Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

nachgeführt 2017-11-10 , 2017-10-25

Aus presse und internet

31. 12. 2016

: Vom Schicksal der Wörter. Revolution – Reformation – Reform; eine Sprachkritik. Neues Deutschland, , s. 18, Luther, Lenin und die Linken
Nun, an der Verwendung des Wortes Reform herrscht kein Mangel: Renten­reform, Gesundheits­reform, Hochschul­reform, Steuer­reform, Bildungs­reform, Rundfunk­reform, Schul­reform, Rechtschreib­reform, Verfassungs­reform usw. usw. […] Es gibt »Radikalreformer« und »gemäßigte Reformer«. […] Dass zumindest der sprich­wörtliche »Kleine Mann« oder die »Kleine Frau« von all diesen Reformen Gutes, Vor­teilhaftes für sich erwartet, ist freilich kaum belegt. Deshalb gibt es sehr viel mehr Protest gegen Reformen als Zu­stimmung. Es dominiert eher die Angst vor Ver­schlechterung durch Reformen, als dass sie Hoffnung nährten.

Das psychologische fänomen der verlust-aversion (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 2. 6. 2001) ist bekannt, aber kein argument gegen reformen.

: Lenin lebte viele Jahre in der Schweiz … Neues Deutschland, , s. 23, Luther, Lenin und die Linken
Jacob (oder Jakob) war die eine Hälfte des Gebrüderpaares Grimm, dem wir nicht nur die berühmte Märchensammlung, sondern auch ein Wörter­buch verdanken, das auch »Der Grimm« genannt wird. […] 35 Jahre nach dem Abschluss des »Grimm« trat die Rechtschreib­reform in Kraft, die sich leider nicht zu einer Revolution durch­ringen konnte, die im Sinne der Gebrüder Grimms gewesen wäre. Die pro­pagierten nämlich schon vor 170 Jahren die ge­mäßigte Klein­schreibung […].

30. 12. 2016

: Rau und reif. Badische Neueste Nachrichten, , 71. jg., nr. 303, s. 17, Karlsruhe
Rauhnacht, Raureif, rau: Selbst im Internet­zeitalter bewahren viele dem mythologisch belegten Wort der Reihe sein kleines h, der Rechtschreib­reform 1996 zum Trotz. Wenn das nicht etwas Mystisches hat...
: Durch Faulheit fördert man die Dummheit. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 305, s. 33, Briefe an die Herausgeber (226 wörter)
Die Idee, die für den Verein „Netzwerk Leichte Sprache“ zur Grundlage seines Wirkens geworden ist, […] hat einen be­ängstigenden Prozess in Gang gesetzt. Ähnlich wie seiner­zeit die Rechtschreib­reform ist dieser Eingriff in unsere Sprache äußerst frag­würdig.
: Bunte Republik. Der Spiegel, , nr. 1/2017, s. 128 bis 133, Der Spiegel seit 1947
26. März 1998, Bonn. "Die Sprache gehört dem Volk", beschließt der Bundestag in einer Resolution und erklärt die neue Recht­schreibung verbindlich für Beamte, Schüler und Soldaten. Die bunte Republik gibt sich einem Kultur­kampf hin, bei dem in apokalyptischem Ton um Interpunktion und Wort­trennung ge­stritten wird. […] Heute sind die Helden des Wider­stands in die innere Emigration gegangen, treiben im Netz "grammati­kalische Exerzitien", verlegen Anti-Duden und haben recht. Dank der Reform sind sich heute 80 Prozent der Deutschen bei vielen Wörtern nicht mehr sicher, wie man sie schreibt.

29. 12. 2016

: Maulwurf: Gar nicht so einfach. Ems-Zeitung, , s. 15, Lokales
Seit Jahren versuche ich, meinen Geschwistern bei­zubringen, wann sie „als“ und „wie“ zu ver­wenden haben. […] Nach der Rechtschreib­reform dürfe man alles nach Lust und Laune nutzen, und es sei immer richtig, hieß es.
: Fehlende Scheine und „falsche Fuffziger“. Der Standard, , s. 11, GeldStandard
Ob akuter Bargeldmangel oder bloß Verwirrung und Gelächter – die heuer auf den Weg gebrachten Währungs­reformen waren in Planung und Umsetzung mangel­haft. […] führte in Weiß­russland die Ausgabe neuer Rubel-Scheine, bei denen vier Nullen gestrichen wurden, bloß für Verwirrung. […] Da die neuen Bank­noten bereits seit 2008 in den Tresoren der Notenbank lagen, wegen der Finanz­krise und an­schließender Inflation aber erst heuer zum Zahlungs­mittel wurden, konnte eine im Jahr 2011 umgesetzte Rechtschreib­reform nicht berück­sichtigt werden. Als Folge entspricht das Wort „fünfzig“ auf den neuen Bank­noten nicht mehr der korrekten Schreib­weise.

