Nachgeführt 3. 6. 2011, 2. 3. 2010
Hilliger, Sabine: Regelmut statt Regelwut. ksta.de (Kölner Stadt-Anzeiger), 29. 1. 2009
Die nächste Reform wird kommen – vielleicht in zwanzig oder dreißig Jahren. Länger wird es bestimmt nicht dauern, bis der Ruf nach Vereinfachung wieder ganz laut wird. Es sei denn, der jetzt dazu beauftragte
Rat für Rechtschreibung achtet darauf, dass sich Veränderungen im Sprachgebrauch relativ schnell in den allgemeinen Regeln bzw. im Wörterverzeichnis widerspiegeln. Dann nämlich gäbe es eine kontinuierliche Entwicklung, die eine nächste Reform weit hinausschieben könnte.
neu Nunn, Hedi: Bürgern aufs Maul schauen. Münchner Merkur (merkur-online.de), 26. 1. 2009, Leserbriefe
Da fallen mir aber eine ganze Menge „Sünden“ in unserem eigenen Lande ein, bei denen von „Sachkenntnis und Kompetenz“ schon gar keine Rede sein kann: Unsere Politiker werden nach Gutdünken wie Schachfiguren hin- und hergeschoben, Juristen fällen Urteile, die jegliche Logik vermissen lassen, Bankmanager bringen ein Land in den Ruin, Kultusminister müssen diese unnötige Rechtschreibreform korrigieren, das Schulsystem versagt […].
Schwarze, Gisela: Weiterbildung steht heute hoch im Kurs. Erster Neujahrsempfang der Volkshochschule im Kreis Herford; Harald Meves über ostwestfälische Eigenarten. Vlothoer Anzeiger, 26. 1. 2009
Den heiteren Teil des Abends übernahm der Kabarettist Harald Meves, der selbst beruflich in der Erwachsenenbildung zu Hause ist. Er witzelte über die verwirrende, überflüssige Rechtschreibreform und betrachtete kritisch Regalbretter mit Schrauben und einer Aufbauanleitung, die heutzutage einen Möbelmarkt ausmachen.
Knobloch, Andreas: Das Alphabet ist wieder komplett. Rechtschreibreform in Brasilien rehabilitiert Buchstaben »K«, »W« und »Y«. Neues Deutschland, 23. 1. 2009, s. 10, Bildung (486 wörter)
Die Reform ist Teil einer Vereinbarung der portugiesisch-sprachigen Länder, die die Kommunikation zwischen den mehr als 230 Millionen portugiesisch-sprechenden Menschen in acht Ländern verbessern helfen soll. […] Doch gerade in Portugal wird die Reform von vielen abgelehnt und ist Gegenstand zum Teil polemischer Debatten. So sammelte eine Initiative Tausende von Unterschriften, um die Rechtschreibreform doch noch zu stoppen. […] Neu sind vor allem Akzent- und Bindestrich-Regeln.
Hilliger, Sabine: Punkt, Punkt, Komma, Strich. ksta.de (Kölner Stadt-Anzeiger), 22. 1. 2009
Kommasetzung hatte immer schon den Beigeschmack, beliebig zu sein. Das hat sich auch durch die neuen Regeln der Rechtschreibreform nicht geändert, denn diese müssen nicht zwangsläufig eingehalten werden. […] Mit der Reform wurden die vielen Über- und Unterregeln gründlich auseinandergenommen. Aus vielen Dutzend Bestimmungen sind letztlich neun Grundregeln - Paragrafen - entstanden. Sie beschreiben ausreichend alle Fälle, in denen wir ein Komma setzen müssen oder können. Wer aber gehofft hatte, dass die Kommaregelungen im Zuge der Reform vereinfacht würden oder wenigstens etwas freier zu handhaben wären, sieht sich enttäuscht. Die Freiheiten, die ursprünglich vorgesehen waren, sind in den wichtigsten Teilen durch den Vorschlag des neuen
Rats für Rechtschreibung und nach der Entscheidung der Kultusministerkonferenz im März 2006 zurückgenommen worden.
