Nachgeführt 13. 8. 2010, 15. 4. 2010
Preisig, Jacqueline: Die SN ändern ihre Rechtschreibregeln. Schaffhauser Nachrichten, 29. 12. 2009, s. 2 (539 wörter)
Inzwischen stehen auch die Verfechter der alten Rechtschreibung zusehends auf verlorenem Posten; zum einen, weil nach so langer Zeit des Hin und Her wohl kaum mehr jemand zuverlässig in der Lage ist, korrekt «alt» zu schreiben, zum anderen, weil die heute ins Berufsleben einsteigenden jungen Leute seit Beginn ihrer Schulzeit ausschliesslich von der neuen Regelung gehört haben. […] Bisher richteten sich die «Schaffhauser Nachrichten» nach den Empfehlungen der
SOK, der Schweizer Orthographischen Konferenz […]. Diese Schreibweise stiess jedoch bei unseren Leserinnen und Lesern immer wieder auf Unverständnis und widersprach dem offiziellen Sprachgebrauch der Schulen. Zudem liessen die verwendeten SOK-Empfehlungen einen gewissen Interpretationsspielraum, was immer wieder zu unbefriedigenden internen Diskussionen führte und für Aussenstehende nur schwer nachvollziehbar war. Dies alles hat Redaktion und Korrektorat der «Schaffhauser Nachrichten» dazu bewogen, ab dem neuen Jahr im wesentlichen die neue Rechtschreibung anzuwenden.
Neue Rechtschreibung Die Regeln der «Schaffhauser Nachrichten» im Detail. Schaffhauser Nachrichten, 29. 12. 2009, s. 2 (777 wörter)
Ziel der SN-Regelung zur Rechtschreibung ist, dass jeder Leser und jeder Schreiber anhand der neusten Duden-Ausgabe und einer Reihe von hausinternen Richtlinien imstande ist, die Schreibweisen der SN nachzuvollziehen. […] Grundsatz: Wir halten uns an das, was in der jeweils neusten Ausgabe des Duden steht, bei Varianten an das, was vom Duden empfohlen wird (gelb unterlegte Variante).
Bolduan, Viola: Sprache ist keine heilige Kuh, sondern robust wie verletzlich. Wiesbadener Tagblatt, 23. 12. 2009
Seit 33 Jahren arbeitet er für die Wiesbadener
Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS). Dabei ist Gerhard Müller eigentlich Literaturwissenschaftler […]. Mit Ende dieses Jahres geht der knapp 62-Jährige […] in den Vorruhestand. […] Neue Themenfelder sind in den vergangenen Jahrzehnten für die Gesellschaft hinzugekommen: Neben der Rechtschreibreform, der Anglizismen-Diskussion vor allem die der "Frauen-/Männer-Sprache" und der durch die neuen Medien Internet, E-Mail und SMS hervorgerufene Sprachwandel.
Mocikat, Ralph, und Dieter, Hermann: Bewährte Strukturen oder Einheitsidiom? Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23. 12. 2009, nr. 298, s. 17, Briefe an die Herausgeber
Zu "Bologna war etwa so geistvoll wie die Rechtschreibreform" (F.A.Z. vom 10. Dezember). […] Der Vergleich mit der Rechtschreibreform führt vor Augen, welches Desaster Eingriffe von Seiten der Politik anzurichten imstande sind.
neu Ehrenbold, Tobias, und Brugger, Peter: Basel foppt die Deutschlehrer. Basler Zeitung, 12. 12. 2009, s. 34, Region, Stadt (218 wörter)
Deutschlehrer kriegen beim Spaziergang durch Basel die Krise. Im Grossbasel erblicken sie eine Gasse namens «Gemsberg». […] «Also doch, seit der Rechtschreibereform wird Gämse mit Ä geschrieben; also Gämsberg.» […] Der Gipfel der Frechheiten folgt aber wenig überraschend im Kleinbasel. Dort wird an einer Stelle aus der Riehentorstrasse die «Riehenthorstrasse». […] Basels Festhalten an alten Regeln erscheint manchen vielleicht schrullig, aber es ist vor allem höchst liebenswürdig.