23. 12. 2016

: Wie haben wir das nur überlebt? Badische Zeitung (), , Leserbriefe
Wenn man das "ß" auf Dauer abschaffen würde, käme noch mehr Mi(ß)ssverständliches zutage.

22. 12. 2016

: Das sagt sich so leicht! Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 299, s. 9, Feuilleton
Ob Ministerien oder Kommunen, Behörden oder Rundfunk­anstalten - überall übt man sich neuerdings in leichter oder einfacher Sprache. […] Gegen Hilfe­stellungen für Menschen mit kognitiven Schwierig­keiten ist nichts einzuwenden, im Gegenteil. Gegen die Infan­tilisierung von Sprache und ihren Gebrauch nach dem Baukasten­prinzip dagegen schon. […] Gerade die Literatur aber bezieht ihren Reiz ja eben nicht aus Ver­einfachung. […] Sprache, zumal die der Belletristik, atmet; sie ist lebendig, ein Reich der Vielfalt und der Wider­sprüche, das sich in kein Schema pressen lässt. Das hat auch die jüngste Rechtschreib­reform unterschlagen.

Leider tappt die autorin auch in eine vereinfachungsfalle, indem sie sprache und schreibung gleichsetzt (schichtenmodell).

17. 12. 2016

: Diesen Buchstaben nutze ich nicht. Badische Zeitung (), , Leserbriefe
Die deutsch­sprachigen Länder leisten sich noch eine über­holte Eigenart: Die Groß­schreibung von Substan­tiven ist einzig­artig in Europa. Der letzte Staat, der dies ab­geschafft hat, war Dänemark.

16. 12. 2016

: Fehler in Deutsch werden kaum noch gewertet. , , Rhein-Main
Der Hessische Philologen­verband beklagt, dass eine korrekte Schrift­sprache nur noch eine unter­geordnete Rolle spiele - selbst bei der Noten­gebung im Fach Deutsch an Gymnasien. Die Kritik zielt auf eine Neu­regelung, die seit Beginn dieses Schul­jahres in den hessischen Oberstufen gilt. Danach können für sprachliche Fehler in Klausuren statt vier nur noch maximal zwei Punkte ab­gezogen werden. […] „Die neue Regelung relativiert die Bedeutung der formalen Korrekt­heit.“ Damit verstärke sie den all­gemeinen Trend an den Schulen. Dort sei es um die Sicherheit in der Recht­schreibung schon länger schlecht bestellt.

14. 12. 2016

: Das Streiflicht. Süddeutsche Zeitung, , 72. jg., nr. 289, s. 1
Dabei ist das ß doch ein Allein­stellungs­merkmal der deutschen Sprache, stolzer Solitär und Flagg­schiff in der S-Klasse. […] Die Rechtschreib­reform hat uns einiges genommen, den „Paß“ und das „Schloß“, das „Roß“ ebenso wie das „Faß“ und den „Erlaß“, genau betrachtet also sogar den Recht­schreib-Erlaß. […] Seit 1996, als die neuen Regeln in Kraft traten, schreibt man all diese Wörter mit ss. Wenn man sie heute so schreibt wie früher, wirken sie ein bisschen (auch so ein ß-Abtrünniger) schnörkelig […]. So zurück­geblieben aber ist das ß gar nicht. […] Jetzt nämlich soll das ß auf seine alten Tage doch noch groß heraus­kommen. Der Rat für deutsche Rechtschreibung hat die Ein­führung eines Groß­buchstabens für das scharfe S angeregt […].

10. 12. 2016

: Atzventzkrantzkertzen. Liechtensteiner Vaterland, , s. 9
Aber muss man nicht fairer­weise zugeben, dass die so­genannte Rechtschreib­reform allen Ver­fechtern einer korrekten Sprache scham­los in den Rücken gefallen ist? Sagte man früher: «Ich habe mit Hilfe des Dudens die richtige Schreib­weise gefunden», muss man heute schreiben: «Ich habe mithilfe des Dudens heraus­gefunden, dass ich in Zukunft auf die Mithilfe des Dudens getrost verzichten kann». Ich nenne das nicht Rechtschreib­reform, sondern Rechtschreib­verformung.
: Rechtschreibrat: Unfähig! Setzen! Die Welt (), , s. 25, Feuilleton, Kommentar
Es gehört schon eine be­achtliche Portion Ignoranz und Ab­gehobenheit dazu, wenn der Rat für deutsche Recht­schreibung unter seinem ewigen Vor­sitzenden Hans Zehetmair der Kultusminister­konferenz in seinem „3. Bericht“ seit der Rechtschreib­reform mitteilt […]. Lesen die Leute keine Zeitung, keine Pisa-Studien, keine Klagen der Wirtschaft, Uni­versitäten und Kommunen? Wissen sie wirklich nicht, wie es um die Recht­schreibung seit der über­flüssigen, teuren und chaotischen Reform steht? Haben die Mitglieder des eigens von der Bundes­regierung ein­gesetzten, für deutsche Ortho­graphie zu­ständigen Gremiums allen Ernstes nicht mit­bekommen, dass die Rechtschreib­leistungen in­zwischen einen Tief­stand er­reicht haben wie seit hundert Jahren nicht?

