Nachgeführt 3. 6. 2011, 28. 5. 2006
neu Schneider, Peter: Recht schreiben und Recht haben. Sonntags-Zeitung, 5. 3. 2006, s. 1, Front, P.S. (146 wörter)
«Früener isch alles besser gsi» (Volksmund). Auch die Rechtschreibung. Kann ab 1. August wieder recht sein, was vorher unrecht war? Wie viel Toleranz gilt für die Andersschreibenden?
Reinwein, Jörg: Blauäugig. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 5. 3. 2006, Nr. 9, S. 6, Leserbriefe (125 wörter)
Allerdings wirkt die Kritik der F.A.Z./F.A.S. an Zehetmair immer etwas blauäugig. Wurden ihm doch vor nicht allzu langer Zeit noch Lobeskränze geflochten.
neu Keese, Christoph: Reform der Rechtschreibreform. Welt am Sonntag, 5. 3. 2006, Editorial (375 wörter)
Auch wir bei der "Welt am Sonntag" haben eine Rolle in der Auseinandersetzung gespielt. Gemeinsam mit anderen Redaktionen hatten wir uns entschlossen, der Altreform nicht zu folgen. Dahinter steckten weder Sturheit noch Modernisierungsfeindlichkeit. […] Ohne die Hartnäckigkeit der Medien wäre an der Altreform nicht gerüttelt worden. Ihr zum Teil blühender Unsinn wäre auf immer Gesetz geblieben.
Wamister, Christof: Neue Rechtschreibung sorgt wieder für Wirbel. Auch die letzte Phase der Reform geht nicht konfliktfrei über die Bühne — und die Schweiz lässt sich Zeit. Basler Zeitung, 4. 3. 2006, s. 7, Schweiz (553 wörter)
Die deutschen Bildungsminister haben die Korrekturen an der Rechtschreibreform gutgeheissen. […] Die Verwirrung um die Rechtschreibreform ist damit insbesondere für die Schweiz noch nicht beendet. […] Offiziell wusste man bei der
EDK gestern noch nicht, was beschlossen wurde. Die Arbeiten im
Rat für Rechtschreibung verliefen aus Schweizer Sicht offenbar nicht sehr harmonisch.
neu Bättig, Regula: Die Schweiz bleibt unter Zugzwang. Neue Luzerner Zeitung, 4. 3. 2006, s. 5, Schweiz (651 wörter)
Die Rechtschreibung wird in Deutschland noch einmal angepasst. In der Schweiz stellen sich zur Reform der Reform aber viele Fragen. […] Bereits jetzt haben verschiedene Seiten ihren Widerstand gegen die Änderungen angekündigt. Kämpferisch zeigt sich dabei insbesondere der Schweizer
Dachverband der Lehrerinnen und Lehrer (LCH), der gegen 50 000 Mitglieder zählt. […] Laut Schildknecht hat der LCH vor allem versucht, seine Anliegen im Vorfeld einzubringen. Nämlich durch seinen Vertreter im
Rat für deutsche Rechtschreibung. «Das führte natürlich zu Auseinandersetzungen», sagt Schildknecht. Es habe sich aber gelohnt. «Die jetzige Vorlage ist nicht zuletzt ein Erfolg unserer Bockigkeit.» […] Feller, der als Vertreter der Lehrmittelverlage im Rat mit dabei war, steht voll und ganz hinter den nun vorliegenden Änderungsvorschlägen. Die Haltung, die der Lehrerverband in seiner Stellungnahme einnimmt, kann er nicht ganz nachvollziehen.
neu
Güntner, Joachim:
Änderungen abgesegnet. Die
Kultusministerkonferenz folgt dem
Rechtschreib-Rat.
