Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)presseartikel → bis 31. 7. 2009
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Aus der presse

Nachgeführt 2. 3. 2010, 1. 10. 2009


31. 7. 2009

Bachmann, Eva: Ära der Rechtschreibungen. St. Galler Tagblatt, 31. 7. 2009, Wissen (418 wörter)

Die beiden Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber, eine Übereinkunft zur Orthographie scheint derzeit nicht möglich. […] Viele professionell Schreibende wünschen sich heute nicht mehr explizit die alte oder die neue, wohl aber eine verbindliche Rechtschreibung.

Der professionell schreibende Goethe konnte von sich sagen: «Ich diktiere meistens und sehe nicht nach.» Ihm war der inhalt wichtiger.

Stehula, Daniel: «Ich sehe auch im Duden nach.» Tages-Anzeiger, ausgabe LSE Linkes Ufer und Sihltal, 31. 7. 2009, s. 53, Aufschlag (878 wörter)

Schnellleser mit drei «l» für immer: Ab morgen ist die neue Rechtschreibung in der Schweiz verbindlich. Gut so, sagt Sprachexperte > Johannes Wyss. […] Wieso hat man nicht Mut bewiesen bei der Reform und gleich bestimmt: Künftig schreibt man im Deutschen alles klein? [Wyss:] Das probierte man ja zwanzig Jahre lang. > Horst Sitta, Professor am Deutschen Seminar in Zürich, setzte sich unter anderem dafür ein. Aber der Vorschlag kam nicht durch, weil der Eingriff in das Schriftbild zu gross gewesen wäre. Im Barock begann man, wichtige Wörter grosszuschreiben. Das Deutsche entwickelte sich in Richtung Gross- und Kleinschreibung, die anderen Sprachen hin zur Kleinschreibung.

Keine Nebenrollen. perlentaucher.de, 31. 7. 2009, Heute in den Feuilletons

Die Welt, 31.07.2009. […] > Dankwart Guratzsch nimmt den neuen Duden und den neuen Wahrig unter die Lupe und kommt zu dem Ergebnis, dass die Rechtschreibreform "völlig gescheitert" sei: "Soll man laut Duden zum Beispiel 'bei Weitem' schreiben, so schließt sich Wahrig 'bei weitem' noch nicht an" - es ist einfach schlimm (und zeigt, dass man sich zur > gemäßigten Kleinschreibung hätte durchringen sollen).

> Guratzsch, Dankwart: Die Leidtragenden sind die Schüler. Unterschiede in den Neuausgaben von Duden und Wahrig zeigen: Die Rechtschreibreform ist gescheitert. Die Welt, 31. 7. 2009, s. 24 (1090 wörter)

Untersucht man die Abweichungen näher, kommt eine interessante Tatsache zutage: Nicht der > Rechtschreibrat scheint eine erkennbare Funktion auszuüben, wohl aber die Deutsche Presse-Agentur (dpa) als Sachwalterin des gedruckten Deutsch. […] Damit wiederholt sich ein Phänomen, mit dem sich schon der Schöpfer der deutschen Einheitsrechtschreibung, > Konrad Duden, konfrontiert gesehen hatte: Mehrfachschreibweisen ließen sich nicht durchsetzen. Der Widerstand ging von den Buchdruckern aus. Auf einer Tagung in Konstanz 1902 "gaben sie ganz unverhohlen ihrer Missstimmung über die durch die neuen Regelbücher nur noch vermehrte Unsicherheit in der Rechtschreibung Ausdruck". Und so waren es schon damals die gedruckten Medien, die im Kampf um eine einheitliche Schreibweise letztlich obsiegten. 1903 lieferte Duden erstmals einen "Buchdruckerduden" aus, der später mit dem "normalen" Duden verschmolz.

30. 7. 2009

te: Gegner der Schreibreform kämpfen weiter. Basler Zeitung, 30. 7. 2009, s. 1 (170 wörter)

Die Schulen lassen sich davon nicht beirren – auch nicht in Basel: «Wir brauchen jetzt eine einheitliche Linie und keine neue Verunsicherung», sagt Hans Georg Signer, Leiter Bildung im Erziehungsdepartement. Das Reformziel – einfachere und eindeutigere Regeln – sei zwar verfehlt worden, die alten Regeln seien jedoch sicher nicht besser. Signer ist überzeugt, dass die Reform nicht mehr zu stoppen ist und zu keinen Problemen wie etwa mehr Rekursen führen wird.

