Nachgeführt 2. 6. 2010
|
definition |
Betrachtung einer bestimmten sprache (oder verschiedener sprachen) auf einer zeitebene, z. b. in der gegenwart (von griechisch syn = mit, zusammen und chronos = zeit). |
|
antonym |
Die buchstabenschrift ist von ihrem wesen her synchronisch. Grafeme bilden foneme ab. Im zug des sprachwandels und der regelung (= fixierung) der schreibung ergeben sich abweichungen. Rechtschreibreformen haben zum ziel, diachronische «auswüchse» zu reduzieren.
Gegner von reformen setzen sich gewöhnlich für historische (etymologische) schreibungen ein. «Historisch» bedeutet aber nicht irgendeinen früheren zustand, sondern den gegenwärtigen. Insofern denken gerade die gegner synchronisch – in einem viel engeren sinn als die reformer.
Dagegen setzt sich der Bund für vereinfachte rechtschreibung für die ursprünglichen prinzipien unserer schrift und damit für die erhaltung und die pflege des kulturguts buchstabenschrift ein.
Auch die neuregelung von 1996 war der synchronie verpflichtet und ersetzte etymologisch begründete, aber nur noch für fachleute einsichtige schreibungen durch solche, die vom heutigen schreiber als passend empfunden werden. Beispiele: belämmert, Quäntchen, Tollpatsch, nummerieren, Hek-tar. Die alten schreibungen werden mit dem argument verteidigt, sie seien «sprachrichtig». Eine rein synchronische analogiebildung zur erleichterung des schreibens wird abgelehnt. Sie ist jedoch nichts neues: Schreibungen wie spiel, bahn, gehen sind ebenfalls nicht «sprachrichtig»; sie wurden «willkürlich» an tier, zehn und sehen angeglichen. Da die reformgegner diese wörter anscheinend nicht ohne dehnung schreiben wollen, muss man annehmen, dass sie nicht der «sprachrichtigkeit» verpflichtet sind, sondern der gegenwart verhaftet.