Reiterer, Christoph: Als ein Bezirksoberhaupt einen Buchstaben verlor. Niederösterreichische Nachrichten, 21. 1. 2009, Hollabrunn
Es war nur eine kleine Bemerkung des NÖN-Spaziergängers, der sich wunderte, dass für die Theodor Körnergasse im Stadtzentrum gleich mehrere Schreibweisen zu entdecken sind. Herausgekommen ist ein höchst interessantes Gespräch mit dem stadtgeschichtlich (fast) allwissenden Archivar Walter Fittner. […] Fittner las den Beitrag des Spaziergängers und brachte sogleich Licht ins orthografische Dunkel. Es sei nämlich eine unverbindliche Empfehlung des Duden, alle Straßennamen, die sich auf Persönlichkeiten beziehen, mit Bindestrichen zu schreiben. Beispiel: Theodor-Körner-Gasse, Dr.-Viktor-Zeidler-Platz, etc. Viele Städte, auch unsere Bundeshauptstadt, praktizieren diese Vorgabe. Weil die Regel aber eben unverbindlich ist und Eigennamen sowieso keiner Rechtschreibreform unterliegen, kocht die Stadtgemeinde Hollabrunn ein anderes Süppchen. Fittners Vorschlag, die Straßennamen prinzipiell immer zusammenzuschreiben und einen etwaigen Vornamen ohne Bindestrich voranzustellen, habe in der Stadtgemeinde schon vor langer Zeit seine Zustimmung gefunden. Und so kommt es, dass „Theodor Körnergasse“ die korrekte Schreibweise ist.
Wahr ist, dass sich die stadtgemeinde Hollabrunn nicht an den duden halten muss. Wenn sie es aber sonst tut, dann ist „Theodor Körnergasse“ nicht korrekt.
neu Moser, Hans: Drei Buchstaben für Brasilien. Als erstes portugiesischsprachiges Land übernimmt Brasilien neue Rechtschreibregeln. Tages-Anzeiger, 17. 1. 2009, s. 14, Kehrseite (314 wörter)
Nach einer langen Diskussion, die ähnlich emotionsgeladen verlief wie die Auseinandersetzung um die deutsche Rechtschreibreform, einigten sich die portugiesischsprachigen Nationen auf einheitliche Orthografieregeln. Insgesamt 2000 Wörter sollen künftig überall mehr oder weniger so geschrieben werden, wie man sie ausspricht.
Reintjes, Thomas: Das Digitale Logbuch: Fragezeichen. Deutschlandfunk (dradio.de), 17. 1. 2009, sendung Computer & Kommunikation
Trotzdem ist der Buchstabe, den es gar nicht gibt, jetzt offiziell geworden. In der ISO-Norm 10646 steht's drin, das große Eszett gibt's. So eine ISO-Norm ist ja praktisch Gesetz. Ein Gesetz für einen Buchstaben, dessen Ende mit der Rechtschreibreform schon so gut wie besiegelt schien.
Alexander, Robin, und Heitkamp, Sven: Der ostdeutschen CDU steht ein unerfreuliches Wahljahr bevor. Welt Online, 17. 1. 2009
Pofalla hat auch daran mitgewirkt, dass heute in Potsdam die gelernte Naturwissenschaftlerin und langjährige Kulturministerin Johanna Wanka zur neuen Landesvorsitzenden gewählt wird. Die 57-Jährige, die einst als Vorsitzende der
Kultusministerkonferenz in Zeiten der Rechtschreibreform überregional bekannt wurde, wäre im vergangenen Jahr beinahe die erste Ostdeutsche in einem westdeutschen Kabinett geworden.