Sie haben aber wohl mitbekommen, dass sogar Friedrich Denk ein «viel größeres Problem» namens internet sieht.

: Hessische Polizei: Jeder Sechste fällt durch Sprachtest. , , Rhein-Main
Begriffe würden falsch geschrieben, Kommata an den falschen Stellen gesetzt, von Groß- und Klein­schreibung ganz zu schweigen. […] Dabei handelt es sich nicht einmal um besonders schwierige Wörter. Die Bewerber müssen etwa zwischen „das“ und „dass“ unter­scheiden oder die richtige Schreib­weise von „Karussell“ bis „Dreißig­jähriger Krieg“ beherrschen.

9. 12. 2016

: Sprachplauderei: Maria Immatriculata. Schwäbische Zeitung (), , s. 11, Kultur
[…] das Bundeskriminalamt habe Probleme bei der Besetzung von Stellen, weil die Bewerber trotz Abitur den Deutsch­test nicht schafften. Deswegen werde schon überlegt, die An­forderungen abzusenken. Auf die Idee, eine bessere Rechtschreib­schulung einzuklagen, scheint schon niemand mehr zu kommen. […] Entweder das Recht­schreib-Niveau sinkt allgemein – was viele Ursachen haben kann, von falscher Gewichtung im Unter­richt über die Leseunlust der Jugend bis zur unaus­gegorenen Rechtschreib­reform. Oder aber die Wurstigkeit im Umgang mit den Ortho­grafie-Regeln steigt in Zeiten des schnellen Internet-Schrift­verkehrs rapide an.

Auf die idee, eine bessere recht­schreibung einzuklagen, scheint schon niemand mehr zu kommen.

: das versaleszett auf dem weg ins establishment. , , Alphabet
So fällt, wenn dieser Vorschlag des Rechtschreibrates umgesetzt wird, die Er­setzung durch „SS“ zwar nicht weg, aber der Einsatz von „ẞ“ ist immerhin erlaubt. Das nimmt dann auch endlich all den Obrigkeits­hörigen den Wind aus den Segeln, die sich damit bis jetzt nicht an­freunden konnten („In den Rechtschreib­regeln steht aber …“, „Gibt’s nicht, weil: steht nicht im Duden …“).
: Rechtschreibrat macht Weg für großes Eszett in amtlicher Rechtschreibung frei. , , Fachartikel
In den bereits vorab durch­geführten An­hörungen im deutsch­sprachigen Raum wurde dem Vorschlag bereits ohne Einwände zugestimmt. Das Goethe-Institut begrüßt den Vorschlag zum Beispiel aus­drücklich und schließt sich »voll­umfänglich« an. Die Schweiz und Liechten­stein ent­hielten sich, da sie das Eszett bekanntlich generell nicht ver­wenden.

3. 12. 2016

: BKA-Bewerber scheitern am Deutschtest. , , Panorama
Das Bundes­kriminal­amt kann offene Stellen nicht besetzen, weil zu viele Bewerber am Deutsch­test scheitern - trotz Abitur. Nach In­formationen des SPIEGEL sollen die An­forderungen nun geändert werden.

2. 12. 2016

: Apostrophitis und andere Seuchen. Neue Zürcher Zeitung (), , 237. jg., nr. 282, s. 12, Meinung & Debatte
Fehlerreiches Schreiben ist wie Sprechen mit vollem Mund: un­anständig und der Ver­ständigung ab­träglich. […] Keine Gämse schleckt es weg und auch keine Gemse: Mit der Rechtschreibe­reform haben die Probleme wenig zu tun, ob man dieses Tier nun neu mit «ä» schreibt oder, wie diese Zeitung, die alte Schreibung bevorzugt. Natürlich haben die Reformer und ihre Voll­strecker an ein paar Stellen etwas gepfuscht, etwa indem sie als Hofknicks vor den Angel­sachsen die Apostroph-Regeln liberalisiert und so der ein­gangs erwähnten Seuche Vorschub geleistet haben. Aber insgesamt ist das System vereinfacht und der Wegfall einiger Schreib­varianten so verschmerz­bar wie damals, als die Schweiz das mitunter differenzierende Eszett abschaffte (als letzte hiesige Zeitung zog übrigens 1974 die NZZ mit). Ist dieses Land, seit es Masse und Maße nicht mehr zu unter­scheiden weiss, etwa zu einer Brut­stätte von Miss­verständnissen geworden? Nein, das Problem sind nicht die Regeln an sich. Es ist das all­gemein erhöhte Tempo, gepaart mit wachsender Gleich­gültigkeit gegen­über Sorgfalt und formalen Kriterien, deren Beachtung kaum mehr jemand ein­zufordern wagt.

