Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)presseartikel → bis 31. 3. 2003
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Aus der presse


31. 3. 2003

Sauerwein, Uwe: Verbindender Strich. Berliner Morgenpost, 31. 3. 2003, Kultur

Rund 3000 Begriffe hat der Wissenschaftler in seinem Buch "Der Bindestrich" nach 15 Kategorien geordnet. Ohne schon wieder neue Regeln zu fordern, da bleibt der Mann zum Glück unverbindlich. Er versteht seine Vorschläge als Friedens-Angebot an die Gegner der neuen Rechtschreibung.

Finge, Bernhard: Ende der Diskussion. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31. 3. 2003, nr. 76, s. 11, Briefe an die Herausgeber

Daß die F.A.Z. lernfähig ist, hat sie mit der Rückkehr zur bewährten Rechtschreibung bewiesen. Sie würde auch zu Schwarzweißfotos zurückkehren, sprächen dafür eines Tages gute Gründe.

ChTh: Mit ohne Strich. Times mager. Frankfurter Rundschau, 31. 3. 2003, Feuilleton

Man darf im Bindestrich einen Statthalter des besseren Verständnisses sehen. […] Nun erfahren wir in diesen Tagen durch nachdrückliche Hinweise auf einschlägige Veröffentlichungen, dass unser Gegenstand dennoch einige Kalamitäten mit sich bringt. Es ist vielmehr erwiesenermaßen so, dass der Bindestrich nicht nur die schiere Freude bereitet. Es wird mit ihm/durch ihn Frust geschoben. Das ist um so bedauerlicher, als doch durch ihn, der zuletzt immer wieder auf die Liste der im Zuge der deutschen Rechtschreibreform auszurottenden Schreibweisen gesetzt wurde, solche Differenzen aus dem Blick geraten, wie sie sich etwa zwischen den Wörtern Kriegsspiele oder Kriegs-Spiele auftun; rein semantisch betrachtet.

28. 3. 2003

Kompromißvorschlag zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 3. 2003, nr. 74, s. 1, Politik (63 wörter)

Da die wünschenswerte Rückkehr zur alten Orthographie unwahrscheinlich scheint, plädiert die siehe Akademie für eine Reform der Reform und eine Vielzahl von Änderungen.

siehe Eisenberg, Peter: Man muß wieder schreiben dürfen, was man fühlt. Die zweitbeste Lösung: Über den Kompromißvorschlag der siehe Deutschen Akademie zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28. 3. 2003, nr. 74, s. 46, Feuilleton (1668 wörter)

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat nun unter dem Titel siehe "Zur Reform der deutschen Rechtschreibung" ihren Kompromißvorschlag vorgestellt […]. Kern und umfangreichsten Teil des Buches bildet die Wörterliste mit den geänderten Wortschreibungen. […] Das Ergebnis der Riesenarbeit ist in mehr als einer Beziehung von Interesse für die Bewertung der Neuregelung und den weiteren Umgang mit ihr. […] Der Kompromißvorschlag der Akademie ist inhaltlich substantiell, insofern er wesentliche Teile der Neuregelung akzeptiert und wesentliche Teile zurückweist. […] Häufig wird die Frage gestellt, warum die Akademie Mühe und Risiko eines Kompromißvorschlages auf sich nimmt, wo doch "Ruhe an der Rechtschreibfront" eingekehrt sei. Aber die Ruhe ist trügerisch. […] Die Nachricht an die Sprachgemeinschaft mit ihren Millionen von kompetenten Schreibern muß sein, daß man wieder zusammenschreiben darf, wenn man das Gefühl hat, man schreibe ein Wort. Daß man klein schreiben darf, wenn man das Gefühl hat, man schreibe ein Wort, das nicht ein Substantiv ist. Und daß man alles traditionelle Wissen über die Schreibung von Fremdwörtern auch anwenden darf. […] Wir haben bis zum Ende der Übergangsfrist im Jahre 2005 noch ungefähr zwei Jahre Zeit. Genug, um zu einem in Ruhe geplanten teilweisen Rückbau zu kommen. […] Die Forderung nach dem Status quo ante ist inzwischen nicht nur politisch unrealistisch, sondern auch der Sache nach. Die reine Lehre stellt nicht in Rechnung, was seit 1996 im deutschen Sprachraum geschehen ist. Mir wäre eine Reform von der alten Orthographie aus lieber als eine auf Grundlage der neuen. Was wir propagieren, ist die zweitbeste Lösung.

dpa: Sprachwissenschaftler: Vieles besser lesbar dank Bindestrich. Pforzheimer Zeitung, (28. 3. 2003)

Wortungetüme wie «Dichteinhomogenität», «Paläoantropologie» oder «Moniereisen» seien durch eine Sinntrennung mit Bindestrich wesentlich schneller zu erfassen. «Damit wird auch verhindert, dass bei Trennungen Missverständnisse entstehen. So müsste etwa nach den Rechtschreibregeln das Wort Gaschromatographie nach dem 'sch' getrennt werden», erläuterte Bernabei. «Und das ist ja wohl Unsinn.»