Kutscherauer, Toni: Gesammelte Absurditäten. augsburger-allgemeine.de, 13. 1. 2009
Am kommenden Freitag gastiert der Kabarettist Han’s Klaffl […] im Nördlinger Stadtsaal Klösterle. Die Rieser Nachrichten hatten vorab bereits die Gelegenheit, mit dem Künstler zu sprechen. […] Herr Klaffl, Sie heißen mit Vornamen Han’s? Ist das ein Schreibfehler? Klaffl: Nein, das ist mein persönlicher Vorgriff auf die kommende Rechtschreibreform, in der vermutlich der bestehende Wildwuchs in der Rechtschreibung noch weiter gefördert wird.
Neue Veranstaltungsreihe: «Köthener Gespräche». Fruchtbringende Gesellschaft lädt zum Auftakt am Freitagabend ins Schlosscafé ein. mz-web.de (Mitteldeutsche Zeitung), 12. 1. 2009
Ab 15 Uhr sind alle in die Schlosskapelle des Köthener Schlosses eingeladen, wo an den Fruchtbringer Georg Philipp Harsdörffer […] in einem Vortrag erinnert und die Rechtschreibreform auf dem Programm stehen wird.
dpa: Unwort-Kür machte Germanist Schlosser bekannt. main-netz.de (Main-Echo), 10. 1. 2009
Die jährliche Wahl eines «Unworts» hat den Frankfurter Sprachwissenschaftler Horst Dieter Schlosser über Deutschland hinaus bekanntgemacht. […] Wandel, Verfall und Instrumentalisierung des gesprochenen und geschriebenen Worts lassen Schlosser, der zusammen mit mehreren hundert Sprachwissenschaftlern gegen die «verunglückte» Rechtschreibreform protestiert hat, einfach nicht los.
Müller, Annette: Örlikon oder Oerlikon - oder die unbeliebten Umlaute. Tages-Anzeiger, 9. 1. 2009, Seite 20, Bellevue (301 wörter)
Vielleicht liege es ja an historischen Gründen? Nein, sagt später aber Charlotte Koch von der Strassenbenennungskommission auf Anfrage, geschichtlich sei dieser Umstand gar nicht dokumentiert. Ob Örlikon oder Oerlikon - es sei in dem Sinne beides korrekt und die Stadt habe sich hierzu auch nicht auf eine Schreibweise festgelegt. Dennoch: Heute würde man Oerlikon eigentlich immer Oe mit schreiben, meint Koch. Das geschehe vermutlich, ganz einfach - aus optischen Gründen.
sda: Kulturnotizen. Brasilianische Rechtschreibreform. Neue Zürcher Zeitung, 6. 1. 2009, 230. jg., nr. 3, s. 38, Feuilleton (73 wörter)
Die wegen Ungebräuchlichkeit 1943 verbannten Buchstaben «K», «W» und «Y» wurden anlässlich einer Rechtschreibreform zum Jahreswechsel wieder in die Buchstabenliste aufgenommen.
Oelze, Gudrun: „Strukturiertes Denken und Sprechen verkümmern jämmerlich.“ Neue Fruchtbringende Gesellschaft bemüht sich um Erhalt der deutschen Sprache – In Tradition des Palmenordens. epochtimes.de, 4. 1. 2009, Deutschland
Hat die deutsche Sprache eine Zukunft? „Ja“, sagt die Professorin für Computerlinguistik an der Hochschule Anhalt, Uta Seewald-Heeg, „aber es ist höchste Zeit, ihrer Verarmung Einhalt zu gebieten.“ Zusammen mit einigen Gleichgesinnten gründete sie vor zwei Jahren in Köthen die Neue Fruchtbringende Gesellschaft, die sich den sprachpflegerischen Traditionen der historischen Fruchtbringenden Gesellschaft verpflichtet fühlt. […] Der gemeinsam mit der Theodor-Münch-Stiftung ausgelobte Schülerschreibwettbewerb stand 2008 unter dem Motto „Mein liebstes Sprichwort“. […] 2009 können Kinder und Jugendliche der Neuen Fruchtbringenden Gesellschaft ihr „Spracherlebnis“ mit der Muttersprache, einem dialektal gebrauchten Wort oder einem fremdsprachlichen Ausdruck im Deutschen anvertrauen. Bewertet wird vorrangig die Ausdrucksfähigkeit, weniger die Rechtschreibung, zumal nach Seewald-Heegs Auffassung die abnehmenden Kenntnisse in Grammatik und Orthografie auch in zahlreichen Ungereimtheiten der Rechtschreibreform begründet sind. Allen Einwänden ihres modernen PC-Schreibprogramms zum Trotz hat die Expertin für Sprachdatenverarbeitung daher die Einladung zur Jahrestagung der Köthener Sprachgesellschaft am 17. Januar 2009 nach den alten Rechtsschreibregeln geschrieben.
