Nachgeführt 1. 10. 2009, 29. 7. 2009
neu Klauser, Hans-Peter: Gottlieb F. Höpli – Der Anchorman geht. St. Galler Tagblatt, 30. 6. 2009, Ostschweiz
Nicht nur die Sprache war ihm ein grosses Anliegen, sondern ebenso die über Jahre ins Kreuzfeuer der Kritik geratene Rechtschreibung. Als Mitbegründer der
Schweizer Orthographischen Konferenz hat er mitgeholfen, die zeitweise chaotischen Verhältnisse in der Rechtschreibereform wieder auf den Pfad der Tugend zu bringen und für unsere Zeitung ein verbindliches Vademecum zu schaffen.
neu Hochholzer, Elmar: Wenn aus dem Bocksbeutel ein Boxbeutel wird. Von sprachlichen Irrläufern im Biergarten und in Zeitungen; Winzer lassen sich weiter kein x für ein ck vormachen. mainpost.de, 28. 6. 2009
Jüngst bei einem Besuch in Regensburg zeigte sich, dass ein dortiger Gastronom einen ziemlichen Bock geschossen hat und in seinem Biergarten „Boxbeutel“ anbietet. […] Er hat nichts mit Boxen zu tun. Und Bocksbeutel bleibt Bocksbeutel trotz Rechtschreibreform und obwohl ein sexy „x“ in unseren XXXXL-Zeiten mehr hermacht als ein hartes „ck“ im Wort.
neu Cortesi, Antonio: Ab 1. August sind «Gemsen» verboten. Die Übergangsfrist für die Rechtschreibereform ist vorbei – ab kommendem Schuljahr ist die Neuordnung notenwirksam. Der Bund, 27. 6. 2009, s. 11, Schweiz (702 wörter)
Ab dem 1. August ist die Schonzeit vorbei. Schüler, für die Gämse immer noch Gemse sind, die Schifffahrt bloss mit einem Doppel-F schreiben oder nicht kapieren wollen, dass man «hinaufgehen» zusammen schreibt, müssen bei der Bewertung eines Aufsatzes mit Abstrichen rechnen.
neu Hertach, Ruedi: Apropos. Was also will ich mir den Kopf zerbrechen. Die Südostschweiz, ausgabe Glarus, 27. 6. 2009, s. 2, Region (407 wörter)
Doch ab 1. August gilt an den Schulen ganz genau das, was wirklich gilt, was auch immer das ist. […] Sechs Tage, nachdem wir dies meldeten, schlug am 19. Juni die
Nationalratskommission für Wissenschaft, Bildung und Kultur (WBK) Alarm. Sie wolle sich «des Themas annehmen», drohte sie per Medienbulletin. Denn: «Das Chaos in der deutschen Rechtschreibung beschäftigt das Parlament.» Ach, wirklich? Und seit wann? Letztes Jahr jedenfalls, als die
Orthographische Konferenz, unterstützt von der Konferenz der Chefredaktoren, «eine konsequente Verbesserung der missglückten Reform» forderte, war die WBK noch am Schlummern – oder mit ihrem eigenen Chaos beschäftigt. Was sie jetzt noch will, ist unerfindlich.
neu TA: Neue Rechtschreibung: Gegner warnen vor Chaos an Schulen. Tages-Anzeiger, 27. 6. 2009, s. 1 (147 wörter)
SVP-Nationalrat und
SOK-Mitglied Oskar Freysinger hat das Anliegen in die nationalrätliche Bildungskommission eingebracht, die am 20. August eine Anhörung durchführt. Ziel sei es, dass der Bundesrat rückwirkend ein Moratorium verfüge, so Freysinger.
