Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)presseartikel → bis 15. 3. 2006
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Aus der presse

Nachgeführt 13. 2. 2011


15. 3. 2006

oll.: siehe Kunze wehrt sich gegen neue Rechtschreibung. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15. 3. 2006, nr. 63, s. 1, Politik (151 wörter)

In einer Erklärung Kunzes […] heißt es, er werde "auch künftig all das zurückweisen, was das Sprachgefühl der Kinder, die intuitive, vom Regelwissen unabhängige Sprachkompetenz beschädigt und vom siehe Rat für deutsche Rechtschreibung in seiner Mehrheit von Verursachern und Befürwortern des Reformskandals unkorrigiert gelassen oder zur Variante umgewidmet worden ist".

esh: siehe Günter Grass unterstützt Elternverein. Die Welt, ausgabe Hamburg, 15. 3. 2006, nr. 63, s. 40, Norddeutschland (125 wörter)

Der Nobelpreisträger und Schriftsteller Günter Grass hat als erster einen bundesweiten Aufruf des Deutschen Elternvereins mit Sitz in Kiel unterzeichnet. Mit der Aktion werden Unterschriften für den Erhalt der klassischen Rechtschreibung gesammelt.

13. 4. 2006

Gisi, Ruth: Von Mozart über Tiki bis zum 21. Mai. Berner Zeitung, 13. 4. 2006, s. 21, SO-Aufschlagseite

Ob schmunzlächeln mit der deutschen Rechtschreibereform übereinstimmt, weiss ich nicht. Es würde seinen Schöpfer auch keinen Deut kümmern. Er hätte für das groteske Gezerre um Du oder du oder doch wieder Du wohl nur beissenden Spott übrig. Er, der scharfzüngige deutsche Dichter Heinrich Heine, der kein Blatt vor den Mund nahm.

12. 3. 2006

Ziegler, Helmut: «Nur dann klickt es!» Verleger Helge Malchow über Erfolg, den Dativ und Medienstars als Autoren. Sonntags-Zeitung, 12. 3. 2006, s. 51, Kultur

Er verlegt Harald Schmidt, Joschka Fischer und Alice Schwarzer. Als Chef des Kölner Verlags Kiepenheuer & Witsch betreut er zudem Schriftsteller wie Uwe Timm, Christian Kracht und Bret Easton Ellis. Und weil er das alles auch noch profitabel macht, wurde Helge Malchow, 55, kürzlich zum «Verleger des Jahres» gewählt. […] [Malchow:] Im Nachhinein gibt es kluge Begründungen für den Erfolg: die Rechtschreibreform, die Pisa-Debatte. In dem Moment aber, in dem man es macht, ist alles offen. Nur wenn man eine untergründige Mentalitätsader in der Gesellschaft trifft, dann klickt es!

11. 3. 2006

Sarah Meier wird wieder «eislaufen» statt «Eis laufen». Neues Bülacher Tagblatt, 11. 3. 2006, Der Bülacher Trichter (341 wörter)

Zum letztjährigen Bundesfeiertag war sie offiziell, die neue deutsche Rechtschreibung. Eben «verbindlich» hat es aus dem grossen Kanton geheissen. Ein gutes halbes Jahr später wird die Reform erneut reformiert; wie die Kultusministerkonferenz (ein eigentliches Unwort mit ganzen acht Silben) verspricht, «voraussichtlich zum letzten Mal».

Ludwig, Joe: So sieht´s Mainz Gedenkt un gedacht. Allgemeine Zeitung, Main-Rheiner, 11. 3. 2006

Un an all dem kann mer kaum ebbes mache, denn so werd halt bei uns schon seit Menschegedenke gedenkt, un mer hot sich niemols ebbes besonders debei gedenkt. Wehe dem, der Schlechtes dabei dachte. Wer des akzeptiert un trotzdem unser Rechtschreibreform für gut hält, dem gehört aber werklich e Denk-Mal.

neu Altrock, Vera: "Bastian Sick lernt Ihnen Deutsch" ist falsch. Hamburger Abendblatt, 11. 3. 2006, Journal

Durch das Hin und Her der Rechtschreibreform schreiben viele jetzt so, wie sie wollen. Sick: So war es doch immer schon. Der > Staat kann ja nur dort Regeln festlegen, wo er die Hoheit hat, also an den Schulen und den Behörden, aber nicht im Privatleben.

