Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

Aus der presse

Nachgeführt 31. 1. 2002

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30. 11. 2001

Straten, Walter M.: Es regnet genau wie zu Hause. Bild-Reporter Straten ist schon in der WM-Stadt. Bild, 30. 11. 2001, nr. 280, s. 10, Sport

Stellen Sie sich vor, wir müßten Berlin ab sofort Perlin nennen... Pusan erging es so. Nach einer Rechtschreib-Reform in Korea heißt die Stadt jetzt Busan.

Es geht allerdings nur um die transkription, wovon die koreaner nicht viel merken. Ausführlicher: Ickler in www.rechtschreibreform.com.

29. 11. 2001

tsch: Wunderschöne Fleischfresser. Eine Hommage an die Fleisch fressende Pflanze. Nordwest Net, (29. 11. 2001)

Freundliches verbindet man mit ihnen nicht. Hinterhältig wie sie sind, haben sie kürzlich sogar noch ihren Namen geändert: Aus den ehemals "Fleischfressenden Pflanzen" wurden im Rahmen der Rechtschreibreform "Fleisch fressende Pflanzen".

Hirsch, Wolfgang: Die deutsche Sprache ist nicht in Gefahr. Thüringische Landeszeitung, 29. 11. 2001

Professor siehe Christian Meier [. . .] hielt diese Woche einen Vortrag beim Collegium Europaeum Jenense. Die TLZ nutzte die Gelegenheit und sprach mit dem streitbaren Gelehrten über die Folgen der Rechtschreibreform und die Zukunft des Deutschen in einer zunehmend globalisierten Sprachwelt. [. . .] [Meier:] Wahrscheinlich wird sich die „ss-ß“-Regel durchsetzen, aber dieser ganze Unsinn von „Bahn brechenden Ereignissen“ und „es tut mir Leid“ hat keine Zukunft. [. . .] Die siehe Akademie für Sprache und Dichtung arbeitet gerade einen Kompromissvorschlag aus, um die buchstäblichen „Missstände“ zu beheben.

28. 11. 2001

Klein, Wolf Peter: Vorsicht, Gleitzeit. Lexikographen erkunden die Wirklichkeit der Sprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 11. 2001, nr. 277, s. N6, Geisteswissenschaften

Wer an der Schreibweise eines Worts zweifelt, gibt die beiden Varianten in eine der zahlreichen Internet-Suchmaschinen ein und schreibt dann diejenige Form, die am häufigsten gefunden wurde. Für die Entwicklung unserer Rechtschreibung könnte die Ausweitung dieses Verfahrens Folgen haben, welche die Debatten über die Orthographiereform weltfremd erscheinen lassen.

27. 11. 2001

ith: Wörterbuch. Alb. Frankfurter Rundschau, 27. 11. 2001, Ausland

Die jüngsten Klon-Experimente seien ein "Albtraum, der nun leider Wirklichkeit wird", sagt Ärzte-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe. [. . .] Die winzigen Worte Alb und Alp vermengen sich im Lexikon stets mit Begriffen aus der Bergwelt. Dort ist es ja, wie man hört, ein Unterschied, ob b oder p. Hier indes darf beides sein und seit der Rechtschreibreform sogar im Albtraum.

24. 11. 2001

Thomas, Christian: Magisch. Zwei neue, prächtige Duden. Frankfurter Rundschau, 24. 11. 2001, Feuilleton

Nun gehört aber wahrscheinlich zu der unendlichen Heldengeschichte der Zahl Zwölf, dass längst auch die berühmte Mannheimer Duden-Redaktion es auf eine solche Anzahl an Einzeltiteln gebracht hat, angefangen vom Duden für Rechtschreibung bis hin zu dem Duden der Zitate und Aussprüche. Und zwischen diesen beiden Eckpfeilern existieren zehn weitere Standardwerke, im ganzen liegt ein Oeuvre vor, dass sich die Nation auch heute, trotz zuletzt wüster Reformen, nicht anders denn als Institution vorstellen kann. 90 Prozent der Deutschen, das ist statistisch gesichert, denken so. An eine Autorität.

