Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 2017-10-25

Aus presse und internet

28. 2. 2003

: "Die Presse: neu." Was unsere Leser meinen (I). Die Presse, , nr. 16.510, s. 18, Leserbriefe
Eine der letzten Bastionen der schönen deutschen Sprache ist gefallen. Mit ein Grund, die "Presse' zu lesen, war für mich, dass Sie hartnäckig an der alten Rechtschreibung festgehalten haben.
: "Die Presse: neu." Was unsere Leser meinen (II). Die Presse, , nr. 16.510, s. 18, Leserbriefe
[…] und endlich eine zeitgemäße Rechtschreibung […].
: "Die Presse: neu." Was unsere Leser meinen (III). Die Presse, , nr. 16.510, s. 18, Leserbriefe
Die größte Überraschung ist aber wohl der "Umschwung" betreffend neue Rechtschreibung. Kompliment, gerade im schulischen Bereich sind wir dafür besonders dankbar.
: "Die Presse: neu." Was unsere Leser meinen (IV). Die Presse, , nr. 16.510, s. 18, Leserbriefe
So wohltuend die Beibehaltung der alten Rechtschreibung auch war, die vermehrte Anbiederung an ein offensichtlich modernes, mit anglo-amerikanischen Ausdrücken gespicktes Journalistendeutsch ist bedauerlich.
: Wo Bürgermut kein Wanken kennt. Blattsalat. Der Standard, (666 wörter)
Fahr hin, du ruhmreiches christliches Abendland! Nimmer wirst du auferstehen, nachdem der scheußliche Drache Rechtschreibreform deinen wackersten Recken mir nichts, dir nichts aufgefressen hat […]. Nun, wo uns der Chefredakteur der relaunchten "Presse" die Vielfalt in einem Brennglas zu servieren verspricht, kann sich der Wind im Wasserglas wieder legen, soll dies doch — Relaunch total! — auf Basis der auch schon nicht mehr neuen Orthographie geschehen.

27. 2. 2003

: Solange der Inhalt stimmt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 49, s. 6, Briefe an die Herausgeber
Schließlich bleibe ich Ihnen auch wegen Ihres Festhaltens an der alten Rechtschreibung treu und habe mittlerweile fast alles gekündigt, was für mich nur sehr "aufwändig" zu lesen ist, da ich mit der Sinnerfassung Schwierigkeiten habe und oft von vorn beginnen muß. Es sei Ihnen herzlich gedankt von einem Leser, der immer noch nicht begriffen hat, wie sich eine ganze Kultusministerkonferenz zu dieser Abscheulichkeit hergeben konnte. Dies ist offensichtlich ein ganz herausragendes Beispiel dafür, wie (hoffentlich) klugen Menschen in der Masse der Verstand abhanden kommt.
: Unterbrich mich, bitte! Paul Ingendaay erklärt den Deutschen spanische Lebensart. Süddeutsche Zeitung, , 59. jg., nr. 48, s. 14, Literatur
Von den deutlichen Unterschieden, die Ingendaay zwischen Deutschland und Spanien sieht, haben zwei allerdings nach wie vor Bestand: der andere Umgang Spaniens mit der faschistischen Vergangenheit und die andere Einstellung zur eigenen Sprache. […] Sachte und sinnvoll werde die Rechtschreibung des Spanischen reformiert. Eine Sprachvergewaltigung, wie sie die deutsche Rechtschreibreform uns antat und -tut, wäre in Spanien undenkbar.
: Recht ist mir die Rechtschreibung. Die Presse, , nr. 16.509, s. 39, Feuilleton
Die Neue Rechtschreibung halte ich für einen diktatorischen Akt weniger EU-Beamter gegenüber der restlichen deutschsprachigen Welt. Weich geworden bin ich, als mir eine Kollegin versicherte, ihre Kinder, die in der Schule nun einmal die Neue Rechtschreibung lernen, würden mich, sobald sie die "Presse" zu lesen begännen, für ein Relikt des vorigen Jahrhunderts halten.