neu Cortesi, Antonio: Neue Rechtschreibung: Politik soll Notbremse ziehen. Tages-Anzeiger, 27. 6. 2009, s. 3, Inland (851 wörter)
Nach den Sommerferien gilt alte Rechtschreibung in Aufsätzen als Fehler. Sprachpuristen wollen das um jeden Preis verhindern. Sie befürchten eine Klageflut gegen Schulen und Lehrer. […] Die
SOK ruft deshalb Bund und Kantone auf, die Einführung der Notenwirksamkeit zu verschieben. Während des Moratoriums sollen alle herkömmlichen Schreibweisen wieder anerkannt und soll das Regelwerk nochmals überarbeitet werden. […] Doch bei den kantonalen Erziehungsdirektoren stösst der Aufruf auf Unverständnis. Die SOK-Experten bewegten sich offenbar in einem Umfeld, das wenig mit dem schulischen Alltag zu tun habe, sagt Bernhard Pulver, Berner Regierungsrat und EDK-Vorstandsmitglied. «Die neue Rechtschreibung gehört definitiv nicht zu den Sorgen der Schule. Sie ist schlicht kein Thema.»
neu cd, gb, sc, tos: Namen & Notizen. St. Galler Tagblatt, 24. 6. 2009, Piazza
In der Buchhandlung und Papeterie Enderli in Altstätten beherrschen alle Mitarbeiter die deutsche Rechtschreibung perfekt. Das wird von Buchhändlern nun mal erwartet. Deshalb kann es sich bei dem Plakat auf dem Foto [«Alles rund um die Esotherik …»] nur um das beliebte Spiel Finde den Fehler handeln.
neu Paulwitz, Thomas: Binsenweisheiten von Sprachbürokraten. jungefreiheit.de, 20. 6. 2009
Die Deutschen lieben ihre Sprache. Mit dieser bahnbrechenden Erkenntnis hat das
Institut für deutsche Sprache in Mannheim (IDS) nicht gerechnet. […] Der Sprachschützer, der nicht gefragt wurde, kann sich wenigstens bestätigt fühlen. Außerdem kann er sich über offensichtliche Erfolge seiner Arbeit freuen: Während 1997/98 nur 13 Prozent der Deutschen großes Interesse an der Pflege der deutschen Sprache bekundeten, sind es heute 35 Prozent. Fielen damals noch 53 Prozent der Deutschen Veränderungen in der deutschen Sprache auf, so sind es heute 84. Das ist beileibe nicht das Verdienst des IDS, das mit dem Verbrechen der Rechtschreibreform große Schuld auf sich geladen hat, sondern das der Sprachschützer, die […] für ein stärkeres Sprachbewußtsein kämpfen.
«Sprachschützer» gab es schon immer, die rechtschreibreform gibt es seit 1996 – worauf ist nun wohl ein wandel in der öffentlichen wahrnehmung in diesem zeitraum zurückzuführen?
neu
Papst, Manfred:
Schüler sollen weiter «Gemse» schreiben können.
NZZ am Sonntag, 17. 6. 2009, s. 1 (166 wörter)
In der neuen Regelung wimmelt es jedoch von Widersprüchen und Fehlern, und die Lehrmittel sind alles andere als einheitlich. Deshalb fordert Professor
Rudolf Wachter, Sprachwissenschafter und Mitglied der
Schweizer Orthographischen Konferenz, ein gesamtschweizerisches Moratorium.
neu Rechtschreibreform ab August wirksam. Die Südostschweiz, ausgabe Glarus, 13. 6. 2009, s. 1 (66 wörter)
Glarner Lehrkräfte haben sich das Datum nicht besonders vermerkt. Mit den neuen Regeln gehen sie pragmatisch um.
neu Kock Marti, Claudia: In der Kantonsschule sind Gemsen heute schon Gämsen. Die Südostschweiz, ausgabe Glarus, 13. 6. 2009, s. 3, Region (649 wörter)
Ab August gilt die neue Rechtschreibung zwingend in allen Schweizer Schulen. Für Regula Keller, Vorsteherin der Fachschaft Deutsch an der Kantonsschule Glarus, ändert sich am 1. August aber wenig. Sie lebt die Rechtschreibereform längstens. […] Sabine Aebli, ebenfalls Deutschlehrerin an der Kantonsschule, hat Fehler nach Rechtschreibereform bisher angestrichen, aber noch nicht gewertet. […] Die Lehrerin hat kein Problem damit, dass in der Presse allenfalls andere Regeln gelten. Dies könne man mit den Schülern thematisieren. Sprache sei immer im Fluss.
