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Sigfried Schibli, Basler Zeitung, 24. 8. 2004
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[…] die Waffen im Sprachkampf werden schärfer, und mittlerweile ist auch der Begriff der Rechtschreibung selbst in die Kriegsführung einbezogen worden. Die Gegner der reformierten Schreibung haben nämlich bemerkt, dass sie gegenüber den Verfechtern eben dieser Schreibung in einen Rückstand geraten sind, der mit dem Namen «alte Rechtschreibung» selbst zu tun hat. Ihnen als Verteidigern des vor der Reform Bestehenden wuchs durch diese Bezeichnung ein konservatives, ein altbackenes Image zu, von dem sie sich jetzt elegant befreien wollen. Führende Medien des konservativen Lagers wie die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» sind dazu übergegangen, nicht mehr von der «alten», sondern von der «bewährten Rechtschreibung» zu reden. In den neuen Namen ist ein Argument verpackt und eine Vergessensdroge dazu: Was sich bewährt hat, soll man nicht ohne Not verändern, und der Ärger über die zum Teil herzhaft unlogischen alten Regeln soll mit einem terminologischen Trick weggezaubert werden. Noch einen bemerkenswerten Schritt weiter ging der Schriftsteller Rainer Kunze. Er sprach […] von der «klassischen Rechtschreibung» und suggerierte damit, diese sei von Goethe und Schiller persönlich eingeführt worden und nicht von einem seinerzeit heftig umstrittenen Sprachbürokraten namens Konrad Duden. Jetzt warten wir nur darauf, dass bald ein noch fanatischerer Verteidiger der alten Regeln auftritt und diese als «natürliche» Schreibung verklärt.
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