich hatte, dem konnte um die deutsche Rechtschreibung bange werden. Wie immer schreibt Mayröcker das "ß" als "sz", das Wort "ein" kürzt sie mit der Ziffer "1" ab. Doch Künstler dürfen die Regeln brechen, über die in der deutschen Sprachgemeinschaft seit Jahren erbittert gestritten wird. Die > Akademie für Sprache und Dichtung gehört dabei zu den hartnäckigen Gegnern der Rechtschreibreform. Bei der diesjährigen Herbsttagung stand das Thema jedoch nur am Rande auf dem Programm. Mit einer gewissen Genugtuung registrierte Akademiepräsident > Christian Meier, dass die Wörterbuchverlage in ihren neuen Auflagen die widersinnigen Regeln heimlich zurücknehmen.

Braun, Michael: Ausflug ins "Mayröcker Kino". Gedanken über den Georg-Büchner-Preis und seine Hüter. Rheinpfalz, 29. 10. 2001, Kultur

An sprachpflegerischem Stolz hat es der Darmstädter > Akademie für Sprache und Dichtung nie gefehlt, im Gegenteil. Seit Jahren verfolgt man das ehrgeizige Projekt, über den "Rang der deutschen Sprache" nachzudenken und dabei die Exekutoren der allseits unbeliebten "Rechtschreibreform" eines Besseren zu belehren. […] In steilen rhetorischen Bögen bewegte sich > Meier von den Ereignissen des 11. September über die notwendige Gegen-Reformation in Sachen Rechtschreibreform hin zu den Chancen und Gefahren des derzeit virulenten Anglizismen-Booms. Als er sich am Ende seiner Rede auch noch bei der unsäglichen "Ein Stück weit"-Rhetorik bediente, jener offenbar unvergänglichen Hinterlassenschaft Björn Engholms, war die sprachkritische Glaubwürdigkeit endgültig dahin.

Diesner, Jürgen: „Och, nö, eigentlich ist alles gar nicht so wild.“ Fazit einer akademischen Diskussion, ob wir wirklich um unsere Sprache fürchten müssen. Darmstädter Echo, Echo Online, 29. 10. 2001, Kultur

Professor > Peter Eisenberg, der eine neue „Grammatik der deutschen Gegenwartssprache“ vorgelegt hat und der Experte der > Akademie in Sachen Rechtschreibreform ist, wies auf die Integrationskraft der Sprache hin: Neue Wörter aus anderen Sprachen erweiterten das Netz, das die Welt der Wörter bildeten, oder machten dessen Maschen dichter.

Weber, Gerd: Alev ruht sich nicht auf Lorbeeren aus. Verein der Arbeiter und Jugendlichen aus der Türkei findet mit seiner Schulaufgabenhilfe großen Zuspruch. Weser-Kurier, Delmenhorster Kurier, (29. 10. 2001)

Mündlich können sich die türkischstämmigen Kinder — in der Regel alle in Deutschland geboren und mit ihren Familien eingebürgert — bestens auf Deutsch verständigen. Woran es hapert, ist nach den Beobachtungen von Svenja Lauter die Rechtschreibung, und da vor allem die Groß- und Kleinschreibung und die eine oder andere Feinheit der Grammatik.

28. 10. 2001

Breckner, Johannes: Buchstabenwelt in den Fingerspitzen. Friederike Mayröcker nimmt in Darmstadt den Büchnerpreis entgegen. Darmstädter Echo, Echo Online, 28. 10. 2001, Kultur

Die sehr unspektakuläre Büchnerpreisfeier war eingeleitet worden von einer Rede des Akademiepräsidenten > Christian Meier, der in mehrerlei Hinsicht zur Gelassenheit aufrief. Zum einen, was die von der > Akademie heftig bekämpfte Rechtschreibreform angeht: Die Sache sei nun „auf gutem Wege“, sagte Meier, da die „Vernunft der deutschen Sprachgemeinschaft“ sich als groß genug erwiesen habe, sich den Unsinnigkeiten zu verweigern. In Kürze werde die Akademie ihren Vorschlag zum weiteren Vorgehen mitteilen.

Komesker, Bernhard: „Lösegeld!“ sorgt für Spannung in der Schulaula. Der Hamburger Schriftsteller Andreas Schlüter las in Grasberg aus seinem neuen Jugendkrimi vor. Weser-Kurier, (28. 10. 2001), Regionales, Wümme-Zeitung

Der gelernte Kaufmann und spätere Journalist hat in Frankfurt/Main gründlich recherchiert, bevor er „Lösegeld!“ schrieb, erfuhren die Zuhörer. Ja, und beim Schreiben passieren auch Fehler, vor allem seit der Rechtschreibreform.

27. 10. 2001

Hagedorn, Jutta: »Ich habe hier das Beste aus zwei Welten.« Mittelbadische Presse, Baden Online, (27. 10. 2001), Ortenau

Wer sich hinter dem Erzähler Patrick Roth verbirgt, zeigt das folgende Gespräch. […] Berührt Sie als »Exilant« die neue Rechtschreibung? Roth: Man wird für Wörter mehr sensibilisiert. Für unsere Generation werden feinste Schichten herausgestrichen, die dann nicht mehr erinnerbar sind.

26. 10. 2001

Nowak, Nikolaus: Multikulturelle Gemeinschaft. Kongress der spanischen Sprache. Die Welt, 26. 10. 2001, Feuilleton

Doch anders als beim ersten Sprachkongress 1997 im mexikanischen Zacatecas, bei dem sich der spanische Literaturnobelpreisträger Camilo Jose Cela und sein kolumbianischer Kollege Gabriel Garcia Marquez erbittert über eine Vereinfachung der Rechtschreibung stritten, kreiste die Diskussion diesmal um die Frage nach der Expansion des Kastilischen nach innen und außen sowie um den Schutz älterer Regionalsprachen wie Baskisch.

se: Zwei Mal hundertmal gesagt. Kommentar. Rheinpfalz Online, 26. 10. 2001, Pfalz-Nachrichten, Neustadt

Hatten schon die Kollegen, die in der Schule noch die alte Rechtschreibung gelernt hatten, ihre Schwierigkeiten bei Verbindungen mit "Mal", so hat sie die neue Rechtschreibung jetzt ganz durcheinander gebracht, und es "malt" sich groß und klein, zusammen und auseinander, dass es eine wahre Freude ist.

