Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)presseartikel → bis 30. 5. 2009
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Aus der presse

Nachgeführt 21. 2. 2011, 1. 10. 2009


30. 5. 2009

neu Schreiber, Hermann: Zungen wie von Feuer. Hamburger Abendblatt, 30. 5. 2009, Kultur & Live, Redensarten: Ich sag mal

[…] dass Sprache auch etwas Spielerisches hat, dass man mit Worten sogar lustvoll umgehen kann. Wie Colette zum Beispiel, die berühmte französische Schriftstellerin - "Gigi" zum Beispiel stammt von ihr. "Gewisse Wörter", schreibt ihr Biograf, "liebte sie um ihrer selbst willen, ganz unabhängig von ihrem Sinn. Sie liebte sie ihres Klangs wegen, aber auch wegen ihrer grafischen Form." Als Colette einmal gefragt wurde, ob sie für eine Rechtschreibreform sei, verneinte sie: "Ich möchte mir meine Wörter nicht zerstören lassen." Dem will ich mich gern anschließen.

Ihre wörter wollen wir nicht zerstören, nur unsere.

27. 5. 2009

Ebert, Vince: Die Symbolik der Wahlurne. Denken Sie selbst. Frankfurter Rundschau, 27. 5. 2009, s. 37

Mittlerweile, so scheint es, sind die wichtigsten Kriterien in der Politik nicht Tatkraft und Ideen, sondern Beliebtheitswerte. […] Wenn man alle Überzeugungen entfernt und die Leerstelle mit Umfrageergebnissen füllt, kommen eben Leute wie Guido Westerwelle und Horst Seehofer heraus. Oder Sigmar Gabriel, der an Natur und Umwelt in etwa so interessiert sein dürfte wie > Verona Pooth an der Rechtschreibreform.

Schlechter vergleich; > zitate.

26. 5. 2009

Güntner, Joachim: Wer stets aktuell sein will, kann nicht mehr trunken sein. Die > Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in ihrem 60. Jahr. Neue Zürcher Zeitung, 26. 5. 2009, 230. jg., nr. 119, Feuilleton

Staatsfern – das war eine der Lehren aus der Nazizeit – wollte die Deutsche Akademie immer sein; dass sie es auch praktisch ist, zeigte etwa ihr Widerstand gegen die von oben verordnete Rechtschreibreform.

Für die nöte anderer länder mit ihrer vergangenheit haben wir verständnis, nicht aber für das unreflektierte nachbeten der floskel «von oben verordnet» in einer schweizer zeitung.

25. 5. 2009

neu Schröpfer, Robert: 60 Jahre und ziemlich kritisch. FR-online.de (Frankfurter Rundschau), 25. 5. 2009, Kultur & Medien

Als die Gründung der > Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung […] proklamiert wurde, waren sich die Protagonisten ihrer Sache sicher: Mit Blick auf die Académie française sollte eine Institution geschaffen werden, die Schriftsteller und Gelehrte mit der Aufgabe versammelt, die Sprache von den "Epidemien seelenmörderischer Phrasen und Schlagwörter" zu "reinigen" […]. Sechzig Jahre später, so das Ergebnis der Frühjahrstagung der Akademie […], fällt die Antwort nicht nur weniger einfach aus. Auch zu ihrer Frühphase insgesamt bezieht die Akademie eine kritische Distanz. […] Die Sinnfrage in Bezug auf die Gegenwart zu stellen aber blieb Schriftstellern der jüngeren Generation vorbehalten. […] Wie Ingo Schulze und Daniel Kehlmann konnte auch (die Schriftstellerin Felicitas) Hoppe Aktivitäten der Akademie durchaus etwas abgewinnen […]. Was die interne Debatte um eine gesellschaftliche Einflussnahme der Akademie angeht, äußerte sie aber Zweifel an der Möglichkeit gemeinsamer Artikulation: Nicht die gesamte Akademie sei zum Beispiel gegen die Rechtschreibreform.

24. 5. 2009

Schaad, Floëe: Rufer in der Wüste (I). NZZ am Sonntag, 24. 5. 2009, s. 21, Leserbriefe (28 wörter)

Hoffentlich werden die zuständigen, hinter den Barrikaden der „Staaträson“ vor sich hindösenden Instanzen noch einmal richtig wach...

Artho, Walter: Rufer in der Wüste (II). NZZ am Sonntag, 24. 5. 2009, s. 21, Leserbriefe (69 wörter)

Ich möchte weiterhin Stengel, greulich und behende schreiben können, ohne gleich als Ignorant zu gelten.

Sie können! Sie können sogar Bureau und Thränen schreiben. Darauf, als was man gilt, hat man allerdings nicht immer einfluss.

Ott, Hans-Rudolf: Rufer in der Wüste (III). NZZ am Sonntag, 24. 5. 2009, s. 21, Leserbriefe (20 wörter)

Die einzig vernünftige Rechtschreibreform wäre die Kleinschreibung gewesen. Sie hätte für die Schüler eine wirkliche Erleichterung gebracht.