Neue Zürcher Zeitung, 4. 3. 2006, s. 50 (435 wörter)
In der Schweiz haben sich zuletzt vor allem der
Lehrerdachverband (LCH) und der
Sprachkreis Deutsch in Opposition zum Rechtschreib-Rat und seiner Arbeit begeben. […] Hans Ulrich Stöckling, Präsident der schweizerischen
Erziehungsdirektorenkonferenz, widerspricht dem Verlangen des LCH, besser die gesamte Reform noch einmal gründlich aufzurollen, statt an ihr herumzudoktern. […] Anders als der LCH hält Stöckling die Empfehlungen des Rates für akzeptabel. Er stelle sich vor, sagte er gegenüber der NZZ, die Schreibungen als Alternativen zuzulassen und am Ende einer Übergangsfrist über ihre Verbindlichkeit zu entscheiden.
Höpli, Gottlieb F.: Politisierte Rechtschreibung: Und jetzt der Alleingang? St. Galler Tagblatt, 4. 3. 2006, s. 2 (222 wörter)
Während deutsche Politiker – und das will etwas heissen! – inzwischen eingestehen, dass sie mit der Materie von Anfang an überfordert waren, gibt sich der schweizerische Vertreter noch immer souverän. […] Eine solche Haltung angesichts der gescheiterten Reform ist falsch und überheblich.
bae: Rechtschreibreform: Schweiz wagt kaum einen Alleingang. Tages-Anzeiger, 4. 3. 2006, 114. jg., nr. 52, s. 1, Front (187 wörter)
Die von den deutschen Kultusministern diese Woche beschlossenen Anpassungen der Rechtschreibung könnten bald auch in der Schweiz gelten. Die
Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren (EDK) will die Entscheide zwar erst prüfen und eine Vernehmlassung durchführen, insbesondere bei den Lehrern.
Cortesi, Antonio: Cool bleiben und abwarten. Tages-Anzeiger, 4. 3. 2006, 114. jg., nr. 52, s. 1, Front, Kommentar (302 wörter)
Nüchtern betrachtet, geht der abgehobene Streit um orthografische Finessen am Schulalltag gänzlich vorbei. Ob alte oder neue Dudenregeln — die geringfügigen Unterschiede sind bei schriftlichen Arbeiten das kleinste Problem. […] Im Zeitalter von Handy, SMS und Dialektwelle sind viele Pädagogen froh, wenn ihre Schützlinge überhaupt einen einigermassen hochdeutschen Satz zu Papier bringen.
Baer, Matthias: «Schweiz kann kaum ausscheren.» Tages-Anzeiger, 4. 3. 2006, 114. jg., nr. 52, s. 2, Inland (1006 wörter)
Max A. Müller: Tatsächlich würden eine Menge Scheusslichkeiten beseitigt. Problematisch sind aber zwei Punkte. Zum einen sind häufig mehrere Varianten gleichzeitig möglich, etwa «kennen lernen» und «kennenlernen». Zum anderen sind die revidierten Regeln unsystematisch. […] Die angepassten Regeln betreffen die Volksschule nur am Rande. Was unsere Schüler im Deutschunterricht nicht beherrschen, bewegt sich auf einem viel tieferen Niveau. Von daher sind die Neuerungen auch wieder nicht so relevant. […] Der
EDK wird wohl nichts anderes übrig bleiben, als die Anpassungen zu übernehmen.
Spiegel, Hubert:
Richtig und falsch.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 3. 2006, nr. 54, s. 1, Politik (555 wörter)
Der Rat für Rechtschreibung will zahllose klassische Varianten wieder zulassen und verspricht, daß es dadurch jedem wieder freigestellt ist, weitgehend der bewährten Rechtschreibung zu folgen. Das wird zu prüfen sein. Bewährte und neue Rechtschreibung sollen sich nicht länger ausschließen, sondern gleichberechtigt nebeneinanderstehen. Ist das eine salomonische Entscheidung? Nein, es ist nur die dürre Weisheit derjenigen, die nicht mehr wissen wollen, was falsch und was richtig ist. Die meisten Menschen lassen ihr Sprachgefühl über ihre Rechtschreibung entscheiden; sie mußten ohnmächtig erleben, wie dieses Sprachgefühl im ewigen Hin und Her der vergangenen Jahre verunsichert und beschädigt wurde. Diesen Schaden kann auch die Reform der Reform nicht beheben.