Eugster, Timm: «Falsches wird wieder verschwinden.» Der Basler Sprachliebhaber > Urs Breitenstein (67) kämpft unverdrossen gegen die Rechtschreibreform. Basler Zeitung, 30. 7. 2009, s. 7, Schweiz, Tagesthema (858 wörter)

Während sich Schüler und Lehrer mit der Reform arrangiert haben, weibelt der pensionierte Verlagsleiter Urs Breitenstein für eine Orthografie mit numerierten Gemsen und Stopstrassen. […] «Weil wir Liebhaber der deutschen Sprache uns wehren müssen, wenn man sie uns kaputt machen will.»

Nein aber auch, da will jemand die sprache kaputt machen! Da versteht man, dass sich ihre besitzer («uns kaputt machen») wehren.

Goebel, Annette: «Ein Ärgernis.» Eine BaZ-Korrektorin über die Reform. Basler Zeitung, 30. 7. 2009, s. 7, Schweiz, Tagesthema (502 wörter)

In der BaZ gibt es eine Abteilung Korrektur. Dort arbeiten die Hüterinnen und Hüter der Rechtschreibung. Rosmarie Ujak ist seit 26 Jahren BaZ-Korrektorin, sie kennt die Zeit vor der Reform und danach. […] Früher hiess es: Im Zweifelsfall schreibt man gross. Also: «Er hat Recht.» Heute schreibt man im Zweifel eher klein: «Er hat recht.» Was soll daran logischer sein? Auch die neuen Trennungsregeln sind eher eine Katastrophe, die versteht kein Mensch.

«Im Zweifelsfall schreibt man gross» hat zum glück noch nie gegolten. Und wie ist das mit «vor der Reform und danach»? Bei diesem beispiel ist beides richtig, vor der reform nur die kleinschreibung.

29. 7. 2009

> Stirnemann, Stefan: Die Schule hat ein Recht auf eine klare Sprache. Plädoyer für mehr Verlässlichkeit in der Rechtschreibung. Neue Zürcher Zeitung, 29. 7. 2009, 230. jg., nr. 173, s. 14, Schweiz (1060 wörter)

In den letzten 13 Jahren ist so viel eingeführt und zurückgenommen worden, dass Schüler und Lehrer gar nicht mehr wissen können, was galt und was gilt.

An der sprache hat sich nichts geändert. Für das hin und her bei der rechtschreibung sind nicht die reformer verantwortlich. Ein trost ist, dass sich auch auf vielen anderen gebieten in 13 jahren viel geändert hat (vielleicht sogar bei der sprache), ausser wohl im lateinunterricht.

Bühler, Urs: Gämsen im Kreuzfeuer. Neue Zürcher Zeitung, 29. 7. 2009, 230. jg., nr. 173, s. 45, Zürcher Kultur, Zwischenrufe (421 wörter)

Aber muss man das alles gleich so schwer nehmen und das ganze Paket verdammen? Etwas mehr Gelassenheit, bitte! Wer, wie der Verfasser dieser Zeilen, schon einige hundert Lernende vom Teenager- bis ins Erwachsenenalter in die neue Rechtschreibung eingeführt hat, der kann im Allgemeinen bestätigen: Im Schulalltag bringt die Reform kaum zu hohe Hürden. «Was, das ist eine Neuschreibung? Das habe ich schon immer so geschrieben!» - das ist in Klassen nicht selten zu hören.

27. 7. 2009

Crosina, Eduard: Schreiben mit mehr «Kann-Regeln» (I). Tages-Anzeiger, 27. 7. 2009, s. 15, Leserbriefe (246 wörter)

Da sind die Engländer klüger als wir. Sie haben zwar das absurdeste System der Rechtschreibung, aber gerade weil es so absurd ist, wird nichts geändert. Dieses System hat sich in allen Kontinenten eingespielt, und von einer gemeinsamen Reform träumt niemand.

Eine dieser niemands ist die > Spelling society.

> Müller, Peter: Schreiben mit mehr «Kann-Regeln» (II). Tages-Anzeiger, 27. 7. 2009, s. 15, Leserbriefe (301 wörter)

Die > Schweizer Orthographische Konferenz (SOK) hat stets darauf hingewiesen, dass Orthographie nicht durchgehend logisch definiert werden kann, weil andere wichtige Kriterien mitspielen (Analogie, Betonung, Unterscheidungsschreibung, Usus, Schreibgeschichte). Der (gescheiterte) Versuch, die Orthographie «logisch» und unter Missachtung der übrigen Kriterien zu definieren, kommt von den Reformern. […] Bewahrung der Einheitlichkeit war die wichtigste Forderung an die Reformer.