Grün, Elisabeth: Der Lockenwurf der Gefühle. Westdeutsche Zeitung, 26. 10. 2001, Düsseldorf Stadt

Im Zakk gastierte am Mittwochabend als fünfte im "young poets"-Reigen des Verlages KiWi neueste Errungenschaft Anja Fröhlich (36), ihres Zeichens Werbetexterin zu Kölle, und gab im Tonfall einer Nachrichtensprecherin eine Leseprobe ihres "Roman"-Erstlings. […] Selbst nach der Rechtschreibreform schreibt man "Riesenschrecken" nicht "riesen Schrecken".

25. 10. 2001

Reichardt, Hartmut: Wie Walser beim Lesen die Rolle tauschte. Ausgebuchte Autorenlesung bei Gerstenberg + Bernward. Hildesheimer Allgemeine Zeitung, (25. 10. 2001)

Seinen neuen Roman "Der Lebenslauf der Liebe", aus dem er abends in der Buchhandlung "Gerstenberg und Bernward" vorlesen wird, schreibt er unbeeindruckt von der neuen Rechtschreibreform.

Sailer, Michael: Belästigungen. Ich will so schreiben, wie ich bin. in-münchen, 25. 10. 2001, 19. jg., nr. 22

Und weil, liebe Reförmler, das Schreiben nun mal zum Lesen da ist und nicht zum Diktatfehlermachen oder -vermeiden, schreibe und bleibe ich so, wie ich bin — zumindest so lange, bis zwecks Erleichterung des Klavierspielenlernens per Gesetz die schwarzen Tasten abgeschafft werden.

Abgesehen davon, dass die reform das lesen nicht erschwert: Die temperierte stimmung ist eine solche vereinfachung.

wk: Dr. Bledmann. Kommentar. Rheinpfalz Online, 25. 10. 2001, Pfalz-Nachrichten, Pirmasens

Was nämlich ist davon zu halten, wenn auf einem illegal am Straßenrand entsorgten Monitor mit Filzstift gekrakelt steht "Dr. Bledman"? Handelt es sich um eine Variation der Rechtschreibreform, um die Offenbarung eines Opfers von Lehrerfortbildungskonferenzen, um den intergalaktischen Rambo eines der zahl- wie sinnlosen CD-Spiele zur Weltraumbewältigung oder ist "Dr. Bledman" vorm Computer bloß blöd geworden.

24. 10. 2001

Bierschwale, Peter: > Harry Rowohlt — ein Bär von großem Verstand. Cellesche Zeitung, 24. 10. 2001, Kultur

Auf Einladung der Steinhorster Schmiede trug der bekannte Autor Harry Rowohlt im Gasthof Heine "Buntes" vor […]. Auch zitierte er eine seiner berühmten ZEIT-Kolumnen, in denen ein "Bär von sehr geringem Verstand" seine Meinungen präsentiert hatte. In diesem Fall glossierte er einige Auswüchse der Rechtschreibreform, besonders die Absicht, italienische Worte wie "Spaghetti" eindeutschen zu wollen.

Sauer, Wolfgang: Einfach Wahnsinn. Worte & Wörter. Nordwest-Zeitung, 24. 10. 2001

Lakonisch heißt es in ihren Vorschlägen zur Neuregelung der Orthographie: „st wird getrennt.“ Läs-tig, diese Regel, aber sie ist — wie die gesamte Reform — Realität.

23. 10. 2001

kib.: "Erziehung ist sich erziehen." Gadamer-Vortrag verstärkt die internationale Popularität des Philosophen. Rhein-Neckar-Zeitung, 23. 10. 2001, Heidelberg

Am 19. Mai 1999 war er am Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium in Eppelheim zu Gast. Gebannt hingen Schüler, Lehrer und Eltern an seinen Lippen, als er seine ganz eigenen, unkonventionellen Gedanken zum Erziehen zum Besten gab. Noch erstaunlicher, dass der damals knapp 99-Jährige dann nicht nur der Veröffentlichung in moderner Rechtschreibung zustimmte, sondern das Büchlein auch höchstpersönlich redigierte.

20. 10. 2001

Die Junge Union setzt Impulse in Harmonie. Deutschlandtag mit 330 Delegierten in Heilbronn eröffnet; Sicherheitslage ein Schwerpunktthema; Heute Merz, morgen Merkel. Heilbronner Stimme, 20. 10. 2001

Zu ihren Forderungen beim Deutschlandtag zählen ein Lkw-Überholverbot auf Autobahnen, strengere Abgasvorschriften für Motorräder, Fahren mit Abblendlicht, Einrichtung von Berufsakademien bundesweit, Aberkennung der Gemeinnützigkeit, wenn Organisationen sich an gewaltsamen Demonstrationen beteiligen und Rücknahme der Rechtschreibreform.

. . . und einführung einer kommaregelung; es kann in diesem fall auch die neue sein.

17. 10. 2001

Voigt, Thomas: Liebt Milieu der kleinen Leute. Tom Pauls im Vogtland Theater Plauen. Frankenpost, Vogtland Anzeiger, 17. 10. 2001, Kultur

Der Dresdener Schauspieler und Kabarettist Tom Pauls ist an diesem Montag der Garant für ein ausverkauftes Haus im Vogtland Theater Plauen. […] Putzfrau Ilse Bähnert zieht derweil geschwätzig durchs Treppenhaus. […] Mit der neuen Rechtschreibung hat sie so ihre Probleme. Schifffahrt mit drei F? "Da bist de nass, bevor du losgefahren bist", lässt sie ihrem Unmut freien Lauf.

Roth, Raymond: Warum Hasloch im Jahr 2012 Olympische Spiele ausrichtet. Main-Echo, 17. 10. 2001, Lokales, Marktheidenfeld

»Cabaret = Schlimm = gery & stöcker« stand auf der Eintrittskarte zum Kabarett-Abend in der Haslocher Haseltalhalle. […] Die Rechtschreibreform bekommt durch »Nie mehr Kommas« (zu Queens »We will rock you«) einen fast finalen Axthieb ab […].

Berichtigung. die tageszeitung, 17. 10. 2001, nr. 6576, s. 14

Schlimm geträumt? Dann haben Sie also > Alpträume gehabt. Oder Albträume. Everything goes, nach der neuen, neoliberal deregulierten Rechtschreibung. Wir jedenfalls hatten gestern beide Varianten in unserem kleinen, toleranten Blatt, das sich immer gerne für bislang benachteiligte Schreibweisen in die Bresche wirft.

