Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)personen → Hans Zehetmair

Wer ist wer in der reformdiskussion? Namen, zitate, anmerkungen.

Zehetmair, Hans

titel

dr. h. c. mult.


biografie

geb. 23. 10. 1936, Langengeisling (bei Erding)

1964—1974 gymnasiallehrer

1986 bayerischer staatsminister für unterricht und kultus

1989 auch staatsminister für wissenschaft und kunst

10. 1990 bis 10. 1998 staatsminister für unterricht, kultus, wissenschaft und kunst

10. 1998 bis 10. 2003 staatsminister für wissenschaft, forschung und kunst

17. 12. 2004 vorsitzender: rat für deutsche rechtschreibung


zitate

Der Spiegel, 21. 10. 1991

[…] klerikaler Fundi der CSU […].

Gero von Büttner, literaturcafe.de, 14. 8. 1998

Geradezu amüsant fand ich es auch, dass sich einige Politiker nachträglich Schreibweisen wünschen konnten. Sowas nenne ich wahre Demokratie! So wurde der heilige Vater auf den persönlichen Wunsch des bayerischen Kultusministerns wieder zum Heiligen Vater […].

Kurt Reumann, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 7. 10. 2000

Der bayerische Wissenschaftsminister Zehetmair (CSU), der auch Sprecher der von der Union regierten Länder in der Kultusministerkonferenz ist, sprach sich dagegen aus, das Thema Rechtschreibreform zu bagatellisieren. Er hatte sich bis 1995 als einziger Minister gegen Auswüchse der Reform gewehrt, dann aber einen Kompromiß geschlossen, den er ohne Abstriche durchsetzte. Allerdings hat er wiederholt zu verstehen gegeben, daß er über den Kompromiß nicht ganz glücklich sei. Nun freue er sich über die Möglichkeit einer zügigen Nachbesserung.

Hans Zehetmair, Die Presse, 12. 12. 2000

Es ist fast eine Tragik meiner Vita, daß jetzt manche diese Reform mit meinem Namen zuvorderst verbinden — obwohl ich der einzige Bremser und Korrektor in Deutschland und im deutschsprachigen Raum, mit Verlaub gesagt, gewesen bin. Vielleicht habe ich den Fehler gemacht, nicht doch weiter zu gehen in der Rückkorrektur.

Jeanne Rubner, Süddeutsche Zeitung, 18. 12. 2004

Zehetmair als Vorsitzenden des Rates zu berufen, war ein geschickter Schachzug der KMK.

edo., Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20. 12. 2004

Hans Zehetmair ist nunmehr das, was er nach eigenem Bekunden gar nicht sein wollte: der Vorsitzende des Rates für deutsche Rechtschreibung.

Theodor Ickler, rechtschreibreform.com, 30. 11. 2004

Er zeigt sich noch ebenso uninformiert wie 1995.

dpa, Frankfurter Rundschau, 1. 12. 2004

Auch die Großschreibung in "es tut mir Leid" sei kaum vermittelbar. "Groß schreibt man Dinge, die man anfassen kann", sagte Zehetmair.

Brigitte Koch, Frankfurter Rundschau, 4. 12. 2004

Soll ich […] einfach nur in Gelächter oder vor Entsetzen in Tränen ausbrechen? […] Herr Zehetmair, kann man die CSU anfassen oder müssen wir jetzt csu schreiben?

Alexander Smoltczyk, Der Spiegel, 25. 7. 2005

Nach einem Spiegel-Gespräch mit dem bayerischen Kultusminister Zehetmair wurde die Reform ein erstes Mal durcheinander gebracht. Ohne jede Systematik wurden 45 Wörter als sakrosankt erklärt. Darunter "Heiliger Vater", "Letzte Ölung". Und "Paket" (statt "Packet").

Dankwart Guratzsch, Die Welt, 21. 2. 2006

[…] ein Hauptverantwortlicher der verpfuschten Reform […]

Theodor Ickler, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25. 2. 2006

Zehetmair berichtet schmunzelnd, neulich in Peking habe er den "Spiegel" gelesen und dabei ein "dass" entdeckt, worin er ein Signal sieht, daß auch der "Spiegel" allmählich wieder der Reformschreibung folge. Hoberg ist so taktlos, ihm durch den Hinweis, der "Spiegel" habe nie rückumgestellt, die Pointe zu verderben.

Jürgen Kaube, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26. 2. 2006

Man kann Hans Zehetmair einen äußerst achselzuckenden Menschen nennen. Jede seiner Äußerungen zur Rechtschreibreform teilt nämlich mit, er sei es jedenfalls nicht gewesen.

Volkmar Sigusch, Frankfurter Rundschau, 12. 9. 2006

Die Liberalität siegt. Rechte Politiker scheitern mit ihren Hasstiraden gegen Homosexuelle.

Hans Zehetmair, Münchner Merkur, 29. 7. 2008

Sie können mir glauben: Noch einmal nehme ich diese Qual nicht auf mich. […] Zunächst hat man mir bis 2010 die Bürde auferlegt. So lange muss ich auch noch am Steuer bleiben.

Thomas Paulwitz, jungefreiheit.de, 17. 7. 2010

Legendär sind hingegen Zehetmairs Weisheiten, in denen er seine Unkenntnis offenbarte […]. Alles in allem tritt Zehetmairs Nachfolger als Vorsitzender des Rechtschreibrates kein einfaches Erbe an. Es dürfte schwierig sein, diese Leistung zu unterbieten.

Britta Schultejans, westfaelische-nach­richten.de, 27. 2. 2011

Rechtschreibrat zieht Bilanz.

Anatol Stefanowitsch, scilogs.de, 5. 1. 2012

[…] ein konservativer, kulturpessimistischer und technologiefeindlicher ehemaliger stellvertretender Ministerpräsident von Bayern, dessen Qualifikation im Bereich Bildung hauptsächlich darin liegt, dass er den Religionsunterricht in Bayern auf drei Wochenstunden aufgestockt und das Schulgebet eingeführt hat, dafür aber das Kapitel „Zeugung“ aus den Biologiebüchern streichen ließ und der Lehrern verbieten wollte, den Schülern staatskritisches Denken zu vermitteln.


verweis

stichworte, politik


nach oben
Rolf Landolt, 2012-1-16