Nach den rechtschreibregeln muss natürlich gas-chromatographie getrennt werden. Dass der bindestrich u. u. eine falsche trennung verhindern kann, ist keine so sensationelle erkenntnis.

siehe Ickler, Theodor: Schwer erträgliche Unsinnigkeit. In alter Rechtschreibung: das orthographische Konzept der siehe Deutschen Akademie. Süddeutsche Zeitung, 28. 3. 2003, s. 15, Feuilleton (1135 wörter)

Für die Rechtschreibreform hat die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, seit sie sich – spät genug – zu Wort meldete, nur schärfste Verachtung übrig gehabt […]. Die Akademie wußte auch, was zur Lösung der mutwillig heraufbeschworenen Rechtschreibkrise zu tun wäre: die bisherige Rechtschreibung beibehalten und lediglich einige Haarspaltereien des Duden „auskämmen“. Um so überraschter war die Fachwelt, als die Akademie im Jahre 1999, offenbar unter dem Einfluß ihres „frisch gebackenen“ Mitglieds siehe Peter Eisenberg, mit einem Kompromißvorschlag hervortrat, der die verachtete Neuregelung als Grundlage einer Reform der Reform akzeptierte. […] Der Kompromißvorschlag deckt wesentliche Fehler der amtlichen Neuregelung schonungslos auf; das ist verdienstvoll, wenn es auch etwas spät kommt. Inhaltlich kann er jedoch nicht überzeugen, und als Strategie ist das Herumdoktern an einem von „Deppen“ (so der damalige Präsident siehe Christian Meier) hervorgebrachten Pfusch von Grund auf verfehlt.

SN, dpa: Lieber ein Bindestrich. Sprachforscher: Lesbarkeit wird verbessert. Salzburger Nachrichten, 28. 3. 2003, Kultur

Für eine Ausweitung der Bindestrich-Schreibweise hat sich der Darmstädter Sprachforscher Dante Bernabei ausgesprochen.

27. 3. 2003

dpa: Sprachwissenschaftler: Vieles besser lesbar dank Bindestrich. Yahoo-Schlagzeilen, 27. 3. 2003, 13:28 uhr

Der Sprachwissenschaftler hat rund 3000 Begriffe gesammelt und in seinem soeben veröffentlichten Buch «Der Bindestrich» in 15 Kategorien geordnet. «Dabei fordere ich jedoch keine neue Regeln für die Benutzung des Bindestrichs», sagte Bernabei. «Das hätte nach den Diskussionen um die Rechtschreibreform auch wenig Erfolg.»

25. 3. 2003

Lindner, Martin: C-Dur schmeckt nach Seife. Farben hören, Töne sehen, Formen schmecken: Synästhesieforscher treffen sich zum ersten weltweiten Fachkongress. Süddeutsche Zeitung, 25. 3. 2003, 59. jg., nr. 70, s. V2/11, Wissenschaft

Ansonsten aber werden die Synästhesien nur selten als unangenehm empfunden, sondern von den meisten Betroffenen als hilfreich und amüsant. Zum Beispiel von jener Synästhetikerin, die über die Rechtschreibreform begeistert war. Nun gebe es viel weniger schwarzgraue „ß“, sagte sie. Liebend gern schreibe sie stattdessen zwei sonnengelbe „s“.

24. 3. 2003

Kämmerlings, Richard: Wir wissen immerfort Bescheid. Auf der Leipziger Buchmesse: Moralische Überlegenheit, die nicht diskutiert, und Literatur, die keinen Frieden macht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24. 3. 2003, nr. 70, s. 43, Feuilleton

Bezeichnend, daß die Publikation mit dem größten Aufmerksamkeitswert wohl kaum jemand wirklich ganz durchlesen dürfte: Die siehe deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat, wie bereits berichtet, einen bedenkenswerten Kompromißvorschlag zur Rechtschreibreform vorgestellt.