Anlauf, Thomas: „Goethe hat geschrieben wie ein Chaot – es geht also auch ohne Norm.“ SZ-Gespräch mit Gerd Holzheimer. Süddeutsche Zeitung, ausgabe München-Land-Süd, 11. 3. 2006, s. R7 (1262 wörter)

Der Gautinger Schriftsteller und Dozent Gerd Holzheimer ist auch Deutschlehrer am Gräfelfinger Kurt-Huber-Gymnasium und muss seinen Schülern nun wieder eine neue Schreibweise beibringen. Die SZ sprach mit dem Literaturwissenschaftler und Philosophen über die Reform der Reform, die deutsche Sprache und das Wesen der Deutschen. […] Holzheimer: Ich finde Sprach-Mullahs und -Taliban auf beiden Seiten sehr komisch. Ich denke mir: Haben die keine anderen Probleme? […] Da wollte ja einer sogar vor das Bundesverfassungsgericht gehen mit der Begründung, seine Kinder würden jetzt anders schreiben und das würde die Kinder von ihm entfremden. Da hört sich’s doch auf. […] Wenn man zum Beispiel Johann Wolfgang von Goethe nimmt: Der hat geschrieben wie ein Voll-Chaot, der war wirklich schlecht in der Orthographie – selbst für damalige Verhältnisse. Sie sehen, es geht auch ohne Norm. Es kommt mir manchmal so vor wie bei den Trachtlern, die behaupten, wir hätten schon immer eine Tracht gehabt. Dabei gibt es die Vereine gerademal gut hundert Jahre.

10. 3. 2006

SDA: Reform der Rechtschreibung. Basler Zeitung, 10. 3. 2006, s. 4, Schweiz (97 wörter)

Die 26 Schweizer Erziehungsdirektoren haben gestern festgehalten, dass die Korrekturvorschläge des siehe Rechtschreibrats «so weit als möglich für die Schweizer Schulen» übernommen werden sollen.

Wyss, Ignaz: «Sich an der Sprache nicht vergreifen.» Neue Luzerner Zeitung, 10. 3. 2006, s. 39, Lesebriefe (202 wörter)

Also, was solls — es geht ja bloss um das Schreiben der Wörter, nicht um die Sprache.

sda: Rechtschreibung: Entscheid vertagt. St. Galler Tagblatt, 10. 3. 2006 (81 wörter)

Die siehe Erziehungsdirektoren-Konferenz EDK will die jüngsten Korrektur-Vorschläge des siehe Rechtschreibrats «so weit als möglich für die Schweizer Schulen» übernehmen. Der definitive Beschluss wurde auf den 22. Juni vertagt. Geprüft werden soll bis dahin insbesondere, ob es – wie schon bisher – für Einzelfälle Schweizer Lösungen gibt […].

AP: Rechtschreibung: Schweiz macht mit. Tages-Anzeiger, 10. 3. 2006, s. 5, Inland (174 wörter)

Die Schweizer siehe Erziehungsdirektoren wollen die vom Rat für deutsche Rechtschreibung verabschiedeten Veränderungsvorschläge bei der Rechtschreibreform weitmöglichst übernehmen. Zuvor sollen jedoch in einer Vernehmlassung allfällige Sonderlösungen, die schulische Vermittlung und die Fristen geklärt werden. […] Die EDK bedauere, dass ein konzertiertes Handeln zwischen den staatlichen Partnern nicht möglich geworden sei.

Erzinger, Astrid, und Erzinger, Peter: Jedem seine brifate Rechtschreibung (I). Tages-Anzeiger, 10. 3. 2006, s. 25, Leserforum (70 wörter)

Theilen Ihnen mit, dasz wir ab jetzigem dato unsere Leser Briefe ausschliësslich nach brifater Ortografie konzipiiren. Wir sind es Leid und haben es sadt, durch obrigkeitliche Mahndate in unserer intellecktösen Betättigunk ein geschrenkt zu werden […]. Aschtrid und Peter Ehrziger, Kipswiel

Warum dann nicht gleich unserer regelung?