Mayr, Peter: Mehr Sprech- als Schreibprobleme. Der Standard, 24. 11. 2001, s. 6, Inland

siehe Karl Blüml, Rechtschreibreformer und Leiter der Abteilung AHS im Wiener Stadtschulrat, versuchte schon zu Beginn, falsche Eindrücke zurechtzurücken. Blüml: "Unsere Kinder können im Schnitt gut Deutsch." Entscheidend sei, dass die Anforderungen der Gesellschaft rasant gestiegen seien.

23. 11. 2001

La Marr, Mike: Telefon-wunschkonzert. Schweizer Radio DRS, www.drs.ch, 0.05 bis 1 uhr

Tema rechtschreibung aus anlass der berichte über einen ortografiefehler des britischen regierungschefs Blair. U. a. kurzinterview mit siehe Rolf Landolt. Musikwunsch: mpeg3, 99 KB.

22. 11. 2001

"Toony" Blairs Rechtschreibschwäche. Spiegel Online, 22. 11. 2001, 12:23

Kaum zu glauben, dass der Eliteschüler siehe Blair mit der Orthografie auf Kriegsfuß steht. [. . .] Das Wort "tomorrow" (morgen) hatte bei ihm in der ersten Silbe statt einem gleich zwei "o" und erschien so als "toomorrow".

Fischer, André: Schuldzuweisungen als Prinzip. CSU hält an Ausbau der Infrastruktur fest – SPD sieht Versäumnisse beim Sparen – Ämter der Stadt werden im Jahr 2002 einer Aufgabenkritik unterzogen. Nürnberger Zeitung, (22. 11. 2001), Lokales

Angesichs der Rechtschreibreform und der Euro-Einführung müsse auch mehr Geld für neue Schulbücher zur Verfügung gestellt werden.

Schlötzer, Christiane: Hellenische Empörung. Die Griechen wollen keine zweite Amtssprache. Süddeutsche Zeitung, 22. 11. 2001, Politik

Um ihre Sprache stritten die Griechen auch miteinander, heftiger als die Deutschen um die Rechtschreibreform. Es gab gar Straßenschlachten mit Todesopfern, als Sprachpuristen sich über das Dimotiki, die Volkssprache, erregten. 1982 räumte eine Reform mit dem alten Sprachballast auf und tilgte die komplizierte Orthographie des archaisierenden Katharevussa.

21. 11. 2001

Kirk, Gerhard M.: Ein "Stachel im Fleisch". Buß- und Bettag. Badische Zeitung vom 21. 11. 2001, Freiburg

[. . .] der dank der Rechtschreibreform schon gar nicht mehr als Betttag zu missverstehen ist [. . .]

Gruner, Heidi: Brutzeln und kichern. Teenie-Kochkurs macht Riesenspaß. Leipziger Volkszeitung, 21. 11. 2001, Meldungen aus Leipzig

Die anderen diskutieren derweil über Schule und Rechtschreibreform oder albern mit der Whiskeyflasche von Clubleiter Gerald Walther rum.

20. 11. 2001

Sziegoleit, Ralf: Bebilderte Wörter. Frankenpost, 20. 11. 2001, Kultur

Irritationen stellen sich allerdings bei der Lektüre ein. Unter "fahren" etwa stößt der Leser aufs "Karussel", mit einem l, verbucht's verwundert als Folge der Rechtschreibreform — jedoch: Beim Stichwort "Karussell" ist das zweite l wieder da. [. . .] Fürs Erste ist der bebilderte Wahrig nicht ganz das Wahre.

19. 11. 2001

siehe Borner, Silvio: Wo die Macht des Staates an ihre Grenzen stösst. Der BaZ-Gast: Professor Silvio Borner. Basler Zeitung, 19. 11. 2001, nr. 270, s. 13, Wirtschaft

Während nun beim Euro die Staaten ihre ganze Macht einsetzen können, um die neue Währung subito durchzusetzen (z.B. durch rasche Ungültigerklärung der alten Scheine und Münzen)[,] ist das z.B. bei der deutschen Sprachreform weit schwieriger. [. . .] Letztlich entscheidet jeder selber, ob der Umstieg von den alten zu den neuen Deutsch-Regeln mehr Nutzen als Kosten verursacht. Ob das für die meisten zutrifft, ist zu bezweifeln; denn die neue Orthographie (oder Ortografie) ändert wenig daran, dass die deutsche Sprache eine schwierige ist und bleibt [. . .]. Oder anders gesagt: Die Umstellungskosten sind beträchtlich und der Nutzen kaum spürbar. [. . .] Vielleicht wäre es besser, statt die deutsche Sprache zu verbessern, einfach auf Englisch umzustellen.

siehe stellungnahme.

