Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)personen → Fritz Rahn

Wer ist wer in der reformdiskussion? Namen, zitate, anmerkungen.


Rahn, Fritz

titel

dr. phil.

biografie

geb. 23. 8. 1891, Tettnang (Württemberg)

gest. 25. 7. 1964, Schorndorf

pädagoge, sprachwissenschafter, schriftsteller


zitate

Der Spiegel, 25. 1. 1956, s. 30

[…] im Jahre 1941 veröffentlichte die Wochenzeitung „Das Reich“ einen Aufsatz unter dem Titel „Die Reform der deutschen Rechtschreibung“. Der Verfasser argumentierte temperamentvoll für eine weitgehende Änderung des gewohnten Schrift­bildes, unter anderem trat er für generelle Klein­schreibung ein. Der Vorschlag fand ein kräftiges Echo in zahl­reichen Leser­zuschriften an den Verfasser des Artikels: Fritz Rahn. Daß sein Name heute mit ganz entgegen­gesetzten Über­legungen und Vor­schlägen zur Reform-Frage verbunden ist, bezeichnet Rahn selbst als das Resultat jenes Pro-Reform-Aufsatzes. […] Diese Über­zeugung, nämlich daß eine abrupte und radikale Reform der Recht­schreibung keinesfalls wünschens­wert sei, hat Fritz Rahn zum erstenmal 1952 in einer Denkschrift für eine Konferenz der „Arbeits­gemeinschaft für Sprachpflege“ niedergelegt […].

Der Spiegel, 25. 1. 1956, s. 34

Fritz Rahn versucht außerdem, die starren Rechtschreibregeln an bestimmten Stellen aufzuweichen und so dem Schreibenden gewisse Freiheiten zu geben. […] Rahns eigene „Vorschläge zur Ver­einfachung der Regeln“ sind knapp und klar formuliert:

  • „Alle ungefühlten Substantivierungen von Adjektiven und Verben werden grund­sätzlich klein geschrieben. – Leitregel: Nur wo der unverschleierte bestimmte oder un­bestimmte Artikel steht, werden abgeleitete Haupt­wörter ... groß geschrieben.“ (Zum Beispiel: das Neue – aber: etwas neues. Das Rudern – aber: er ist beim rudern.)
  • „Es wird eine Liste derjenigen Fremd­wörter aufgestellt, die als Lehn­wörter betrachtet und eingedeutscht werden.“ (Zum Beispiel: Foto, Frisör, Montör, Büro, Turist, fär und andere. Alle übrigen wie bisher.)
  • „In strittigen Fällen werden zusammen­gehörige Wörter getrennt geschrieben.“ (Zum Beispiel: nebenher gehen, hinterher laufen, Rad fahren).
  • „Die Silben werden einheitlich nach Sprechsilben getrennt.“ („Ka-sten“, „Lo-cken“, „Pä-da-go-gik“ statt bisher „Päd-ago-gik“).

Rolf Landolt, 2011-6-3