Artho, Walter: Jedem seine brifate Rechtschreibung (II). Tages-Anzeiger, 10. 3. 2006, s. 25, Leserforum (113 wörter)

Einheitlichkeit um jeden Preis kann nicht das Ziel sein, Spielräume sind erwünscht. Es geht nicht in erster Linie um richtig oder falsch, sondern um gut oder schlecht, und das ist Geschmackssache. […] Ich selbst habe mir längst meine eigene Orthografie zugelegt.

Ziegler, F. J.: Jedem seine brifate Rechtschreibung (III). Tages-Anzeiger, 10. 3. 2006, s. 25, Leserforum (132 wörter)

Am 29. Juni 1996 habe ich mich in einem Leserbrief detailliert zur damals gerade publik gewordenen Rechtschreibreform geäussert. Sie fanden es nicht für nötig, näher auf meine Kritik einzugehen, und übernahmen vorbehaltlos die zum Teil äusserst fragwürdigen Änderungen. […] Das meiste, was ich damals als unsinnig bezeichnet hatte, wird nun hoffentlich rückgängig gemacht.

Leemann, Dölf: Jedem seine brifate Rechtschreibung (IV). Tages-Anzeiger, 10. 3. 2006, s. 25, Leserforum (21 wörter)

Das Doppel-s haben wir ja auch nicht nachgeäfft. Warum sollen wir uns wieder einmal etwas aufzwingen lassen?

siehe Jochems, Helmut: Ein Sammelsurium von Varianten. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. 3. 2006, Nr. 59, S. 11, Briefe an die Herausgeber (415 wörter)

Wenn es in unserer Republik mit rechten Dingen zuginge, müßte siehe Icklers ungeschminkter Bericht über die Zustände im siehe Rat für deutsche Rechtschreibung zu dessen sofortiger Auflösung führen. […] Inzwischen ist aus der deutschen Rechtschreibung ein Sammelsurium von Varianten geworden, die Schüler müssen sich also sehr anstrengen, wenn sie Fehler machen wollen.

Rassmann, Klaus: Und wer redet über den "Denglisch"-Vormarsch? Die Welt, 10. 3. 2006, nr. 59, s. 9, Forum, Leserbriefe (88 wörter)

Solange man allerdings in einer Zeit des „Denglisch“ […] so tolle Änderungen wie „Stopp“ statt „Stop“ beibehält, so daß Verkehrszeichen plötzlich alle falsch sind, und eingeführte Wörter wie Ketchup, Portemonnaie oder Mayonnaise schreibtechnisch eindeutscht, so lange werkelt man um des Werkelns willen.

> «Stopp» und «Majonäse» sind nicht neu.

9. 3. 2006

Durisch, Andreas: Tagebuch. Facts, 9. 3. 2006, nr. 10, s. 3

«Ein Alleingang der Schweiz wäre schlecht», meint der siehe Lehrerverband in vorauseilendem Gehorsam. Konsequenter wäre er allemal. Und die Hoffnung auf eine einheitliche Regelung und ihre Durchsetzung schwindet sowieso.

Wey, Max: Tut uns leid. Was nach dem historischen Kompromiss übrig bleibt, ist zum Verzweifeln. Die Weltwoche, 9. 3. 2006, nr. 10, s. 6 320 wörter)

Grund zur Panik besteht aber weder bei der Vogelgrippe noch bei der Rechtschreibung. Novalis hat vor zweihundert Jahren «Filosofie» geschrieben. So ein Hallodri. Im berühmten Wörterbuch der Brüder Grimm benützt man die KLEINSCHREIBUNG, und den Dichterfürsten Johann Wolfgang von findet man, jesses!, so geschrieben: «göthe».

Mechnich, Gerald: Ein Schritt zu mehr Einheitlichkeit der Kultur (I). Die Welt, 9. 3. 2006, nr. 58, s. 9, Forum, Leserbriefe (92 wörter)

Ich habe heute mit Freude gelesen, daß der Springer-Konzern auf die neue Rechtschreibung umstellt. […] Zur Zeit macht jeder, was er will. Wenn ich mich richtig erinnere, wollten die Gegner der Rechtschreibreform das ja genau verhindern.