26. 2. 2003

: Neue Zeitung, neue Bücher und Schreibweisen. "Presse"-intern. Die Presse, , nr. 16.508, s. 2, Meinung
Ab morgen wird die Zeitung in neuem Gewand und mit neuen — aber auch allen alten — Qualitäten vor Ihnen liegen. […] Die neue "Presse" wird auch zu neuen Schreibweisen führen, die in wichtigen Teilen (nicht etwa bei den Beistrichregeln) die neue Rechtschreibung übernimmt. Umfragen zeigen, daß nahezu schon die Hälfte der Leser einen solchen Wechsel wünscht, auch viele Eltern und Lehrer wollten ihren Kindern eine neue Rechtschreibung vorlegen (die freilich, weil unpraktisch, von keiner einzigen deutschsprachigen Zeitung in der amtlichen Form übernommen worden ist). Vor allem aber haben die letzten Wartejahre dazu geführt, daß Duden und andere Wörterbücher viele der ärgsten Unsinnigkeiten der neuen Rechtschreibung wieder zurückgenommen haben. Nicht nur deshalb hat der bürgerliche Ungehorsam der "Presse" und vieler Schriftsteller auch im nachhinein sehr viel Sinn gehabt: Den Bürokraten in den diversen Ministerien ist absolut die Lust vergangen, die deutschsprachige Menschheit gleich wieder mit den Vorbereitungen der nächsten Reform zu ärgern.

25. 2. 2003

: Von der taz zur F.A.Z. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 47, s. 38, Briefe an die Herausgeber
Ich bin gerade deshalb F.A.Z.-Leser geworden, weil ich eine Qualitäts-, nicht aber eine Bildzeitung wollte. Dabei hat Ihr Erscheinungsbild (und auch die Beibehaltung der besseren Rechtschreibung) für mich nichts mit "konservativ" zu tun […].

21. 2. 2003

neu : Die Aura der Wörter. Reiner Kunze & Co. streiten gegen die Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 44, s. 58, Kultur
Gegen das Oktroyieren neuer Regeln, die die Sprache re­primitivisierten, wandten sich auch die beiden anderen Gesprächs­teilnehmer: der Journalist Hans Krieger und der Nürnberger Ger­manist Peter Horst Neumann, der die Diskussion oder vielmehr das chorische Auf­begehren moderierte. Neumann vor allem empörte sich über die "ideolo­gische Borniert­heit" und prangerte die Unter­würfigkeit von Lehrern, Ver­legern und Jour­nalisten an.

18. 2. 2003

: Zum Bewundern und Belächeln. Charles Bukowski, Johnny Cash und mehr: Frank Schäfers "Harte Kerle". Braunschweiger Zeitung, , Braunschweig
Kenntnisse der Rechtschreibreform braucht man zwar nicht (da Schäfer sie komplett ignoriert), ein gerüttelt Maß an Bildung ist aber schon vonnöten, will man dem Autor folgen.

5. 2. 2003

: Rückkehr zum Altbewährten? Dresdner Neueste Nachrichten,
Wie hoch die emotionalen Wellen bei diesem Thema noch immer schlagen, fast fünf Jahre nach dem Reform-Beschluss der Bundesregierung — dieser Diskussionsabend der Sächsischen Akademie der Künste am Dienstag zeigte es aufs deutlichste. Von Verständnis für die Reform keine Spur, nicht einmal für einzelne Teile. Gnadenlos ging es da zur Sache. […] Bei allen Teilnehmern der Diskussion, die sich, mangels Widerpart, auf wechselseitige Selbstbestätigung beschränkte, zeigte sich als der am härtesten attackierte Punkt die Veränderung bei der Getrennt- und Zusammenschreibung.

4. 2. 2003

: Normalerweise hat er . . .. Main-Spitze, Main-Rheiner,
Normalerweise hat er Recht, der Schreiber eines Briefchens an die Redaktion. Wenn man schon Fremdwörter benutze, dann sollten sie auch richtig geschrieben werden. Aber seit jener merkwürdigen Rechtschreibreform, an deren Sinn und Zweck noch heute gelegentlich gerätselt wird, ist bekanntermaßen das Altgewohnte das Falsche und das Falsche das Normale. In einem Beitrag fand sich das Wort "Portmonee", was den Schreiber auf die Barrikaden rief.