Herrje, jetzt ist das sprachgefühl kaputt! Wir haben das angeborene gefühl dafür, was falsch und was richtig ist, beschädigt. Es ist ja auch verantwortungslos, wenn wissenschaft und politik etwas in frage stellen und eine diskussion anzetteln. Es ist zeit, dass sie von den sprachmullahs in die schranken verwiesen werden.
Der Schaden ist angerichtet. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 3. 2006, nr. 54, s. 2, Politik (106 wörter)
Zur Übernahme der Empfehlungen des Rats für deutsche Rechtschreibung durch die Kultusministerkonferenz heißt es in der "Wilhelmshavener Zeitung": Die Mehrheit der Menschen hat längst mit Stiften und an Tastaturen abgestimmt: Sie verweigert einfach die Annahme der meisten neuen Schreibweisen.
Noch viel Unsinn. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 3. 2006, nr. 54, s. 2, Politik (78 wörter)
Die "Augsburger Allgemeine" meint zu der somit beschlossenen Reform der Rechtschreibreform: […] Die vorliegende reformierte Reformschreibung bedarf weiterer Reform. Sie hat sich kompromißlerisch zu sehr in die Variantenschreibung geflüchtet.
Ein Kapitel Sprachgeschichte. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 3. 2006, nr. 54, s. 2, Politik (139 wörter)
In der "Kölnischen Rundschau" lesen wir: […] Eine zeitlos richtige Schreibung gibt es nicht, sondern nur eine geschichtlich gewachsene. Und zur Geschichte unserer Sprache, wenn auch nicht gerade zu deren schönsten Kapiteln, gehören auch die Reste der Rechtschreibreform.
löw. Stoiber: Reform jetzt viel vernünftiger. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 3. 2006, nr. 54, s. 2, Politik (166 wörter)
Stoiber hielt dieses Ergebnis dem Vorgehen Bayerns und Nordrhein-Westfalens zugute, die im vergangenen Jahr die damalige Reform "nicht umgesetzt" hätten. Das sei "die einzige Möglichkeit" gewesen, daß der Rat für deutsche Rechtschreibung die Chance bekommen habe, Verbesserungen herbeizuführen.
neu Amendt, Jürgen: »Da werden alle verrückt.« Reform der Reform der Rechtschreibung löst unterschiedliche Reaktionen aus. Neues Deutschland, 4. 3. 2006 (543 wörter)
Die stellvertretende
GEW-Vorsitzende Marianne Demmer hat gestern wohl vielen aus dem Herzen gesprochen. Die Rechtschreibung werde durch die […] Änderungen zwar nicht leichter und eindeutiger, aber die Schulen hätten viel wichtigere Probleme, sagte die GEW-Vizechefin am Freitag. Sie sprach sich dagegen aus, zur neuen Schreibweise auch die alte Rechtschreibung zu erlauben. »Für die Schule ist das keine Lösung«, sagte sie. Es dürfe kein Nebeneinander von zwei oder drei Schreibweisen geben: »Da werden alle verrückt.« Für die Weiterentwicklung der Rechtschreibung erwartet Demmer »erhebliche Einflüsse durch die neuen Medien«. Schon heute sei zu beobachten, dass im E-mail-Verkehr eigene Regeln gelten. Zum Beispiel werde vielfach bereits »eine
gemäßigte Kleinschreibung« praktiziert.
neu Unterstöger, Hermann: Die Baustelle bleibt offen. Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 4, Meinungsseite, Leitartikel (1024 wörter)
[…] lang hätte die deutsche Sprachgemeinschaft es nicht mehr getragen, nämlich das Gezappel und Gezerre um die Rechtschreibreform. […] Im Film sieht man oft Hochzeiten, bei denen der Pfarrer sagt, wer Hinderliches wisse, sage es gleich oder schweige für immer. So ein Ritual wünschte man sich auch für die Rechtschreibreform.