Die regelung von 1996 ist für uns (mit den bekannten einschränkungen) gut, weil wir wissen, dass ortografie nicht durchgehend logisch definiert werden kann, weil andere wichtige kriterien mitspielen (analogie [z. b. stängel], betonung, unterscheidungsschreibung, usus [z. b. nummerieren], schreibgeschichte [z. b. > andere «falsche» analogien]). Weniger wichtig sind für uns unterscheidungsschreibung (NZZ, 6. 8. und Welt Online, 21. 7. 2008) und einheitlichkeit (stellungnahme in korrekturen.de, 21. 11. 2007).

26. 7. 2009

Zurlinden, Urs: «Lehrkräfte sind keine Supermen.» Sonntagsinterview: Bernhard Pulver. Die Südostschweiz am Sonntag, 26. 7. 2009, nr. 201, s. 11f

Bernhard Pulver, Vorstandsmitglied der > Erziehungsdirektorenkonferenz, befürchtet kein Chaos. […] Was halten Sie von neuen Trennvorschriften wie: grösst mögliche, hell blau, Vorsichts halber, Bank Angestellter? [Pulver:] Soweit ich informiert bin, sind da beide Möglichkeiten erlaubt. […] [Zurlinden:] Eine Flut von Einsprachen nach Aufnahme- und Abschlussprüfungen ist vorprogrammiert. Sind Sie gerüstet? [Pulver:] Ich glaube nicht, dass es viele Einsprachen geben wird. Ich war in den letzten Jahren an Dutzenden von Veranstaltungen und habe mit Hunderten von Lehrkräften, Eltern und Schülern über die Schule gesprochen: Die Rechtschreibreform war nie ein Thema, wirklich nie! Lehrer, Eltern und Schüler haben viele Sorgen – aber die Rechtschreibreform habe ich nie als Problem angetroffen.

Auch interviewer sind keine supermen; manchmal sind sie fiese fallensteller.

24. 7. 2009

Schauffler, Claudius: Wir brauchen Substantiv-Kleinschreibung. Aargauer Zeitung, 24. 7. 2009, s. 16, Leserbriefe (243 wörter)

> Konrad Duden hat in seinen Schriften «Die deutsche Rechtschreibung» (1872) und «Die Zukunftsorthographie» (1876) seine Regeln, basierend auf dem phonologischen Prinzip, dargelegt. Als Vorbild dienten ihm vor allem die Italiener. Diese schreiben: teatro und nazione. Wir hingegen halten an den alten Zöpfen fest und schreiben: Theater und Nation.

sda: Bald gilt es Ernst mit neuer Rechtschreibung. Die Südostschweiz, 24. 7. 2009, nr. 199, s. 14, Inland (487 wörter)

Die Neuerungen in der deutschen Rechtschreibung sind ab 1. August an Schweizer Schulen «notenwirksam». Erziehungsdirektoren und Lehrer erwarten keine Probleme. […] Die Schweiz habe sich bei der Reform von 2006 unter anderem eine Übergangszeit von drei Jahren ausbedungen, um die notwendigen Referenzdokumente – wie den neuen Schüler-Duden – erarbeiten zu können. So habe man Zeit gehabt, sich an die neuen Regeln zu gewöhnen.

Artho, Walter: «Privat schreibe ich, wie ich will.» (I). Tages-Anzeiger, 24. 7. 2009, s. 15, Leserforum, Leserbriefe (183 wörter)

Es ist jedermann unbenommen, aus alt und neu das Beste auszuwählen. An sich ist die Einführung der Kleinschreibung im Deutschen überfällig, nicht zuletzt im Hinblick auf die Deutsch lernenden Fremdsprachigen. Da die bisherige Gross- und Kleinschreibung jedoch im deutschsprachigen Raum eine Art Kulturgut darstellt, sollte sie nicht ganz abgeschafft werden, sondern könnte von Buchverlagen, literarisch Interessierten und sprachlich Sensiblen weiterhin gepflegt werden.

Junghans, Karl-Henning, und Junghans, Verena: «Privat schreibe ich, wie ich will.» (II). Tages-Anzeiger, 24. 7. 2009, s. 15, Leserforum, Leserbriefe (125 wörter)

Das und dass ist zweierlei.

Das ist wahr, aber das und das (artikel und demonstrativpronomen) sind auch zweierlei.

Jauch, Gunnar: «Privat schreibe ich, wie ich will.» (III). Tages-Anzeiger, 24. 7. 2009, s. 15, Leserforum, Leserbriefe (171 wörter)

Anzufügen wäre, dass Orthografie generell wenig bis nichts zur Verständigung beiträgt - sie erscheint letztlich bloss als Ausdruck von Eitelkeit, eine Schulbildung genossen zu haben. Da habens die Chinesen bedeutend leichter mit ihrer aufs Minimalste reduzierten Grammatik […].

