Einen stichwortindex hat das buch leider nicht, aber hier ist einer.
In diesem wissenschaftlichen Essay geht es um die kritische Auseinandersetzung mit den negativen Folgen von normierenden Eingriffen in die Sprache. In zehn Kapiteln wird aus jeweils unterschiedlicher Perspektivik die kulturelle und geistige Schadensbilanz dargestellt, die durch verordnete Rechtschreibung verursacht ist. In Frage gestellt wird dabei nicht primär die gegenwärtige Orthographiereform, sondern grundsätzlich jede Form von Sprachnormierung und Sprachpurismus. Die variantenfeindliche, gleichzeitig aber stark irreguläre Rechtschreibung wird mit einer variantenfreundlichen, stark regulären freien Verschriftung konfrontiert.
Bei den schon immer hart und aggressiv geführten Debatten um die Einführung und Durchsetzung einer neuen, reformierten Rechtschreibung stellt sich kaum jemand die Frage, ob Rechtschreibung überhaupt erforderlich ist. Die Kontrahenten im Streit um die richtige Schrift setzen sich lediglich damit auseinander, ob und in welcher Form Rechtschreibung erneuert werden soll. Nur wenige gehen wenigstens in einem Gedankenexperiment darüber hinaus und ziehen die Praxis der Schriftnormierung selbst in Zweifel. Diese Denkmöglichkeit hat bei den detailvernarrten Diskussionen der 'Sprachexperten' und 'Sprachpfleger' keine Chance. Bei ihren abwechslungsreichen Turnieren und Gefechten wird leicht der kulturelle Hintergrund, vor dem für die eine oder andere orthographische Regelung gefochten wird, aus den Augen verloren. Im folgenden geht es nicht um eine Verbesserung der Rechtschreibung, sondern um die Befreiung der Schrift aus dem orthographischen Gefängnis. Es geht dabei auch um mehr Freiheit für alle Lesenden und Schreibenden, es geht um mehr Spielraum für alle Falsch- und Rechtschreiber. Denn nicht nur jede Rechtschreibreform ist fragwürdig, sondern vielmehr die Tatsache der Existenz einer Rechtschreibnorm selbst.