Gubler, Jean-Pierre: Der Maigret von der Zeughausstrasse. Viktor Schobingers «Züri-Krimis». Der Landbote, 19. 11. 2001, 165. jg., nr. 269, s. 15, Feuilleton

Zum Lokalkolorit gehört andererseits natürlich auch und vor allem die Sprache. Schobinger kennt diese us em èfèf, ist er doch auch der Autor verschiedener Dialektfibeln und -grammatiken [. . .]. Züritüütsch ist Schobingers Markenzeichen. [. . .] In der Anwendung des Dialekts ist Schobinger konsequent. Nicht nur die Dialoge, auch die Beschreibungen sind nach den Rechtschreiberegeln von Eugen Dieth und in gemässigter Kleinschreibung wiedergegeben.

vlhar: Euro-Krise an Hamburgs Schulen. Umstellung der Lehrbücher auf neue Währung scheitert an Geldmangel. Hamburger Abendblatt, 19. 11. 2001, Hamburg

"Der Druck ist enorm hoch, weil die Schulen finanziell nicht einmal die Rechtschreibreform verkraftet haben und in sehr kurzer Zeit nun auch noch der Euro hinzukommt", sagt Arno Becker, Vorsitzender der Gewerkschaft für Schule und Bildung. [. . .] Die Verlage nämlich sind wie schon zur Rechtschreibreform bestens ausgerüstet. Der Ernst-Klett-Verlag etwa hat sämtliche Bücher für mehr als zehn Millionen Mark Euro-tauglich gemacht. Trotzdem hilft er mit einzelnen Auszügen aus.

Buchmeier, Frank: Ein Bilderbuch über den Alltag der Gerlinger. Fotos eines aufstrebenden Orts. Stuttgarter Zeitung, 19. 11. 2001, Kreis Ludwigsburg

Geschichte und Geschichten, dargestellt auf 207 historischen Fotografien. [. . .] "Wir haben absichtlich auf Text verzichtet", erklärt Herrmann, "weil die Leute heutzutage lieber schauen als lesen." Dass die wenigen Worte, die sich zwischen den Buchdeckeln finden, trotz dieses dem Zeitgeist angepassten Konzepts in alter Rechtschreibung abgefasst wurden, erklärt ein Vertreter des Verlags wiederum damit, dass die Kernzielgruppe für einen lokalhistorischen Bildband die über 50-Jährigen seien: "Diese Klientel wollen wir nicht zu sehr verstören."

17. 11. 2001

Schmoll, Heike: Das Abi-Bac im Grenzbereich. Das deutsch-französische Abitur stellt große Anforderungen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. 11. 2001, nr. 268, s. 8, Politik

Mit der Rechtschreibreform wollen die Deutschlehrerinnen in St-Avold ihre Schüler so lange nicht befassen, als sie nicht gelehrt wird. Bis zum Jahr 2005 wird in der bewährten Weise geschrieben. Allerdings gibt es auch in den letzten Gymnasialklassen schon Schüler, die in der Grundschule mit der neuen Rechtschreibung begonnen haben, so daß die Lehrer unterschiedliche Bewertungsmaßstäbe anlegen müssen.

(triple-i): Vor 100 Jahren. Vermischtes. Frankfurter Neue Presse, Höchster Kreisblatt, 17. 11. 2001

Der bekannte Humorist Eduard Pötzl besingt die neue Orthographie in herzbewegenden Versen: Tal und Ton und Tor und Tran,/ Träne, Tür und Untertan [. . .].

Putjus, Rene: Schüler müssen bald in Mark und Euro rechnen. Austausch der Mathebücher verzögert sich. Rheinische Post, 17. 11. 2001, Dinslaken

Aber auch Gabriele Lützenkirchen-Modro musste eng kalkulieren. Die Rektorin rechnet die Kosten vor [. . .] Lützenkirchen-Modrow wies darauf hin, dass die Schulen erst vor kurzem im Zuge der Rechtschreibreform die Deutschbücher komplett austauschen mussten.

