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Der Bund für vereinfachte rechtschreibung nimmt stellung


«Naheliegender Vergleich»

Zum leserbrief von Karl-Heinz Requard, Süddeutsche Zeitung vom 29. 5. 1998

Abgedruckt in der Süddeutsche Zeitung vom 19. 6. 1998

Als präsident des Bundes für vereinfachte rechtschreibung — gegründet 1924! — habe ich angesichts des «sachlich naheliegenden Vergleichs mit der Rechtschreibreform des Dritten Reiches» (brief von Karl-Heinz Requard in der SZ vom 29. mai) ebenfalls mühe, «herr meines feinsinns» zu bleiben. Eine halbe wahrheit ist bekanntlich schlimmer als eine ganze lüge.

Die ganze wahrheit ist die, dass es nicht nur in den vierziger jahren reformbestrebungen gegeben hat, sondern auch in den zehner, zwanziger, dreissiger, fünfziger, sechziger, siebziger und achtziger jahren. Die reihe kann rückwärts fortgesetzt werden und vorwärts vermutlich auch.

Es ist wohl wahr, dass «verblüffende ähnlichkeiten» auszumachen sind. Es ist zum glück auch wahr, dass es zwar nicht gerade eine übereinstimmung, aber immerhin ähnlichkeiten gibt zwischen der heutigen neuregelung und den zielen unseres vereins. Nicht ganz zufällig gilt das für die fremdwortfrage, für die niemand (keine andere sprache) zu keiner zeit (aus Meubel ist bereits Möbel geworden) eine andere lösung als die der grafischen integration gefunden hat. Unsere buchstabenschrift wurde weder von unserem verein noch von irgendwelchen heutigen oder früheren politikern erfunden, aber sie ist eine erfindung des menschen. Sie muss gemäss den ihr innewohnenden prinzipien gepflegt werden, sowohl im interesse der funktion wie auch als kulturerbe.

Bund für vereinfachte rechtschreibung
Rolf Landolt, Zürich (vorsitzer)


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Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR), Rolf Landolt, 2001-7-26