Nachgeführt 2. 3. 2011, 21. 2. 2011
neu kle: Travestie-Schau und jede Menge Pointen. wnoz.de (Weinheimer Nachrichten / Odenwälder Zeitung), 28. 2. 2011, Leutershausen
Nicht nur die althergebrachte Zielscheibe aus dem Nachbarort - die Saasemer -, sondern auch Beamte und Politiker, darunter der anwesende Bürgermeister Manuel Just, bekamen beim Kappenabend des Männergesangverein 1884 Leutershausen am Samstagabend einiges zu hören. […] Bürgermeister Just trat als Lehrer in die Bütt, der sein Leid über die Redeschreiberei, die Rechtschreibreform und die heutige unsportliche Jugend klagte.
neu Schultejans, Britta: Reform der Reform: Rechtschreibrat zieht Bilanz. westfaelische-nachrichten.de, 27. 2. 2011, Kultur (839 wörter)
Vor fünf Jahren - am 2. März 2006 - akzeptierte die Kultusministerkonferenz die ersten Vorschläge des Rechtschreibrates zu Änderungen an der umstrittenen Rechtschreibreform. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa in München zieht der Vorsitzende des Rechtschreibrates, der ehemalige bayerische Kultusminister Hans Zehetmair, Bilanz. Er erinnert sich an die schwierigen Anfänge und verrät, was er gegen Ketschap hat. […] Sie sind damals mit dem Ziel angetreten, den «Sprachfrieden» wieder herzustellen. Haben Sie das geschafft? Zehetmair: «Ja, ich glaube, das kann ich uneingeschränkt sagen. Dass es zu dem ein oder anderen Wort gewisse, anhaltende Diskussionen gibt, das ist in Ordnung, die Sprache ist ja kein logisches Konstrukt. Ich gehöre zu denen, die sagen, Sprache ist ein lebendiges Organ und da kann man sich bemühen, im Nachhinein Regeln zu erkennen und festzuschreiben […].
Die sprache ist kein konstrukt, das ist wahr. Aber um sie geht es hier nicht. Die buchstabenschrift ist ein konstrukt, dem eine idee, also eine logik zugrunde liegt. Unlogisch wird sie nur, wenn sich leute mit einer so nebulösen vorstellung vom gegenstand daran vergreifen.
neu van der Ley, Jules: Oje, mein armer Duden. readers-edition.de, 26. 2. 2011
Immerhin garantierte der Duden eine gewisse Kontinuität in der Orthographie, solange er allein amtliche Geltung hatte und „maßgebend in allen Zweifelsfällen“ war. Mit der Orthographie-Reform hat der Duden dieses Monopol verloren. Auch andere Verlage dürfen die Schreibweisen aus den amtlichen Regeln ableiten und im Zweifelsfall interpretieren. […] Konrad Duden wollte einst das deutsche Kaiserreich von seiner „buntscheckigen Rechtschreibung“ befreien. […] Daher war Duden von Otto von Bismarck beauftragt worden, das orthographische Chaos zu regeln, womit auch der staatliche Zusammenhalt gefördert werden sollte. […] Nun ist die deutsche Orthographie erneut buntscheckig, denn wegen der Verwirrung um die Orthographiereform haben alle Verlage sich wieder eine Hausorthographie zugelegen müssen. Auch die Presseagenturen sahen sich genötigt, eigene Schreibregelungen einzuführen. […] Andererseits ist mit dem Internet eine Demokratisierung der Orthographie eingetreten.