Kositza, Ellen: Marksteine der Weltliteratur. Nur Narren greinen zum Himmel auf: Dem Schriftsteller Knut Hamsun zum 150. Geburtstag. Junge Freiheit, 24./31. 7. 2009, ausgabe 31-32/09, s. 13, Kultur

So charmant er sein konnte, so streitlustig war er auf der anderen Seite. Verhaßt waren ihm jegliche Attitüden, die feministische Bewegung, die Rechtschreibreform («Sprache will nicht demokratisiert, sie will geadelt werden»), […] die Dekadenz der modernen Zeit ebenso wie die biedere Beschaulichkeit – und nicht zuletzt die ganze angelsächsische Welt mit ihrem «geistlosen Pragmatismus».

23. 7. 2009

Castelmur, Felix: Sprachpuristin. NZZ Online, 23. 7. 2009, Leser-Kommentar

Die affigste Sprachpuristin ist die > NZZ höchstpersönlich mit ihrem "placieren" und "Plastic", die schon nach alter Rechtschreibung zumindest antiquiert waren.

neu > Landolt, Rolf: NZZ. NZZ Online, 23. 7. 2009, Leser-Kommentar (39 wörter)

Zur > NZZ wäre noch anzumerken: Es ist irgendwie tragisch, dass sie die reformer mit ihrer langjährigen schreibung «überschwänglich» zu «behände» usw. «verleitet» und dann die neuerungen nicht übernimmt.

sda: Ab 1. August gilt die neue Rechtschreibung. St. Galler Tagblatt, 23. 7. 2009, Schweiz (333 wörter)

Der > Lehrerverband wie auch die > Erziehungsdirektorenkonferenz (EDK) befragten ihre ausländischen Partnerorganisationen nach ihren Erfahrungen. In beiden Ländern habe es keine ernsthaften Probleme oder Einsprachen gegen die neuen Regeln gegeben, erklärten Zemp sowie der zuständige EDK-Fachreferent Alexander Gerlings.

Haltiner, Marc: Neue Flurnamen – neue Kritik. Thurgauer Zeitung, 23. 7. 2009, Thurgau

Die neuen Mundartnamen für Orte und Wege haben ein politisches Nachspiel: Der Thurgau übertreibe mit der Umbenennung, meinen die Parteien. […] Aus dem Hinterthurgauer Mörikon wurde Möörike, aus Luchen Lache und aus Rotbühl das inzwischen bekannte Roopel. Die kritischen Stimmen an den ungewohnten neuen Mundartnamen häufen sich denn auch. […] Es würden Steuergelder verwendet, um Namen zu ändern, ohne dass ein Bedürfnis dafür bestehe. Erste Kritik habe er schon vor zwei Jahren gehört, sagt SP-Präsident Peter Gubser. Ihm komme die Aktion wie die neue Rechtschreibung vor. Zuerst gebe es einen Langschuss mit vielen neuen Schreibweisen, dann werde zurückgerudert.

Wey, Max: Jetzt auch für Bünzlis. Die Weltwoche, 23. 7. 2009, nr. 30, s. 16 (782 wörter)

Soeben ist der Jubiläums-Rechtschreibduden herausgekommen, die 25. Auflage. […] Die rot markierten Wörter fehlen, das heisst, die berühmte Gämse drängt sich nicht mehr in den Vordergrund, und sie tut so, als ob sie sich schon immer so geschrieben hätte. Die rote Farbe wird sich als Zornesröte auf den Gesichtern der nach wie vor vorhandenen Reformgegner finden, denn die Neuschreibungen werden so zementiert. Wer erstmals in einen Duden schaut, kommt gar nicht auf die Idee, das Tier könnte sich einst «Gemse» geschrieben haben. Das ist aber gut so. Was es jetzt braucht, ist eine Beruhigung. Was es nicht braucht, ist eine weitere Verunsicherung seitens der Reformgegner, die weiter der Illusion nachhängen, die Rechtschreibreform könne rückgängig gemacht werden.

22. 7. 2009

Hagenbüchle, Walter: Schulen setzen definitiv neue Orthographie durch. Schweizer Lehrer gegen Moratorium. Neue Zürcher Zeitung, 22. 7. 2009, 230. jg., nr. 167, s. 1 (108 wörter)

Nach den Sommerferien wird in Schülerarbeiten auch in der Schweiz notenrelevant der Rotstift angesetzt, wenn gegen die neuen Rechtschreib- und Interpunktionsregeln verstossen wird.