1. 12. 2016

: Rechtschreibreform: Das Hirn braucht Herausforderungen. (Frankfurter Rundschau), , Wissen, Gastbeitrag
Sollen Kinder sowohl Druck- als auch Schreib­schrift lernen? Thüringen ist dazu über­gegangen, nur noch Druck­schrift zu pflegen. Kritiker sagen, Ver­wirrungen sind lern­fördernd.

30. 11. 2016

: Hinweistafeln falsch beschriftet. Braunschweiger Zeitung, , s. 23, Wolfenbüttel, Leserbrief
Auf den Hinweistafeln zu den „Bastelecken“ in der Innen­stadt liest man nämlich: Schloß­platz und Reichs­strasse. Es muss aber richtig anders­rum ge­schrieben werden: Schloss mit „ss“ und Straße mit „ß“.
: Flucht und Segen. Leipziger Volkszeitung, , s. 11, Kultur
Seine [Heinz Rudolf Kunze] Bücher werden nicht von Mönchen ab­geschrieben, sondern gedruckt. Viel­leicht nicht mit be­weglichen Lettern, dafür mit Warn­hinweis: „Auf Wunsch des Autors wurden die Regeln der Rechtschreib­reform von 1996 nicht an­gewendet.“ Er kann nicht anders.

stellungnahme zu früherem artikel

28. 11. 2016

: Das dritte S. Migros-Magazin (), , nr. 48, s. 19, Menschen, Kolumne
Die Rechtschreibreform? Wird gerade zwanzigjährig. Und aber­mals füllen ihre Gegner ganze Zeitungs­seiten. Gämse oder Gemse? Emeritierte Pro­fessoren und professio­nelle Besser­wisserinnen haben es sich zum Lebens­inhalt gemacht, an Details besagter Refrom herumzumäkeln, statt auf das Gelungene hin­zuweisen. Diese Berufs­eiferer vergessen, dass die Schrift seit je im Wandel ist.

stellungnahme.

: Schule und Reformen. Referat zum Lehrplan 21 und den Schulreformen. Walliser Bote, , s. 10, Wallis
Zu seinem Vortrag schreibt Herr Stirnemann: «Unsere Schweizer Schule ist ein wohnliches Haus. […] Ein Schul­bau muss unter­halten und weiter­geführt werden. Das Aber an der Sache: Im Bildungs­wesen folgt eine Reform der anderen, und es fehlt an der Planung, am Versuchen und am Überprüfen. Beispiele sind die Rechtschreib­reform und neuer­dings der Lehrplan 21 mit seiner Kompetenz­orientierung.»

26. 11. 2016

: Die MN-Wochenendumfrage. 20 Jahre Rechtschreibreform. Mittelschwäbische Nachrichten, , 72. jg., nr. 274, s. 31, Krumbach, Kammel- und Günztal
Bei unserer Wochenend­umfrage waren wir in Thann­hausen unter­wegs. Die Älteren der Befragten schreiben, wie sie es früher gelernt haben. Die Jüngeren oder die Schüler achten natürlich auf die richtige Recht­schreibung.

21. 11. 2016

: Eszett: Die wichtigsten Regeln für Schweizer. , , blog
Das Fehlen des Zeichens «ß» ist der wohl pro­minenteste Unter­schied zum deutschen Standard­deutsch. […] Und auch in Deutsch­land ver­liert das Zeichen seit der letzten Rechtschreib­reform an Einfluss.

18. 11. 2016

: Schwierig, hier keine Satire zu schreiben. Zwanzig Jahre Rechtschreibreform – ein Jubiläum, das niemand feiern mag. Neue Zürcher Zeitung (), , 237. jg., nr. 270, s. 37, Feuilleton
Horst Haider Munske, der an der Aus­arbeitung der Neu­regelung beteiligt war, nennt aus kritischem Abstand den Grund für das Scheitern des Unter­nehmens: «Eine systema­tische Über­prüfung, wie sich Reform­vorschläge auf den gesamten Wort­schatz aus­wirken, fand nirgends statt – nicht zuletzt wegen fehlender Mittel. Die Unaus­gegorenheit und Fehler­haftigkeit vieler neuer Regeln wurde erst 1996 in den neuen Wörter­büchern sicht­bar.» Sicht­bar wurde damals, dass diese Reform in die Grund­sätze der Wort- und Satz­bildung unserer Sprache eingreift.

Jeder, der ein eingreifen in die grund­sätze der wort- und satz­bildung befürchtete (was wir bestreiten), hatte die möglichkeit, eine «systematische über­prüfung» vorzunehmen. Wozu ist Munske wissenschafter? Warum hat er es nicht gemacht?