neu Deterding, Klaus: "Mithilfe Ihrer Mithilfe, Herr Minister!" Der zweite Preußenschlag in Deutschland: die Durchsetzung der Rechtschreibreform 1994-96; Ein historischer Rückblick. klausdeterding.blog.de, 24. 2. 2011
Was macht die Gegnerschaft zur Rechtschreibreform, aller Propaganda von interessierter Seite zum Trotz, nach wie vor so brandaktuell? ... Ein Artikel in der Süddeutsche Zeitung vom 17. Dezember 2010 gibt darüber Auskunft, indirekt, aber deutlich und höchst aufschlußreich. Unter dem Titel Hier können Sie praktisch nur verlieren werden die drei Großprojekte Stuttgart 21, der neue Großflughafen Berlin-Brandenburg und der Bau der Autobahn A 94 durch das Isental bei München referiert, miteinander verglichen […]. Dabei ergibt sich eine Parallele zum Protest gegen die Rechtschreibreform […]. Die gesamte sogenannte Reform wurde vorbereitet hinter verschlossenen Türen, intern, hermetisch, in einem relativ kleinen Kreis von Fachleuten des Duden und von Kultusbeamten – ohne jede Diskussion nach außen. In einer Nacht- und Nebelaktion wurde die Öffentlichkeit nach dieser Vorbereitung im November 1994 überrumpelt mit einer kleinen Broschüre des Duden: „Informationen zur neuen deutschen Rechtschreibung“. Diese zeigte bereits den Charakter des gesamten Vorhabens als Eingriff von oben her, und zwar im doppelten Sinn: einmal als einsame Entscheidung einer selbsternannten Obrigkeit, zum andern als relativ raschen Eingriff in die Sprache durch eine Kommission, die keineswegs langfristig und sorgsam eine Entwicklung beobachtet hatte und abwägend darauf reagierte, sondern die willkürlich selber einen Entwicklungssprung diktierte.
Siehe stellungnahme.
neu Vom Wahnsinn des Lehrerberufs. Das Kabarett "Die Pisaker" auf der Bühne im Rosenheimer Lokschuppen. ovb-online.de, 23. 2. 2011, Rosenheim
Die "Pisaker", das sind zwölf Lehrer aus dem Landkreis Traunstein, die auf Einladung der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Rosenheim mit ihrem Programm "Fünf plus" im Rosenheimer Lokschuppen den Alltag des Lehrers humoristisch unter die Lupe nahmen. […] Witzig war der Sketch "Reformen" mit Andreas Hüdepohl, Hildegard Rott, Bernhard Benoist und Gerhard Wonner. […] Die "Ministerialräte" gaben die Rechtschreibreform der Lächerlichkeit preis, mokierten sich über pädagogische Worthülsen wie "Transparenz" und "innovativ" und sangen zur Melodie "Rote Lippen soll man küssen" vom ausufernden Reformwahnsinn.
neu „Schile“ bringt Loburg-Schülern keinen Gewinn. ahlener-zeitung.de, 22. 2. 2011
Beim Schulduell des Radiosenders „Eins Live“ kommt es darauf an, schnell die Antwort auf fünf Fragen eines Moderators zu finden. […] Auch die Antwort auf die Frage, in welchem Land 33 Bergleute gerettet worden waren, beantworteten sie schnell: „Schile“. Klar, dass das vor den Augen des Moderators keine Gnade fand. Da halfen Kommentare wie „Rechtschreibreform“ und „Duden Ausgabe 2012“ nicht weiter.
neu Kilb, Andreas: Ihre Gegenstimme. Im Bundestag: Herta Müller über Sprache und Heimat. Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22. 2. 2011, nr. 44, s. 27, Feuilleton
Zuvor, vor Herta Müllers Beitrag, hatte der Fraktionsvorsitzende Volker Kauder die rasante Verenglischung der Politikersprache ("Wir haben uns committed") gegeißelt, und anschließend erinnerte Lammert mit Blick auf das Debakel der Rechtschreibreform an die Verantwortung der Politik dafür, die Sprache von politischem Einfluss rein zu halten.
neu Salzburg, Sigmar: Wieder hat Straßburg versagt. rechtschreibung.com, 22. 2. 2011, Forum
Die WAZ-Gruppe [derwesten.de, 17. 2. 2011] entblödet sich nicht, grundlos die Seriosität des Klägers in Zweifel zu ziehen, indem dargestellt wird, daß er, offensichtlich querulantisch, auch gegen die Windmühlenflügel der „Rechtschreibreform“ gekämpft habe. Der Name wird nicht genannt, aber es kann nur Dr. Johannes Wasmuth, auch Justitiar des Beck Verlages, gemeint sein – einer der wenigen, die nicht vor Konzernräson und Politikerdreistigkeit eingeknickt sind.
neu Fritz, Rüdiger: Tafeln wie Goethe. Die «Lauchstedter Gaststuben» in Bad Lauchstädt. mz-web.de, 18. 2. 2011
Übrigens: Dass die Schreibweise des Ortes im Restaurant-Namen abweicht, geht auf die Kappe von Burkhard Naumann. Bis zu einer Rechtschreibreform im frühen 20. Jahrhundert gab es das "ä" noch nicht. Bei der Gründung seines Restaurants blieb Burkhard Naumann in etwa der alten Schreibweise treu und erklärt das damit: "Ich habe mich rundherum auf die historische Seite geschlagen."