3. 2. 2003

: Zum Umgang mit einem Staatsstreich. Dresdner Neueste Nachrichten,
Nun müssen wir weiter mit einer verkorksten Reform leben […], nach der in diesem Land grob geschätzt drei bis fünf deutsche Schriftsprachen friedlich-multikulturell nebeneinander her existieren, weil eigentlich keiner weiß, wie es nun richtig heißt. "Umgang mit einem Staatsstreich. Zur Situation der deutschen Rechtschreibung" lautet nun eine Debatte mit Reiner Kunze und Hans Krieger, zu der die Sächsische Akademie der Künste heute, 19 Uhr in den Festsaal des Blockhauses am Neustädter Markt einlädt.

31. 1. 2003

: Frankfurt und Frankfurter. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 26, s. 53, Frankfurt
Daß frühzeitig erkannte Augenkrankheiten von Kindern meist vorzügliche Heilungschancen haben, hob Christian Ohrloff von der Universitäts- Augenklinik hervor, als er im Haus Metzler in Bonames den Verein "Augenstern" vorstellte, der sich eine verbesserte Aufklärung von Eltern über Sehstörungen zum Ziel gesetzt hat. […] Bodo Kirchhoff berichtete von seiner Netzhaut-Operation — und davon, daß er ein großer Gegner der Rechtschreibreform und ihres ungewohnten Schriftbilds sei: "Meine Augen wollen das nicht sehen."

24. 1. 2003

: Quatschen gelernt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 20, s. 9, Briefe an die Herausgeber
Der Beitrag des emeritierten Juristen Dr. Bernd Rüthers "Willkür in den Worten" […] verdient höchste Anerkennung und Bewunderung, werden in ihm doch all jene Dinge aufgezählt, die jeden Vernunftbegabten seit Einführung der Rechtschreibreform beschäftigen.

23. 1. 2003

: Die Lämmer sind zu bedauern. Unbeugsam: Reiner Kunze und das Elend der Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 19, s. 34, Feuilleton
Daß […] die Frage einer Rechtschreibreform gestellt werden durfte, scheint ebenso unabweislich. Man konnte also etwa überlegen, ob man — um die Leiden der Legastheniker und anderer orthographisch Leidgeprüfter zu heilen — nicht wieder eine gemäßigte Kleinschreibung einführt, wie sie etwa mutatis mutandis im Mittelalter gepflogen wurde und von manchen zeitgenössischen Autoren benutzt wird. Eine solch radikale Reform […] wollten die Expertenkommission und die deutsche Kultusministerkonferenz nicht wagen. Die Lösung, die der deutschen Sprachgemeinschaft schließlich oktroyiert wurde, ist ebenso undemokratisch wie teuer und widersinnig in vielen Details. […] Was nach der Lektüre von Kunzes Büchlein bleibt, ist die Empörung über die freche Gängelung der deutschen Sprachgemeinschaft durch eine Handvoll Kulturbürokraten und über den Verlust an sprachlicher Feinjustierung, einer Feinjustierung, die niemand missen möchte, für den unser geliebtes Deutsch ein geistiges Präzisionswerkzeug bildet.

21. 1. 2003

: Buchstabenraub im Glatttal. Neue Zürcher Zeitung, , 224. jg., nr. 16, s. 39, Zürich und Region
Fast scheint es, als hätten sich anfängliche Stolpersteine der Rechtschreibereform in Luft aufgelöst. Dass dem nicht ganz so ist, zeigt sich im Vorfeld des kantonalen Abstimmungstermins vom Februar. Schwer fällt in diesem Zusammenhang manchen die Neuschreibung einer geplanten Tramlinie im Norden Zürichs. Dabei wäre es bestechend einfach: Das Flüsschen mit Namen Glatt und das Tal sollen die drei «t», die sie zusammen anhäufen, bei einer Fusion trotz nachfolgendem Vokal behalten […]. Von diesem der Logik dienenden Reformschritt will bei der Abstimmungsvorlage Glatttalbahn die kantonale Verwaltung nichts wissen — mit Verweis auf den Primat des historisch gewachsenen Begriffs «Glattal».