Kritzokat, Elina: Sag es mit Post-its. Berliner Szenen. taz Berlin, 24. 3. 2003, nr. 7012, s. 25, Kolumne

Jetzt muss alles raus, raus, raus, an die Luft und in die Sonne: Vögel, Menschen, […] Waschmaschinen. Ja, auch die, und fast wäre ich […] in eine alte Bauknecht gelaufen, die in der Mariannenstraße im Mittagslicht glänzt […]. Ich […] sehe an der Rückseite den netten, gelben Post-it-Zettel, darauf die schnörkelige Handschrift […]: "Ich finde es ätzend, wenn ihr eure kaputten Waschmaschinen und Fernsehgeräte einfach in den Hof stellt. […] Habt ihr denn gar keinen Sinn für Schönheit und Ästetik [neue Rechtschreibung?]!"

Ganz neue rechtschreibung gemäss siehe BVR.

siehe Guratzsch, Dankwart: Totgelaufen oder tot gelaufen? Worüber Linguisten am liebsten streiten: Fragen zum Rechtschreibkompromiss der siehe Darmstädter Akademie für Sprache und Dichtung. Die Welt, 24. 3. 2003, Kultur

Autor ist der Potsdamer Linguist siehe Peter Eisenberg […]. Der Potsdamer ist sich also im Grundsatz treu geblieben — aber ob er diesmal mit seinen Vorschlägen Gehör findet oder sich endgültig zwischen alle Stühle setzt, bleibt abzuwarten. Denn natürlich vergrätzt er nicht nur die siehe Mannheimer Kommission, sondern auch die Gegner der Rechtschreibreform, weil er sich auf eine Fülle von Neuregelungen einlässt (ohne von ihnen überzeugt zu sein). […] Das große Manko der "Reform der Reform" ist es, dass sie auf halbem Wege stehen bleibt und nun ihrerseits uneinsehbare neue Unterscheidungen dekretiert, die die "Liberalität" sofort wieder in Frage stellen.

22. 3. 2003

siehe gü.: Ein Friedensangebot. siehe Deutsche Akademie präsentiert Kompromiss zur Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, 22. 3. 2003, 224. jg., nr. 68, s. 62, Feuilleton (306 wörter)

Es ist absehbar, dass die Akademie mit ihrem Kompromiss zwischen den Stühlen sitzt. […] Warum nicht gleich zurück zur alten Schreibung? Das war auch die Frage gestern. […] Die Frage sei, mit welchen Revisionen man «durchkommt».

Hoffmann, Rainer: Politologische Plaudereien. Alfred Grossers Notizen zu Deutschland. Neue Zürcher Zeitung, 22. 3. 2003, s. 89, Politische Literatur, Buchkritik

Grosser muss und will offensichtlich auf alles und jedes zu sprechen kommen: auf die Einstellung zum Kinderkriegen und die Rechtschreibreform, die Scharping-Affäre, die Hauptaufgaben des Bundesverfassungsgerichtes, die Stammzellen- und die Euthanasiedebatte, die Integrationsprobleme, die Bundeswehr, die Korruption, die Kirchen und die Walser-Bubis-Kontroverse, […].

Diesner, Jürgen: Kompromiß? Kompromiss. Rechtschreibreform: siehe Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung legt auf Leipziger Buchmesse Vorschlag zur Güte vor. Darmstädter Echo, 22. 3. 2003, Kultur (646 wörter)

Die in Darmstadt beheimatete siehe Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat am Freitag auf der Leipziger Buchmesse die schon mehrfach angekündigten Wortlisten vorgelegt, mit denen sie ihren Kompromissvorschlag zur Reform der deutschen Rechtschreibung aus dem Jahre 1999 konkretisiert, den sie im Wesentlichen wiederholt. […] Welche Chancen hat der Vorschlag der Akademie, der im Ton wesentlich moderater als der Vorschlag von 1999 gehalten ist – die Reform als solche wird nicht mehr mit Anführungszeichen versehen –, bei der siehe Kultusministerkonferenz berücksichtigt zu werden? Die Fachleute nehmen siehe Eisenberg und seine Vorschläge ernst. Aber selbst die Verbesserungsvorschläge der siehe „Zwischenstaatlichen Kommission“ selbst wurden 1998 von der Kultusministerkonferenz nicht berücksichtigt. Außerdem sitzen in der Kommission nicht nur Leute, die auf mehr Toleranz gegenüber dem bisherigen Schreibusus drängen, sondern auch Verfechter einer noch entschiedeneren Reform.

dpa: Reform der Reform. Vorschlag für einheitliche Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. 3. 2003, nr. 69, s. 37, Feuilleton (114 wörter)

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung hat auf der Leipziger Buchmesse einen Kompromißvorschlag zur Reform der Rechtschreibreform vorgestellt.