neu Wagner, Marc-Christoph: Aarhus: Die Stadt, die ihren Kringel abgab. Die Presse (diepresse.com), 18. 2. 2011, Panorama, Welt (868 wörter)
Und was sagen die Aarhusianer selbst? Viele schütteln den Kopf, wenn man sie in der Fußgängerzone auf das Thema anspricht. Für die Älteren von ihnen ist es eine Rückkehr zur alten Schreibweise, wurde das Å doch erst durch die Rechtschreibreform 1948 eingeführt. Dennoch sehen die meisten Bürger in der Namensänderung eine unnütze Reform. „In Deutschland verändert man doch auch nicht den Namen Münchens, nur weil man im Ausland kein „Ü“ hat“, sagt Mads Jönsson.
neu bs: "Schadenfreude ist immer dabei." Badische Zeitung (badische-zeitung.de), 17. 2. 2011, s. 12, Kultur
BZ-Interview mit Bastian Sick, der im Freiburger Konzerthaus mit seiner neuen Show "Nur aus Jux und Tolleranz" gastierte. […] Die Sprache ist frei. Frei wie die Gedanken. Man kann sie nicht per Gesetz in Muster zwingen. Immer wenn der Staat versucht hat, in die Sprache einzugreifen, ist das in die Hose gegangen. Das schönste Beispiel ist die Rechtschreibreform. Wir haben eine zehnjährige schmerzhafte Debatte geführt. Der Dudenverlag hat sehr gut verdient in dieser Zeit. Jetzt sind die meisten Reformen zurückgenommen worden und von der großen Reform ist ein Reförmchen übriggeblieben.
Also, liebe schüler, lasst euch nicht per gesetz in muster zwingen! Schreibt klein!
neu Dorn, Gerrit: Gericht: Lohnsteuerkarte verletzt Glaubensfreiheit nicht. derwesten.de, 17. 2. 2011
Arbeitgeber dürfen wissen, ob ihre Mitarbeiter einer Kirche angehören. Das hat der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg am Donnerstag entschieden. […] Mit dem Urteil nähert sich ein 15-jähriger Rechtsstreit seinem Ende. Der Kläger, Rechtsanwalt Johannes W., sah in der Angabe-Pflicht sein Recht auf Religionsfreiheit verletzt. […] Geringe Siegchancen haben W. allerdings auch in der Vergangenheit nicht aufgehalten. So kämpfte er zum Beispiel gegen die deutsche Rechtschreibreform. Als Sprecher einer Initiative von 70 Professoren schrieb er an Bundestagsabgeordnete und forderte Unterstützung im Kampf gegen die „Schande für die deutsche Kulturnation“.
neu Hammer, Wolfram: Länderchefs geben sich in Lübeck die Ehre. ln-online.de (Lübecker Nachrichten), 17. 2. 2011, Lokales
Am 27. und 28. Oktober tagen die Ministerpräsidenten in Lübeck. […] 1995 tagte man unter Leitung von Ministerpräsidentin Heide Simonis (SPD) im heutigen Radisson Blu Senator Hotel, beriet etwa über die Rechtschreibreform – ein Beschluss, damals noch „Beschluß“, wurde vertagt.