Bundesverdienstkreuz für > Prof. Dr. Gerhard Stickel, Direktor des Instituts für Deutsche Sprache in Mannheim. Presse-Information des IDS. www.ids-mannheim.de/aktuell/pr011017.html, 17. 10. 2001

Themen wie die Rechtschreibreform, die Entwicklung der deutschen regionalen Umgangssprachen, Themenkomplexe wie "Sprache und Recht" oder "Sprache und neue Medien", die Fremdwortdebatte und die gegenwärtige Diskussion über den verstärkten Einfluss des Englischen auf die deutsche Sprache fanden große fachinterne und öffentliche Aufmerksamkeit.

16. 10. 2001

Goeritz, Reiner: "Tischtennis ist spannender geworden." BTTV-Präsident Claus Wagner begrüßt die Regeländerungen; German Open wichtigste Veranstaltung seit 1969. Nordbayerischer Kurier, 16. 10. 2001, Sport

Immer, wenn man etwas aufgeben muss, was man lange Zeit getan und für richtig gehalten hat, fällt dies schwer — egal ob es sich um Essgewohnheiten, Rechtschreibung oder Spielregeln handelt.

15. 10. 2001

Krämer, Kerstin: Schöne fremde Buchstabenwelt. Der Verein Deutsche Kurrentschrift Freunde widmet sich der Pflege der Sütterlin-Schrift. Saarbrücker Zeitung, Lokalausgabe Saarbrücken, 15. 10. 2001, Saarbrücken

Es gilt selbstverständlich die alte Rechtschreibung!

Das grosse D im vereinsnamen spricht für die neue rechtschreibung (vgl. wechsel bei Institut für d/Deutsche Sprache) und der rest für gar keine rechtschreibung. So kommen die umfragemehrheiten pro alte rechtschreibung zu stande!

Feger, Veit: Roman "Eine Billion Dollar": Lob von höchster Stelle für Öpfinger Autor Andreas Eschbach. Schwäbische Zeitung, 15. 10. 2001, Lokales, Ehingen

In der dicken Literatur-Beilage der FAZ zur Frankfurter Buchmesse wird Eschbach jetzt […] von FAZ-Feuilleton-Chef (!) und FAZ-Mitherausgeber (!) Frank Schirrmacher gewürdigt. […] Anmerkung: Das zitierte Wort "Verriß" ist kein Rechtschreibfehler; in der SZ hätte es natürlich "Verriss" heißen müssen", aber die FAZ hat sich der Mode "Rechtschreibreform" verweigert. — Der Ehinger SZ-Macher legt aus seinem Nähkästchen nach: Er dreht beim Redigieren manchmal schier hohl: Einige Mitarbeiter, gestandene Akademiker, die früher "Straße" richtig schreiben konnten und schrieben, sind durch die Reform so verunsichert, dass sie nun, aus Angst, sie könnten ein doppeltes s versäumen, ständig "Strasse" schreiben — eine der unschönen Folgen der sogenannten Reform. Und der Zeitungsmacher leidet zudem unter der Verachtung süddeutschen Sprachgebrauchs, weil er zwar "Spaß" mit kurzem "a" spricht und also "Spass" schreiben müsste, aber nach den aus Norddeutschland stammenden Rechtschreibregeln ein Wort schreiben muss, das er eigentlich nur als "Spaas'" lesen kann.

14. 10. 2001

Josten, Björn: Die Politiker bekamen alle ihr Fett weg. Westfälische Rundschau, 14. 10. 2001

"Ich möchte kein Politiker sein, ich bleibe lieber Zivilist." Mit dieser und mit anderen Erkenntnissen unterhielt Richard Rogler am Samstag in der Stadthalle sein eingefleischtes Publikum. […] Des weiteren beklagte er sich über das "verjauchte deutsche Bildungssystem", das sich im Wesentlichen auf Quiz-Shows stützt, und über die Rechtschreibreform.

13. 10. 2001

Mrozek, Bodo: Sieben goldene Wege zum literarischen Erfolg. Ein kleines Brevier für angehende Bestsellerautoren. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. 10. 2001, nr. 238, s. BS4, Berliner Seiten

Vergessen Sie alles, was Sie im Deutschunterricht gelernt haben. Rechtschreibung und Grammatik sind dazu da, abgeschafft zu werden, und zwar von Ihnen. Schreiben Sie entweder alles klein oder alles groß, oder beides zusammen. Hauptsache, es verwirrt.

12. 10. 2001

Neubauer, Hans-Joachim: Die Normoklasten kommen. Redesigndeutschland will uns das allgemeine Dezimalsystem aufzwingen — ein Gespräch über das wahre Maß der Dinge. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 10. 2001, nr. 237, s. BS3, Berliner Seiten

Normung ist Kultur; wie zuletzt der Orthographie-Streit zeigte, empfinden erfolgreich Normierte Normenreformen als Barbarei. In Berlin macht nun unter dem Namen "Redesigndeutschland" eine offene Gruppe von Designern, Technikern, Juristen, Architekten und Wissenschaftlern mobil gegen das gesellschaftliche Normensystem. Doch anders als vergangene politische Avantgarden zielen diese Normoklasten als wirkliche Barbaren aufs große Ganze, auf Zeit, Raum und Sprache.

Büscher, Wolfgang: Das Geheimnis der Wahlplakate. Sie stehen an jeder Ecke, versuchen uns zu werben, mal grell, mal schrill, mal dumm. Wahlplakate spiegeln die Seele der Stadt. Die Welt, regionalausgabe Berlin, 12. 10. 2001

Eine Schöneberger Minipartei, die sich BPR abkürzt, agitiert an den Laternen um den Kleistpark herum "gegen Parkraumbewirtschaftung, Kriegssteuern und Rechtschreibreform". […] Hier spricht der Kiez. […] Allet Übel, spricht sie, kommt von oben. Allet neumodischer Mist. Parkgebühr, dussliges neues Deutsch, und nun auch noch Bin Laden. […] Mit dieser Haltung, in der eine volkstümliche, zivile Tapferkeit steckt, hat Berlin schon den letzten Krieg — ja, man ist versucht zu sagen, irgendwie dann doch noch gewonnen.

11. 10. 2001

Budeus-Budde, Roswitha: Ratlose Ratgeber. Ist Erziehung unmöglich? Nein, es ist nur schwer, ein gutes Buch darüber zu schreiben. Süddeutsche Zeitung, 11. 10. 2001, Kultur

Auch Susanne Gaschke sucht nach den Gründen für die Erziehungsmisere und setzt sich mit Elternhaus und Schule auseinander. […] Mit einer Mischung aus Horrorvisionen, sozialpädagogischem Zeigefinger, Sentimentalität und Häme geißelt sie alles, was in der Gesellschaft zu dieser Katastrophe geführt habe — und den Haupttäter hat sie auch gleich ausgemacht: Es ist die Generation der 68-er. […] Die 68-er sind schuld an Kinderpornographie, Rechtsextremismus, der Rechtschreibreform (alles in einem Kapitel), dem „Reformfanatismus des Bildungswesens“, und natürlich auch am Schund auf dem deutschen Kinderbuchmarkt.