kay: Ideen für die Ranzen-Diät. Wie können Schultaschen abspecken? Neumarkter Nachrichten, 12. 12. 2009, Lokales
Die Schultaschen sind - gerade für jüngere Schüler - viel zu schwer, das hat die Gewichts-Messung gezeigt. Was könnte Abhilfe schaffen? […] Elektronisches Schulbuch: Elektronische Medien könnten das klassische Buch ablösen. E-Book oder Netbook wären auf Dauer billiger als ständig neue Bücher […]. Auch Neuerungen wie G 8 statt G 9 oder die Rechtschreibreform wäre mit dem e-book schnell mitzuvollziehen, Lehrer könnten schnell auf neue Informationen zugreifen.
Steinfeld, Thomas:
Ein Irrtum wie die Rechtschreibreform.
Süddeutsche Zeitung, 12. 12. 2009, Job & Karriere
Die Schwächen der Bologna-Reform lassen sich nicht durch ein paar Korrekturen beheben. […] Für das Verhalten der Bildungspolitiker gibt es ein Muster: die Rechtschreibreform. Auch sie ging auf eine bürokratische Phantasie zurück, auch sie löste heftigen Widerstand aus, und als endlich überdeutlich wurde, dass sie ein Irrtum war, begann ein zähes Zurückweichen, das, in mehreren Etappen, zur weitgehenden Auflösung der Reform führte. In den meisten Veröffentlichungen deutscher Sprache wird heute, abgesehen vom "ss", wieder so geschrieben, wie das vor fünfzehn Jahren der Fall war. Die Kosten dieses Scheiterns aber waren immens - weil die Politik über diese Reform immer nur politisch verhandeln wollte, also in den Kategorien von Interesse und Durchsetzung, nie aber sachlich, in Form einer Auseinandersetzung über Sprache und Schrift. […] Die nächsten großen studentischen Proteste gegen "Bologna" sind so gewiss, wie es der nächste überarbeitete "Duden" in der Rechtschreibreform war.
Görner, Rüdiger: Bologna war etwa so geistvoll wie die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10. 12. 2009, nr. 287, s. 9, Bildungswelten
Diese "Vereinfachungen" in den Studienstrukturen waren so geistvoll wie sonst nur die Rechtschreibreform, die bekanntlich zu einer "Ortogravieh" geführt hat. Eine Reform der Reform bleibt in beiden Fällen die einzige Lösung, sofern sie nicht zu Verschlimmbesserungen führt.
Bougon, François: In China sorgen kleine Striche für grossen Wirbel. Die Südostschweiz, 9. 12. 2009, s. 21, Kultur
Es geht nur um ein paar winzige Änderungen. Dennoch hat eine geplante Reform der chinesischen Schrift eine grosse Debatte in der Volksrepublik ausgelöst. […] Erstmals wurden solche Änderungen nicht einfach beschlossen, sondern die Bevölkerung […] nach ihrer Meinung gefragt. Mit dem Wirbel, den sie mit dem Aufruf heraufbeschworen, hatte wohl keiner der Schriftreformer gerechnet. Vor allem im Internet regt sich heftiger Widerstand. […] Der Kalligraf Liu Jingbo sieht es gelassener: «Die chinesischen Schriftzeichen stammen zwar aus alten Zeiten, aber man kann sie – nach bestimmten Regeln – reformieren, wenn man damit den Leuten das Leben einfacher macht.»
Neue Rechtschreibreform auch für Spanisch. hispaniola.eu, 3. 12. 2009
Die neue Rechtschreibreform in Deutschland. Sie schlug grosse Wellen und noch heute haben sich viele Deutsche der "alten Schule" nicht daran gewöhnt. Nun kommt eine noch grössere Revolution auf die Spanisch sprechenden Länder zu! Ab Freitag sind die ersten 2 Bände der "Neuen Grammatik der spanischen Sprache" im Handel. […] Dieses umfangreiche Grammatikregelwerk ist das erste, welches seit 1931 ausgearbeitet wurde. Seitdem arbeitet man an einer Ueberholung die alles bisher dagewesene uebertrifft. […] Wie der Akademiker Ignacio Bosque, einer der Referenten, mitteilt, ist dieses Regelwerk umfangreicher und ausführlicher als alles bisher dagewesene und enthält auch zahlreiche Neuheiten.