Aber wenn dann alle gezappel und gezerre der welt auf diese weise erledigt sind und alle schweigen, was machen dann die zeitungen und die leitartikler?
neu
Schübel, Klaus:
Ungenutzte Chance.
Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (196 wörter)
Ich finde es besonders ärgerlich, dass die alte Regelung über die Großschreibung der Anredefürwörter du, dich, deine und so weiter in Briefen […] wieder in Kraft gesetzt werden soll. […] Wie kann das Inhalt einer amtlichen Regelung sein? […] Dabei hätte der
Rechtschreibrat gerade jetzt die Chance gehabt, mit der Forderung nach Einführung der
gemäßigten Kleinschreibung, wie sie in allen anderen Ländern der Welt, die die lateinische Schrift benutzen, üblich ist, ein für alle Mal das Problem der Groß- und Kleinschreibung im Deutschen zu beenden. Er hat sie leider ungenutzt gelassen.
neu Zabka, Thomas: Regelwissen nicht berücksichtigt (I). Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (316 wörter)
Der Hauptfehler der Reform von 1996 lag darin, zahlreiche Regelungen von oben herab gesetzt zu haben, ohne das Regelwissen fähiger Sprecher empirisch zu untersuchen und zu berücksichtigen. Das ist aufwendig, aber unerlässlich, wenn Experten ohne Anmaßung ins Regelwerk der Sprache eingreifen sollen.
neu Heineking, Nils: Regelwissen nicht berücksichtigt (II). Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (119 wörter)
Die beschlossene Regelung vereint so viel Reform wie nötig mit so viel Bewahren wie möglich und ist deshalb kein Unfug, sondern sinnvoll und konsensfähig. Mag
Steinfelds Titulierung der in den toten Sprachen weniger bewanderten, weil anders Gebildeten als Barbaren historisch etwas für sich haben sie ist arrogant.
neu
Ickler, Theodor:
Tausend Jahre alte Verbindungen (I).
Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (217 wörter)
Eisenberg kann diese Verbindung nicht grammatisch analysieren, und dann verfährt er nach dem alten Wahlspruch aller Besserwisser: Was ich mir nicht erklären kann, das sehe ich als Fehler an und ändert lieber die Sprache als seine offenbar unzureichende Grammatik.
neu Rößler, Manfred: Tausend Jahre alte Verbindungen (II). Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (65 wörter)
Peter Eisenberg hats erkannt: Wenn du denkst, etwas ist ein Wort, dann ist es in der Regel eins. Wenns nur in Wirklichkeit so einfach wäre!
neu Westphal, Walter: Tausend Jahre alte Verbindungen (III). Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (32 wörter)
[…] wie kommen diese Schriftklempner dazu, mir in mein Privatestes hineinzureden! Mein Du gehört mir!
neu Beck, Goetz: Falsche Analogie. Süddeutsche Zeitung, 4. 3. 2006, s. 10, Leserbriefe (294 wörter)
Zur Begründung der Neuschreibung leidtun (gegenüber sowohl dem herkömmlichen leid tun wie dem von der Reformkommission vorgeschlagenen Leid tun) meint
Eisenberg, dass die häufig vorgebrachte Auffassung, leid sei hier Adjektiv, keine grammatische Analyse hatte (sic!). Müsste danach eigentlich sowohl die Zusammen- als auch die Getrennt-(und Groß-)schreibung zu rechtfertigen sein, so halte ich doch die Wort-Ursprünglichkeitsfrage hier für weder besonders relevant noch für lösbar.
neu Hannemann, Uli: Krieg und Frieden. die tageszeitung, 4. 3. 2006, nr. 7913, s. 21, Kultur (227 wörter)
Noch immer ist der "Rechtschreibfrieden gestört" (FAZ), es herrscht ein "Rechtschreibkrieg" (FR) […]. Der Rechtschreibkrieg verursachte großes Leid: Unschuldige Wortverbindungen wurden auf engstem Raum zusammengepfercht, es hagelte Kommas; "gewaltsame Eingriffe in die Sprache" (FAZ) waren an der Tagesordnung.