Dirksen, Jens: Bald Frieden an der Rechtschreib-Front? Buchmesse; die siehe Akademie macht einen Vorschlag; in Leipzig herrscht Hochbetrieb und wenig Kriegs-Missstimmung. Neue Ruhr/Rhein Zeitung, (22. 3. 2003)

Aus dem babylonischen Durcheinander soll der kluge Vorschlag der Akademie heraushelfen, der eigentlich "Kompromiss" überschrieben sein müsste. […] Möge dieser Vorschlag bis 2005 eine friedensstiftende Wirkung bei Reform-Gegnern wie -Befürwortern entfalten.

Clauer, Markus: Nächster Halt: Dichterkuscheln — Es ist Krieg — Leipzig liest und der Betrieb diskutiert über Literaturvermarktung: Impressionen von der Buchmesse. Rheinpfalz, 22. 3. 2003, Kultur (828 wörter)

Wenn gestern der Krieg begonnen hätte, so die Beschlusslage bei der siehe Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, hätte es gestern wichtigeres gegeben, als die eigene Position zur Rechtschreibreform der Presse vorzustellen. Aber so.

21. 3. 2003

Kreuzwort. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 3. 2003, nr. 68, s. 8, Deutschland und die Welt

Senkrecht: […] 25 Ist es auch, wie die Rechtschreibreform mit dem Bundespräsidenten umspringt.

Weigl, Helga: siehe Zehetmair hatte recht. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21. 3. 2003, nr. 68, s. 9, Briefe an die Herausgeber

Zehetmair gilt als einer der Hauptschuldigen an dem Tohuwabohu, das die Reform in den deutschsprachigen Ländern angerichtet hat. […] Noch nie in der Geschichte unserer Republik hatten Kulturpolitiker eine Fehlentscheidung von solcher Tragweite zu verantworten.

dpa: Leipziger Buchmesse startete mit Besucherrekord. Yahoo-Schlagzeilen, 21. 3. 2003, 18:56 uhr

Verleger Klaus Wagenbach beklagte zudem die Orientierung großer Verlage auf hohe Auflagen und damit die Verdrängung des Neuen in der Literatur. […] «Dabei tritt das Neue eher auf sehr leisen Sohlen auf», mahnte er. «Eine Gesellschaft gibt sich auf, wenn sie die Verlage im Stich lässt, in denen das Neue erscheint.» Die siehe Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung stellte unterdessen einen Kompromissvorschlag zur Reform der Rechtschreibreform vor.

20. 3. 2003

Braun, Michael: Friede im Rechtschreib-Streit? Ein Kompromissvorschlag der siehe Akademie für Sprache und Dichtung. Die Rheinpfalz, 20. 3. 2003, Kultur

Der neue Kompromissvorschlag der Akademie, über den auch bei der gestern eröffneten Leipziger Buchmesse verhandelt werden soll, überrascht dagegen durch den gedämpften Ton, in dem hier die vormals Empörten eine "allseits annehmbare Lösung" offerieren. Noch auf der vergangenen Herbsttagung der Akademie hatte deren Präsident siehe Christian Meier mit der heroischen "Kampf"-Bereitschaft des selbst ernannten Sprachpflegers geprahlt, als gelte es, einen orthographischen Bürgerkrieg gegen die Neuregelung zu entfesseln.

15. 3. 2003

siehe Balmer, Ueli: Heisse Tipps für coole Volontäre. Sprachglosse. Zofinger Tagblatt, 15. 3. 2003, Region aktuell

Seit der Rechtschreibreform verfährt fast jede Zeitung nach ihren eigenen Orthographie- und Grammatikregeln, und da eröffnet sich ein weites Feld zwischen Willkür und Nonsens. Bahn brechend wirkte hier zu Lande von allem Anfang an der Tages-Anzeiger, während man bei der NZZ beschloss, nicht jeden Unfug mitzumachen. Da ohnehin kaum jemand alle neuen Regeln beherrscht, braucht sich auch der Volontär in Entenhausen nicht darum zu kümmern. Dies gilt vor allem für die veränderten Richtlinien zur Zusammen- und Getrenntschreibung. Fast täglich begegnen uns Rappen spaltende Eidgenossen, Not leidende Bergbauern oder untergetauchte Asyl Suchende, ohne dass sich jemand daran stösst.