Klemm, Martina: Zunehmender Verrohung Einhalt gebieten. Ergebnis der Fragebogenaktion zur Gewalterfahrung Jugendlicher. Wormser Zeitung, Main-Rheiner, 17. 11. 2001, Regio-Nachrichten

Erschreckend sei weiterhin [. . .], in welch desolatem Zustand die Rechtschreibung sei. Soviele Fehler habe man nicht erwartet.

14. 11. 2001

Müller, Cornelia: Zu wenige sind geeignet, Polizist zu sein. Trotz vieler Bewerber bleiben Stellen frei. Kieler Nachrichten, 14. 11. 2001, Schleswig-Holstein

Laut Kröger scheitern viele Bewerber an mangelnder Rechtschreibung.

Vgl. siehe fundsachen.

Kreienbrink, Ingmar: Über das Gehör Schreiben lernen. Forderung nach Aufsätzen. Neue Ruhr/Rhein Zeitung, Ausgabe Rheinberg, 14. 11. 2001

Wenn aber Kinder in der Schule beim Diktat die Buchstaben verwechseln, hat das andere Gründe. "Solche Fehler können am schlampigen Sprechen, aber auch an mangelnder Rechtschreib-Praxis liegen", erklärt Yvonne Schmidt. Die ehemalige Gymnasiallehrerin beschäftigt sich [. . .] mit solchen und anderen Problemen. [. . .] Die reformierte S-Regelung findet sie logisch und hat keine großen Probleme bei der Vermittlung.

13. 11. 2001

Androutsopoulos, Jannis: Spar-Sprech. Der Charme der SMS-Kommunikation liegt im kindlichen Spiel. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. 11. 2001, nr. 264, s. 12, Deutschland und die Welt

Die Würze vieler Kurzmitteilungen liegt in der Schreibweise. Ähnlich wie in privaten E-Mails und Chats wird das Schriftbild manipuliert, um Effekte zu erzielen, die man im Gesprochenen über die Lautung und Satzmelodie erzeugt. Das zeigt, wie kreativ Sprachteilhaber mit der Schreibweise umgehen, und umgekehrt, wie unzureichend es wäre, die Schreibung auf die Rechtschreibung zu reduzieren.

Hinz, Oliver: Der Notnagel der Münchner CSU. Hans Podiuk muss gegen Oberbürgermeister Christian Ude antreten, weil sich sonst keiner traut. die tageszeitung, 13. 11. 2001, nr. 6599, s. 13, Meinung und Diskussion

Auch ihr neuer Slogan auf den Wahlkampftafeln missglückte den Christ-Sozialen. In Kinderschrift steht auf den neuen Plakaten: "Ich wünsche mir, daß Papi nicht immer so lange im Stau steht!" Diesmal verstößt der Spruch immerhin nur gegen die Rechtschreibreform.

12. 11. 2001

Rosentreter, Eckhard: Ste(ä)ngel: "Glücklich über Osteoporose". Hansgeorg Stengel im Barlachtheater; SVZ sprach mit dem Wortspielmeister und Kabarettisten. Güstrower Anzeiger, SVZ online, 12. 11. 2001

Sie ließen sich bereits in der Vorstellung zur Rechtschreibreform aus, vermuteten scherzhaft, das müsse wohl eine AB-Maßnahme gewesen sein. Wenn Sie über die Reform ein ganz kurzes Urteil fällen müssten... Stengel: 90 Prozent sind unsinnig. An Dummheiten im Sprachgebrauch ändert sich mit dieser Reform gar nichts, eher im Gegenteil. Nehmen wir nur die Großschreibung, die Reform sollte die verringern, denn vieles hat es gar nicht nötig, groß geschrieben zu werden. Genau das Gegenteil ist ein Ergebnis der Reform. Wobei mich vieles gar nicht stört, da kann man abwinken und sich sagen: Was soll's, es lohnt nicht, darüber zu debattieren. Was mich aber stört, ist das etymologische Ableiten von Schreibweisen.

