Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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1999-1-20

Jahresbericht des vorsitzers für 1988

Generalversammlung
Publikationsorgan "Rechtschreibung"

Allgemeines

Die arbeitsgruppe rechtschreibreform der konferenz der kantonalen erziehungsdirektoren unter dem vorsitz von prof. H. Sitta tagte im märz, juni und im september. Der BVR ist bekanntlich — wie beispielsweise auch der DSSV — durch einen beobachter vertreten.

Die sechste internationale arbeitstagung "Probleme der deutschen rechtschreibung und ihre neuregelung" mit wissenschaftern aus allen deutschsprachigen ländern fand vom 10. bis zum 15. oktober in der DDR-hafenstadt Rostock statt. Diesmal ging es hauptsächlich um die getrennt- und zusammenschreibung samt bindestrichschreibung und die fremdwortschreibung. Die Schweiz wurde offiziell durch eine delegation der arbeitsgruppe rechtschreibreform vertreten; zusätzlich nahm der schreibende für den BVR daran teil.

Wenn die reihe der internationalen tagungen abgeschlossen sein wird, soll den politikern ein in sich geschlossenes regelwerk zu verschiedenen bereichen der ortografie vorgelegt werden. Damit man sich bereits jetzt eine klare vorstellung machen kann, wie das aussehen könnte, verlangte in Deutschland die ständige konferenz der kultusminister der länder ein gutachten des Instituts für deutsche sprache (IdS). Dieses enthält ein regelwerk, das von der rechtschreibkommission des IdS ausgearbeitet wurde samt erläuternden kommentaren der bearbeiter. Das umfangreiche werk wurde im oktober 1988 abgeliefert. Die gross- und kleinschreibung ist nur inoffizieller bestandteil des vorschlags. Die am weitesten gehenden reformvorschläge finden sich nun bei der laut-buchstaben-beziehung. Es erstaunt nicht, dass von seiten der kultusminister der wunsch laut wurde, auch diesen bereich von einer reform auszunehmen. Rechtschreibreform ja, aber es darf sich nichts ändern!

Der vorschlag des IdS wirbelte in der deutschen presse einigen staub auf. Die negativen reaktionen gewisser blätter erschreckte einige der beteiligten, die sich anscheinend nicht an frühere kampagnen erinnern. Ein militanter kommentar der deutschen art verirrte sich auch in eine schweizerische zeitung, in das Badener Tagblatt. Wohlwollende berichte über die arbeit des BVR fanden sich unter anderem in der Berner Tagwacht (nach der jahresversammlung), den Glarner Nachrichten (zur ausstellung) und im Limmattaler Tagblatt.

Im märz 1988 wurde im programm DRS 2 eine radiosendung ausgestrahlt, die im vorjahr im zusammenhang mit der zürcher tagung vom bekannten radiomitarbeiter Martin Heule gestaltet wurde. Sie befasste sich hauptsächlich mit der gross- und kleinschreibung und bestand aus einer geschickten zusammenstellung von aussagen eines befürworters der kleinschreibung (der schreibende) und eines gegners (Max Flückiger, chefkorrektor).

BVR

Die jahresversammlung 1988 wurde in Bern durchgeführt. Der vorstand tagte zweimal, nämlich im mai und im november.

Die Rechtschreibung erschien dreimal, zweimal redigiert von René Schild und einmal vom schreibenden. Leider erschien die dritte nummer etwas verspätet, dafür ist es bisher die dickste. Da schon die erste nummer 12 seiten umfasste, kommt ein rekordumfang von 36 seiten zustande. Nummer 144 enthielt den artikel "40 jahre offizielle kleinschreibung im dänischen", ein plädoyer für ein neues alfabet, den abdruck einer sprachglosse der zeitschrift schule 87 sowie einen nicht ganz ernstzunehmenden beitrag zur englischen ortografie. Im august wurde der zürcher kantonsratspräsident aufs korn genommen, der eine anfrage nur in grossschreibung akzeptierte. Ein aus dem leben gegriffenes beispiel zeigt, wie es um die beherrschung der rechtschreibung steht. In der dritten ausgabe fanden sich der bericht über die internationale tagung in Rostock und über das regelwerk des IdS samt kommentierenden stimmen. Ein chronologischer überblick vermittelte objektive informationen, auszüge aus schülerbriefen dagegen interessante subjektive.

Der geschäftsführer und seine helfer spedierten 16 869 informations- und werbeschriften, was zwischen den mengen der jahre 1986 und 1987 liegt. Der grösste teil ging dieses mal in den kanton Bern und an die lehrerschaft der kantone Aargau und Baselland. Wie immer wurden die teilnehmer der lehrerfortbildungskurse von Handarbeit und schulreform bedient sowie natürlich zeitungen und zeitschriften. In diesen warb der BVR auch mit inseraten. Das informationsmaterial wurde durch ein 12seitiges büchlein im format A5 ergänzt, das einen schlagwortartigen, aber ziemlich vollständigen überblick über unsere argumentation gibt.

Auch an einer ausstellung beteiligte sich der BVR wieder, nämlich an der lehrmittelschau an den lehrerfortbildungskursen des vereins Handarbeit und schulreform in Glarus.

Die rechnung schliesst mit einer vermögensverminderung von fr. 2249.05.

Auch 1988 hat sich die zahl der mitglieder leicht vergrössert, nämlich um 26 von 1457 auf 1483. Davon sind 214 mitglieder auf lebenszeit, 5 mehr als im vorjahr.

Wir beklagen den tod von herrn Hans Hürlimann, Winterthur, frau F. Tagmann-Schmidheiny, Altstätten, und herrn Ferdinand Chaloupek, Krems-Stein a. d. D. (Österreich).

Ich danke allen mitgliedern des BVR für ihre treue sowie den vorstandsmitgliedern und anderen helfern für ihren einsatz.

Zürich, 21. januar 1989
der vorsitzer: Rolf Landolt