ots: Deutschland hat gesucht und entschieden: "Wetter" ist auch 2009 Top-Thema. Yahoo! Deutschland präsentiert auf http://de.docs.yahoo.com/top2009.html die Suchtrends des Jahres 2009. PresseEcho.de, 30. 11. 2009
Rechtschreibreform überflüssig: Alles bleibt falsch. Die schönsten Geschichten schreibt doch das Leben - und die schönsten Tippfehler sammeln die Suchexperten von Yahoo! jedes Jahr aufs Neue: […] Besonders kurios diesmal: Die "Abfrackprämie" auf Platz 5, die sicherlich nichts im Kleiderschrank zu suchen hat.
Roesler-Graichen, Michael: "Ohne Rückenwind der Rechtschreibreform." boersenblatt.net, 24. 11. 2009, Verlage, Interview
Die 25. Auflage des
Rechtschreib-"Duden" hat die Verkaufserwartungen bisher nicht erfüllt. B.I.-Vorstand Ulrich Granseyer hofft nun auf das Weihnachtsgeschäft und kündigt weitere Investitionen in den Bereich Sprachtechnologie an. […] Der Verkauf des "Duden – Die deutsche Rechtschreibung" liegt derzeit 30 Prozent unter Plan. War die halbe Million, die bis Ende 2009 angepeilt war, zu hoch angesetzt? Granseyer: […] Wir haben möglicherweise bei der ersten Neuauflage – ohne den Rückenwind durch die Rechtschreibreformdiskussion – die Planung zu hoch angesetzt.
em: "Das ist die harte Schule des Blauen Bocks." Songpoet Hans Eckardt Wenzel gastiert mit seinem aktuellen Programm "Lieder, Texte, Lügen" im Fresche Keller. Kreis-Anzeiger (Zeitungsgruppe Zentralhessen), 24. 11. 2009
Ein kleiner Seitenhieb auf die Rechtschreibreform ("der Swinger-Club für Pluralbildungen") folgt, dann wieder Lieder von einer ebenso verhaltenen wie intensiven Zärtlichkeit: "Mohn und Kamille", das Klangbild eines verdämmernden Sommerabends, oder "Mein Herz geht fremd und sucht sich seine Sterne".
Von Sauerstoffflaschen und Nussstrudeln. 15 Jahre Rechtschreibreform. Bayerisches Fernsehen, Abendschau, 23. 11. 2009 (00:02:42)
Die Rechtschreibreform ist heute vor 15 Jahren beschlossen worden. Sie war umstritten und ihre neuen Regeln wurden seit Einführung bereits zweimal wieder geändert. Was hat die Rechtschreibreforn gebracht? Einen großen Erfolg, oder ein totales Wirrwarr?
Bayerisches Fernsehen, Abendschau.
Sauerstoffflaschen und Nussstrudel? Hier hat sich in der Schweiz nichts und andernorts nur das eine geändert.
Kilb, Andreas: Die Koalition der Zahlungswilligen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19. 11. 2009, nr. 269, s. 33, Feuilleton
Der Kulturausschuss des
Bundestages ist das kulturpolitische Kontrollorgan der Berliner Republik. […] Er hat über Filmförderung und Erinnerungskultur diskutiert, Experten zur Rechtschreibreform und zum Urheberrecht angehört und einen Unterausschuss "Neue Medien" gegründet […].
Janik, Ralph: Von Political Correctness bis zum E-Book: Sprache, Medien und Manipulation. Orwells "1984" als mehr oder weniger realistische Vision. ef-magazin.de, 17. 11. 2009
Sprache ist von stetem Wandel gekennzeichnet und lässt sich nicht total kontrollieren und ebenso wenig, allen Rechtschreibreformen zum Trotz, vereinheitlichen.