6. 11. 2016

: Pränatale Prosa. Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, , nr. 44, s. 44, Feuilleton
Ian McEwans Roman „Nussschale“ ist ein selt­sames Buch. Es hat nicht nur einen unge­borenen Erzähler; alles, was man ihm vorwerfen kann, kann man ihm auch zugute­halten. […] Denn „Nuss­schale“, dieser erste McEwan-Roman mit drei S im Titel (einer von vielen Folge­schäden der Rechtschreib­reform) ist vom ersten bis zum letzten Satz aus der Sicht eines noch unge­borenen, dann, auf den Schluss­seiten (noch ein Sss-Wort!), hastig und unver­hofft […] ins Leben ge­worfenen Kindes erzählt.

In der Schweiz gäbe es diesen «folge­schaden» nicht.

5. 11. 2016

: Professx trifft Student*innen. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. C3, Beruf & Chance, Campus
Sogenanntes Gender-Deutsch treibt Befür­worter und Gegner auf die Barrikaden. Der Ton an den Unis wird rauher. […] Die Münchner Frauen­beauftragte Margit Weber setzt jedoch darauf, dass sich die Menschen an die neuen Begriffe gewöhnen, wie sie auch die Rechtschreib­reform akzeptiert hätten.
: Wie kommt Frau Weber dazu … , , Beruf & Chance, Lesermeinungen
… die Rechtschreib­reform sei akzeptiert worden. Frau Weber hat wohl nicht mit­bekommen, dass sich die un­nötigste, teuerste und von Medien und Verlagen abgelehnte Rechtschreib­reform als Mega­flop heraus­gestellt hat und eben nicht die Akzeptanz gefunden hat, die sie sich wünscht.

Mehr akzeptanz, als man sich wünschen kann, wenn sich sogar die gegner ganz ohne zwang daran halten.

: Man werde sich dran gewöhnen... , , Beruf & Chance, Lesermeinungen
... wie an die Rechtschreib­reform. Na so ein Glück, dass ich z.B. die Reform immer noch ablehne und in der alten Weise weiter­schreibe.

3. 11. 2016

: Schreib doch Petra: Scharfer Buchstabe. tz (tz.de), , 48. jg., nr. 254, s. 28, Bunt Gemischt
Erst seit der Reform der deutschen Recht­schreibung von 1901 gibt es Regeln, wann man das scharfe „S“ verwendet und wann nicht. Bis dahin hatte jeder Autor nach eigenem Empfinden darüber ent­schieden.
: Is doch garr nich so schlächt. Steht es um die Rechtschreibkünste unserer Schüler besser als gedacht? Die Zeit, , 70. jg., nr. 46, s. 33, Wissen
Schuld an der Misere sind mal die Politiker (Rechtschreib­reform!), mal die 68er (Abneigung gegen Diktate jeder Art), mal Grundschullehrer, die den Schülern nicht mehr wie früher einzelne Silben bei­bringen, sondern sie von der ersten Klasse an munter drauflos­schreiben lassen. […] Vergangenen Freitag ver­öffentlichte das Institut zur Qualitäts­entwicklung im Bildungs­wesen seinen neuen Bildungs­trend. […] bisher von der Öffentlich­keit kaum wahr­genommen, fanden sich dort auch Informationen zur Ortho­grafie. Danach haben sich die Rechtschreib­kenntnisse der Neunt­klässler in den ver­gangenen sechs Jahren keines­wegs ver­schlechtert, sondern sogar ganz leicht verbessert. […] Im Grunde genommen hat die Lese-Rechtschreib-Forschung in den ver­gangenen Jahr­zehnten kaum empirisch belastbare Ergebnisse geliefert.

26. 10. 2016

: Noch anderes. Rheinische Post, , Leserbriefe
Zu „Studenten klagen über zu­nehmenden Stress“: […] Da fallen mir aber noch ganz andere Dinge ein, wie Rechtschreib­reform, G 9/G 8-Reform, ver­einfachte Ausgangs­schrift und so weiter.

22. 10. 2016

: Wir wollen 1901 zurück! , , Literaturblog
Momentan ärgert sich Herr Weidle vom Weidle Verlag vor allem darüber, dass seine Prakti­kanten nicht das Korrek­torat über­nehmen können, weil sie zu jung sind, um die alte Recht­schreibung zu beherrschen. Wir kennen das Gefühl. So erging es uns, als wir merkten, dass der Familien­hund zu schwach ist, den Mercedes zu ziehen, damit wir Benzin sparen.