10. 10. 2001

Deuter, Jörg: Goethes Freund als Klopstocks Maler. Ein neuentdecktes Autograph des Messias-Dichters in Oldenburg. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. 10. 2001, nr. 235, s. N5, Geisteswissenschaften

Die Handschrift, die zu den letzten Lebenszeugnissen Klopstocks gehört, wurde von der Hamburger Klopstock-Forschungsstelle untersucht und als eigenhändig anerkannt. […] Die Handschrift zeige keine Ausreißer bei den Buchstaben, kommentieren Klaus Hurlebusch und Rainer Schmidt, und die für Klopstock typischen Geminationen (himlisch, unbekant), Relikte seiner Reform-Orthographie, finden sich auch hier beibehalten.

s: Zustimmung signalisiert. Thema Windpark: Erst müssen die Verträge mit den Landwirten vorliegen. Nordbayerischer Kurier, 10. 10. 2001

In der Ratssitzung gab Bürgermeister Harald Mild die Anfrage einer Bürgerin wieder, die sich nicht mehr sicher sei, ob Creußen oder Creussen die richtige Schreibweise sei. Er stellte fest, dass es bei der Verwendung von Großbuchstaben zwar CREUSSEN heiße, da es dabei kein "scharfes s" gibt, bei der Verwendung von Kleinbuchstaben jedoch das "ß" beibehalten werden sollte. Daran habe auch die Rechtschreibreform nichts geändert. Mild räumte ein, dass bei modernen Printmedien das "ß" oft schon nicht mehr auf der Tastatur zu finden sei; so lange es aber möglich sei, sollte man beim "ß" bleiben.

8. 10. 2001

kem: Bücher aus Bad Essen helfen beim Deutsch lernen. Neue Osnabrücker Zeitung, 8. 10. 2001, Osnabrücker Land

Und da fragte sich Lore Jeschke, was denn eigentlich mit den Lehrbüchern geschieht, die durch die Rechtschreibreform überholt sind. Die Idee war da, und sie ging einen Schritt weiter. Bei den Bad Essener Schulen wurde angefragt. Von dort kam "grünes Licht". Man war froh, ausgediente Bücher nicht in den Müll werfen zu müssen. […] und so kam die gewichtige Bücherspende gut in der polnischen Kreisstadt, die rund 50 Kilometer von Danzig entfernt liegt[,] an.

> Guratzsch, Dankwart: Papier ist geduldig. Der Kommentar. Die Welt, 8. 10. 2001, nr. 234, s. 27, Feuilleton

Inzwischen erweist sich auf frappante Weise, dass die geschriebene Sprache offenbar mindestens ebenso geduldig ist wie das Papier, auf der sie sich niederschlägt. 64 Prozent der Sprachgemeinschaft wenden die Neuschreibung nicht an. Rechtschreibwörterbücher sind überflüssiger denn je, weil es "richtig" und "falsch" im herkömmlichen Sinne nicht mehr gibt.

Hurra, > Elisabeth Leiss ist am ziel! Oder doch nicht? Wie so oft kommt das banale (> Frankenpost) der wahrheit näher.

6. 10. 2001

dan: Störenfried. Aufgespießt. Frankenpost, 6. 10. 2001

Den Untergang der deutschen Sprache haben uns Schriftsteller vor drei Jahren für den Fall versprochen, dass man Presssack wirklich einmal mit dreifachem s schreiben muss. Und was ist passiert? Gar nichts. Die Menschen haben einfach weitergeschrieben (eher wenig), sich unterhalten (eher mehr) und sich immer noch gut verstanden.

Jung, Rainer: Revolution und Gartenlaube. Marxisten, Floristen, Rechtsextremisten, Jungaktivisten: Ohne Chance, aber unverdrossen mischen sich die "Sonstigen" in den Wahlkampf ein. Frankfurter Rundschau, 6. 10. 2001

Angesichts solcher Herrenwitz-Propaganda ist Detlef Mahn doppelt froh, dass ihn die Rechts-Partei vor sechs Jahren wegen Meckerns gegen die Führung ausgeschlossen hat. Nun präsidiert der Markthändler einer eigenen Minigruppe, der Berliner Partei für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (BPR). […] Seine Zuversicht schöpft der 60-Jährige aus dem eigenen Programm: Die BPR kämpft immer noch gegen die Rechtschreibreform.

4. 10. 2001

pep: Herbert Knebel "unter Strom": Attendorner Fans wie elektrisiert. Westfälische Rundschau, 4. 10. 2001

Zum Abrollen komisch die reinen Textsketche wie Herberts unerfreulicher Besuch im Krankenhaus […]. Spitze auch die "betont sachliche" Halbzeitanalyse des Trainers Herbert, dessen Fußballmannschaft gegen das Team "vom Pflegeheim St. Gürgen" hoffnungslos zurück liegt. Die mündet in ein Gespräch über die Rechtschreibreform, das in der Fragestellung gipfelt, "wann man datt mit Doppel-S schreibt".

2. 10. 2001

how: Die "Flut" will alles Schlechte weg spülen. Die kleinen Parteien stellen sich zur Wahl — Die neugegründete "Flut" möchte wie eine Naturgewalt sein. Potsdamer Neueste Nachrichten, PNN online, 2. 10. 2001, Berlin

Auszüge aus dem Programm: "Mehr Steuergerechtigkeit. Reduzierung der Rundfunkgebühr. Beseitigung der Arbeitslosigkeit. Zuweisung zumutbarer Tätigkeiten für Langzeit-Arbeitslose. Privatisierung der Rentenversicherung. Weniger Staat. Bafög für alle. Abschaffung der Rechtschreibreform. Bessere Familienförderung. Abschaffung der Wehrpflicht. Konsequentere Strafverfolgung."

Fuchs, Robert: Längerer Ast? Betrifft: Michael Cerha zur Rechtschreibreform. Der Standard, 2. 10. 2001, s. 35, Leserstimmen

Wenn es Michael Cerha erfreulich findet, dass 50% der Sprachbenutzer meinen, jeder solle schreiben wie er will, so finde ich das meinerseits erfreulich. Ob wir damit "am längeren Ast" sitzen, bezweifle ich allerdings. Die Privatkorrespondenz findet wenig Verbreitung, und im Beruf muss man doch die aufgezwungene Rechtschreibung verwenden, um nicht als unfähig zu gelten.