Mittmann, Michael: Kleinigkeiten. Ostfriesen-Zeitung, 15. 3. 2003, Stadt und Landkreis Leer

Mehr mit dem S sollte sich aber auf jeden Fall der FDP-Kreisverband Leer beschäftigen. Der schreibt in einer Pressemitteilung von der Silbernen Theodor-Heuß-Medaille. Heuß? Liest sich irgendwie komisch. Kein Wunder, der Urvater aller deutschen Liberalen schreibt sich nämlich mit Doppel-S: Theodor Heuss. Oder ist die Kreis-FDP Mitglied der Initiative „Rettet das ß vor der Rechtschreibreform“?

Beck, Harald: Die Lernregion. Neue Verbandspädagogik. Stuttgarter Zeitung, 15. 3. 2003, Region Stuttgart

Regionalbewusstsein, wir wissen es aus leidvoller Politerfahrung, lässt sich bei so manchem Dickschädel nur schwer ins Hirn hämmern. Ähnlich wie die neue Rechtschreibung, Mathe oder lästige Lateinvokabeln.

14. 3. 2003

Schlaffer, Heinz: Vergessenes Werk, bleibende Wirkung. Zum 200. Todestag von Friedrich Gottlieb Klopstock. Neue Zürcher Zeitung, 14. 3. 2003, 224. jg., nr. 61, s. 57, Feuilleton

«Fom Handel und Wandel ferstehet ir auch nichz», warf er — auch in der Orthographie ein eigensinniger Neuerer — seinen Kollegen vor.

piw: Kommentar: "b" oder "p"? Rheinpfalz, 14. 3. 2003, Pirmasens

Eigentlich glaube ich ja dem Duden, Zweifel bekomme ich immer, wenn ich den > "Albtraum" sehe. Nach der Rechtschreibreform bin ich völlig verunsichert.

13. 3. 2003

Lehberger, Rudolf: Austritt aus dem Verein. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13. 3. 2003, nr. 61, s. 44, Frankfurt

Die Gesellschaft, die die Halunkerei der Rechtschreibreform zu verantworten hat, ist im Kuratorium einer siehe Akademie für Sprache und Dichtung vertreten! […] Man könnte daran denken, daß die Mitgliederversammlung eine Satzungsänderung beschließt, um die siehe Kultusministerkonferenz und womöglich andere staatliche Mitglieder, die die geistige Bewegungsfreiheit einengen könnten, aus dem Kuratorium zu entfernen. So etwas wird natürlich nicht gelingen. Dafür gibt es ja Akademiepräsidenten und Generalsekretäre, daß solche Ungeheuerlichkeiten gar nicht erst auf die Tagesordnung kommen.

12. 3. 2003

Klüver, Henning: Zehn Jahre lang Wörter verfolgend und von Wörtern verfolgt. Ein Mammutpuzzle aus Deutsch und Italienisch: Zu Besuch bei den Diktionär-Autorinnen Luisa Giacoma und Susanne Kolb. Basler Zeitung, 12. 3. 2003, nr. 60, s. 37, Feuilleton

Und dann kam noch die deutsche Rechtschreibreform hinzu. Für Susanne Kolb war das ein geradezu traumatisches Erlebnis. Privat schreibt sie heute noch nach der alten, «obwohl das vermutlich ein Kampf gegen Windmühlen ist».

siehe Herrmann, Elke: Ein Fremdkörper. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 3. 2003, nr. 60, s. 7, Briefe an die Herausgeber

Es ist, als wenn die bunten Bilder aus der Zeitung fallen; sie sind ein Fremdkörper. […] Bleibt nur die Hoffnung, daß die F.A.Z. sich noch besinnt und die Kraft aufbringt, die sie schon einmal anläßlich der Umstellung auf die reformierte Rechtschreibung bewiesen hatte.

11. 3. 2003

Kann-Coomann, Dagmar: Bei Regen ohne Schutz auf der Straße. Situation junger Deutschrussen in Erfttal ist deprimierend. Neuss-Grevenbroicher Zeitung, 11. 3. 2003

Deutsch sprechen und verstehen haben sie schnell gelernt, beim Schreiben in der neuen Schrift mit den zahllosen Regeln tun sie sich schwer […]. Viele Bewerbungen hat Roman schon verschickt, um endlich einen Ausbildungsplatz als KFZ-Mechaniker zu bekommen. […] "In Mathe war ich sehr gut, aber bei der Rechtschreibung bin ich durchgefallen", ärgert er sich, "obwohl man als Mechaniker vor allem Mathe braucht."

ddp: Akademie will Reform der Reform. Berliner Morgenpost, 11. 3. 2003, Kultur

ddp: Sprach-Akademie will Reform. Die Welt, 11. 3. 2003, nr. 59, s. 27, Feuilleton

Die siehe Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt will auf der Leipziger Buchmesse am 21. März einen "Kompromissvorschlag" samt Wörterliste vorstellen.