[…] Notgedrungen beugte sich die
KMK schließlich den Empfehlungen des
alliierten Kontrollrats für deutsche Rechtschreibung […].
neu
DW/dg.:
Debatte um Rechtschreibung geht weiter. Bundestagspräsident
Lammert rüffelt die Politik; Elternvertreter zeigen sich erleichtert.
Die Welt, 4. 3. 2006, nr. 54, s. 2, Deutschland (385 wörter)
Die Korrektur der Rechtschreibreform war aus Sicht von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) überfällig. Für ihn sei das Verfahren "ein famoses Beispiel dafür, wie mühsam die Politik gelegentlich Lösungen für Probleme sucht, die sie selbst ohne Not geschaffen hat", sagte Lammert dem 3Sat-Magazin "Kulturzeit".
sda/ap: Die letzte Version der Reform. St. Galler Tagblatt, 3. 3. 2006, s. 29, Kultur (229 wörter)
Die
Kultusminister wollen einen Schlussstrich unter die seit mehr als zehn Jahren erbittert geführten Auseinandersetzungen ziehen. […] Der parteilose Kultusminister aus Sachsen-Anhalt, Jan-Hendrik Olbertz, plädierte am Rand der Konferenz dafür, dass sich die Politik künftig aus der Rechtschreibung heraushält.
neu sda: Rechtschreibung zwischen hü und hott. Die Südostschweiz, ausgabe Graubünden, 3. 3. 2006, Kultur (452 wörter)
Viele Vorschläge des
Rechtschreibrats buchstabieren die umstrittene Rechtschreibreform von 1996 teilweise zurück und verhelfen dem gesunden Sprachgefühl wieder zu mehr Geltung. So sollen in der Getrennt- und Zusammenschreibung Wortbedeutungen wieder sichtbar gemacht werden.
Mit definitionen des «gesunden gefühls» hat die welt keine guten erfahrungen gemacht.
AP: Reform der Rechtschreibreform. Tages-Anzeiger, 3. 3. 2006, 114. jg., nr. 52, s. 1, Front (72 wörter)
Die Kultusminister der deutschen Bundesländer haben am Donnerstag beschlossen, die viel kritisierte Rechtschreibreform anzupassen.
Buchbinder, Sascha: Duden muss umschreiben. Tages-Anzeiger, 3. 3. 2006, 114. jg., nr. 52, s. 7, Ausland (564 wörter)
Die
Kultusminister der deutschen Bundesländer waren sich am Donnerstag rasch einig: Die Reform der Rechtschreibreform ist beschlossene Sache. Allerdings war sich die Konferenz der Kultusminister schon mehrmals einig […]. Doch nun besteht Hoffnung, dass die Reform diesmal Bestand hat. […] Im Ergebnis ist es eine moderate Rückkehr zur alten Schreibweise.
neu
Limberg, Margarete:
Rechtschreibreform und das Versagen der
Politik.
Deutschlandradio (dradio.de), 3. 3. 2006, Sendung: Fazit
Der Umgang mit der Rechtschreibreform war ein Debakel auch für den Föderalismus in Deutschland.
löw.: "Weniger Unsinn — Elend beendet." Reform der Rechtschreibung reformiert. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. 3. 2006, nr. 53, s. 1, Politik (377 wörter)
Die Empfehlungen des
Rats für deutsche Rechtschreibung sind am Donnerstag von der
Kultusministerkonferenz (KMK) einstimmig beschlossen worden. […] Der sachsen-anhaltische Kultusminister Olbertz (parteilos) lobte den Beschluß, "weil damit der gordische Knoten durchschlagen und vielleicht auch das Elend beendet ist". Jetzt könne man vielleicht die Lehre ziehen, "aus der Politik heraus eine solche Geschichte nicht noch mal zu machen". Er empfehle der KMK einen Beschluß, der laute: "Wir machen so was nie wieder."