10. 11. 2001

Zenker-Baltes, Inge: So soll es sein und nicht anders. siehe Günter Kunert liest in der Stadtwaage bisher unveröffentlichte Gedichte. Bremer Nachrichten, Weser Kurier, 10. 11. 2001, Kultur

So bezeichnete er im Sommer vergangenen Jahres die Rechtschreibreform als "Unternehmen Schwachsinn", das "hinter dem Rücken der Bevölkerung angestiftet", den Bedürfnissen der "zunehmenden Zahl von Analphabeten angepasst" und zu dem "kein Kompetenter vorher befragt" worden sei. Auch meint er, für jeden Franzosen oder Russen, für Italiener oder Engländer wäre "ein derartiges Herumschustern an ihren Muttersprachen undenkbar". Da liegt es nahe, dass der kritische Dichter Rückschlüsse auf den Zustand der Demokratie in deutschen Landen zieht, "man hat gedacht", wettert Kunert, "mit dem deutschen Untertan könne man nach Gutsherrenart oder in der Manier seiner kaiserlichen Hoheit umspringen. Das wirft einen Schatten auf das demokratische Selbstverständnis der Deutschen".

Kabarettwochen: Gery & Stöcker. Frankenpost, 10. 11. 2001

Ex-TBCler Stöcker alias Helmut Vorndran bindet in den roten Computer-Faden Familie und Umwelt ein, auch Rinderwahnsinn und Rechtschreibreform, Sport und Medien, Leupoldsgrün [. . .].

JG: Damit das Taschengeld auch künftig reicht. Nach der Rechtschreibreform verlangt jetzt der Euro nach neuen und teuren Schulbüchern. Siegener Zeitung, 10. 11. 2001, Wittgenstein

Die Euro-Umstellung kommt im Augenblick nicht sonderlich gelegen, weil sich die meisten Schulen gerade erst einmal von der Rechtschreibreform erholen. [. . .] Ansonsten zeigten sich die beiden Lehrer jedoch von dieser Reform – trotz der Mühe, die sie gemacht hat – heute sehr angetan. Und vielleicht dauert es gar nicht lange, und alle freuen sich auch über den Euro.

Feuerriegel, Jens: siehe Genscher wich den Farben der Liebe. Thüringer Allgemeine, 10. 11. 2001, Nordhausen

Dass Genscher überhaupt nach Nordhausen kam, war der Kreissparkasse zu verdanken. Denn die hatte ihr traditionelles Forum ins Theater verlegt, sich ihre liebsten Kunden oder Geschäftspartner als Gäste geladen und als Redner den prominenten Politiker engagiert. [. . .] Eine innenpolitische Kritik konnte sich der gebürtige Hallenser nicht verkneifen. Seiner Meinung nach müsste die Bildungspolitik in Deutschland eine viel größere Bedeutung, wenn nicht sogar oberste Priorität haben. [. . .] Deshalb sei es ihm unverständlich, warum die Kultusminister sich nicht intensiver um die Bildungspolitik kümmerten und "uns stattdessen jahrelang mit der Rechtschreibreform genervt haben".

9. 11. 2001

s.b.: Gekackte Steaks. St. Galler Tagblatt, OT Rorschach, 9. 11. 2001

Auf Seite 1 des Buchs findet sich der Vermerk: «Nach der neuen Rechtschreibung von 1996». Ob das im alphabetischen Verzeichnis aufgeführte Rezept unter dem Stichwort «Gekackte Beefsteaks» dieser folgt? Ehefrauen, bleibt bei den Spaghettis! Nach neuer Rechtschreibung: Spagettis.

siehe Leonhardt, Rudolf Walter: Meine Sprache. Rudolf Walter Leonhardt erklärt, wie man Englisch nicht lernt. Der Tagesspiegel, 9. 11. 2001, 57. jg., nr. 17583, s. 27, Kultur