neu Allemann, Marc: Verwirrung um die Rechtschreibereform. Die Südostschweiz, ausgabe Gaster/See, 10. 6. 2009, s. 1 (166 wörter)
Gilt sie nun, oder gilt sie nicht? Ab August ist die neue Rechtschreibung an unseren Schulen notenwirksam – in der Theorie.
neu Allemann, Marc: Orthografie im Kreuzfeuer. Die Südostschweiz, ausgabe Gaster/See, 10. 6. 2009, s. 3, Region (467 wörter)
«Für mich ist die Reform schon seit Jahren in Kraft», sagt Ines Nisoli, die an der Uzner Realschule unterrichtet. «Die Schüler lernen schon in der Unterstufe die neuen Regeln, die alten kennen sie gar nicht», sagt Nisoli. Für sie sei der Widerstand gegen die Reform deshalb nicht nachvollziehbar und er sorge für zusätzliche Verwirrung.
neu
Grichting, Alois:
Wie soll man benoten, was niemand versteht? Zum Moratorium-Appell der
Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK).
Walliser Bote, 10. 6. 2009, s. 13, Wallis (759 wörter)
Am vergangenen Donnerstag fand im Zunfthaus „Zur Waag“ die Frühjahrstagung der Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) statt. […] Die SOK appelliert an die politisch Verantwortlichen des Bildungssektors, die katastrophalen Rechtschreibregeln der Reformer nicht per 1. August 2009 notenwirksam werden zu lassen. […] Alle waren sich darin einig, dass dieser uns aus Deutschland aufgezwungenen Sprach- und Schreibverwirrung Einhalt geboten werden muss und dass die Schüler vor ihren Folgen zu schützen sind.
neu Sedlaczek, Robert: Spaß statt Spass – so viel Zeit muss sein. Sedlaczek am Mittwoch. Wiener Zeitung, 10. 6. 2009, Aktuelle Meinung
Wir sind also in der bemerkenswerten Situation, dass uns die Rechtschreibreformer neben der Hauptform Spaß auch einen auf Österreich beschränkten Spass zubilligen – und das gilt für die ganze Wortfamilie. Jedoch machen nur wenige davon Gebrauch.
neu Hug, Michael: Maurer der Bundesratsknorrli. «Zytlupe»-Gisela Widmer stellt Begebenheiten des Alltags in ein neues Licht; satirisch kommentierte sie im Chössi-Theater Begegnungen und Beobachtungen um Grundrechte, Ochsenschwanzsuppe und Rechtschreibereform St. Galler Tagblatt, 9. 6. 2009, Neutoggenburg
Widmer ist Kolumnistin, Journalistin und war Radio-Auslandskorrespondentin. Ihre Ansichten unterbreitet sie wöchentlich in ihrer Satiresendung «Zytlupe» im Radio. Mit den Perlen dieser Satirekolumnen steht sie seit 2001 regelmässig auf Kleinkunstbühnen der Deutschschweiz […].
neu Surber, Peter: Rechtschreib-Schlamassel. St. Galler Tagblatt, 6. 6. 2009, Kultur (323 wörter)
Diverse Medien (so auch unsere Zeitung) folgen den
SOK-Regeln. Jetzt aber gehe es um die Schule. Und damit sei die Politik gefordert – wo sich allerdings zwischen Bund und Kantonen niemand zuständig fühle, wie Nationalrätin
Kathy Ricklin sagte. Das heutige «Desaster» brachte Autorin Gisela Widmer auf den Punkt: Den Jungen sei die Orthographie schlicht egal. Ein Flurschaden, an dem Mails und SMS ihren Anteil haben – aber auch die verunglückte Rechtschreibreform.