Schichtl, Ludwig: Jubiläumsjahr Gauß verpaßt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 3. 3. 2006, nr. 53, s. 38, Briefe an die Herausgeber (266 wörter)
Mozart und Heine im Doppelpack, ein ganzes Jahr. Gerade ging ein langes Einstein-Jahr zu Ende. Man fragt sich allerdings, wer eigentlich all diese Jubiläumsjahre ausruft. […] Das Bildungsministerium scheidet als Initiator ebenso aus wie die Kultusministerien, weil man dort mit der sogenannten Rechtschreibreform völlig ausgelastet ist.
neu
fine/Reuters/AP:
Kultusminister für neue Regeln. Änderungsvorschläge des
Rechtschreibrates akzeptiert.
Süddeutsche Zeitung, 3. 3. 2006, s. 6, Politik (523 wörter)
Die Geschäftsführerin des Rechtschreibrates, Kerstin Güthert, betonte, nach den Änderungsvorschlägen dürfte das richtige Schreiben wesentlich einfacher werden. Diese betreffen Groß- und Kleinschreibung, Getrennt- und Zusammenschreibung, Zeichensetzung und Worttrennung am Zeilenende. So sollen etwa feststehende Begriffe wie Große Koalition oder Gelbe Karte wieder groß geschrieben werden. […] Weitere umfassende Nachbesserungen würden aller Voraussicht nach nicht mehr vorgenommen, sagte Güthert im ZDF.
neu
Schultz, Tanjev:
Ute Erdsiek-Rave Bildungsministerin aus Kiel im Kampf gegen Kleinstaaterei.
Süddeutsche Zeitung, 3. 3. 2006, s. 4, Meinungsseite, Im Profil (417 wörter)
Als Präsidentin der
Kultusministerkonferenz (KMK), in der die Länder ihre Schul- und Hochschulpolitik koordinieren, sieht sich die schleswig-holsteinische Bildungsministerin in bundesweiter Verantwortung. […] Den Dauerkampf um die Rechtschreibreform möchte Erdsiek-Rave nun mit einem Rechtschreibfrieden in der KMK beenden.
neu
DW:
Aus du soll wieder Du werden. Deutsche
Kultusminister beschließen Änderungsvorschläge der Rechtschreibreform; Österreich zieht nach, Schweiz wartet ab.
Die Welt, 3. 3. 2006, Deutschland (509 wörter)
Die Empfehlungen des
Rechtschreibrats zielen darauf ab, dem Sprachakzent als Schreibhilfe wieder eine stärkere Bedeutung zu geben. So soll je nach sprachlicher Betonung entweder "frei sprechen" ("Nicht jeder Politiker kann frei sprechen") oder "freisprechen" ("Der Richter wird den Angeklagten freisprechen") geschrieben werden können. Dies solle auch für Fremdwörter wie New Economy oder Mountainbike gelten. Außerdem soll bei der Anrede "du" in Briefen wieder zur Großschreibung zurückgekehrt werden können, was von vielen Seiten gefordert worden war. Zudem soll bei feststehenden Begriffen künftig mehr Großschreibung möglich sein.
Kamann, Matthias: Überfällige Reform-Korrektur. Die Welt, 3. 3. 2006, s. 8, Forum, Kommentar (238 wörter)
Die Floristin eröffnete "Gaby's Blumenladen", DaimlerChrysler führte die Doppelgroßschreibung ein, und 60 Jahre nach Kriegsende wurde "den Opfern gedacht". Doch statt zu überlegen, wie solchem Sprachverfall zu wehren ist, haben ihn unsere Kultusminister sowie die in Österreich und der Schweiz sich für zuständig Erklärenden beschleunigt, indem sie einen bald 20 Jahre währenden Streit um die Rechtschreibreform führten.