[. . .] die Schwierigkeit im Englischen, die von vielen am meisten gefürchtet wird: die Aussprache oder, anders herum, die Orthographie. Man hat es in der Tat nicht leicht mit fünf Vokalen, die fünfmal verschieden gesprochen werden. Zum Beispiel das "a"! Bar, bank, hasty, malign, Mall, mare. Und es gäbe noch die eine oder andere Variante der Aussprache, etwa wenn Diphthonge dazu gezählt werden (Musterbeispiel: to laugh). Wer zwischen Geschriebenem und Gesprochenem dauernd wechseln will oder muss, hat einen schweren Stand. Wer sich allein auf Lesen oder auf Sprechen beschränken kann, lebt leichter. Viele Lehrer beschränken sich darauf, das Mündliche vorzuziehen. Mir scheint das vernünftig. Die andere Partei klagt, dann können die Lehrlinge aber gar nicht Shakespeare im Urtext lesen. Keine Sorge. Wenn sie keine Profis sind, dann können sie das ohnehin nicht. Sogar Fachleute werden sich nicht einig, wohin Hamlet Ophelia schickt: ins Kloster oder in ein Bordell.

Am beispiel des englischen, das keine ortografiereform erlebt hat, und am beispiel von Rudolf Walter Leonhardt, der gewiss kein reformer ist (siehe Die Zeit, 28. 10. 1988), sieht man, wie absurd der vorwurf der «schriftverachtung» von siehe Birken-Bertsch/Markner an die adresse der reformer ist.

5. 11. 2001

md: Kommentar: Hauptsache SMSen. Rheinpfalz Online, 5. 11. 2001, Pfalz-Nachrichten, Bad Dürkheim

Wie er schreibt ist wurscht, phonetisch halt, die alte und die neue Rechtschreibung vernachlässigt er sowieso. Ist ja auch Quatsch, Hauptsache der Nicki kann's ablesen und smst zurück.

3. 11. 2001

Cerha, Michael: Die Regel bestätigt die Ausnahme. Das Österreichische Wörterbuch ist 50. Der Standard, 3. 11. 2001, s. 32, Kultur

Die Mütter und Väter der neuen Rechtschreibung haben mit der Forcierung der Getrenntschreibung wohl eine noch breitere Verunsicherung ausgelöst als mit ihrem vorsichtigen Herumdoktern an der S-Schreibung. Was Goethe zusammengefügt hat, wird von gutwilligen Adepten des Regelwerks seither nicht selten grausam getrennt. Die vielen, vielen Beispiele der Getrennt- oder Zusammenschreibung sind eine der Ursachen dafür, dass sich das Österreichische Wörterbuch in seiner neuesten, 39. Auflage der 1000-Seiten-Marke haarscharf genähert hat.

2. 11. 2001

Wagner-Scheper, Astrid: Den Rau(h)wolligen ist die Reform egal. Hannoversche Allgemeine Zeitung, 2. 11. 2001

Doch die Reform hat sich noch nicht überall in Hannover herumgesprochen. Ein Streifzug durch die Stadt. [. . .] „Imbiß Hin & Iss“ steht denn auch eigenwillig über seiner Schnellküche in der Sallstraße. Aber Hero Heinecke ist es egal, dass sich der „Imbiss“ seit zwei Jahren nicht mehr mit „ß“ schreibt. [. . .] Der Schriftzug „Hin & Iss“, zu Zeiten seiner Entstehung noch völlig falsch geschrieben, ist allerdings überraschend aktuell geworden.

irr: Ausspeisung, bitte! TV-Tagebuch. Der Standard, 2. 11. 2001, s. 29, Fernsehen

Auf Neun Live — früher tm3, jetzt "Das Mitmachfernsehen" — ist praktisch immer Quiz. [. . .] Ob der praktische englische Ausruf "What a pitty!" — schön, dass die deutsche Rechtschreibreform nun auch auf Großbritannien übergreift — vielleicht a) "O wie niedlich" oder doch besser b) "O wie schade" bedeutet, wurde auch erfragt.

1. 11. 2001

Stirnemann, Stefan: Neue Rechtschreibung: Zwischenbilanz einer fragwürdigen Reform. Gymnasium Helveticum, 1. 11. 2001, 55. jg., nr. 6, s. 44f

Es kommt dazu, dass Schüler/Innen  Grammatikfehler lernen sollen (z.B."Es tut mir Leid“) sowie falsche Etymologien (z.B. „einbläuen"  von „blau“) und dass ihnen Wörter unterschlagen werden (z.B."greulich“).

Und auf welche Grammatik stützt sich Schüler/Innen?


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Rolf Landolt