Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2018-5-1

Antrag des "bundes für vereinfachte rechtschreibung"

an die schweiz. ort. konferenz Zürich, 20./21. aug. 1963

Der BVR lehnt den vorschlag des VFA ab und hält fest an der grundsätzlichen kleinschreibung, wie sie in den WE niedergelegt ist. Doch lege ich Ihnen hier den wortlaut aus dem grossen reformprogramm des jahres 1946 "Die erneuerung der deutschen rechtechreibung" vor:

"Alle wortarten sind grundsätzlich klein zu schreiben. Grosse buchstaben werden nur verwendet: zur bezeichnung des satzanfangs und zur hervorhebung der eigennamen (vornamen, familiennamen, geografische-, strassen- und quartiernamen); ferner von titeln, bestehend aus ein, zwei oder drei wörtern, wie Schweizerische Lehrerzeitung; doch ist auch zulässig "schweizerische lehrerzeitung". Titel, die aus mehr als drei wörtern bestehen, sowie zitate sind klein zu schreiben, sollen jedoch im satz in anführungszeichen gesetzt werden; dabei kann das erste wort gross geschrieben werden, z.b "Die letzten tage von Pmpeji". Einzelstehende wörter (marginalien, stichwörter u.s.f.) werden klein geschrieben. Die grosschreibung der höflichkeitsformen wird beibehalten bei den formen der 3.person (Sie,Ihnen Ihr haus), nicht aber bei der zweiten person (du, ihr, euch), weil bei diesen keine verwechslung möglich ist."

Hiezu kämen nach den W.E. noch fachsprachliche abkürzungen (z.b. H2O ect.) - Ferner schlage ich noch den zusatz vor, den Otto v.Greyerz schon 1924 bei der gründung des BVR folgendermassen formulierte: "Es ist auch kein verstoss, im satzzusammenhang besonders wichtige wörter gross zu schreiben."

Nach meiner eigenen erfahrung aber wird das nur sehr selten nötig sein; doch ist damit dem schriftsteller bis zu einem gewissen grad freie hand gelassen. - Damit lassen sich z.b. die wirklich schwierigen beispiele unter den 50 im anhang aufgezählten glatt lösen und bereinigen. Uebrigens sind die meisten davon für den geübten leser kleingeschriebener texte keineswegs behindernd.


abbildung eines schreibmaschinen-durchschlags