neu Schwanitz, Dietrich: Jahre unbeschwerter Arbeit. Die Rechtschreibreform war nur ein Ablenkungsmanöver, realsatirisch betrachtet. Die Welt, 3. 3. 2006, Kultur (1812 wörter)
"Also kurz und gut, ich weiß, wie wir unsere Minister ablenken können. Wir lassen sie eine Rechtschreibreform durchführen. Das ist mit endlosen Konferenzen verbunden. Komitees müssen gegründet werden, Koordinationsausschüsse, Fachausschüsse, Unterausschüsse, Befragungen müssen durchgeführt werden, Anhörungen, Revisionen, Korrekturen, Widerlegungen und Widerlegungen der Widerlegungen, Jahre fruchtbarer Arbeit, die die Minister restlos absorbiert. Sie kommen dann gar nicht mehr dazu, durch politisch motivierte Aktivitätsanfälle ihre Beamten zu stören. Was halten Sie davon?"
neu Rettung des "Delphins". merkur-online.de (Münchner Merkur), 2. 3. 2006, Politik
Mit ihrer Entscheidung wollen die 16
Kultusminister den "Rechtschreibfrieden" wieder herstellen. […] Bayerns Kultusminister Siegfried Schneider (CSU) zeigte sich dagegen zufrieden mit dem Beschluss. Endlich gebe es wieder eine einheitliche Rechtschreibung für alle Schulen. Bayern und Nordrhein-Westfalen hatten als einzige Bundesländer bisher die verbindliche Einführung der Rechtschreibreform verweigert. Für die neuen Regeln gilt an den Schulen eine einjährige Übergangsfrist […].
neu Knill, Marcus: "Reform der Reform" hemmt Lernprozesse. Kommentar: Marcus Knill über den Rechtschreibedschungel. persoenlich.com, 1. 3. 2006, Medien, News
Kommunikationsberater Marcus Knill analysiert und kommentiert im Folgenden die Irrungen im deutschen Rechtschreibedschungel. […] Was jedoch beim ganzen "Hin und Her" unberücksichtigt blieb: Jeder Lernpsychologe weiss, wie Irritationen Lernprozesse behindern. Leidtragende sind bei raschen Wechseln all jene Beflissenen, die zuerst die alte Rechtschreiberegeln erlernt hatten, um sich nachher willig umschulen zu lassen[,] und nun plötzlich nochmals eine andere[,] moderatere (endgültige?) Schreibweise erwerben müssen. […] Es ist nämlich erwiesen, dass die Informationsaufnahme problematisch wird, wenn wir mehrere ähnliche Versionen vermitteln.
Surber, Peter: Im Durcheinandertal. Rechtschreibreform 06: Noch mehr Varianten, noch weniger Einigkeit. St. Galler Tagblatt, 1. 3. 2006, s. 25, Kultur (598 wörter)
Hier hat der Lehrerverband
LCH die jüngsten Reformvorschläge in einem fünfseitigen Papier zurückgewiesen. Die Nachrichtenagentur SDA meldet Widerstand an, und der
«Sprachkreis Deutsch» fordert in einem offenen Brief die
Erziehungsdirektoren zu einer «sprachwissenschaftlichen Überprüfung des ganzen Regelwerks» auf. Diese Forderungen weist EDK-Präsident Hans Ulrich Stöckling auf unsere Anfrage hin zwar zurück. […] Aber die jüngsten Reformvorschläge hält auch er für unausgegoren. […] Allerdings relativiert der LCH seine Kritik gleich selber: Im Vergleich mit solchen Orthografie-Detailfragen bewegten sich die Schreibsorgen der Schülerinnen und Schüler «auf einem massiv tieferen Niveau. Schulen wären glücklich zu preisen, wenn dort nur noch Fehler in den genannten Bereichen gemacht würden».