Hagenbüchle, Walter: Nur noch Sprachpuristen leisten Widerstand. Zum Bundesfeiertag wird die «Akte Rechtschreibreform» an den Schulen fürs Erste geschlossen. Neue Zürcher Zeitung, 22. 7. 2009, 230. jg., nr. 167, s. 13, Schweiz (956 wörter)

Die nun bald zementierte Verbindlichkeit für die neuen Regeln an den Schulen ist denn letztlich nur noch ein marginaler Vollzugsakt nach immerhin bereits elf Jahren Unterrichtspraxis mit der neuen Rechtschreibung in allen vier deutschsprachigen Ländern. > EDK-Generalsekretär Hans Ambühl gibt zu Protokoll, die neue Rechtschreibung sei an den Schulen bestens eingeführt, die grosse Mehrheit der neuen Regeln überdies bereits schon seit vier Jahren notenrelevant. […] Weit weniger gelassen stehen der «Deadline» vom 1. August die helvetischen Gegner dieser Reform gegenüber, die sich in der > Schweizer Orthographischen Konferenz (SOK) privat organisiert haben.

Ebel, Martin: Lasst die Kinder mit dem Tolpatsch in Ruhe! Tages-Anzeiger, 22. 7. 2009, 117. jg., nr. 167, s. 7, Meinung (667 wörter)

Die Rechtschreibreform ist gross gestartet und in kläglichem Gezerre um Einzelfälle, Ausnahmen und Varianten versandet. Auch wenn sie im Grossen und Ganzen einen Fortschritt darstellt: Jeder, der sich ein bisschen mit der Sprache beschäftigt, kann sein Lieblingsbeispiel für mangelnde Logik finden. Er müsste aber auch zugeben: Logik und Sprache berühren sich nur am Rande; und wie logisch war eigentlich die Orthografie vor der Reform? […] Der neue Duden, jetzt in seiner 25. Auflage erschienen, hebt die neuen Schreibungen farblich gar nicht mehr hervor: Sie sind jetzt sprachlicher Alltag. Wer das ändern will, muss starke Argumente haben. Die Reform-(und Reformreform-)Gegner haben das nicht.

Schauffler, Claudius: Duden war gegen Grossschreibung. Tages-Anzeiger, 22. 7. 2009, s. 15, Leserforum, Leserbriefe (284 wörter)

Bei dieser «Reform» ist nicht einmal die in allen nicht Deutsch sprechenden Staaten Europas übliche Substantiv-Kleinschreibung zustande gekommen. […] > Konrad Duden, dessen Rechtschreibregeln wir angeblich praktizieren, war, wie auch der Begründer der Germanistik, Jacob Grimm, ein entschiedener Gegner der Grossschreibung.

21. 7. 2009

ek: Neue Rechtschreibung. An Schulen definitiv ab August gültig. Schaffhauser Nachrichten, 21. 7. 2009, 148. jg., nr. 166, s. 1 (92 wörter)

In Arbeiten von Schülerinnen und Schülern gelten ab dem 1. August Verstösse gegen die Regeln der neuen Rechtschreibung als Fehler

Künzi, Erwin: Bald nur noch Gämsen in den Schulen. Schaffhauser Nachrichten, 21. 7. 2009, 148. jg., nr. 166, s. 15, Region (871 wörter)

So werden jetzt ab dem 1. August alle Verletzungen des Regelwerks der deutschen Sprache in den Schulen geahndet und im Sprachunterricht in die Bewertung mit einbezogen. Diese Regelung gilt auch für die Schaffhauser Schulen. Diese hatten auf das Schuljahr 1998/99 hin die neue Rechtschreibung eingeführt. Im Vorfeld waren die Lehrpersonen in Weiterbildungsveranstaltungen entsprechend geschult worden, wobei ihnen mit dem Schaffhauser > Peter Gallmann ein äusserst kompetenter Lehrmeister zur Verfügung stand […]. […] sieht er [Peter Pfeiffer von der Abteilung «Schulentwicklung, Steuerung und Aufsicht» des Erziehungsdepartements (ED)] die Möglichkeit von Gerichtsfällen als «sehr klein» an. Aus diesen Gründen folgt Schaffhausen der > EDK und lehnt die Forderung der > SOK ab.

Sommermärchen auf der Fanmeile. Der neue Duden und die Rechtschreibreform. pocketland.de, 21. 7. 2009

Zusätzlich neu am neuen > Duden ist die Farbe. Ganz früher, als die heiß diskutierte und umstrittene, aber jetzt zum amtlichen Abschluss gekommene Rechtschreibreform nur als Damoklesschwert drohte, war das Nachschlagewerk rein schwarz gedruckt. Nun ist noch Gelb ins Farbenspiel gekommen. In allen Fällen, in denen die neue Rechtschreibung für ein Wort mehrere Schreibweisen zulässt, gibt der Duden eine eindeutige Empfehlung: Die von der Dudenredaktion zum Gebrauch empfohlene Schreibweise ist gelb unterlegt […].