Und wie wächst wohl die trennung am zeilenende weiter? Wird man unhistorisch Glat-tal trennen oder versuchen, schreibern und computern in aller welt und in alle ewigkeit die wiedereinfügung des 3. t beizubringen?

: Zurück zum Alten. Süddeutsche Zeitung, , s. 10, Leserbriefe (173 wörter)
Erster Schritt: Die Süddeutsche Zeitung (wer sonst!) stellt wieder auf die bewährte Erwachsenenorthographie um. Zweiter Schritt: Andere große Zeitungen ziehen sofort mit […]. Dritter Schritt: Die Kultusminister fügen sich schön demokratisch dem Volkswillen und der Macht der Tatsachen und blasen die Reform ab.

Druck ausüben und demokratie sind zwei gute oder wenigstens unvermeidliche dinge, aber wir würden sie nicht in einem atemzug nennen.

20. 1. 2003

: Rechtschreibreform als bürokratischer Selbstläufer. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 16, s. 37, Briefe an die Herausgeber
Ebenso unzutreffend ist die weitverbreitete Vorstellung, Rechtschreibung sei ein Produkt staatlicher Normsetzung und der Staat daher zu ihrer Reform legitimiert. Ganz im Gegenteil: Die ersten staatlichen Rechtschreibregeln für die Schulen entstanden zur Abwehr eigenmächtiger Reformbestrebungen weiter Teile der von Jacob Grimms Reformforderungen inspirierten Lehrerschaft.

Die notwendigkeit staatlicher normsetzung ist immer diskutabel, auch und besonders im fall der rechtschreibung. Aber die «abwehr» von änderungsbestrebungen als alleinige begründung der notwendigkeit ist eine neue idee, die von der originalität her eine promotion in staatsrecht verdient.

17. 1. 2003

: Übrigens. Unser aller Sau mässiges Deutsch. Basler Zeitung, , s. 2, Zweite (223 wörter)
Aber weil uns diese Rechtschreibereform glauben lässt, im Zweifel alles auseinanderreissen zu sollen, schreiben wir inzwischen so ein Sau mässiges Deutsch.

16. 1. 2003

: Format statt Big Brother. Ostthüringer Zeitung,
Genschers Vortrag in Gera war durch und durch politisch, obwohl er nur an einer Stelle eine politische Bemerkung zugeben wollte. Da hatte er sein Unverständnis über die Bildungsminister Ost und West geäußert. Was wohl in deren Köpfen vorgegangen sein möge, anstatt die Probleme hoher Klassenstärken, Stundenausfälle und fehlender Finanzen anzugehen die Bürger jahrelang mit der Rechtschreibreform zu piesacken. Damit hätten die Bildungspolitiker nur eines erreicht: Er als Großvater könne seinen Enkeln beim Schreiben nicht mehr helfen.
: Dramatische Situation in Beilrode. Torgauer Zeitung,
Minutenlang herrschte betretenes Schweigen[,] als Mittelschulleiter Günther Risch mit der Aufzählung der dringend notwendigen Investitionen geendet hatte. […] Die Außenfassade ist marode. Die Schüler arbeiten immer noch mit Büchern, die auf der alten Rechtschreibung aufbauen, und das obwohl diese in zwei Jahren endgültig ausläuft.

15. 1. 2003

: Politiker scheuen Volksentscheide wie der Teufel das Weihwasser. Schaumburger Zeitung, , Rinteln
Dr. Hans-Joachim Duddeck aus Obernkirchen, 48 Jahre alt und praktizierender Allgemeinmediziner, referierte eine Stunde lang über die Ziele der Schill-Partei […]. Die Schill-Partei stehe für mehr Bürgerbeteiligung bei wichtigen Entscheidungen. Dr. Duddeck: "Wir sind weder zum Euro noch zur Rechtschreibreform noch zur EU-Erweiterung gefragt worden."