Silva, Christina: Ein Schritt zu mehr Einheitlichkeit der Kultur (II). Die Welt, 9. 3. 2006, nr. 58, s. 9, Forum, Leserbriefe (97 wörter)

Ich bin sehr traurig darüber, daß der Springer-Verlag seine Rechtschreibung wieder umstellt. […] Ich empfinde es als Schande, daß man uns unserer Sprache und damit unserer Kultur beraubt.

8. 3. 2006

KulturJournal. Springer zieht mit. St. Galler Tagblatt, 8. 3. 2006 (44 wörter)

Der Springer Verlag, der bisher nach alten Regeln schrieb, will nach den jüngsten Nachbesserungen bis 1. August auf die neue Rechtschreibung umstellen.

ap: Springer begräbt das Kriegsbeil. Die Südostschweiz, ausgabe Graubünden, 8. 3. 2006, Kultur (318 wörter)

Gestern kündigte auch der Springer-Verlag, in dem unter anderem die «Bild»-Zeitung, «Die Welt» und die «Hörzu» erscheinen, ein entsprechendes Vorgehen an.

AP: In Kürze. Medien akzeptieren Rechtschreibreform. Tages-Anzeiger, 8. 3. 2006, 114. jg., nr. 56, s. 54, Kultur (100 wörter)

Auch der Springer-Verlag, der 2004 ebenso wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» beschlossen hatte, die neue Rechtschreibung zu ignorieren, kündigte die Übernahme der korrigierten Regeln bis spätestens 1. August an.

Ehrlich, Peter: Das Geheimprotokoll zur Rechtschreibreform. Financial Times Deutschland, 8. 3. 2006, Meinung, Das Letzte

"Bild", "Welt" und "Spiegel" führen die neue neue Rechtschreibung ein, nachdem sie zuvor von der alten neuen Rechtschreibung zur ganz alten Rechtschreibung zurückgekehrt waren. […] Nur Frank Schirrmacher von der siehe FAZ hält am Methusalem-Komplott fest und bleibt noch beim Althochdeutschen. Die zahlreichen investigativen Reporter aller genannten Organe haben aber leider übersehen, dass zusammen mit der Rechtschreibreform neu auch ein geheimes Zusatzprotokoll der Kultusministerkonferenz (KMK) beschlossen wurde, das […] uns über den Faxverteiler der CIA erreicht hat. In diesem Zusatzprotokoll wird die verbindliche Neuschreibung von Eigennamen festgelegt: Die neue Schreibweise von Axel Springer lautet demnach "Alex Läufer", die von Frank Schirrmacher "Franz Scharfmacher" und die von siehe Stefan Aust "Stefan Markwort".

F.A.Z.: Zeitungsverlage zur Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 8. 3. 2006, Nr. 57, S. 1, Politik (182 wörter)

Seitdem die Reform der Rechtschreibreform durch die Wiederzulassung zahlreicher Varianten die weitgehende Verwendung der bewährten Rechtschreibung möglich macht, ist die siehe Frankfurter Allgemeine Zeitung grundsätzlich zu einem Kompromiß bereit.

Abendblatt übernimmt Rechtschreibreform. Hamburger Abendblatt, 8. 3. 2006, Kultur/Medien (94 wörter)

Die Axel Springer AG, zu der auch das Hamburger Abendblatt gehört, wird eine reformkonforme Rechtschreibung in ihren Publikationen umsetzen. […] Das Abendblatt wird bei optionalen Schreibweisen weitestgehend die klassische Rechtschreibung anwenden.

ots/jW: Hübscheres Feind-Bild. junge Welt, 8. 3. 2006, s. 12, Feuilleton (105 wörter)

In Sachen Rechtschreibreform ist der Frontverlauf wieder etwas klarer. Die Axel Springer AG wird eine reformkonforme Rechtschreibung in ihren Publikationen umsetzen.