21. 10. 2016

: Der Richter, der den Abschuss verbot. Süddeutsche Zeitung, , 72. jg., s. 6, Politik
Dass „seine“ Urteile dann doch sehr viel bekannter geworden sind als er selbst, das hat ihm ganz gut gefallen. Und Dieter Hömig, der dem Bundes­verfassungsgericht von 1995 bis 2006 angehörte, war im Ersten Senat für eine ganze Reihe großer Ent­scheidungen als Bericht­erstatter mit­verantwortlich – zur Rechtschreib­reform etwa […].

20. 10. 2016

: Späte Reue. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , s. 6, Politik, Bildungswelten
Auf Zehetmair folgt jetzt der frühere nieder­sächsische Staats­sekretär Josef Lange, der bisher jeden­falls nicht als Rechtschreib­rebell von sich reden gemacht hat. Der eigentliche Rechtschreib­rebell, der frühere Lehrer Friedrich Denk, lässt jedoch nicht locker. Bei der Frank­furter Buch­messe hat er am Mittwoch die so­genannte „Frank­furter Er­klärung nach 20 Jahren Rechtschreib­reform“ vorgestellt, die von vielen Schrift­stellern, Professoren, Verlegern, Journalisten und Kultur­schaffenden unter­zeichnet wurde. 20 Jahre nach dem Start der Rechtschreib­reform seien ihre Folge­schäden unüber­sehbar. „Die Ver­wirrung und Ver­unsicherung der Schreibenden ist groß, die Schüler machen nach­weislich nicht weniger, sondern deutlich mehr Fehler, die deutsche Einheits­orthographie ging verloren.“

18. 10. 2016

Die Messe. Süddeutsche Zeitung, , 72. jg., nr. 241, s. spezial 1, Literatur (114 wörter)
Aber war da nicht noch ein Auf­reger? Richtig, der er­schöpfende Fight um die Rechtschreib­reform.
Eine Frisörin isst Spagetti. Süddeutsche Zeitung, , 72. jg., nr. 241, s. spezial 5, Literatur (87 wörter)
Über 300 Autoren, Germanisten und Jour­nalisten unter­zeichneten 1996 auf der Buch­messe die so­genannte „Frank­furter Erklärung zur Rechtschreib­reform“.

13. 10. 2016

: G8 gegen G9. Wir brauchen G8. Die Zeit, , nr. 43, s. 75, Chancen
Abitur nach zwölf oder nach dreizehn Jahren? […] der neue Kampf ums Gymnasium zeigt aller­dings, wie sich Bildungs­debatten wieder hysterisiert haben. An nervöses schul­politisches Zittern jedoch muss man sich mit Grausen erinnern: Auseinander­setzungen um Gesamt­schulen und Rechtschreib­reform lähmten das Bildungs­system zu viele Jahre.

11. 10. 2016

: Deutschstunde: Vielleicht hätte Gutenberg es einführen können. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Ein großes Eszett ist also weder Mitglied des Alphabets noch Gegen­stand der Recht­schreibung. Viel­leicht hätte Guten­berg es ein­führen können. Jetzt ist es zu spät dafür.

7. 10. 2016

: Grab der Sprache. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 234, s. 29, Briefe an die Herausgeber
Der "Abschied vom Sie" (F.A.Z. vom 29. September) und die Willkommens­kultur für Anglizismen, die Rechtschreib­reform und der staatlich verordnete Gebrauch von "geschlechter­sensibler Sprache" […]: es sind nur noch wenige Schritte bis zum Grab unserer einst schönen, ausdrucks­starken und nuancen­reichen Mutter­sprache.

3. 10. 2016

: Im Zeichen des Ameisenbären. Profil, , 47. jg., nr. 40, s. 90 bis 94, Kultur
Die Schriftstellerin Elfriede Jelinek wird am 20. Oktober 70 Jahre alt […]. 70 offene Fragen (und Antworten) zur Literatur­nobelpreis­trägerin. […] 52. Legt Elfriede Jelinek Wert auf korrekte Ortho­grafie? Schon. Es mag jedoch tröstlich sein, dass auch Österreichs möglicher­weise sprach­mächtigster Mensch ortho­grafisch nicht unfehlbar ist. („Das ist doch Geld, daß der deutsche Fußball­bund verloren hat, aber nicht mit mir und nicht an mich“, heißt es etwa im jüngsten Text auf Jelineks Website.) „Ich will keinen Fetisch aus der Sprache machen, aus der Rechtschreibung auch nicht“, hat sie einst gesagt, als die Rechtschreib­reform gerade zum Feuilleton­thema aufstieg.

26. 9. 2016

: „Piano Paul“ überzeugt nur am Klavier. Gränzbote (), , s. 16, Tuttlingen
Der Musik­kabarettist Dr. Dietrich „Piano“ Paul hat am Samstag­abend im Kultur­haus „Altes Krematorium“ gastiert und hat humorvoll auf Probleme im Schul­wesen hin­gewiesen. […] Beispiele aus der PISA-Studie, Rechtschreib­reform oder der Mathematik sowie Musik waren Inhalt seines Kabarett­programms.