Leuten, die im beruf etwas als aufgezwungen empfinden, empfehlen wir eine selbstständige tätigkeit — und dann auch eine selbstständige rechtschreibung.

1. 10. 2001

Kugler, Bettina: Chaos auf dem Nebenschauplatz. «Talk im Theater» mit Professor Theodor Ickler zum Thema Rechtschreibreform. St. Galler Tagblatt, 1. 10. 2001, Stadtkultur SG

Weder der Referent > Theodor Ickler, ein für seine fundierte und konstruktive Kritik an der Neuregelung mit dem Deutschen Sprachpreis ausgezeichneter Experte für Orthographie, noch sein aufmerksames Publikum wollten sich damit zufrieden geben, den Widersinn der neuen Regeln anzuprangern und «die Schuldigen» zu attackieren. Vielmehr ging es um Wege aus dem «Chaos», das durch die Rechtschreibreform entstanden ist — wenn auch auf einem «Nebenschauplatz» der allgemein Besorgnis erregenden Sprachpraxis, wie ein Zuhörer in der Diskussion zu bedenken gab.

10. 2001

> Wermke, Matthias: 100 Jahre deutsche Einheitsschreibung. Sprachspiegel, 10. 2001, 57. jg., nr. 5, s. 145—147

Die Ergebnisse der II. Orthographischen Konferenz wurden, wie könnte es anders sein, nicht von allen positiv bewertet. Den einen blieben sie auf halbem Wege stehen, den anderen waren sie ein Bruch mit dem Gewohnten. […] In einem föderalistischen Gebilde wie dem deutschen Reich, in dem — damals wie heute in der Bundesrepublik — die Kultushoheit und damit auch das Schulwesen in der Hand der einzelnen Teilstaaten lag, war ein für alle verbindliches orthographisches Regelwerk ein eminent wichtiger Baustein nationaler Kulturpolitik, der umso bedeutsamer war, als er in einvernehmlicher Zusammenarbeit mit Österreich und der Schweiz zustande kam. Schliesslich ist deutsche Rechtschreibung im Zweifel kein einzelstaatliches Problem. Vor diesem Hintergrund ist es nicht erstaunlich, dass das Zustandekommen der Regelung von 1901 und dasjenige der Neuregelung von 1996 zahlreiche Parallelen aufweist. Im Guten wie im Schlechten — werden manche sagen — hat sich die Geschichte wiederholt.

neu Mogensen, Jens Erik: Die neue deutsche Rechtschreibung. Probleme bei der Umsetzung in zweisprachigen Wörterbüchern mit Deutsch und Dänisch. Deutsch als Fremdsprache, 10. 2001, nr. 4, s. 214 bis 218

Abstract: Ausgehend von den Problemen bei der Umsetzung der neuen deutschen Rechtschreibung in zwei Wörterbüchern zum Sprachenpaar Deutsch - Dänisch werden die Regeln zur Getrennt- und Zusammenschreibung "Substantiv + Verb" bzw. "Adjektiv + Verb" an Hand des amtlichen Regelwerks und einschlägiger deutscher Rechtschreibwörterbücher (Duden 1996, Bertelsmann 1996, Wahrig 1997) thematisiert. Probleme ergeben sich aus der Umformulierung der amtlichen Regeln in "Regeln" innerhalb der Wörterbuch-Umtexte, vor allem aber aus der inkonsequenten Umsetzung der amtlichen Regeln in den Wortlisten. Daraus werden Vorschläge zur differenzierten theoretischen Erfassung wie zur konsequenten lexikografischen Umsetzung abgeleitet.

29. 9. 2001

Cerha, Michael: Wir sitzen am längeren Ast. Umfragen in Sachen Orthographie. Der Standard, 29. 9. 2001, s. 32, Kultur

Man kann aus vielen Gründen meinen, dass die Reform "ein Fehlschlag großen Stils" war. Sicher aber nicht aus dem Grund, dass 56 Prozent der Österreicher heute noch immer "schreiben wie früher". [… Es] ist klar, dass die erste Generation, die von Anfang an nach den neuen Regeln unterrichtet wurde, heute erst zwischen acht und elf Jahre alt ist. Am späteren Verhalten dieser Generation erst wird sich entscheiden, welcher Anwendungsbreite die neue Orthographie sich auf Dauer erfreut. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Generation nach der Schule zu Rechtschreibregeln zurückkehren wird, die sie nie gelernt hat. […] 50 Prozent erklären laut IMAS, dass jeder schreiben soll, wie er will. Das ist ein Beleg dafür, dass nach dem Fehler der Regierung, die Orthographie dekretieren zu wollen, die Hälfte der Österreicher nicht in den Fehler verfällt, sie sich tatsächlich dekretieren zu lassen.

Sehr vernünftiger kommentar, aber am schluss doch noch auf die in der umfrage enthaltene falsche alternative «ausser kraft setzen» (für die schulanfänger?) - «jedem einzelnen (erwachsenen?) überlassen» hereingefallen.

28. 9. 2001

Stirnemann, Stefan: «Bestenfalls überflüssig.» Sprachpreisträger > Theodor Ickler über die umstrittene Neuregelung der Rechtschreibung. St. Galler Tagblatt, 28. 9. 2001, Stadt St. Gallen

Auch die Schweiz könnte das Ganze noch stoppen, da die Reform beim Ausscheren eines einzigen Landes nicht verwirklicht werden soll. Das ist allerdings nicht zu erwarten, denn hier ist der Leidensdruck geringer; über neunzig Prozent der Änderungen eines Textes machen ja die neuen ss-Schreibungen aus, und gerade hier bleibt die Schweiz bei ihrer bisherigen Sonderregelung.

APA/her: Gehrer: Rechtschreibung kein Gesetz. Kurier, 28. 9. 2001

Es sei von Anfang an klar gewesen, dass die Umsetzung sehr lange dauere. Im Schulbereich sei die Reform akzeptiert, die Umstellung erfolge dann, wenn die Jugendlichen von der Schule ins Berufsleben hinaustreten würden.