14. 1. 2003

: Weniger Sprachkompetenz. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 11, s. 36, Briefe an die Herausgeber
Es ist für mich nach wie vor unbegreiflich, daß der deutsche Journalismus fast ausnahmslos vor dem Schreibdiktat der Reformer kapituliert hat, ist doch die Sprache das Handwerkszeug par excellence für diesen Berufsstand.
: Vor 100 Jahren. Annoncen und Lernverse. Idsteiner Zeitung, Main-Rheiner,
An Schulen wird ein Gedicht gelehrt, dass die Regeln der neuen deutschen Rechtschreibung einprägsam machen soll. Ein Auszug: "In Tal, Tat, Ton, in Tor, Tür, Tran/Ists h für immer abgetan./Die Tränen weint man ohne h/Der 'Thron' steht unerschüttert da./Fremdwörter schreib' nach deutscher Art,/Wenn sie nicht fremde Form gewahrt,/zum Beispiel: Bluse, Gips, Pomade,/Auch Koks, Likör und Schokolade,/Dagegen Chaise, Tour, Logis,/Café, Journal und Jalousie!/Nach Vorschrift setzt man nun die Zeichen,/Wie Punkte, Strichpunkt und dergleichen./Das Komma wird 'Beistrich' genannt/Und künftig sparsam angewandt."
: die stimme der korrektur. die tageszeitung, , nr. 6953, s. 12, Meinung und Diskussion, Kommentar
Inzwischen hat, nicht nur bei der taz, die Freude am neu Gestatteten merklich nachgelassen; die Entscheidungen, welche Variante den Vorzug verdiene, sind pragmatischer geworden. […] Damit es nicht so ernüchternd schnell zum Altbekannten zurückgeht, kann sich das Mitglied der Sprachgemeinschaft ja auch durch Gerüchte ein wenig verwirren lassen. Muss es vielleicht heute "zurück gehen" oder "heraus finden" heißen? Beim Lesen vieler Zeitungen ist man geneigt, diese Schreibweisen zumindest für zulässig zu halten. Kann man gar mit der Behauptung, zweie könnten nach heutiger Regel nur zusammenkommen, indem sie "zusammen kommen", konservative Herrschaften schockieren? Man kann: Mit diesem und anderen falschen Beispielen polterte am Tag vor Weihnachten in der FAZ ein emeritierter Juraprofessor auf einer ganzen Seite gegen die Reform.

11. 1. 2003

: Brosmete. «Swissnordicday». Appenzeller Zeitung, , Appenzellerland
In Gais und andern Orten findet an diesem Wochenende der «Swissnordicday» statt. Ich habe zwar keine Ahnung, was das ist […]. Mich hat nur das «wunderbare» Wort fasziniert. […] Mit «dick» kann es nichts zu tun haben, das schriebe man nämlich mit jenem «ck», das es sogar nach neuer Rechtschreibung noch gibt.
: Die Rechtschreibreform ist eine Baustelle. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 9, s. 37, Briefe an die Herausgeber
Ein Hauptziel der vermeintlichen "Reform" von 1901 war es vielmehr, die erreichte Einheitsorthographie gegen die Reformeiferer der phonetischen Richtung abzusichern.

Siehe Kopke, FAZ vom 20. 1. 2003.

: Dahintergekommen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 9, s. 37, Briefe an die Herausgeber
Lediglich bei "dahinterkommen" hat der Verfasser recht. […] Wäre Rüthers Sprachwissenschaftler, würde er aber weiterfragen, ob die Nichtdifferenzierung denn tatsächlich so schädlich ist, wo sie doch in der Struktur des Deutschen systematisch angelegt ist, dort nämlich, wo der Satzbau die Trennung der beiden Bestandteile verlangt. "Die Frau kam dahinter" bedeutet nämlich beides: "Die Frau ist dahintergekommen" und "die Frau ist dahinter gekommen". Der Zusammenhang klärt, was gemeint ist.