neu van der Ley, Jules: Ohnmacht des Federkiels und Macht der Tasten. readers-edition.de, 15. 2. 2011
Ähnlich wie bei der Diskussion um die Orthographiereform ist die Debatte um den “Kulturkampf” zwischen alten und neuen Medien von einer unsäglichen Flachheit gekennzeichnet. Das ist kein Kennzeichen der Machtübernahme der “Generation Doof”, sondern das Ergebnis vorschneller Urteile, die es schon zu allen Zeiten gegeben hat, denn der Mensch ist naturgemäß geistig träge. Allenfalls könnte man sagen, dass die ahistorische Denkweise auf dem Vormarsch ist und primär das Gegenwärtige und Augenblickliche beachtet wird. Diese verengte Sichtweise hat gewiss mit dem Übermaß an Informationen zu tun, die auf diversen Informationskanälen um Aufmerksamkeit buhlen, dem öffentlichen Getute und Geblase, dessen wesentliches Kennzeichen es ist, dass vier Wochen später kaum einer noch davon redet oder weiß. […] „Die Buchdruckerei ist das College des armen Mannes“, sagt Abraham Lincoln. Diese Rolle hat das Internet übernommen, da mag die professionell schreibende Zunft höhnen wie sie will. Es ist gut und richtig, wenn jeder sich die Erlaubnis gibt, die wunderbare Universität des einfachen Menschen zu besuchen, um sich der geistigen Bevormundung durch die gelenkten Massenmedien zu entziehen. Es ist richtig und ratsam, nicht nur den zu Zeilen geordneten Gedanken von bezahlten Schreibern zu folgen […]. Es tut gut, sich die Oberhoheit über den eigenen Kopf von den bezahlten Schreibern zurückzuerobern, denn die geistige Bevormundung der Köpfe ist ein Faktor kultureller und politischer Macht. Und wenn auch die bezahlten Schreiber nicht die wirklich Mächtigen sind, so sind sie doch deren Vögte und Statthalter. Man wende sich also getrost gelegentlich von ihnen ab und schreibe selber auf und lese bei denen, die ebenso handeln. Denn die wirkliche Kraft liegt in der sozialen Vernetzung. Das wird gesellschaftliche Folgen und Einfluss auf das Denken haben, ja, das Internet und die soziale Vernetzung werden das Denken verändern.
neu Schmidl, Gudrun: Eine Meisterin der Verwandlung. Petra Förster: „Fettnäpfchen-Diät“ im Buchcafé. hersfelder-zeitung.de, 14. 2. 2011, Bad Hersfeld
Kein Blatt mehr in beziehungsweise vor den Mund nehmen, empfiehlt die Kabarettistin Petra Förster ihrem begeisterten und bestens amüsierten Publikum im ausverkauften Buchcafé. […] Sie ergründet aber auch den Sinn und Unsinn der Rechtschreibreform, das Wahlverhalten der Deutschen, die ihren Stimmzettel ausgerechnet in eine Urne werfen sollen[,] und viele weitere gesellschaftliche Problemzonen.
neu Glosse: Lasst uns ein Zeichen setzen -. volleyball-verband.de, (11. 2. 2011)
Warum an dieser Stelle ein Plädoyer für den Bindestrich? Weil er zu Beach-Volleyball in Deutschland gehört, wie der Rotzlöffel zu „Two and a Half Men“. […] Doch selbst der Duden, lange Zeit Verfechter der Schreibweise mit Bindestrich, lässt nun beides zu. Ja, die Rechtschreibreform hat uns alle verwirrt. […] Wie ist die offizielle Schreibweise? Wer kann die festlegen? Da kommt nur ein offizielles Organ in Frage: Der Deutsche Volleyball-Verband. Und der ließ nie einen Zweifel an der richtigen Schreibweise: Beach-Volleyball. Weder Reform-Achterbahn noch einfallsreiche Neuschöpfungen konnten dort Verwirrung stiften.
neu Trauner, Sandra: Bastian Sicks neues Programm. Der Bestseller-Autor: Ich habe die Deutschen sensibilisiert. Die Berliner Literaturkritik (berlinerliteraturkritik.de), 10. 2. 2011
Von diesem Freitag (11.2.) an kann man Sick auch wieder auf der Bühne erleben: In Trier hat sein neues Programm „Nur aus Jux und Tolleranz“ Premiere. Die Nachrichtenagentur dpa hat vor dem Tourstart mit Bastian Sick gesprochen. […] Sprache verändert sich; vieles, was heute falsch ist, steht morgen im Duden. Kämpfen Sie gegen Windmühlen? Sick: „Die Sprache verändert nicht sich, sondern wir verändern die Sprache. Die Sprache ist das wunderbarste Spiegelbild für eine demokratische Entwicklung: Jeder hat das gleiche Recht, auf die Entwicklung dieser Sprache einzuwirken. Wir haben den Staat dabei ja weitgehend außen vor gehalten - was auch gut ist. Wann immer sich der Staat in die Sprachentwicklung eingemischt hat, kam Müll dabei raus - wie zum Beispiel bei der Rechtschreibreform.“
neu Herbert, Hubert: In & Out: 96er Reform jetzt im IN. mainpost.de, 6. 2. 2011, Rhön-Grabfeld
Weil viele Menschen ihre Alltagstexte nämlich immer noch nach alter Rechtschreibung verfassen, andere dagegen reformorientiert schreiben, hat sich ein wunderschöner Mischmasch von beiden herausgebildet. Mal sieht man ein Wort so geschrieben, mal anders. […] Die Folge: Man kann schreiben, wie man will – so richtig falsch ist es eigentlich nie. […] Und deshalb ist die Rechtschreibreform sicher nicht nur bei mir jetzt völlig IN.