DW: Axel Springer AG stellt Rechtschreibung bis August um. Änderung gilt für alle Publikationen und Online-Angebote; "Chance auf Konsens". Die Welt, 8. 3. 2006, nr. 57, s. 1, Politik (346 wörter)

Nach den jüngsten Änderungsbeschlüssen will die Axel Springer AG eine reformkonforme Rechtschreibung in ihren Publikationen umsetzen. Die Änderung der Schreibweise in den Zeitungen und Zeitschriften sowie den Online-Angeboten des Unternehmens ist nach Schaffung der technischen Voraussetzungen bis spätestens 1. August 2006 vorgesehen. Der Verlag, zu dem unter anderem die Tageszeitungen "Bild" und WELT gehören, war im August 2004 zur alten Rechtschreibung zurückgekehrt.

Guratzsch, Dankwart: Ende eines langen Streits. Vergeblich haben die Schreibreformer jahrzehntelang versucht, die bestehenden Regeln zu ändern. Die Welt, 8. 3. 2006, nr. 57, s. 4, Deutschland (644 wörter)

Damit endet eine 34jährige Phase mit zum Teil dramatischen Auseinandersetzungen. Ausgelöst wurde der sogenannte Rechtschreibkrieg durch eine Bürgerinitiative siehe "aktion kleinschreibung" am 25. Juni 1972.

DW: In eigener Sache. Die Welt, 8. 3. 2006, nr. 57, s. 4, Deutschland (168 wörter)

Die Axel Springer AG wird eine reformkonforme Rechtschreibung in ihren Publikationen umsetzen. Anlaß der Umstellung ist der Beschluß der siehe Kultusministerkonferenz vom 2. März 2006, die Rechtschreibreform entsprechend den Vorschlägen des siehe Rats für deutsche Rechtschreibung verbindlich zu ändern. Die Änderung der Schreibweise in den Zeitungen und Zeitschriften sowie den Online-Angeboten des Unternehmens ist nach Schaffung der technischen Voraussetzungen bis spätestens 1. August 2006 vorgesehen. Die Axel Springer AG will sich der Chance auf einen Konsens in Fragen der deutschen Orthographie nicht entgegenstellen, bedauert aber, ebenso wie große Teile der Öffentlichkeit, daß die Rechtschreibreform alles andere als ein überzeugendes Ergebnis vorzuweisen hat.

7. 3. 2006

Jäger, Stefanie: Neue Reform — und keiner merkts (I). Tages-Anzeiger, 7. 3. 2006, 114. jg., nr. 55, s. 23, Leserforum (95 wörter)

Wenn der Deutschaufsatz zur Lottoübung und der Duden zur permanenten Pflichtlektüre wird, gibt es mit Bestimmtheit eine weitere Rechtschreibreform. […] In Zukunft sollten wir Berner Manieren anwenden und warten, bis die Reformeuphorie wieder abgeklungen ist.

Herzog, Lukas: Neue Reform — und keiner merkts (II). Tages-Anzeiger, 7. 3. 2006, 114. jg., nr. 55, s. 23, Leserforum (204 wörter)

Eines freut uns an der erbittert geführten Debatte: Wir sehen, dass unsere Länder nicht in argen Nöten stecken, denn wie wäre es sonst zu erklären, dass sich ganze Heere von Ministern jahrelang über derartige Nebensächlichkeiten kümmern können?

Wenn man die beschäftigung mit einer sache für zeitverschwendung hält, fängt man am besten bei sich selbst an!

Blattmann, Heiner: Neue Reform — und keiner merkts (III). Tages-Anzeiger, 7. 3. 2006, 114. jg., nr. 55, s. 23, Leserforum (186 wörter)

Was im Artikel stört und nicht der Wahrheit entspricht: Die Schülerinnen und Schüler schreiben heute eher kreativer, gewitzter und mit einem reichhaltigeren Wortschatz als früher! Das ständige Jammern über den angeblichen Zerfall des Hochdeutschen ärgert mich […] Warum soll «Leid tun» logischer sein als «leidtun»? Das eine Mal wird Leid als Nomen verstanden, das andere als Verbzusatz. In diesen schwierigen Fällen der Getrennt- und Zusammenschreibung sollte grösstmögliche Toleranz herrschen, es sollten beide Schreibweisen gelten.