DDP: Rechtschreibreform. Wörterliste wird vorgelegt. Südwest Presse, 11. 3. 2003

Man solle versuchen, wieder zu einer einheitlichen Schreibung zu gelangen. Einfach zum "Status quo ante" zurückzukehren, scheine unmöglich.

ddp: Neue Rechtschreibung: Suche nach dem Kompromiss. Kölner Stadt-Anzeiger, 11. 3. 2003

Deshalb müsste der Kompromiss alles übernehmen, "was an der neuen Schreibung sinnvoll oder ohne nennenswerten Schaden hinnehmbar ist". Zum anderen müssten dort, wo die neuen Regeln "gravierende Mängel" aufwiesen, "neue, bessere Lösungen" vorgesehen werden. Einzelheiten dazu sollen in Leipzig vorgestellt werden.

8. 3. 2003

Mommert, Wilfried: Im Spannungsfeld von Macht und Geist. siehe Walter Jens ist ein liberaler Moralist und unbequemer Mahner; heute wird er 80 Jahre alt. Ostsee-Zeitung, 8. 3. 2003, Kultur/Medien

Manche rümpften über seine „Generalkompetenz“ die Nase, wenn sich Jens sowohl für den Protest gegen die Raketen in Mutlangen […] als auch für die Fußball-Weltmeisterschaft, die Rechtschreibreform oder das Holocaust-Mahnmal zuständig fühlte.

Male, Eva: Roll over Mozart. Sprachspaltereien. Die Presse, 8. 3. 2003, nr. 16.517, Spectrum, s. IX, Architektur und Design

Das Mozart-Requiem zu hören ist relativ einfach. Aber wie schreibt man es richtig? "Mozart's Requiem" — so war es jüngst auf einem Plakat angekündigt. Warum der Apostroph? Die Suche im Internet bringt weitere Schreibmöglichkeiten zu Tage: "Mozart Requiem"; "Mozart — Requiem"; "Mozart-Requiem"; "Mozart: Requiem"; "Mozart, Requiem".

7. 3. 2003

Weithofer, Winfried: "Vom Frieden kommt alles, vom Krieg nichts." Am Samstag feiert siehe Walter Jens seinen 80. Geburtstag. Stuttgarter Nachrichten, 7. 3. 2003, Kultur

Der Ehrenpräsident der Berliner Akademie der Künste hat sich nie im Elfenbeinturm versteckt. So protestierte der "vielleicht letzte Bildungsbürger" ("Süddeutsche Zeitung") gegen die Rechtschreibreform und machte sich für eine asylsuchende kurdische Familie stark.

Kreuz, Michael: Danke für die neue Rechtschreibung (I). Die Presse, Freitag, 7. 3. 2003, nr. 16.516, s. 24, Leserbriefe

Auch im Namen meines neunjährigen Sohnes (dessen Deutschaufgaben ich kontrollieren muss) danke ich für die Umstellung.

Saffarnia, Pierre: Danke für die neue Rechtschreibung (II). Die Presse, Freitag, 7. 3. 2003, nr. 16.516, s. 24, Leserbriefe

Ich finde es eine gute und richtige Entscheidung, dass „Die Presse" auf die neue Rechtschreibung umgestiegen ist. Allerdings sollten Ihrem Blatt doch die Rechtschreibregeln bekannt sein. Denn in der Ausgabe von Montag war auf der Titelseite gleich dreimal fälschlicherweise „grosse" statt „große" zu lesen.