Am scharfen "ß" führt keine Reform vorbei. Kurier, (28. 9. 2001)

Selbstbewusst bleibt in Österreich bis auf weiteres selbstbewußt. Nur acht Prozent der Österreicher schreiben nach den neuen Rechtschreib-Regeln. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage […]. Land der Flußschiffahrt: Zwei von drei Österreichern halten sich bei diesem Wort laut Imas an die alte Schreibweise […]. Die Reformer argumentieren dagegen, dass die Umstellungsphase noch bis zum Jahr 2005 läuft und dass in den Schulen ausschließlich nach den neuen Regeln unterrichtet wird. Somit werden immer mehr Österreicher auch selbstbewusst schreiben.

. . . und ganz sicher nicht mehr wissen, wie man schiffahrt am zeilenende trennt — was leider nicht gegenstand der umfrage war.

Scheidl, Hans Werner: "Aufwändig" — unnotwendig. Die Presse, 28. 9. 2001, nr. 16.084, s. 1

Es werden schon noch mehr werden, die sich dem Diktat der gesamtdeutschen Kultusministerkonferenz beugen werden (müssen)! Frau > Gehrer unterschätzt hier die Untertanen gewaltig. Wir gehen mit ihr, wenn sie sagt, daß die übliche deutsche Rechtschreibung ihre Tücken, Hürden und Fallstricke hat. Aber gerade sie als ehemalige Lehrerin wird ja wohl niemandem weismachen wollen, daß die neuen Regeln einfacher oder gar logischer wären. […] Eine Reform täte not, aber sie muß einleuchten, sie muß eine klare Verbesserung mit sich bringen.

p./ewi: Imas-Umfrage zur Schreibreform: Ablehnung auf fast allen Fronten. Die Presse, 28. 9. 2001, nr. 16.084, s. 16, Kultur

"Das Vorhaben ging gründlich daneben", resümiert das Imas-Institut: "Nur neun Prozent äußerten sich lobend über die Reform, der Rest ist unentschieden. Die vielzitierte normative Kraft des Faktischen hat nicht ausgereicht, der Bevölkerung ein Verhalten aufzudrängen, das ihr offenkundig zuwiderlief. Lediglich acht Prozent der Erwachsenen haben sich an die neuen Regeln angepaßt. Darin wird das Ausmaß des sprachpädagogischen Fehlschlags vollends deutlich."

27. 9. 2001

C.B.: Fotos mit Heiligenschein und andere Katastrophen. Was eine Praktikantin in der Lokalredaktion erlebt. Frankenpost, 27. 9. 2001

Gehirngymnastik ist aber auch angesagt, wenn es darum geht, meinen stummen Protest gegen die Rechtschreibreform niederzuknüppeln. Diesen führe ich unbewusst mehrere Male in jedem meiner Artikl: Ich weiß mittlerweile zwar ziemlich genau, dass man "Straße" auch jetzt noch nicht mit Doppel-"s" schreibt — aber ich tue es trotzdem. Die Macht der Gewohnheit eben. Aber vielleicht wird diese — die Macht der Gewohnheit nämlich — irgendwann ja auch hier einmal zuschlagen. Vielleicht wird man sich an meine Fotos gewöhnen oder daran, meine s-Fehler stillschweigend zu korrigieren und mich einfach in dem zu Glauben lassen, ich würde eine Meilenstein in der Gesichte der deutschen Rechtschreibung setzen. Vielleicht aber auch nicht. Dann muss ich mir wohl ein Wörterbuch kaufen.

24. 9. 2001

> Markner, Reinhard: Mündiger Sprecher. > Theodor Ickler wurde in Weimar mit dem Deutschen Sprachpreis ausgezeichnet. junge Welt, 24. 9. 2001, Feuilleton

Der Journalist Thomas Steinfeld macht in seiner Laudatio deutlich, worum es geht — um den spektakulär fehlgeschlagenen Versuch, »selbst zu gestalten, was sich selbst gestaltet«. Gemeint sind die unter dem irreführenden Begriff »Rechtschreibreform« bekanntgewordenen Bemühungen sprachpolitischer Kleingärtner, den Wildwuchs der deutschen Sprache den eigenen rigiden Ordnungsvorstellungen gemäß zu beschneiden. […] Icklers empirisches Vorgehen repräsentiert den linguistischen Kenntnisstand unserer Tage. An die Stelle der systematischen Entmündigung der Sprachgemeinschaft tritt ein liberales Konzept von Orthographie, das der Durchsetzung per Erlaß überhaupt nicht bedürfte.

In der tat, es bedarf keines erlasses für die durchsetzung irgendeiner ortografie, wenn die siebenjährigen frei wählen können.

21. 9. 2001

bT: Anpassung beim Nachdrucken. Neue Rechtschreibung — Regierung will keine Denkpause. Aargauer Zeitung, 21. 9. 2001; Seite 19, Aargau

Der Regierungsrat bedankt sich zwar freundlich für die vom Postulanten mitgelieferte Auflistung kritischer Reaktionen. Die «medienwirksamen Wetterleuchten» seien inzwischen aber weitgehend verklungen. Man sehe deshalb «beim besten Willen» keinen Grund für eine Denkpause: «Eine solche Massnahme käme einem Bruch nationaler und internationaler Vereinbarungen gleich und ist aufgrund der politischen Tragweite auch nicht zu verantworten», wird betont.

dpa/th: Deutscher Sprachpreis an Wissenschaftler > Theodor Ickler. Freies Wort, 21. 9. 2001, Thüringen

Ickler hatte auch Eingriffe durch die Rechtschreibreform kritisiert.

Völkerling, Jörg: Vor ihm erzittern die „Reformer“. Thüringische Landeszeitung, 21. 9. 2001

Es gab eine Zeit, als man sich auf Deutschlands Zeitungen noch verlassen konnte: Der Leser konnte davon ausgehen, dass die Journalisten die geltende Rechtschreibung ernst nehmen. Heute herrscht die blanke Anarchie in deutschen Redaktionsstuben, jeder schreibt, wie er denkt. […] „Jetzt hat man das Chaos, das man verhindern wollte“, sagt > Ickler.

Wollten wir das alles wirklich verhindern?

19. 9. 2001

Weinbruch, Karl Heinz: Deutsch, deutsch. Zu: "Van Goghs Werke auf dem Rückflug" (F.A.Z. vom 4. September). Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. 9. 2001, nr. 218, s. 64, Frankfurt

Der Artikel war schon interessant zu lesen, zumal die F.A.Z. sich nicht nach der neuen Rechtschreibreform richtet. Aber der Verfasserin haben es scheinbar die Anglizismen sehr angetan: "blockbuster".