Jürgs, Michael: Wer schreibt, der bleibt. Springer-Chef Mathias Döpfner trifft bald Günter Grass – und hat einen journalistischen Traum. Süddeutsche Zeitung, 7. 3. 2006, s. 15, Medien

Noch eine Niederlage gibt er zu. Spiegel-Chef siehe Stefan Aust, den er als Tatmenschen bewundert, FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher, den er als Intellektuellen bewundert[,] und er, der von beiden etwas hat und diese Mischung als Gesamtkunstwerk bewundern lässt, saßen beim Abendessen. Beim Wein beschlossen sie, zum Wohl des Volkes und dem ihrer Kinder, die Rechtschreibreform zu kippen. „Der Ansatz war völlig richtig. Wir haben aber die politische Wirkung unterschätzt. Das war naiv. Denn sofort begannen die Angriffe, ein Kartell habe sich Rechte angemaßt, was allein dem Parlament und dem Gesetzgeber zustehe. Warum haben Politiker eigentlich mehr Rechte als die, die von Sprache leben: Schriftsteller, Journalisten, Verleger?“

Falsche antwort auf falsche angriffe. Politiker haben nicht mehr rechte, sondern andere. Sie sind für den lehrplan der volksschule zuständig. Verleger sind für sich selbst zuständig. Unser wunsch an beide wäre, die macht (mit oder ohne kartell) nicht nur negativ, zum neinsagen einzusetzen.

6. 3. 2006

r.: siehe Gallmann und siehe Dové arbeiten mit. Schaffhauser Nachrichten, 6. 3. 2006, s. 6, Feuilleton (122 wörter)

Der siehe Rat für deutsche Rechtschreibung hat 38 Mitglieder […]. Unter den Vertretern aus der Schweiz sind zwei aus der Region: Der Schaffhauser Peter Gallmann, ordentlicher Professor für germanistische Sprachwissenschaften an der Universität Jena (Fachwissenschaft). Für den Verband Schweizer Presse hat Stephan Dové, Gemeindepräsident von Laufen-Uhwiesen und Chefkorrektor der NZZ[,] Einsatz.

sda: Der siehe Dachverband der Lehrer will Regelwerk überprüfen. siehe EDK: Entscheid erfolgt an der nächsten Sitzung. Schaffhauser Nachrichten, 6. 3. 2006, Diverses (369 wörter)

Bisherige Praxis der EDK war es, dem Beispiel der anderen deutschsprachigen Länder zu folgen. Dazu könne man die EDK nicht verpflichten, warnte der Dachverband Schweizer Lehrerinnen und Lehrer LCH in einem offenen Brief in der NZZ vom 25. Januar. Er fordert die EDK auf, die Vernehmlassung zu verlängern, das Regelwerk wissenschaftlich zu überprüfen, die Schweizer Delegation im Rechtschreibrat auszuwechseln und ein Moratorium, wie das des Kantons Bern, zu beschliessen.

Guran, Julia: Immer noch gleich verwirrend. Schaffhauser Nachrichten, 6. 3. 2006, s. 6, Feuilleton, Kommentar (255 wörter)

Die Schweiz hat die Reformen bisher konsequenter umgesetzt als Deutschland. Jetzt, wo sich die deutschen Bundesländer endlich zu einigen scheinen, zögert die schweizerische siehe Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK), den gleichen Weg einzuschlagen. […] Den Weg aus dem Chaos vermag im jetzigen Stadium auch die erneute Reform nicht mehr zu weisen. Ob sie bloss eine weitere Etappe im endlosen Streit ist oder ob die gesamte Rechtschreibreform damit wirklich abgeschlossen ist, bleibt abzuwarten.

(Brand, Jobst-Ulrich): So ist's recht. Die siehe Kultusminister haben die Rechtschreibreform reformiert und hoffen nun auf Frieden im Schreibvolk. Focus, 6. 3. 2006, nr. 10, s. 82f., Kultur (803 wörter)

Vor allem im Bereich Getrennt- und Zusammenschreibung, dem umstrittensten Teilbereich, wird es Korrekturen geben: Künftig sollen wieder mehr Wörter zusammengeschrieben werden. "Wir haben den Akzent stärker auf den Sprachgebrauch gelegt", sagt der Vorsitzende des siehe Rats, siehe Hans Zehetmair. "Bei den Reformerfindern stand die Systematik zu sehr im Vordergrund."