9. 1. 2003

: Crimmitschau: Kalenderblatt. Freie Presse, , Westsachsen
Vor 100 Jahren. Mit dem Jahreswechsel tritt die neue deutsche Rechtschreibung in Kraft, die auch von Österreich und der Schweiz angenommen wird.

8. 1. 2003

: Rechtschreib-Unsicherheit in der Staatsbibliothek. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 6, s. 38, Briefe an die Herausgeber
Nach Umbau des großen Lesesaals im Haus Potsdamer Straße […] wurden neulich etwa ein Dutzend neue, teure Informationssäulen aufgestellt: "Staatsbibliothek zu Berlin — Preussischer Kulturbesitz" steht oben an jeder Säule […]. Es erhebt sich die Frage, wie ernst sich eine Bibliothek selbst nimmt, die nicht einmal ihren eigenen Namen richtig schreibt.

6. 1. 2003

: Gottes Geschenk. Ein heißes Eisen: Henner Kallmeyer bringt A. L. Kennedy in Hannover auf die Bühne. Hannoversche Allgemeine Zeitung,
Der Roman „Original Bliss“ der schottischen Autorin A. L. Kennedy ist im Jahr 2000 auf Deutsch erschienen – unter dem Titel „Gleißendes Glück (den der Wagenbach-Verlag in vorauseilender Verkennung der Rechtschreibreform als „Gleissendes Glück“ auf den Markt gebracht hat). Am Sonntag wurde die Bühnenfassung (unter Mitnahme des Rechtschreibfehlers) in der Cumberlandschen Galerie des Staatstheaters Hannover uraufgeführt.
: Vor 100 Jahren. Neue Rechtschreibung. Idsteiner Zeitung, Main-Rheiner,
„Mit dem neuen Jahre tritt die einheitliche neue deutsche Rechtschreibung hier und in Oesterreich in Anwendung“, verkündete die Idsteiner Zeitung vor 100 Jahren.
: Der letzte Romantiker. Stippvisite eines Sprachradikals — Zé do Rock in der Stadthalle. Neue Westfälische Zeitung,
Zé do Rock ist ein Sprachreisender. Kein Land lässt er in seinen Orthographieanalysen aus. […] Ultradoitsch oder Kauderdeutsch nennt er seine Version deutscher Rechtschreibung und -sprechung. Nachdem Kommissionen die Rechtschreib-Reform auf den Weg gebracht hatten, wissen Muttersprachler nicht, wie, warum und überhaupt etwas jetzt so und nicht anders geschrieben wird. "Deutsch gutt sonst Geld zurück" heißt do Rocks neuestes Buch. Darin und im Stadthallen-Foyer führt er schrittweise ein in seine eigene vereinfachte Grammatik.

4. 1. 2003

: Eilfertige Verlage. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 3, s. 6, Briefe an die Herausgeber
Endlich einmal wundert sich jemand darüber, daß namhafte juristische Verlage ihre Autoren zwingen, nach den neuen Regeln zu schreiben. Diese Regeln waren noch nicht in Kraft, da präsentierten viele Verlage dem verblüfften Autor seinen eigenen Text in eilfertig transformierter, den neuen Regeln angepaßter Form, ohne zu fragen und so, als ginge es nicht anders, als sei der Verlag verpflichtet, die Texte in der neuen Schreibweise zu veröffentlichen.

Vielleicht ist es so, vielleicht ist es auch nur ein schluss von sich selbst auf andere — jedenfalls gibt es leute, für die alles menschliche handeln nur auf pflicht und zwang zurückzuführen ist.