6. 3. 2003

Hintermeier, Hannes: Wer Nachhilfe braucht, soll den Primus nicht belehren. Edelstoff Geist: siehe Hans Zehetmair, bayerischer Kunstminister, vor dem Ende einer langen Amtszeit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 6. 3. 2003, nr. 55, s. 42, Feuilleton

"Viel Wirbel machen" — Zehetmair war immer für einen Aufreger gut, aber er versteht es auch, Aufregung produktiv zu machen. Die Liste der Feldsteine, die er dem politischen Gegner in den Vorgarten warf, ist lang. […] In der unendlichen Geschichte der Rechtschreibreform fuhr er Slalom […]. Wenn er etwas bereut, dann seine Haltung in der Rechtschreibreform. Flapsigkeiten von einst — es sei ihm "wurst, wieman ,Ketchup' schreibe, er möge es ohnehin nicht" — können heute nicht darüber hinwegtäuschen, daß die Reform ihr Ziel verfehlte. Aber "Schwarzer Peter" hin, "Heiliger Vater" her, die tiefste Dimension hat für Zehetmair das Urteil des Bundesverfassungsgerichts aus dem Jahr 1996, Kreuze in Schulen dürften nicht vorgeschrieben werden.

Ammer, Andre: Wechstaben verbuchselt. Roth-Hilpoltsteiner Volkszeitung, 6. 3. 2003

Nicht erst seit Rechtschreibreform und Pisa-Debakel wissen wir um die Tücken der deutschen Orthographie; und wenn im hektischen Redaktionsalltag die Wechstaben verbuchselt werden, ist die Rechtschreibprüfung Gold wert.

5. 3. 2003

Janusch, Martinus: Ungeliebte neue Rechtschreibung (I). Die Presse, 5. 3. 2003, nr. 16.514, s. 16, Leserbriefe

Auch empfinde ich das sang- und klanglose Revidieren des noch vor einiger Zeit hochgehaltenen „Pathos" der Nicht-Berücksichtigung der sogenannten „Rechtschreibreform" als eine Art ideologischen Ausverkauf all jener Leser, die der konsequenten, wenn auch konservativen Linie der Aufrechterhaltung der alten Rechtschreibnormen Gefallen und auch eine gewisse Identität abgewinnen konnten.

Wertek, Romana: Ungeliebte neue Rechtschreibung (II). Die Presse, 5. 3. 2003, nr. 16.514, s. 16, Leserbriefe

Und dazu noch, quasi schleichend, ja doch, die neue, katastrophale Rechtschreibung, feige dem Trend der anderen folgend.

4. 3. 2003

bun: Was lesern auffällt: Rosi Ross gab's schon einmal. Rheinpfalz, 4. 3. 2003, Zweibrücken

Da damals von der Rechtschreib-Reform noch längst nicht die Rede war, durfte sich das Journal-Maskottchen "Rosi Roß" noch mit scharfem "ß" schreiben (was auf "Stuß" und "Schluß" natürlich ebenfalls zutraf).

Espe, P.: Kunst am Kreisel erst nach der Kommunalwahl. Rheinpfalz-Geheimreport enthüllt: Ein Monument für die künftige Stadtspitze; Stölzel und Lambrecht neue Beigeordnete. Rheinpfalz, 4. 3. 2003, Bad Dürkheim

Partei- und Fraktionschef Reinhard Stölzel übernimmt das Landwirtschafts- und Weinbau-Ressort sowie den Wurstmarkt-Ausschuss. Ein Geheimpapier […] sieht vor, den Anteil der Barrique-Weine an Wurstmarkt mittelfristig auf 95 Prozent zu schrauben und daneben lediglich einen trockenen Riesling pro Stand und Zelt im QbA- oder Kabinettformat als Reparaturwein zuzulassen. Um den Absatz anzukurbeln, bedient man sich eines einfachen, aber raffinierten Tricks anhand der Rechtschreib-Reform: In Werbetexten des städtischen Presseamts werden Wurstmarkt-Besucher ab sofort animiert, den Wein in Massen (statt in Maßen) zu trinken.

Der Norden wird schwarz. Die CDU ist in den Küstenländern auf dem Weg zur stärksten politischen Kraft; Wähler strafen die Sozialdemokraten ab. Die Welt, 4. 3. 2003, Deutschland

Der Protest gegen die Bundesregierung und das Gefühl einer erfolgreichen Regeneration der Bundestagsopposition hat sich diesmal bei der Kommunalwahl freilich besonders stark niedergeschlagen, denn die Landes-CDU verfügt noch nicht über eine wirklich konsolidierte Führung. Das verkannte, komplizierte Land Schleswig-Holstein war für ein solches Signal prädestiniert. Einerseits jahrhundertelang dänisch und deshalb bis fast zur Xenophobie heimatverwurzelt, war und ist es zugleich im weitesten Sinne aufsässig — Dithmarscher Bauernfreiheit, Aufstand gegen die dänische Herrschaft 1848, Kieler Matrosenaufstand, zuletzt der Volksentscheid gegen die Rechtschreibreform.