20. 7. 2009

Pfäffli, Sarah: «Rechtschreibung ist nicht so wichtig.» Berner Zeitung, 20. 7. 2009

Noch immer versuchen Gegner, die Reform zu stoppen. Max Wey, Autor und Ex-Chefkorrektor der «Weltwoche», hält das für ein «unverhältnismässiges Theater». […] Die > Schweizer Orthographische Konferenz will die Umsetzung der Reform mit einem Moratorium stoppen. [Wey:] Das ist lächerlich. Die Reform ist längst durch. […] Die Reform bringt einige sehr sinnvolle Neuerungen, die von den Gegnern immer ausgeklammert werden. Ich habe beispielsweise nie eingesehen, weshalb man «Schifffahrt» nur mit zwei f schrieb. Meiner Meinung nach hätte man aber noch viel weiter gehen können. Ich bin ein Befürworter der Kleinschreibung. Aber die darf man nicht zu laut propagieren, sie würde niemals akzeptiert.

neu Wirrwarr um Rechtschreibung: Duden gegen Wahrig. merkur-online.de (Münchner Merkur), 20. 7. 2009, Welt

Vor einigen Jahren stiftete die „Rechtschreibreform“  Verwirrung. Jetzt sorgen die Redaktionen der großen Lexika Duden und Wahrig für Chaos in der deutschen Sprache […]. In tausenden Fällen geben Duden und Wahrig unterschiedliche Empfehlungen. Wir zeigen einige Beispiele […].

19. 7. 2009

Wyss, Peter: Unrechtschreibung (I). NZZ am Sonntag, 19. 7. 2009, nr. 29, s. 14, Leserbriefe (60 wörter)

Die Kompetenz der Jugendlichen im Verfassen eines deutschen Textes hat in den vergangenen Jahren klar abgenommen. Von daher ist für mich der Streit um die Rechtschreibenormen von untergeordneter Bedeutung.

Stalder, Jürg W.: Unrechtschreibung (II). NZZ am Sonntag, 19. 7. 2009, nr. 29, s. 14, Leserbriefe (61 wörter)

Und niemand spricht von der > gemässigten kleinschreibung. Im zeitalter von sms- und e-mail-botschaften fällt es doch nicht schwer, solche texte zu lesen. Haben nicht die dänen in den dreissiger jahren diesen schritt erfolgreich gemeistert?

Hartmann-Frick, Hanspeter: Unrechtschreibung (III). NZZ am Sonntag, 19. 7. 2009, nr. 29, s. 14, Leserbriefe (40 wörter)

Ich gebe jedem den Rat: Mach du den Unsinn nicht mit!

18. 7. 2009

Kern, Willy G.: Der «Verlust der Sprach-Eleganz». St. Galler Tagblatt, 18. 7. 2009, s. 29, Leserbriefe (443 wörter)

Wir alle, aber auch die jüngsten Schüler, werden – so vielleicht zuhause noch einige Bücher im Regal stehen und zwecks Leselust auch ab und zu in die Hand genommen werden – weiterhin mit der «alten» Schreibweise konfrontiert. Doch alle diese Bücher sind, gemäss den neuen Regeln, «falsch» geschrieben. Der Leser sieht sich demzufolge weiterhin mit zweierlei Schreibweisen konfrontiert. Aber nur eine davon ist angeblich gültig.

Nur zweierlei schreibweisen? Hat herr Kern keine deutschen (mit ß), fraktur- oder sonst alten bücher? Und sms erhält er natürlich keine.

