Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)was ist was: stichworte → regel

Nachgeführt 24. 7. 2011, 14. 1. 2011


regel

Hans Magnus Enzensberger, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Die sogenannten Regelwerke sind Ersatzhandlungen, mit denen die kulturpolitische Impotenz kaschiert werden soll. Es ist für das Verständnis völlig unerheblich, ob es "Stengel" heißt oder "Stängel", ob man "im Klaren" groß oder klein schreibt - es kommt vielmehr darauf an, ob jemand in der Lage ist, sich klar auszudrücken.

neu Stefan Stirnemann, Schweizer Monatshefte, 11. 2010

Regeln sind tauglich, wenn sie aus dem allgemein Üblichen abgeleitet werden.

Am besten aus dem auf diesen seiten üblichen.

Hans-Joachim Müller, Basler Zeitung, 28. 8. 2004

Regeln sind dazu da, um sie zu vereinfachen. Die Eleganz eines Regelwerks ist eine Funktion seiner Schlankheit. Und die Vereinfachungsfähigkeit von Schreibregeln ist zumindest a priori nicht auszuschliessen.

Bedeutung

2 gegensätzliche tesen:

Die ortografie lernt man nicht nach regeln, sondern durch möglichst häufiges lesen. Komlizierte regeln und viele ausnahmen stören daher nicht, also gibt es keinen reformbedarf.

Auch wer die tese nicht unbedingt gutheisst, neigt oft dazu, das lesen sehr hoch zu bewerten und anderen medien vorzuziehen.

Eine regelhafte beziehung von sprache und schrift ist die errungenschaft der buchstabenschrift. Komlizierte regeln und viele ausnahmen führen zu einer kombination der nachteile der buchstabenschrift mit den nachteilen anderer schriftsysteme und gefährden ein erstrangiges kulturgut.

Leiss geht so weit, die lesekultur in frage zu stellen.

skala skala

neu Alexander Smolt­czyk, Der Spiegel, 25. 7. 2005

Niemand schreibt nach Regeln. Regeln sind die Theorie zu den Tatsachen der Ortho­grafie.

neu Robert Nef, Die Liebe zur Sprache, 2004

In einer Fernsehsendung bekannte eine Mutter, sie habe alle ihre eigenen Kinder­bücher entsorgt, damit ihre Kinder ja nichts orthographisch Falsches zu lesen bekämen. Diese Frau geht von der richtigen Erkenntnis aus, daß Recht­schreibung nicht durch Regeln erworben wird, sondern durch Lesen […].

Diese frau geht von einer falschen erkenntnis aus.

Elisabeth Leiss, Die regulierte §chrift, 1997

Der Begriff der Regel muß im Mittelpunkt stehen. Regeln haben die Aufgabe, Vielfalt zu bewältigen, ohne sie zu vernichten.

Eraldo Paulesu, Science, 16. 3. 2001

Dyslexia: Cultural diversity and biological unity.

dpa, Westdeutsche Zeitung, 28. 11. 2000

Schriftsprache an gesprochene Sprache anlehnen.


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Rolf Landolt