Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2001-6

Jahresbericht des vorsitzers für 1987

Das abgelaufene jahr zeichnet sich durch eine erfreuliche aktivität inner- und ausserhalb des BVR aus.

Höhepunkt war die fünfte internationale arbeitstagung «Probleme der deutschen rechtschreibung und ihre neuregelung» mit wissenschaftern aus allen deutschsprachigen ländern. Sie fand vom 21. bis zum 26. september in Zürich statt, was unseren bestrebungen natürlich auftrieb gab. Beraten wurden die zeichensetzung, getrennt- und zusammenschreibung sowie kurz die fremdwortschreibung.

Am rande der tagung hielt der leiter der dudenredaktion, prof. dr. G. Drosdowski, einen vortrag, der — vielleicht auch dank der werbetätigkeit des BVR — recht gut besucht wurde.

Die wissenschaftliche aktivität schlug sich 1987 auch in bucherscheinungen nieder, die über das jahr hinaus gültigkeit haben werden. Die DDR-forschungsgruppe unter prof. D. Nerius veröffentlichte ein grundsätzliches werk unter dem titel «Deutsche Orthographie», in der Bundesrepublik erschienen die umfangreiche abhandlung «Theoretische Aspekte der deutschen Orthographie» von M. Kohrt sowie «Sprache — Schrift — Rechtschreibung» von H. Glinz, B. Schaeder und H. Zabel.

Über die zürcher tagung erschien in einigen zeitungen ein kurzer agenturbericht. Einen ausführlichen artikel brachten die Berner Tagwacht und der zürcher Tages-Anzeiger.

Kurz vor der tagung erschien in der Neuen Zürcher Zeitung ein grosser grundsatzartikel von prof. H. Sitta und P. Gallmann. Diese wirkten auch an einer radiosendung mit, die im programm DRS 2 ausgestrahlt wurde.

Im gleichen programm war im januar 1988 der vortrag des leiters der dudenredaktion zu hören. Für den märz 1988 ist eine sendung über die gross- und kleinschreibung vorgesehen, wobei auch der BVR zu wort kommen soll.

Planmässig verlief auch die arbeit der arbeitsgruppe rechtschreibreform der konferenz der kantonalen erziehungsdirektoren unter dem vorsitz von prof. H. Sitta. An drei sitzungen wurden die vorschläge der ausländischen kommissionen beraten und die internationale tagung vorbereitet.

BVR

Die jahresversammlung 1987 wurde in Aarau durchgeführt. Der

Im vorstand wurde nach dem rücktritt von Silvio Willi um drei personen erweitert: frau Erna Köchli (kassierin), dr. Arthur Baur, Zürich, und prof. dr. Heinz Rupp, Basel. Die vorstandsmitglieder fanden sich im september zu einer sitzung zusammen. Der geschäftsführer, Walter Neuburger, und der vorsitzer trafen sich (nach einer zählung des ersteren 19mal) für kurze besprechungen.

Unser organ Rechtschreibung erschien dreimal im gesamtumfang von 24 seiten. Die erste ausgabe enthielt neben dem jahresbericht einen artikel aus dem Luzerner Tagblatt über die klein schreibende bürstenfabrik Trisa und den beitrag «Mundart — stolz und ärgernis» aus dem mitteilungsblatt der Schweizerischen fernseh- und radiovereinigung. In der augustnummer wurden eine eingabe an den hausverband der Ciba-Geigy zur kleinschreibung sowie zur erinnerung noch einmal unser regelvorschlag abgedruckt. Im dezember berichteten wir in wort und bild über die internationale zürcher arbeitstagung. Leider erkrankte unser langjähriger schriftleiter René Schild, so dass die dritte nummer nicht von ihm fertiggestellt werden konnte.

Die direktwerbung ist nach wie vor eine tragende säule unserer öffentlichkeitsarbeit. Nicht weniger als 24772 informations- und werbeschriften — doppelt so viele wie im vorjahr — wurden in diesem jahr vom geschäftsführer und seinen helfern spediert. Empfänger waren unter anderen alle schulrektorate der Deutschschweiz, die lehrerschaft verschiedener kantone und der stadt Zürich, die teilnehmer der lehrerfortbildungskurse von Handarbeit und schulreform, sehr viele zeitungen und zeitschriften, behörden, parlamentarier, parteien, wirtschaftsorganisationen. Im weiteren machten wir auch wieder mit inseraten hauptsächlich in pädagogischen zeitschriften, aber auch zweimal in der Neuen Zürcher Zeitung auf unsere bestrebungen aufmerksam.

Gleich zwei ausstellungen konnten dieses jahr durchgeführt werden, eine an den lehrerfortbildungskursen des vereins Handarbeit und schulreform in Zofingen und eine kleine an einer veranstaltung der lehrerkonferenz des bezirks Bremgarten AG in Zufikon.

Wie die mitglieder an der adressierung der rundschreiben erkennen können, ist eine erste fase der einführung des computers im BVR, nämlich die mitgliederverwaltung durch die kassierin, abgeschlossen. Wegen der grösse des adressbestandes (mitglieder und empfänger der Rechtschreibung) wird aber ein weiterausbau unumgänglich sein.

Die grosse aktivität des BVR schlägt sich in der rechnung nieder, die eine vermögensverminderung ausweist. Schaut man die ausgaben näher an, fallen grosse posten für informationsmaterial und inserate sowie den 1986 beschafften computer auf.

Im gegensatz zum vorjahr brachte uns das jahr 1987 einen zuwachs an mitgliedern, nämlich um 51 auf 1457.

Zu verdanken haben wir das wohl der umfangreichen werbung und den berichten in presse und radio. Auch die schar der mitglieder auf lebenszeit ist wieder etwas grösser geworden, und zwar um 8 auf 209. Auf den listen der nationalratswahlen fanden sich auch namen von BVR-mitgliedern. Uns sind kandidaturen der CVP, der Grünen partei und der Autopartei zugetragen worden. Das sei hier deshalb erwähnt, weil es zeigt, dass man dem BVR nicht politische einseitigkeit vorwerfen kann.

Gemeldet wurde uns der hinschied von herrn B. Steinacher, Schaffhausen.

Ich danke allen mitgliedern des BVR für ihre treue sowie den vorstandsmitgliedern und anderen helfern für ihren einsatz. Dem schriftleiter der Rechtschreibung, René Schild, wünsche ich gute besserung.

Der vorsitzer: Rolf Landolt