Su.: «Das Chaos ist herbeigeredet.» St. Galler Tagblatt, 1. 3. 2006, s. 25, Kultur (362 wörter)
Stöckling: Der von der
Kultusministerkonferenz Deutschlands zusammen mit Österreich und der
EDK eingesetzte
Rat für Deutsche Rechtschreibung hat jetzt neue Vorschläge unterbreitet. Über diese ist kein vernünftiges Vernehmlassungsverfahren durchgeführt worden. Deshalb haben wir mitgeteilt, die Schweiz würde diese Neuerungen vorderhand nicht übernehmen. […] Zurzeit besteht zumindest aus der Sicht der Ausbildung kein Grund zur Aufregung. Die neuen Regeln werden in der Schule diskussionslos angewandt, und die Schülerinnen und Schüler kennen gar nichts anderes.
neu
Schmitz, Christoph:
Geschichte eines Skandals. Die Rechtschreibreform, die
KMK und der
Rat für deutsche Rechtschreibung.
Deutschlandradio, Deutschlandfunk (dradio.de), 1. 3. 2006, Sendung: Kultur heute
[…] die Liste der Skandale ist lang. Dazu gehört auch, dass die
Politik einfach davon ausgeht, dass sich alle Bürger ihren Vorgaben zur Schreibweise anschließen müssen, obwohl die Kultusminister Regelungsmacht nur für die
Schulen haben und das auch nur nach Maßgabe des allgemeinen Schreibgebrauchs.
Inkonsequent und halbherzig. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. 3. 2006, nr. 51, s. 2, Politik (87 wörter)
Die Empfehlungen des
Rats für deutsche Rechtschreibung zur Überarbeitung der Rechtschreibreform kommentiert der "Döbelner Anzeiger": […] Der Kompromiß, der nun endlich nach vielen Jahren beim Rechtschreibreformstreit in Sicht ist, enttäuscht.
Um des Sprachfriedens willen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. 3. 2006, nr. 51, s. 2, Politik (87 wörter)
Der "Mannheimer Morgen" bemerkt zur Rechtschreibreform: […] Die von allen Reformen wohl nebensächlichste hat rund zehn Jahre lang mit ihrem Zickzackkurs genervt, Schüler wie Lehrer auf eine wahre Geduldsprobe gestellt und einen Keil zwischen die Medien getrieben.
Munske, Horst Haider:
Variantensalat. Warum die Reform der Rechtschreibreform scheitert.
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 1. 3. 2006, nr. 51, s. 37, Feuilleton (1044 wörter)
Viele fragen sich heute: Wie konnte es bloß zu einer derartigen Beschädigung einer bewährten Norm kommen? […] In den großen und traditionsreichen Sprachen Europas, im Englischen, Französischen und Deutschen, sind bisher alle Rechtschreibreformversuche am Widerstand der Betroffenen gescheitert. […] Auf einem anderen Blatt steht das Verfahren einer solchen Reform. Es ist langwierig und kompliziert - wegen der Vielzahl Beteiligter, Betroffener und wirtschaftlich Interessierter. […] Kernstück der hiesigen Reform war ein Nebeneinander vorbereitender Fachkommissionen und eigens eingerichteter Arbeitsgruppen aus Beamten der Kultusministerien. […] Diesen Kommissionen fehlte von Anfang an die fachliche und im weiteren Sinne kulturelle Legitimation.
nz: Elternverein will alte Rechtschreibung. netzeitung.de, 1. 3. 2006 (260 wörter)
Der Deutsche Elternverein will erreichen, dass an den Schulen wieder die klassische Rechtschreibung zugelassen wird. Alle Erlasse sollten zurückgezogen werden, die ein Anstreichen der alten Rechtschreibung als fehlerhaft vorsehen. Das geht aus einem offenen Brief des Elternvereins an die Ministerpräsidenten und Kultusminister der Länder hervor, den der Vereinsvorsitzende Ulrich G. Kliegis am Mittwoch in Kiel vorstellte. […] Ziel müsse es sein, an den Schulen wieder eine von Konsens getragene einheitliche Schriftsprache zu lehren, sagte Kliegis. Hierfür seien verbindliche Regeln erforderlich.