Mollowitz, Knut: Mietrecht aktuell. Wirrwarr um neue Mietrechts-Paragraphen. Lampertheimer Zeitung, Main-Rheiner, 19. 9. 2001, Nachrichten aus der Region

Nun verfügen Juristen ja allgemein, wenn es nicht gerade um Auswüchse der Rechtschreibreform geht, um eine schnelle Auffassungsgabe, aber wie sieht es beispielsweise mit dem Mieter aus, der jetzt eine Kündigung mit Nennung verschiedener notwendiger Paragraphen erhält.

Was würden Sie tun...? 23 Fragen an Bürgermeisterkandidatin Jutta Müller. Saarbrücker Zeitung, 19. 9. 2001, Völklingen

Frage 1: Wem würden Sie gern mal richtig die Meinung sagen? — Jutta Müller: Den Sachverständigen, die die Rechtschreibereform ausgearbeitet haben.

18. 9. 2001

ka: 25 Parteien zur Wahl zugelassen. Berliner Morgenpost, 18. 9. 2001, Berlin

Vertreten sind auch eine Berliner Partei für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (BPR), die Partei der Arbeitslosen und Schwachen PASS und die Wählerinitiative Bürger und Kleingärtner WBK.

17. 9. 2001

dpa: Kalenderblatt 2001: 17. September. Goslarsche Zeitung (pipeline.de), 17. 9. 2001, Panorama

1999 — Der Landtag von Schleswig-Holstein beschließt einstimmig die Einführung der Rechtschreibreform und kippt damit das Ergebnis des Volksentscheids von 1998

as: Porträt der Woche. Der Geschwindschreiber. Landeszeitung für die Lüneburger Heide, 17. 9. 2001, Lokalnachrichten

Klaus-Dieter Willner […] ist seit 36 Jahren Vorsitzender des Lüneburger Stenografenvereins […]. "Das Gute ist, dass es keine Groß- und Kleinschreibung gibt. Fremdwörter so geschrieben werden wie man spricht. Und es gibt keine Interpunktion."

Und da soll wegen ein paar winzigen änderungen > «das gesamte deutsche Schrifttum von vor 1996 unbenutzbar» werden?

15. 9. 2001

Frey, Christoph: Die Heimatzeitung und ihre inneren Werte. Augsburger Allgemeine, 15. 9. 2001, Neuburg

Aber es gab auch Kritik. So ist unseren Lesern sehr wohl aufgefallen, dass schnellere und schlankere Produktionsprozesse sowie die Rechtschreibreform ihre Spuren hinterlassen haben.

Rathenow, Lutz: Im Land des Kohls. Eine Geschichte von Lutz Rathenow. Berliner Zeitung, 15. 9. 2001, nr. 216, 57. jg., Magazin, s. 7, Kinderseite

Der Minister für innere Unruheordnung sprach nochmals die Rechtschreibreform an: "Majestät sollten, schon um Stärke und Macht zu beweisen, die Kleinschreibung aller Worte, außer Namen und Rang seiner Majestät, einführen." Der Minister für äußere Unruheordnung schüttelte den Kopf: "Majestät sollten endlich, als Ausdruck von Bescheidenheit, die Einführung der Großschreibung aller Worte, außer Namen und Titel Eurer Majestät, beschließen." Der eine Minister beharrte: "Majestät sollten ihre Stärke grammatisch manifestieren!" Der andere Minister bekräftigte: "Majestät sollten ihre Macht durch Zurückhaltung demonstrieren!" […] Das Problem wurde zum dreihunderteinundzwanzigsten Mal vertagt […].

sn: Neuwahlen in Berlin mit "Teletrabis" und der "Flut im Boot". Berliner Kurier, 15. 9. 2001

"Die neuen Parteien haben große Schwierigkeiten, bis Freitag die notwendigen Unterstützungsunterschriften zu sammeln", weiß Horst Schmollinger, Sprecher des Statistischen Landesamtes. Das gelte vor allem für Exoten wie die Teletrabis, die Flut oder die BPR (Berliner Partei für deutsche Rechtschreibung).

12. 9. 2001

Holm, Kerstin: Was mundet aber, stiften die Dichter. Russische Begeisterung: Die Eßkultur als Refugium der Literatur. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 9. 2001, nr. 212, s. 57, Stil

Eines der beliebtesten Restaurants in Moskau ist das "Café Puschkin" […], wo europäisch neutralisierte russische Küche, aristokratisch prätentiöses Personal sowie ein altväterlich wortreiches Menü in vorrevolutionärer Orthographie den Epochengeist des Nationaldichters beschwören.

Nölte, Karin: Auch die »SED« will gewählt werden. 29 Parteien meldeten sich beim Landeswahlleiter für den 21. Oktober an. Neues Deutschland, 12. 9. 2001

Auch Frau Freifrau Irene von Godin wird den Parteistatus ihrer Civilisation Féminine (CiFem) nachweisen müssen. Ebenso Herr Detlef Mahn, der nach wie vor mit seiner Berliner Partei für deutsche Rechtschreibung und Sprachpflege (BPR) für das reine Deutsche streitet.

11. 9. 2001

Fritsche, Walter, und Frank, Lothar: Mit der Orgel 1641,30 Mark für Mawanga eingespielt. Schwäbische Zeitung, (11. 9. 2001), Lokales, Ulm

Und beim Pantomimen-Quiz mit dem Publikum, das sich die Fußballer für den Show-Teil ausgedacht hatten, gab es Begriffe zu raten. Tja, und dass die "Tribühne" ungelöst blieb, lag vielleicht daran, dass das "h" zuviel war. Nun ist ja nach der Rechtschreibreform einiges möglich, aber Tribüne mit "h" ist nicht gedeckt. Zweifelnde Blicke gab"s aber schon: Stimmt"s nun oder stimmt"s nicht? Bühne schreibt man ja schließlich auch "mit".

SZ: Das Streiflicht. Süddeutsche Zeitung, 11. 9. 2001, s. 1, Nachrichten

Peter Wehle gibt in seinem […] Buch „Sprechen Sie Wienerisch? – Von Adaxl bis Zwutschkerl“ der Vermutung Raum, der Hallodri leite sich „vom stereotypen Jodleranfang holladrioh“ her. Abgesehen davon, dass der Hallodri in dem Fall Holladri heißen müsste […], ist die Erklärung etwa so schlüssig wie die volkstümliche Vermutung, der Tollpatsch sei toll und patschig, also insgesamt irgendwie unbeholfen, wo doch der Begriff, wie man seit der Rechtschreibreform weiß, vom ungarischen Wort talpas gleich breitfüßig kommt.