: Juristen sind keine Sprachwissenschaftler. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 3, s. 6, Briefe an die Herausgeber
Ich stelle noch einmal klar, daß ich kein Freund der Rechtschreibreform bin. Der Verfasser und ich sind beide Juristen und keine Sprachwissenschaftler. Trotzdem meine ich, man muß schon unterscheiden zwischen der Sprache und ihrer Schreibung. […] Ohne dies zu belegen, meint der Verfasser aber, es sei jetzt nicht mehr möglich, sich als Rechtsanwender präzise auszudrücken, weil die neue Rechtschreibung hieran hindere; und dies, mit Verlaub, ist Unsinn.
: Tourneestart: Helge Schneider bittet um Verzeihung. Die Welt, , Hamburg
Am Sonntag beginnt im Schmidts Tivoli offiziell die Deutschlandtournee des der deutschen Rechtschreibung nach wie vor abholden Entertainers Helge Schneider. Sein neues Programm trägt den Titel „Verzei mir, Baby (ich konnte nichts dafür)".

2. 1. 2003

: Bürokratische Bevormundung? Vor hundert Jahren öffnete eine Rechtschreibreform "Thür" und "Thor" für den Verfall orthografischer Sitten. Badische Zeitung,
Wie heute leisteten freilich gerade die treuesten Untertanen von Thron und Altar hinhaltenden Widerstand gegen die neue Autorität. "In den Kreisen der Gelehrten", klagte die neunte Auflage des Duden 1915, "stand man anfangs der ganzen Umgestaltung der Rechtschreibung gleichgültig, zum Teil feindlich gegenüber". Duden selber hielt die Reform für kein Meisterwerk, sondern nur für ein "Zwischenziel", das "keineswegs für alle Zeiten" zementiert werden dürfe. Hundert Jahre später ist der bescheidene Etappensieg der Fels geworden, auf dem die Gegner der nächsten Rechtschreibreform Kirche und antiautoritären Widerstand zugleich bauen. […] Konsequente Verächter der Rechtschreibreform von 1996 müssten eigentlich auch die von 1903 ablehnen; beide waren unlogisch und willkürlich. Wer zurück zu den Wurzeln will, muss auch Ja zur Kleinschreibung der Vorbarockzeit sagen, womöglich in Mittelhochdeutsch oder gar Runenschrift.
: Von Tangastrip bis zur Schnattergans. Wenn der Postbote klingelt – Was Briefzusteller auf ihren Touren durch die Lande so erleben. Ostsee-Zeitung,
Außerdem machte er diese Erfahrung: „Die Orthografie ist auf dem Dorf anders als in der Stadt“.
"Presse"-Relaunch. Wiener Zeitung, , Kultur
Nicht bestätigen wollte Chefredakteur Andreas Unterberger, dass sich sein Blatt der neuen Rechtschreibung annähern will. "Rund um einen Relaunch wird über vieles nachgedacht", sagte er lediglich. Das Traditionsblatt hat die Rechtschreibreform noch nicht umgesetzt.

1. 1. 2003

: Wie sinnvoll Sprache geregelt ist. Thüringische Landeszeitung, , Jena
Trenne nie "st", denn es tut ihm weh — diese Regel aus Grundschulzeiten hat sich spätestens seit der jüngsten Rechtschreibreform überholt. Ob solche Regeln sinnvoll sind, wie sie entstehen und warum sie sich manchmal überholen, gehört zu den Themen, mit denen sich Prof. Dr. Peter Gallmann (50) befasst. Der Schweizer ist in diesem Wintersemester auf den Lehrstuhl für Germanistische Sprachwissenschaft der Friedrich-Schiller-Universität berufen worden.

1. 2003

: Wie schreiben wir gegenwärtig? Stand und Probleme der Orthographiereform. Deutsch als Fremdsprache, , nr. 1, s. 3 bis 13
Abstract: Nach Ausführungen zu theoretischen und historischen Aspekten einer Orthographiereform wird anhand des 3. Berichtes der Zwischenstaatlichen Kommission für deutsche Rechtschreibung über den Stand der Umsetzung der orthographischen Neuregelung von 1996 informiert (in den Bereichen Schule, Behörden / staatliche Institutionen, Nachrichtenagenturen/Presseorgane, Buchverlage) und es werden Alternativlösungen zu möglichen Problemfällen dieser Regelung diskutiert (in den Bereichen Groß- und Kleinschreibung sowie Getrennt- und Zusammenschreibung).