Willst du ein K? Tagesspiegel, 3. 1. 2009 (245 wörter)
Hey, du! Pssst, ja, du. Willst du was kaufen? Vielleicht ein K? Oder ein W? Oder ein Y? Portugal und Brasilien darf man sich in diesen Tagen vorstellen wie Ernie und der Buchstabenverkäufer aus der „Sesamstraße“. Brasilien hat nämlich drei funkelnagelneue, oder besser: funkelfrischrenovierte Buchstaben zu bieten, K, W und Y.
"Schreib, wie du sprichst." Vor 180 Jahren:
Konrad Duden in Bossigt geboren.
Westdeutscher Rundfunk, WDR 2, 3. 1. 2009, sendung Stichtag
Die amtlichen Regeln jedoch, durch die Dudens Reform 1901 Gesetzeskraft erhielt, wurden erst einmal verändert: durch die lang umkämpfte Rechtschreibreform, die von 1996 bis 2006 in mehreren Vor- und Rückschritten eingeführt wurde.
dpa: Brasiliens Alphabet hat wieder 26 Buchstaben. «K», «W» und «Y» waren vor 66 Jahren wegen Ungebräuchlichkeit abgeschafft worden. mz-web.de (Mitteldeutsche Zeitung), 2. 1. 2009
Nach 66 Jahren ist das Alphabet in Brasilien wieder komplett: Die wegen Ungebräuchlichkeit 1943 aus dem offiziellen Alphabet verbannten Buchstaben «K», «W» und «Y» wurden mit dem In-Kraft-Treten einer Rechtschreibreform zum Jahreswechsel wieder in die Buchstabenliste aufgenommen. Durch die Reform […] fallen in Brasilien eine Vielzahl von Akzenten und auch die Doppelpunkte über dem «u» (Trema) mehrheitlich weg. Verändert haben sich auch Bindestrich-Regeln. Die Übergangszeit gilt bis Ende 2012.
Sprachschule orientiert sich an der Rechtschreibreform. cl-studies.org, 2009
Nicht nur für den Deutschunterricht an Schulen hat sich einiges geändert, auch die Sprachschule (www.alemania-deutschschule.ch) orientiert sich an der Rechtschreibreform. […] Auch die Sprachschule Schweiz orientiert sich an der Rechtschreibreform und bietet ihren Schülern ausschließlich korrekt verfasste Literatur an. Obwohl die Anschaffungskosten ursprünglich sehr hoch angesetzt wurden, musste dafür nicht das ganze Budget ausgeschöpft werden. Hier wirkte sich die lange Zeitspanne positiv aus, die bis zur Verbindlichkeit der Änderungen gewährt wurde. In einer Frist von fünf Jahren werden Schulbücher ohnehin ersetzt, sodass die Anschaffungen den üblichen Rahmen gar nicht sprengten. Neben der für schulische Zwecke verwendeten Unterlagen, mussten auch Broschüren und Werbematerialien der Rechtschreibreform angepasst werden.
Nur das falsche komma nach der adverbialbestimmung, an dem sich nichts geändert hat, wäre noch anzupassen.