10. 9. 2001

Kretschmer, Winfried: Der Dudenverlag auf neuen Wegen. Die Gralshüter der deutschen Sprache entdecken den gesellschaftlichen und ökonomischen Wandel. Süddeutsche Zeitung, 10. 9. 2001, s. 26, Wirtschaft, Buchkritik

So eine Rechtschreibreform kommt nicht alle Tage, mag man sich beim Dudenverlag in Anbetracht der amtlicherseits geförderten Marktdurchdringung gesagt haben […]. Nach dem Wörterbuch der Szene-Sprachen […] kam in diesem Frühjahr nun der zweite Titel der neuen Produktreihe auf den Markt: Das Wörterbuch der New Economy verspricht Managern und Wirtschaftslenkern der Old Economy einen durchaus vergleichbaren Gebrauchswert.

8. 9. 2001

Stüben, Heike: Schere raus – und ran an Euro und Cent. Wie sich Kindergärten und Schulen auf die neue Währung vorbereiten. Kieler Nachrichten, 8. 9. 2001, Wirtschaft

Währenddessen beklagt der Schulbuchverband, dass noch nicht alle Schulbücher auf den Euro umgestellt sind. "Das überfordert den Schulbuchetat", sagt Beate Hinse, "normalerweise werden die Bücher alle vier bis sechs Jahre ausgetauscht. Wegen der Rechtschreibreform sind viele Bücher aber erst im vergangenen Jahr erneuert worden. Da kann jetzt nicht wieder alles ausgetauscht werden."

6. 9. 2001

Berichtigung. die tageszeitung, 6. 9. 2001, nr. 6542, s. 15, Kultur

Von "Science fction als Kritik einer in der Gegenwart angekommenen Zukunft" war gestern die Rede […] gleichsam als Vorwegnahme der nächsten Rechtschreibreform. Alles wird kürzer, simpler, praktischer werden.

5. 9. 2001

Zwei neue Werke von > Prof. Zabel. Westfälische Rundschau, 5. 9. 2001, Hohenlimburg

Europaweit bekannt wurde er als Mitschöpfer der Rechtschreibreform.

> Kirsch, Felix: Neue Rechtschreibung ist logisch. die tageszeitung, 5. 9. 2001, nr. 6541, s. 12, LeserInnenbrief

Ich denke, dass die meisten Leute, die gegen diese Reform sind, einfach zu faul sind, sich umzustellen, und somit in Kauf nehmen, dass den kommenden Generationen das Leben schwer gemacht wird.

4. 9. 2001

Kein Geld für neue Bücher, Schüler rechnen weiter in Mark und Pfennig. Lübecker Nachrichten, LN-Online, 4. 9. 2001, Lokales

Gerade erst ist die Rechtschreibreform bewältigt, steht das nächste Problem vor der Tür: Der Euro. […] Gisela Galle vom Landeselternbeirat der Gymnasien erinnert sich: "Die Umstellung auf Euro wird ein Prozess, ähnlich dem der neuen Rechtschreibung".

3. 9. 2001

mz: Suche nach der "Gallerie". Im "Familienpark" weisen freundliche Helfer den Weg. Schwarzwälder Bote, 3. 9. 2001, Schwarzwald-Baar-Kreis

Wegweiser zeigen einem, wo's lang geht: zur "Gallerie". Ein Werk der Rechtschreibreform? Man weiß ja nicht mehr so recht.

CB: Ruhrpott-Rentner stand mit ganz viel „Wat(t)” unter Strom. Herbert Knebel und sein Affentheater begeisterten ein Jahr nach dem Triumph in Bad Berleburg am Wochenende 700 Gäste in der Dotzlarer Kulturhalle. Siegener Zeitung, 3. 9. 2001, Dotzlar

„Da weiß man endlich, dass „dat” mit einem scharfen „s” geschrieben wird[,] und dann macht so ’ne Rechtschreibreform alles wieder kaputt.”

2. 9. 2001

> Jochems, Helmut: Miteinander reden. Praktiker vs. Theoretiker. www.rechtschreibreform.com, 2. 9. 2001

Heute weiß man, daß es völlig falsch war, Universitätsgermanisten mit der Beseitigung von Fehlentwicklungen in der deutschen Rechtschreibung zu beauftragen. Ein Arbeitskreis aus tüchtigen Deutschlehrern, Korrektoren und Schreibpraktikern verschiedenster Art hätte das Problem in kürzester Zeit und zu jedermanns Zufriedenheit gelöst.

1. 9. 2001

Radlmaier, Steffen: „Einfacher wird nichts.“ Auf die Buchbranche kommen durch den Euro einige Probleme zu – Schulbücher überarbeitet. Nürnberger Nachrichten, (1. 9. 2001), Kultur

Nach der Rechtschreibreform bedeutet die Währungsumstellung die zweite große Änderung innerhalb kurzer Zeit. „Im Vergleich zum Euro war die Rechtschreibreform ein Klacks“, sagt Norbert Treuheit, Verlagschef von ars vivendi in Cadolzburg. […] Heiko Kistner, Geschäftsführer der Nürnberger Buchhandlung Edelmann, befürchtet für die nächsten Monate „ein mittleres Chaos“. […] „Die Rechtschreibreform war für uns ein gutes Geschäft, weil wir viele Duden verkauft haben“, sagt Kistner, „aber die Euro-Umstellung bedeutet einfach Mehraufwand.“

9. 2001

Knobloch, Clemens: (Buchbesprechung:) Hanno Birken-Bertsch und Reinhard Markner: Rechtschreibreform und Nationalsozialismus. Der Sprachdienst, 9. 2001, 45. jg., nr. 5, s. 202—204

Die bemerkenswerte Vorgeschichte des hier anzuzeigenden Bändchens begann, als in der völlig enthemmten öffentlichen Debatte über die Rechtschreibreform einer auf eine glänzende Idee kam. Was wäre eigentlich, wenn die Nazis auch eine Rechtschreibreform unternommen oder wenigstens versucht hätten? Müsste dieser Umstand nicht den gegenwärtigen Reformanlauf hoffnungslos diskreditieren? […] Dass derart schweres Geschütz nun sogar gegen ein demokratisch bestens legitimiertes Reförmchen aufgefahren wird, ist politisch instinktlos, weil es ein für gravierende politische Regelverstöße benötigtes Argument verschleißt und entwertet. Das sollten Historiker wissen. […] Dass ausgerechnet die > Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung ihren doch immerhin noch guten Namen für diese Publikation hergibt, darf man wohl bestürzend finden.


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Rolf Landolt