Müller, Peter:
Schreiben für die Lesenden.
St. Galler Tagblatt,
8. 1. 2008, nr. 5, s. 2,
Hintergrund (1205 wörter)
Die verunglückte Rechtschreibreform hat zahlreiche Probleme hinterlassen. Zwei sind für unsere Branche besonders gravierend: die Erschwerung des Lesens und die Vervielfachung der Varianten. Das ist ein fataler Ansatz in einer Zeit, in der das Lesen und die Zeitungen in der Defensive sind. Gefordert ist vielmehr, dem Leser den Zugang zu den Texten möglichst zu erleichtern. Das kann auf verschiedene Weise geschehen: durch einfach gebaute, kurze Sätze, durch Vermeiden unnötiger Fremdwörter, aber auch durch eine Rechtschreibung, die Bedeutungsunterschiede durch Unterscheidungsschreibung kennzeichnet.
Nein, bedeutungsunterschiede werden durch die sprache ausreichend ausgedrückt. Wir schreiben ja nicht nur, wir sprechen auch.