neu Wolffsohn, Michael: Westerwelles Probleme mit dem deutschen Plural. Welt Online (welt.de), 4. 2. 2011, Kultur
„Wir Deutsche“, pflegt der deutsche Außenminister sehr oft zu sagen. […] Wurde Westerwelles Deutsch etwa ein Opfer der Sparpolitik seines Hauses? Vor allem das Auswärtige Amt finanziert das Goethe-Institut. Dessen Aufgabe ist vor allen Dingen die Förderung der deutschen Sprache im Ausland. Offenbar besteht auch im Inland großer Bedarf, selbst an der Spitze des Auswärtigen Amtes. Wer, wenn nicht Guido Westerwelle beweist: Gäbe es nicht schon das Goethe-Institut, müsste man es erfinden. Deutsche (nicht: Deutschen), lernt die deutsche Sprache. Deutsch richtig zu sprechen, ist leichter als (auch – gerade? – nach der Rechtschreibreform) zu schreiben.
neu Eckl, Christian: Furtmeyr oder Furtmayr? Ist die Straße falsch geschrieben? wochenblatt.de, 4. 2. 2011, Regensburg
„Warum wohne ich in der Furtmayr-Straße, die man mit ,ay’ schreibt, wenn man Berthold Furtmeyer eigentlich mit ,ey’ schrieb?“, fragte eine Leserin im Wochenblatt nach. Wir haben das recherchiert – bei Kulturreferent Klemens Unger, der die Ausstellung maßgeblich initiierte. „Soweit wir wissen, liegt es an einer Rechtschreibreform”, erzählt Klemens Unger. Man habe im 19. Jahrhundert Schreibweisen in Wörtern wie „Thurm” verändert – daraus wurde das Wort „Turm”.
neu Konersmann, Ralf: Bildungsgutscheine haben nichts mit Bildung zu tun. Hamburger Abendblatt, 3. 2. 2011, Hamburg
In der Perspektive der Bildung erscheint der Mensch als das unfertige Wesen, das sich zu dem macht, was es an sich ist. Der Vollzug dieser Entwicklung zu sich selbst schließt die Aufforderung ein, sich frühzeitig von lieb gewordenen Vorstellungen zu befreien und auf einen in jeder Hinsicht unsicheren Weg zu begeben. Bildung ist ein Projekt, das Mut und Zähigkeit verlangt. Ihr Weg ist ein Weg der Veränderung, im Fall des Gelingens auch der Besserung. Er verlangt, dass der Betreffende sich selbst und die Welt kennenlernt, um zu verwirklichen, was in ihm steckt - um seiner selbst und um der Gemeinschaft willen, die von seinen Leistungen profitiert. Tatsächlich ist Bildung alles andere als eine Privatangelegenheit, und es liegt in der Sache begründet, dass sie die Politik in die Pflicht nimmt, Mittel und Infrastruktur bereitzustellen. Die Bildungspolitik von heute hat diesen Bedingungszusammenhang aus dem Blick verloren. Man muss ihr das nicht einseitig zur Last legen. Offenbar folgt sie einem gesellschaftlichen Konsens, der von Anforderungen nichts hören will und eher dazu neigt, Ist-Zustände festzuschreiben. Dem Werden, das der Idee der Bildung zugrunde liegt, stellt dieser Konsens das So-Sein persönlicher Identitäten und Verhältnisse als unverrückbar gegenüber. In der Quotenfixierung der öffentlich-rechtlichen Medien oder im Populismus der Rechtschreibreform tritt die Neigung exemplarisch zutage, der stets mühsamen Orientierung am Optimum die achselzuckende Hinnahme der Dinge vorzuziehen, wie sie nun einmal sind.
Eben: Rechtschreibreform ist nicht populismus, sondern die aufforderung, sich frühzeitig von lieb gewordenen vorstellungen zu befreien und auf einen in jeder hinsicht unsicheren weg zu begeben.