Lüthi, Rudolf: Rufer in der Wüste (IV). NZZ am Sonntag, 24. 5. 2009, s. 21, Leserbriefe (79 wörter)

Es ist also zu befürchten, dass Herrn > Wachters Ruf in der Wüste ungehört verhallen wird.

neu Kein Elfenbeintum für Künstler in Krisenzeiten. borkenerzeitung.de, 24.·5. 2009, Kultur

Aber noch 1965 schimpfte ein Bundeskanzler Ludwig Erhard (CDU) im Wahlkampf über Autoren wie > Günter Grass und Rolf Hochhuth mit den Worten «Da hört der Dichter auf und da fängt der ganz kleine Pinscher an!». Doch nicht nur Nobelpreisträger Grass weiß ein Lied davon zu singen, was es kosten kann, wenn sich Schriftsteller und Künstler in die Politik einmischen. […] Sein Kollege Volker Braun («Die Kipper») hatte jetzt ein neueres Beispiel zur Hand, als er an die Intervention der > Deutschen Akademie im Streit um die Rechtschreibreform erinnerte: «Unsere Epistel wurde nur von einem einzigen Kultusminister mit einer Antwort gewürdigt - soviel zum Verhältnis von Geist und Macht». Für Akademiepräsident > Klaus Reichert ist der staatliche Eingriff in die deutsche Sprache und Rechtschreibung noch immer «eine Anmaßung», die in anderen Ländern undenkbar wäre.

Zielke, Anne: Das Wortporträt. Verballhornen. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 24. 5. 2009, nr. 21, s. 28, Feuilleton

Verballhornen ist der Beweis, dass man, wenn man es schlau anstellt, seinen Platz nicht nur in den Geschichtsbüchern, sondern auch in den Wörterbüchern finden kann […]. Und man braucht dafür weder so anstrengende Aktionen wie einen Spartakus-Aufstand noch eine Wiedervereinigung, nein, man muss sich nur eine Nische suchen. Um als Person endlich in die Sprache einzugehen und in einem Wort weiterzuleben. Mut zur Nische, Mut zur Spezialisierung - damit überlebt man jede Krise und auch jede Rechtschreibreform und sogar den eigenen Tod.

neu Mommert, Wilfried: Literatur soll sich einmischen. rundschau-online.de (Kölnische Rundschau), 24. 5. 2009

Aber wie wichtig nimmt eine nun 60 Jahre alt gewordene Bundesrepublik ihre Künstler und Schriftsteller heute noch? […] Volker Braun („Die Kipper“) erinnerte an die Intervention der > Deutschen Akademie im Streit um die Rechtschreibreform: „Unsere Epistel wurde nur von einem einzigen Kultusminister mit einer Antwort gewürdigt - soviel zum Verhältnis von Geist und Macht“. Für Akademiepräsident > Klaus Reichert ist der staatliche Eingriff in die deutsche Sprache und Rechtschreibung noch immer „eine Anmaßung“, die in anderen Ländern undenkbar wäre.

23. 5. 2009

Boller, Boris: Rechtschreibreformen hier und da. Freiburger Nachrichten, 23. 5. 2009, s. 7, Forum, Gastkolumne (507 wörter)

Ganz offensichtlich weniger Aufsehen erregt, dass auch die französische Sprache eine - anscheinend irgendwie besser durchdachte - Orthographiereform durchführte - und das bereits seit 1990. Die Reform bringt neben einigen in diesem Fall tatsächlichen Klärungen von ein paar Unsicherheiten - soweit das bei einer kurzen Übersicht festgestellt werden konnte - auch ein paar Vereinfachungen. Ein paar, man soll ja nichts übertreiben - fremdsprachige Schüler standen nicht im Zentrum der Überlegungen. Das Verblüffendste an dieser Reform aber ist, dass neben den zuständigen Stellen etwa der Romandie oder Walloniens sogar die Académie Française, als höchste Autorität der französischen Sprache, erklärte, dass weder die alte noch die neue Schreibweise als Fehler gelten dürfen. Dass diese Toleranz auch auf das Durchschnittsalter ihrer 40 Mitglieder zurückzuführen sei, denen auf ihre alten Tage keine neuen Regeln mehr zugemutet werden könnten, ist ebenfalls nichts als ein boshaftes Gerücht.

neu Paulwitz, Thomas: Deutschtest für Bundespräsidenten. jungefreiheit.de, 23. 5. 2009

Zwar sagte > Herzog einmal, die Reform sei „überflüssig wie ein Kropf“, ließ aber 1997 auf Nachfrage antworten: „Hier hatte er allerdings nicht nur gesagt, die Rechtschreibreform sei ‚überflüssig wie ein Kropf‘, sondern im gleichen Atemzug auch ausgeführt, er halte die Aufregung über die Rechtschreibreform für genauso überflüssig.“ Und > Rau ließ im Jahre 2001 über seinen Sprecher in einem Brief ausrichten: „Der Bundespräsident nimmt für sich die Regelung der Rechtschreibreform in Anspruch, daß außerhalb des Schulbereichs niemand an die neuen Regelungen gebunden ist. Er sieht seine Rolle aber nicht so, daß er seine Entscheidung anderen zur Nachahmung empfehlen möchte.“ Völlige Ahnungslosigkeit offenbarte 2006 ein Sprecher Horst Köhlers in einem Antwortbrief: „Es ist jetzt wichtig, daß nunmehr Sicherheit hinsichtlich der Rechtschreibregelungen herrscht.“