13. 9. 2016

: Wird der Buchstabe V etwa abgeschafft? , , Kultur
Jetzt ist sogar die „Gesellschaft für deutsche Sprache“ der Frage nach­gegangen, ob das V in der deutschen Sprache überhaupt seine Berechtigung habe. Anlass war die Frage eines beratungs­bedürftigen Sprechers, ob man das V nicht streng genommen in allen deutschen Wörtern problemlos durch ein F oder ein W ersetzen könne. Die Antwort der Sprach­gesellschaft lautete ein­deutig: Ja. „Der Buch­stabe V lässt sich lautlich nicht von entweder F oder W unterscheiden.“ […] Eine völlige Ab­schaffung des V hält die Gesellschaft für deutsche Sprache aber weder für wahr­scheinlich noch für wünschens­wert, denn dann könnte man ja beispiels­weise nicht mehr zwischen viel und fiel unter­scheiden […].

Man kann auch nicht mehr zwischen sein und sein unterscheiden.

10. 9. 2016

: Immer noch Schwachpunkte bei der Rechtschreibreform. , , Kultur
Dass die Kulturtechniken des Lesens und des Schreibens nicht unbeeinflusst bleiben vom rasanten Wandel in einer Welt der elektronischen Medien, liegt auf der Hand. Jugendliche lesen in der Tat unterm Strich weniger, und in E-Mails, SMS, Blogs und Chats hat sich eine Schreibe eingebürgert, die mit ihren Satz­bruchstücken, Wort­splittern und Kürzeln jeder Sprach­norm Hohn spricht. […] Auch der springflut­artig wachsende Einfluss des Englischen wird von Experten gerne kleingeredet. […] Das bleibt nicht ohne Folgen, gerade für Jugendliche. Sich ständig nebenbei in einer Sprache zu bewegen, die man ohnehin nicht korrekt beherrscht, zweigt Energien ab. Und die fehlen anderswo – zuvörderst bei der Be­herrschung der Mutter­sprache. Aber so sehr auch andere Ursachen für grassierende Rechtschreib­schwäche verant­wortlich sind, die Reformer haben ein gerüttelt Maß an Schuld.
Sprachgeschichte als schuldzuweisung. Wie so vieles würde auch die sprache besser funktionieren, wenn es keine menschen gäbe.
: Sprachlabor. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Forum
Ob Holz modellierbar ist, sei dahin­gestellt, aber dass eine Galions­figur nicht „aus Lerche modelliert“ wird, weiß Dr. S. gewiss. Die Rechtschreib­reform hat die Gemse zur Gämse modelliert, doch gilt dies nicht in der Umkehrung: Es ist, wie Shake­speare sagt, die Lärche und nicht die Lerche.

1. 9. 2016

: Synonyme. Die Weltwoche, , nr. 35, s. 64, Kritiken
Das männliche Glied, auch Penis, Genital, Gemächt, Gehänge oder einfach Schwanz genannt, dient der Fort­pflanzung. […] Ernest Borne­mann führt in seinem Standard­werk «Sex im Volks­mund» weit über fünf­hundert Synonyme für das gute Stück auf. […] Manch einer erkannte seinen Stängel nach der Rechtschreib­reform nicht wieder.

9. 2016

: Angriff auf die Sprachkultur. Zwanzig Jahre Rechtschreibreform. , , Leseprobe
Sinn und Zweck einer geregelten Ortho­graphie ist ja nicht ihre leichte Erlern­barkeit, sondern das miß­verständnis­freie Lesen auch komplizierter Texte und das Ermög­lichen einer hoch­differenzierten Sprach­kultur […]. Denn in dieser Sprach­kultur schult sich die Präzision des Denkens, ohne die es auch die wissenschafts­gestützte Technik mit all ihren Errungen­schaften der Lebens­bequemlichkeit nicht geben könnte.

31. 8. 2016

: Einspruch! Münchner Merkur, , s. 4, Politik, Gastkommentar
Statt „tätiger Reue“, wie sie der scheidende Vor­sitzende des Rechtschreib­rats, Staats­minister a. D. Hans Zehetmair, einst ankündigte, erkennt man bloß untätige Scheu vor den un­gelösten Problemen. Nur ein Neu­anfang mit un­verbrauchten Kräften könnte hier Abhilfe schaffen.

30. 8. 2016

Der Buchstabe ‹V› und seine Berechtigung in der deutschen Sprache. (Gesellschaft für deutsche Sprache e. V.), , Fragen und Antworten
Bedingt durch die graphemische Historie und die moderne Normierung unserer Schrift­sprache ist der Buch­stabe ‹V› jedoch nicht ohne Weiteres abzu­schaffen und durch ‹F› oder ‹W› zu ersetzen.

Doch!