Den alten ist die ortografie manchmal auch egal, wie der falsch geschriebene name der nationalrätin zeigt.
neu sda: Rechtschreibreform steht in der Kritik. Die Südostschweiz, 6. 6. 2009, nr. 151, s. 18, Inland (74 wörter)
«Das amtliche Regelwerk von 2006 und die vorhandenen Lehrmittel sind widersprüchlich und mit Fehlern behaftet», heisst es in einer Resolution, die gestern an einer
SOK-Tagung in Zürich einstimmig gefasst wurde.
neu
de.:
Aufruf wider das Chaos in der Rechtschreibung. Die
SOK-Experten fordern Moratorium.
Neue Zürcher Zeitung, 6. 6. 2009, 230. jg., nr. 128, s. 16, Schweiz (261 wörter)
Wesentlich weniger erspriesslich ist die Situation im Bereich der Schulen und der Behörden, wo man aus verschiedenen Gründen vor einer Rückkehr zur Einfachheit und Klarheit der früheren Rechtschreibung zurückschreckt. Da am kommenden 31. Juli die dreijährige Übergangsfrist, während der die klassische Schreibweise noch toleriert wurde, ausläuft und die Schulen sich an ein verwirrendes, nicht selten chaotisches amtliches Regelwerk halten müssen, tritt die SOK mit dem Appell an die Öffentlichkeit und die politischen Behörden, über den 1. August hinaus den bisherigen Zustand zu belassen.
Dass man in diesem bereich die frühere rechtschreibung für nicht so einfach und klar hält, scheidet als möglicher grund aus – der journalist als agitator.
neu Unterstöger, Hermann: Lynchen, Lichtmast, Liebe. Sprachlabor (17). Süddeutsche Zeitung, 6. 6. 2009, s. 38, Forum
"Vom festen niederbayerischen Boden aus" schreibt uns Frau K., dass die Todesstrafe für Karl-Theodor zu Guttenberg unangebracht sei. Anlass dafür war ein Passus in der SZ, wonach "die Union schlecht beraten wäre, den Minister hängen zu lassen". Gemeint war natürlich, dass ihn die Union wegen seines Agierens in der Opel-Sache nicht im Stich lassen oder gar aufgeben solle, das hängen lassen war also, wie man so sagt, im übertragenen Sinne gebraucht worden. Die Rechtschreibreform ist in dieser Sache so verblieben, dass Verbindungen aus zwei Verben getrennt geschrieben werden, dass sie jedoch, wenn bleiben und lassen mit von der Partie sind, bei übertragener Bedeutung auch zusammengeschrieben werden können. Der Duden empfiehlt die Getrenntschreibung. Dem schließt sich die Süddeutsche an, ohne deswegen gleich dem Herrn zu Guttenberg an den Kragen zu wollen.
Dazu kommt, dass «im stich lassen» keine übertragene bedeutung von «zum tod verurteilen» ist. Wenn schon, sind beides übertragene bedeutungen. Oder beides sind «wörtliche» bedeutungen. Wie «wörtlich» sind denn «im stich lassen» und «aufgeben»? Was will man da mit rechtschreibregeln differenzieren?
neu sda: Rechtschreibung – Experten fordern Notbremse. St. Galler Tagblatt, 5. 6. 2009, Schweiz (193 wörter)
Die
SOK ruft die politisch Verantwortlichen in Bund und Kantonen eindringlich auf, die Rechtschreibereform in den Schulen nicht wie geplant am 1. August 2009 notenwirksam werden zu lassen.
neu Cathomen, Babina: Das Zelt bleibt Herzstück des Festivals. Bündner Tagblatt, 5. 6. 2009, Kultur
Das Arosa Humor Festival geht in die 18. Runde. […] Einen kleinen Vorgeschmack auf die kommende Lach-Saison präsentierte an der gestrigen Medienkonferenz Alfred Mittermeier, der Bruder des bekannten Stand-up Comedians Michael Mittermeier. Im schönsten bayrischen Akzent gab er bitterböse Geschichten zum Besten: Von der Rechtschreibereform zur Steuerreform über die Sexualsteuer und die Tabaksteuer bis zur Steuerhinterziehung und – unvermeidlich – Peer Steinbrück, bekamen bestimmt alle und alles ihr Fett weg.