20. 5. 2009

Rechtschreibung: Es droht ein Chaos. 20 Minuten, 20. 5. 2009, s. 1 (68 wörter)

Jetzt schlagen Kritiker Alarm: Die dreijährige Übergangsfrist habe die Schüler völlig verunsichert – und nun drohe das totale Chaos, so Sprachwissenschafter > Rudolf Wachter.

Urech, Marcel: Rechtschreibreform: Es drohen Klagen und Rekurse. 20 Minuten, 20. 5. 2009, s. 6 (270 wörter)

Der orthografische Freistil endet, zwingende Rechtschreibregeln halten wieder Einzug. «Die Lehrer müssen die neue Rechtschreibung umsetzen», bestätigt Beat W. Zemp, oberster Lehrer der Schweiz. «Das ist völlig illusorisch», entgegnet Robert Nef, Mitbegründer der > Schweizer Orthographischen Konferenz – die Schulen seien dafür nicht bereit und die Lehrmittel nicht aktuell.

17. 5. 2009

> Wachter, Rudolf: Die Gämsen tun uns Leid. NZZ am Sonntag, 17. 5. 2009, s. 55, Kultur (1390 wörter)

Doch die Rechtschreibreform von 1996, von der Sprachgemeinschaft nie akzeptiert, aber von der Politik zum Gesetz erhoben, hat ein jämmerliches Chaos angerichtet. Und das heute gültige amtliche Regelwerk 2006, das der seit 2004 tätige > „Rat für deutsche Rechtschreibung“ ausgearbeitet hat, hat die Situation nicht verbessert: Denn anstatt die begangenen Fehler einzugestehen und zurückzunehmen, hat man sich fast durchgängig darauf beschränkt, die bewährte, herkömmliche Schreibung als > „Variante“ neben der neuen wieder zu erlauben. […] Immer wieder wird beschwichtigend betont, das durch Reform und Variantentrick entstandene Chaos betreffe ja nur wenige Wörter pro Seite Text. Das ist richtig, entscheidend ist aber, dass es die Anything-goes-Mentalität der Sprache gegenüber stark gefördert hat.

Geht denn nicht anything?

16. 5. 2009

neu Stengel, Eckhard: Urchiges Fürzen. AOL Rechtschreibprogramm. FR-online.de (Frankfurter Rundschau), 16. 5. 2009

Wer seine E-Mails über AOL verschickt, ist nur noch am Staunen und Lachen, wenn er vor dem Versenden seiner Texte die Rechtschreibkorrektur nutzt. […] Ein Wunder? Nein: ein "Wund er". Offenbar glaubt AOL, seit der Rechtschreibreform werde all es aus ein an der geschrieben.

4. 5. 2009

> Krieger, Hans: Die Sprache gehört niemandem. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 4. 5. 2009, nr. 102, s. 8, Briefe an die Herausgeber (611 wörter)

Mit der "Erhebung und Auswertung von Sprachdaten" ist es nicht getan, denn erfasst würde ein künstlich gestörter Schreibgebrauch. […] Ausgangspunkt für die Wiedergewinnung vernünftiger Rechtschreibregeln kann also nicht die Reformschreibung sein, deren logische Dürftigkeit an den hilflosen Selbstkorrekturen von Duden-Auflage zu Duden-Auflage abzulesen ist (mit der besonderen Pikanterie, dass die jüngste > Duden-Auflage die vom > Rat für deutsche Rechtschreibung erarbeitete "Reform der Reform" gezielt sabotiert). Leider kann auch der Kompromissvorschlag der > Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung nicht Richtschnur sein, weil er zu viele grammatikwidrige Schreibungen akzeptiert. Wir müssen dort wieder anknüpfen, wo wir noch verlässliche, durchschaubare und sprachadäquate Regeln hatten. Das ist die Rechtschreibung, die zuletzt der Duden von 1991 dokumentiert hat.

Die unterscheidung von «natürlicher» und «künstlicher» entwicklung der rechtschreibung ist bei reformgegnern beliebt, aber unsinnig.

2. 5. 2009

Dizdar, Edita: Geschickt mit Worten jongliert. St. Galler Tagblatt, 2. 5. 2009, Gossau

Dem Kulturkreis Gossau ist es gelungen, die DRS-1-«Zytlupe»-Moderatorin Gisela Widmer nach Gossau zu holen. […] Mit «Who the hell has eingeführt the Deutsche Rechtschreibreform» oder dem Vorschlag, an Schulen auch das obligatorische «Frühpolynesisch» einzuführen, beleuchtet sie das Thema anscheinend selbstverständlich und mühelos aus verschiedenen Perspektiven.


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Rolf Landolt