Leithäuser, Johannes: Mehr Ordnung in der Trauer als in der Politik. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12. 11. 2009, nr. 263, s. 3, Politik
Die Zeitung hatte zuvor den persönlichen, handschriftlichen Kondolenzbrief Browns an die Mutter eines gefallenen Soldaten, Jaqui Janes, veröffentlicht […]. Der […] Brief enthielt neben mehreren orthographischen Auslassungen auch eine fehlerhafte Anrede. Der Premierminister suchte in einem persönlichen Telefonat mit der Mutter den Schaden gutzumachen. Den Inhalt des aufgezeichneten Gesprächs machte die "Sun" gleichfalls öffentlich. Das Transkript des Telefonats erwies, dass Brown vor allem darum zu tun war, seine Rechtschreibung zu rechtfertigen, die Mutter des gefallenen James hingegen ihm bittere Vorwürfe machte - ihr Sohn hätte nicht verbluten müssen, wenn mehr Geld und mehr Gerät für den Einsatz in Helmand zur Verfügung stünden. So endete das Bemühen, eine Trauernde zu trösten, mit der Anfachung verheerender Zweifel am Führungsvermögen des Premierministers - wer schon orthographische Fehler mache und sie nicht eingestehen könne, der werde womöglich strategische Fehlentscheidungen in einem Militäreinsatz noch weniger korrigieren wollen.
Brandt, Cornelia: Wenn Männer einkaufen gehen. derwesten.de, 11. 11. 2009
Und so hatte Kabarettist Wolfgang Trepper diese bei seinem Auftritt am Dienstag im ausverkauften „Dschungel” schon mal auf seiner Seite. […] Auch die Politik wurde auf die Schippe genommen: „Die Rechtschreibreform war die Kapitulation der Intelligenz vor der Doofheit. Als nächstes kommt die Mathematikreform. Da freut sich die Regierung, dann ist auch der Haushalt wieder im Plus."
Geltinger, Kathrin:
"Der Mensch ist schief." Der Dichter
Reiner Kunze über Wunder, Bildung, Fische und Poesie.
Landshuter Zeitung, 10. 11. 2009
Ruhig, nachdenklich, so wirkt Reiner Kunze. […] Als am Montagabend im Salzstadel ein Film über ihn gezeigt wurde, hat er mit der LZ gesprochen. […] Sie sind ein entschiedener Gegner der Rechtschreibreform. Warum? [Reiner Kunze:] Weil sie eine Katastrophe ist! Die Reform ist teilweise eine Rückentwicklung um 200 Jahre. Beispielsweise die Getrennt- und Zusammenschreibung: Ich kann einen Stuhl "richtig stellen", aber doch kein Missverständnis. Das muss ich "richtigstellen". "Vor Kurzem" bedeutet "kürzlich", nicht "vor dem Kurzen", also gehört es kleingeschrieben.
Wenn es so klar ist, was man mit einem stuhl und mit einem missverständnis machen kann, weiss es auch der leser. Er weiss ja auch, dass stuhl und stuhl nicht dasselbe sind, ohne dass es unterschiedlich geschrieben gehört. Man stellt auch eine frage (im deutschen; englisch ask a question), und kein mensch überlegt, warum man die frage nicht legt.
neu Biermann, Vanessa: Lammert: Politik muss nicht langweilig sein. derwesten.de, 9. 11. 2009
Politik ist gar nicht langweilig und Demokratie sogar äußerst spannend. Dieser Meinung sind nun rund 450 Schüler aus Bergkamen, die Besuch von Bundestagspräsident Norbert Lammert erhielten. […] Das freut Schüler: kein trockener Vortrag, sondern lebendige und einfach verständliche Erklärungen komplexer Sachverhalte. „Wie sieht das aus mit diesen unnötigen Rechtsschreibreformen? Keiner kommt damit wirklich klar”, beschwerte sich eine Schülerin. Nur war Norbert Lammert dafür nicht der richtige Ansprechpartner: „Für Rechtschreibung ist nicht der Bund zuständig, sondern die Länder. Ich habe genauso wenig wie du Einfluss darauf. Die Rechtschreibreform war ein Versuch, der nicht gelungen ist und der auch unnötig war”, so der Bundestagspräsident.