Paulwitz, Thomas: Duden oder Wahrig? jungefreiheit.de, 18. 7. 2009

Schon wieder gibt es neue Rechtschreibwörterbücher: Am Montag, 20. Juli, kommt der neue Wahrig auf den Markt, am Dienstag, 21. Juli, der neue Duden. Beide Wörterbücher belegen, daß die Einheitlichkeit in der deutschen Rechtschreibung noch immer in weiter Ferne liegt. Nach wie vor geben sie in Tausenden von Fällen unterschiedliche Empfehlungen. […] Duden und Wahrig stellen zusammen mit dem Österreichischen Wörterbuch diejenigen Wörterbuchredaktionen, welche die Regierung durch Sitze im > „Rat für deutsche Rechtschreibung“ privilegiert hat. Der von den > Kultusministern im Jahr 2004 eingesetzte Rat hütet das Erbe der mißlungenen Rechtschreibreform. Er setzt sich nahezu ausschließlich aus Urhebern und Nutznießern der Reform zusammen. Im Rechtschreibrat ringen die Wörterbuchredaktionen von Duden und Bertelsmann-Wahrig um die Deutungshoheit über die Rechtschreibreform. […] Kurios bei diesen ganzen Gegensätzen ist, daß die beiden Wörterbücher seit kurzem unter dasselbe Dach gekommen sind. Im Frühjahr hat Langenscheidt nämlich das Bibliographische Institut, das die Dudenredaktion beherbergt, an die mächtige Schulbuchverlagsgruppe Cornelsen verkauft. Cornelsen verlegt jedoch gemeinschaftlich mit Bertelsmann auch den Wahrig. Die Vermutung liegt nahe, daß Cornelsen in den nächsten Jahren Duden und Wahrig miteinander vereinigt.

17. 7. 2009

Knellwolf, Bruno: Tipp, nicht Tip. Am Montag erscheint die 25. Auflage des Dudens; mit 5000 neuen Wörtern. St. Galler Tagblatt, 17. 7. 2009, Wissen

In Zeiten grosser Rechtschreibereformen und Gegenreformen hat es ein Standardwerk der deutschen Sprache nicht leicht. Denn über die richtige Schreibweise der deutschen Schriftsprache ist man sich momentan wenig einig. Das hat zur Folge, dass die Schüler in der Schule «Tipp» mit zwei p gemäss dem Verbstamm schreiben, während in einigen Zeitungen wie auch der unsrigen «Tips» gegeben werden. Am Montag erscheint der Duden in seiner 25. Auflage, und für das 129 Jahre alte Standardwerk ist der nützliche Hinweis ein Tipp. Bei «Tip» steht «alte Schreibung für Tipp». Man sieht, die Schülerinnen und Schüler haben es nicht leicht, und der Duden auch nicht.

Magel, Eva-Maria: Mutmaßungen über Johnson. Zehnte "Hauslesung" des Peter-Suhrkamp-Archivs. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17. 7. 2009, nr. 163, s. 47, Rhein-Main-Zeitung, Kultur

Zum Geburtstag ein Bündel Satzzeichen überreicht zu bekommen, damit dem Geburtstagskind künftig die Kommata und Punkte nicht mehr ausgehen - das klingt wie ein Scherz aus dem Zeitalter der Rechtschreibreform. Das denkwürdige Präsent gab es aber schon am 20. Juli 1960, als Uwe Johnson seinen 26. Geburtstag feierte, ein Jahr nach dem Erscheinen von "Mutmaßungen über Jakob". […] In diesem Falle, zum 50. Jahrestag des Erscheinens der "Mutmaßungen", wurde "die Geschichte vom Werden des Schriftstellers Uwe Johnson" erzählt. Dessen Schreiben ohne Komma trieb seinen Lektor schier zur Verzweiflung: Er ließ sie mit Bleistift im Typoskript nachtragen, bis Johnson ihn darüber aufklärte, die Interpunktion sei reine Absicht.

16. 7. 2009

Oelze, Sabine: Fünf Neue für die deutsche Sprache. dw-world.de (Deutsche Welle), 16. 7. 2009, Kultur & Leben

Die > Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung nimmt fünf neue Mitglieder auf. Sie wacht mit Argus-Augen über die deutsche Sprache […]. Was macht eine Akademie mit einem solch schwerwiegenden Titel? Sie kümmert sich um die deutsche Sprache und Literatur. Ob es der renommierte Georg-Büchner-Preis ist, den die Akademie jährlich vergibt, oder Kleinigkeiten wie diese: Leid tun oder leidtun - zusammen geschrieben, auseinander, groß oder klein? Die Anarchie in der deutschen Rechtschreibung trieb > Klaus Reichert, dem Präsidenten der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, vor ein paar Jahren tiefe Zornesfalten auf die Stirn. Die Rechtschreibreform und den damit einhergehenden Wildwuchs der Schreibweisen schmähte er als Missgeburt. Doch gegen die Macht des Faktischen kam auch die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung nicht an. Die Reform blieb und die Verwirrung bei vielen Deutschen auch.