Vesely, Eugen: Volles Lob für neues Design (I). Die Presse, 4. 3. 2003, nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe

Wir haben ja in Österreich schon lange die neue Form der Rechtschreibung — warum also soll eine moderne Zeitung sie nicht auch einsetzen? Viel ärgerlicher wäre die Mischung von alt und neu, was aber leider immer wieder vorkommt.

Thierry, Feri: Volles Lob für neues Design (II). Die Presse, 4. 3. 2003, nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe

Und die neue deutsche Rechtschreibung war überfällig!

Bednarzek, Wolfgang: Volles Lob für neues Design (III). Die Presse, 4. 3. 2003, nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe

Auch dass die längst fällige Umstellung auf die neue Rechtschreibung endlich erfolgt ist, finde ich lobenswert. Was bringt denn ein etwas provinziell anmutendes Festhalten an der alten Rechtschreibung auf die Dauer?

Bühler, Thomas: Volles Lob für neues Design (IV). Die Presse, 4. 3. 2003, nr. 16.513, s. 16, Leserbriefe

Die sogenannte neue Rechtschreibung stört nicht, denn es geht ja um den transportierten Inhalt (der Worte).

Traxler, Günter: Sonst eigentlich ganz nett. Blattsalat. Der Standard, 4. 3. 2003

Man wird ja bald sehen, wie weit der Linksruck bei der "Presse" geht. An einem solchen haben sich deren Leser bisher nicht gestoßen, aber der Relaunch stößt vielen von ihnen doch saurer auf, als man es nach der Lektüre der Leserbriefe in der Wochenendnummer vermuten sollte. Wie dort ausschließlich überschwängliche Preiser der Blatt-, wenn auch nicht immer der Rechtschreibreform zu Wort kamen, das grenzte an Gleichschaltung.

1. 3. 2003

> Unterberger, A.: Eine Ermunterung. "Die Presse" intern. Die Presse, 1. 3. 2003, nr. 16.511, s. 2, Themen des Tages (345 wörter)

Keine Frage, dass die neue Rechtschreibung sehr viele ärgert. Bis heute ist ja die Weisheit der deutschsprachigen Unterrichtsminister rätselhaft, welchen kulturellen Fortschritt sie darin sehen, wenn es statt "daß" und "heiß" künftig "dass", aber weiter "heiß" heißt. Und der Zorn auf siehe Elisabeth Gehrer, ihre sozialdemokratischen Vorgänger und vor allem die bürokratischen Täter im Dunkeln bleibt unvermindert. Zugleich kann und darf eine Zeitung aber nicht ignorieren, wenn junge Leser von der Schule auf neue Regeln hingetrimmt worden sind.

Heeger, Peter M.: Trauer um Verlust der alten Rechtschreibung (I). Die Presse, 1. 3. 2003, nr. 16.511, s. 20, Leserbriefe

Mit der Einführung der neuen Rechtschreibung hat „Die Presse“ an Stil und Niveau verloren […].

Vinatzer, Helmut: Trauer um Verlust der alten Rechtschreibung (II). Die Presse, 1. 3. 2003, nr. 16.511, s. 20, Leserbriefe

Mit dieser Ausgabe fällt in Österreich die letzte Bastion einer Rechtschreibung, die immer noch von mehr Leuten angewendet wird, als viele glauben.

Jaskulski, Roland: Trauer um Verlust der alten Rechtschreibung (III). Die Presse, 1. 3. 2003, nr. 16.511, s. 20, Leserbriefe

[…] nur: die neue Rechtschreibung — musste die sein? Ihr wart das letzte Bollwerk dagegen — schade!

3. 2003

Hock, Dorothee: Wo wohnt das gute Deutsch? Der Sprachdienst, 3./4. 2003, 47. jg., nr. 2, s. 81f

In seinem am 18. November 2002 in der Casa di Goethe gehaltenen Vortrag über Sprachnorm und Sprachveränderung im gegenwärtigen Deutsch beleuchtete Peter Eisenberg die Gründe für abweichendes Sprachverhalten und Veränderungen in Grammatik und Wortschatz […]. In der anschließenden lebhaften Diskussion, bei der auch andere Themen wie die umstrittene Rechtschreibreform oder die Bedeutung von Deutsch als Wissenschaftssprache angeschnitten wurden, stellte Eisenberg fest, dass Lehnübersetzungen aus dem Englischen wie »das macht Sinn« der allgemeinen Tendenz der Stärkung transitiver Verben entgegenkommen und daher immer häufiger werden.


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Rolf Landolt