Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2017-11-9

Eingabe an die erziehungsdirektorenkonferenz

an die Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren

Sehr geehrte Herren Erziehungsdirektoren!

Wie Sie wissen, beschäftigt die Rechtschreibreform seit langen Jahren die Oef­fentlichkeit der deutschsprachigen Länder. Besonders dringlich sind diese Fra­gen seit dem Ende des letzten Weltkrieges geworden. Aus der beigefügten Do­kumentation können Sie entnehmen, was sich in den zwölf Jahren bei uns und in den Nachbarländern abgespielt hat. Sie ersehen daraus, dass als Wichtigstes die sogenannten "Wiesbadener Empfehlungen" entstanden sind, die als Grund­lage für Verhandlungen zwischen den interessierten Ländern dienen sollen. (In extenso abgedruckt in Beilage Nr. 1 MUND-Broschüre S. 7-33).

In der Deutschen Bundesrepublik wartet man darauf, dass in den Nachbarlän­dern Stellung dazu bezogen werde, damit anschliessend Verhandlungen über die Grenzen hinweg aufgenommen werden können. In Oesterreich ist man 1961 die­sem Wunsche nachgekommen. Ein vom Ministerium des Innern einberufener Ausschuss von Fachleuten und Vertretern der besonders interessierten Kreise hat sich mit den "Wiesbadener Empfehlungen" befasst, wie Sie aus der beige­legten Nr. 67 "Rechtschreibung" ersehen werden. Ganz abgeschlossen sind die Verhandlungen noch nicht.

Die unterzeichneten Verbände halten es für nötig, dass man auch in der Schweiz nicht untätig bleibe. Deshalb wenden sie sich an die Herren Erziehungsdirekto­ren der eidgenössischen Kantone und ihre Konferenz, als die Instanz, der es in erster Linie zukommt, sich damit zu befassen, - ist doch die Schule an einer vereinfachten Reform der Rechtschreibung ganz besonders interessiert.

Wie aus der beigefügten Dokumentation hervorgeht, hat sich die Konferenz der Erziehungsdirektoren zum letzten Mal 1949 eingehender mit der Rechtschreib­reform befasst. Folge davon war die Abstimmung unter der deutschschweizeri­schen Lehrerschaft von 1950/51. - Diesmal würde es sich darum handeln, die Initiative zu ergreifen zur Bildung einer ähnlichen Kommission wie in Oester­reich, deren Aufgabe es wäre, den in den "Wiesbadener Empfehlungen" nieder­gelegten Reformvorschlag eingehend zu prüfen.

Deshalb erlauben wir uns, Ihnen vorzuschlagen, dieses Thema auf die Trak­tandenliste Ihrer nächsten Konferenz zu setzen. - Wir werden Ihnen auch Vor­schläge für die Zusammensetzung der oben genannten Kommission unterbrei­ten.

Für den Deutschschweizerischen Sprachverein
der Obmann: sig. H. Cornioley

Für den Arbeitsausschuss der Schweizer Korrektoren
der Obmann: sig. R. Gammenthaler

Für den Schweizerischen Lehrerverein
der Präsident: sig. Th. Richner

Für den Katholischen Lehrerverein der Schweiz
der Zentralpräsident: sig. A. Hürlimann

Für den Verein Schweizerischer Gymnasiallehrer
der Präsident: sig. A. Küenzi

Für den "bund für vereinfachte rechtschreibung"
der vorsitzende: sig. E. Haller

Bern, Zürich, Oberwil/Zug, Biel, Aarau im März 1962


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