15. 7. 2009

Wullschleger, Werner: Rechtschreibung: Tellspiele – neu inszeniert. St. Galler Tagblatt, 15. 7. 2009, Briefe (441 wörter)

«Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt», möchte man den > Konspiranten zurufen, die sich das hohe Ziel gesetzt haben, im «deutschen Quartier» wieder für Ordnung zu sorgen […]. Allerdings – wenn ihre Palastrevolution in einem «Vorschlag zur Güte» gipfelt und sie bloss die Wiederzulassung der alten neben den neuen Schreibweisen fordern, ist der Misserfolg vorprogrammiert […]. Das vorgeschlagene Nebeneinander-Provisorium erhöht die Verwirrung, statt sie aus der Welt zu schaffen! […] Ceterum censeo: Diese «Reform» ist schleunigst ersatzlos zu entsorgen.

12. 7. 2009

> Papst, Manfred: Gegen einen faulen Frieden bei der Rechtschreibung. NZZ am Sonntag, 12. 7. 2009, nr. 28, s. 13, Hintergrund (701 wörter)

Dass die Reform nun zum Gesetz erhoben wird, ist ein Schildbürgerstreich. Als Ausweg bietet sich derzeit einzig ein Moratorium an. Die gewonnene Zeit darf aber von der > Erziehungsdirektorenkonferenz nicht wie bisher verplempert werden. Sie muss endlich Nägel mit Köpfen machen. Und das ist noch nicht einmal so schwierig. Ein konsistenter und praktikabler, von der > Schweizer Orthographischen Konferenz ausgearbeiteter Vorschlag für eine sinnvolle Rechtschreibung (Grundsatz: «bei Varianten die herkömmliche») liegt auf dem Tisch. Man könnte ihn tel quel übernehmen. Man müsste nur wollen.

Zum glück will man nicht.

9. 7. 2009

Müller, Monica: Die neue Rechtschreibung hat erst eine Strasse erreicht. Tages-Anzeiger, regionalausgabe stadt Zürich, 9. 7. 2009, s. 41city, Aufschlag

Die Gämsenstrasse ist die erste Zürcher Strasse, deren Namen der neuen Rechtschreibung angepasst wurde. […] Die Glattalstrasse ist noch nicht Duden-konform. Sie wird auch erst zur Glatttalstrasse, wenn eines der Strassenschilder beschädigt ist und ausgewechselt werden muss. […] Nicht immer folgt der Strassenname aber dem Duden. Badenerstrasse, Winterthurerstrasse […] sind Beispiele von Errungenschaften, wo sich der Strassenname gegenüber dem Duden durchgesetzt hat.

Strassennamen gibt es allerdings nicht nur auf schildern. Und diese waren noch nie einheitlich, bei langen strassen wie der Badenerstrasse und der Winterthurerstrasse schon gar nicht. Es gibt auch (noch?) schilder mit «Badener Strasse» und «Winterthurer Strasse».

7. 7. 2009

> Stalder, Christoph: Sprachlicher Ungehorsam. Der Bund, 7. 7. 2009, s. 30, Leserbriefe (195 wörter)

Der grundlegende Systemfehler liegt darin, dass der Staat befiehlt, was richtig und was falsch ist. Da gibt es für Jung und Alt nur eines: zivilen sprachlichen Ungehorsam!

Bravo, herr FDP-kantonsrat! Und hier finden Sie, was richtig ist.

Wassertheurer, Anja: Zehn Jahre Porsche 911GT3. Generationenvergleich der sportlichen Elfer-Baureihe. sportauto-online.de, 7. 7. 2009

Im Jahr 1999, mit dem ein Jahrtausend zu Ende ging, führte Porsche lange vor der offiziellen und hochgradig umstrittenen eine gänzlich unangefochtene hausinterne Rechtschreibreform durch: Die anno 1973 erstmals mit den Lettern RS, später auch RSR geadelten Sportmodelle der legendären Elfer-Baureihe firmieren seitdem unter dem Buchstaben-Ziffern-Kürzel GT3.

1. 7. 2009

> Wyss, Johannes: Marginaler Einfluss auf die Noten (I). Tages-Anzeiger, 1. 7. 2009, s. 17, Leserforum (122 wörter)

Die neue Rechtschreibung betrifft höchstens zwei Prozent unseres Wortschatzes. Somit wird diese Reform auch nur einen marginalen Einfluss auf die Notengebung in den Aufsätzen haben.

Simon, Claudia: Marginaler Einfluss auf die Noten (II). Tages-Anzeiger, 1. 7. 2009, s. 17, Leserforum (109 wörter)

Haben die Kritiker vergessen, dass es früher mindestens so schwierig war, st nicht zu trennen und Schiff(f)ahrt mit zwei f, Massstab hingegen mit drei s zu schreiben? […] Trauen wir unsern Kindern doch etwas zu und verunsichern sie nicht mit Ängsten vor Veränderung und Weiterentwicklung.


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Rolf Landolt