Einem grossen teil des volks wäre es recht, wenn herr Zehetmair auch mal das strassenverkehrsrecht überarbeiten würde.

DW: Schulbücher werden umgehend umgeschrieben. Verlage versprechen schnelle Reaktion auf die künftig geltenden Rechtschreibregeln; 6000 Euro Kosten pro Titel. Die Welt, 6. 3. 2006, Deutschland (395 wörter)

Man werde umgehend die ersten Deutsch-Bücher korrigieren, sagte Programm-Geschäftsführer Peter Schell vom Verlag Westermann/Schroedel/Diesterweg in Braunschweig, auch wenn das "einen Haufen Geld" kostet. […] Der Verband VdS Bildungsmedien - früher Verband der Schulbuchverlage - hält die Korrektur der Rechtschreibung für eine "richtige Entscheidung". "Sie wird hoffentlich lange Bestand haben", sagte Geschäftsführer Andreas Baer in Frankfurt am Main. […] Der Aufwand sei überschaubar, weil die Schulen mit den bestehenden Büchern weiter machen könnten - ergänzt durch einige Materialien vor allem zur Getrennt- und Zusammenschreibung, sagte Baer.

siehe Adam, Konrad: Ein Sieg der Pfennigfuchser. Reform der Rechtschreibreform. Die Welt, 6. 3. 2006, nr. 55, s. 9, Forum, Kolumne (583 wörter)

Ob man "sitzen bleiben" oder "sitzenbleiben" schreibt, "bankrottgehen" oder "Bankrott gehen", "Recht haben" oder "rechthaben", ist einigermaßen belanglos; verständlich wird die Sache allemal. Weshalb die siehe Kultusminister gut daran getan hätten, den Ball, der ihnen da zugespielt worden war, den Pfennigfuchsern zurückzugeben. Sie hätten Freiheit geben und nicht nur Doppelt-, sondern auch Dreifachschreibungen erlauben können, und das nicht nur für eine Übergangsperiode. Doch was wäre dann aus den Germanisten geworden, die mit Texten und Sätzen nichts anfangen können und sich deshalb aufs Silbenzählen und Kommasetzen verlegt haben? Sie würden arbeitslos: unvorstellbar für einen Lebenszeitbeamten, der nicht nur das Recht, sondern leider auch die Pflicht zum vollen Arbeitseinsatz hat. Vorschriften zu erlassen ist sein Beruf, den er mit derselben Leidenschaft erfüllt wie die Beamten im Finanzministerium den ihren. Was denen die Steuergesetzgebung, ist den Berufsrechtschreibern ihr Duden. An dem wollen sie weiterarbeiten, weshalb sie sich ihr Mandat zur Aufsicht über die deutsche Orthographie um fünf weitere Jahre verlängert haben.

Langewische, Christian F.: Reform zerstört die Einheit der Rechtschreibung (I). Die Welt, 6. 3. 2006, nr. 55, s. 9, Forum, Leserbriefe (167 wörter)

Die von der siehe Kultusministerkonferenz so beschworene „Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung“ ist doch erst durch den Irrsinn namens Rechtschreibreform mutwillig zerstört worden. […] Die WELT wäre gut beraten, sich nicht der Reform der Reform anzuschließen.

Hennion-Pfitzer, Anneliese: Reform zerstört die Einheit der Rechtschreibung (II). Die Welt, 6. 3. 2006, nr. 55, s. 9, Forum, Leserbriefe (80 wörter)

Wie wäre es, wenn man unsere schöne Sprache etwas von den ausländischen, vor allem englischen Einflüssen säubern würde? Das wäre doch Reform genug.

Hackeschmidt, Jörg: Reform zerstört die Einheit der Rechtschreibung (III). Die Welt, 6. 3. 2006, nr. 55, s. 9, Forum, Leserbriefe (123 wörter)

Das wirklich Schlimme ist nicht die sogenannte Rechtschreibreform als Mißgeburt amoklaufender Sozialingenieure, sondern die Tatsache, daß seit zehn Jahren auf sachliche und wohlbegründete Kritik nicht reagiert wird. […] Meine Bitte an die WELT: Bleiben Sie bei der bewährten Schreibweise.


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Rolf Landolt