Diese erklärung des komplexen sachverhalts rechtsschreibreform ist vielleicht doch etwas zu einfach.
neu Hilliger, Sabine: Belämmerte Gämse. Rechtschreibserie Teil 19. fr-online.de (Franfurter Rundschau), 9. 11. 2009, Wissenschaft
In der alten Rechtschreibung gab es einige Ausreißer, die dem Stammprinzip nicht folgten. Diese Ausnahmen hat die Neuregelung auf der Basis des heutigen Sprachgebrauchs beseitigt. Das heißt, dass einem Wort ursprünglich eine vom jetzigen Verständnis abweichende Schreibung oder Bedeutung zugrunde gelegen haben kann. Gesprochene Sprache, Bedeutungen verändern sich. Da ist es nur legitim, dass auch die Schreibung dem zeitgemäßen Gebrauch und Verständnis folgt.
Semsch, Herbert: Die Suppe auslöffeln. Oftersheimer Wildgehege: "Tierisch abgefahrene Politik." Schwetzinger Zeitung, 7. 11 2009, Leserbriefe
Dass Gesetze oder Reformen immer wieder auf Kosten der Gemeinden beschlossen werden, kennen wir auch von der Abschaffung des Abtreibungsparagraphen 218 oder durch die Rechtschreibreform […]. Die Schlechtschreibreform zu Ausgaben für neue Bücher usw. und wie ich kürzlich gelesen habe, fast zu einer Verdopplung der Rechtschreibfehler.
Traxler, Günter: Perfekte Erregung. Der Standard, 3. 11. 2009, Medien, rubrik Blattsalat
Größere Sorgen machen sich einige Medien in diesen Tagen um die Studenten. Allen voran das Medium, das sich nicht erst mit seinem Kampf gegen die Rechtschreibreform als intellektuelle Vorhut des Landes profiliert hat. […] Wo sich die "Kronen Zeitung" als wahre Hochschule des Lebens anbietet, wie drei Millionen Dichands honoris causa beweisen.
Drescher, Uli: "Von der Uhralten Teutschen HaubtSprache." Ostthüringer Zeitung, 2. 11. 2009, Schleiz
Am Donnerstag, 5. November, um 18 Uhr sind die Schleizer zu einem sprachlichen Leckerbissen in die Aula des Duden-Gymnasiums eingeladen: Prof. Dr. Mechthild Habermann, Lehrstuhl-Inhaberin für Germanistische Sprachwissenschaft der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, referiert zum Thema "Von der Uhralten Teutschen HaubtSprache - Streifzüge durch die Geschichte des Deutschen". […] Prof. Habermann: […] Die Rechtschreibreform ist sowieso schief gelaufen, das kann man anders nicht sagen. Das sehen viele meiner Kollegen und ich genauso. Man muss gleichzeitig sagen, dass Menschen, die vorher in der Rechtschreibung sattelfest waren, jetzt viel häufiger zum Duden greifen. Wir sind verunsichert, wo Varianten erlaubt sind, was man zusammen oder getrennt schreibt. Eine gute Sache hat die Rechtschreibreform - das ist die Regelung der "S"-Schreibung. Man hat sich an das Doppel-S gewöhnt, ebenso an die Regel, dass nach kurzem Vokal Doppel-S kommt und nach langem Vokal "ß". Auf alles andere hätte man bei der Reform gerne verzichten können. Insbesondere die Groß- und Kleinschreibung, die gegen den Sprachtrend gerichtet ist. Man hat versucht, durch Normative den natürlichen Sprachwandel aufzuhalten. […] Sprache kann sich NUR aus dem Volk entwickeln. Jede Regelung von oben scheitert.
Reglitz, Ellen:
Die
FAZ feiert ihren 60. Geburtstag im Stillen.
evangelisch.de, 1. 11. 2009, Medien
Im Laufe ihrer Geschichte wurde die Zeitung wiederholt Zentrum von Kampagnen, etwa gegen die Rechtschreibreform: Nach der ersten Reform von 1998 kehrte die Zeitung im Jahr 2000 vorübergehend zur alten Schreibweise zurück. Ab Januar 2007 stellte sie dann doch auf weitgehend auf die neue Fassung um. Seitdem druckt die FAZ nach einer eigenen Hausorthografie.