28. 8. 2016

: Aufgetakelt. Welt am Sonntag, , nr. 35, s. 30, Boot
Diese Traditions­veranstaltung ist so traditionell, dass sie sich sogar von der Rechtschreib­reform nicht be­eindrucken lässt. Die 35 See­meilen lange Schiffahrts­regatta, die an diesem Wochen­ende von Schlei­münde ins dänische Ærøskøbing führt, schreibt sich weiter­hin nur mit zwei „ff“.

26. 8. 2016

: Der bildungspolitische Sündenfall war ein unausgereifter Schnellschuss. , , Leserbriefe
Am Anfang stand die Rechtschreib­reform, und ab da ging es stetig bergab mit der deutschen Sprache, könnte man versucht sein zu sagen.

25. 8. 2016

: Sprachgefühl. Die Weltwoche, , nr. 34, s. 30, Leserbriefe
Sein Vorgänger auf dem Lehr­stuhl, mein hoch­verehrter Rudolf Hotzen­köcherle, dreht sich seither im Grabe um.

21. 8. 2016

: Ganz genau gelesen. Welt am Sonntag, , nr. 34, s. 10, Forum
Die Rechtschreib­fähigkeiten bei Schülern nehmen seit Jahr­zehnten ab, auch das belegen Studien. Wesentliche Felder sind Getrennt-/Zusammen­schreibung und Groß-/Klein­schreibung. Kritiker sehen einen Zusammen­hang mit der vor 20 Jahren gestarteten Rechtschreib­reform. Andere verweisen auf gemeinen Egalismus in sozialen Medien oder Chats. jeden­falls nehmen die, ähem, Feler zu, überal.

19. 8. 2016

: „Grossaga“: Ein Fehler, der erst Jahre später auffällt. Ostthüringer Zeitung, , s. 13, Lokales
Vor einigen Tagen wird Agas Ortsteil­bürgermeister Bernd Müller auf den Fehler auf einem Orts­schild und einem Pfeil­wegweiser aufmerksam gemacht. […] Ob die Schreib­weise des Orts­teiles „Großaga“ geändert wurde, weil da nun „Grossaga“, also mit Doppel-S, steht, will Müller wissen. Nein, heißt es von der Stadt auf Nachfrage: „Richtig ist natürlich die Schreib­weise des Orts­teiles Großaga.“ Vielleicht war es ein Bestell­formular, das in Block­buchstaben aus­gefüllt wurde? Oder Ver­wirrung durch die Rechtschreib­reform?

18. 8. 2016

: Murks ohne Ende. Die Weltwoche (), , nr. 33, s. 55, Kritiken
Vor 20 Jahren wurde die Rechtschreib­reform in Kraft gesetzt. Die Verwirrung ist grösser denn je. Ich war bei der Erarbeitung der Reform dabei – es war ein Fiasko.
: Missgeburt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 192, s. 16, Briefe an die Herausgeber
[…] die schlauen Damen und Herren […] konnten sich von der ewigen Miss­geburt "ß" nicht trennen […].

17. 8. 2016

: Wie in der Volksschule. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 191, s. 16, Briefe an die Herausgeber
Insbesondere die Sache mit dass/das (Konjunktion und Pronomen) finde ich selbst in der F.A.Z. des Öfteren verkehrt geschrieben, und dabei ist es so einfach, wie ich es in der guten alten Volks­schule mal gelernt habe […].

16. 8. 2016

: "Erhohlsame" Ferien. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 190, s. 7, Briefe an die Herausgeber
Als Beleg für die von der "Reform" verursachten Irrungen und Wirrungen vor dem Eingang zu diesem Gymnasium, an dem ich selbst einmal drei Jahre unter­richtet habe, das auf eine über vierhundert­jährige Tradition stolz ist und gemein­hin als "renommiert" gilt, prangte eine Woche lang vor Ostern dieser ortho­graphische Klops: "Erhohlsame Ferien und eine schöne Oster­zeit".

14. 8. 2016

: Rechdschreipkaos. , , Gesellschaft, Medien
Zwanzig Jahre Rechtschreib­reform bedeuten auch zwanzig Jahre Wider­stand. Nun wollen es die alten Hau­degen der ersten Stunde noch einmal wissen – etwa der Rechtschreib­rebell Friedrich Denk und der Verleger Matthias Dräger. Im Oktober 1996 hatten sie auf der Buch­messe 300 Intellektuelle davon überzeugt, eine „Frank­furter Erklärung“ gegen die Reform zu unter­zeichnen. 2016 kehren sie mit einer neuen Aktion auf die Messe zurück. 20.000 Euro Preis­geld setzen sie für einen Schreib­wettbewerb ein.
: Es geht um mehr. Der Tagesspiegel (), , s. 1, Politik
So schnell verfliegen zwanzig Jahre. 1996 kam das erste Smartphone und begann in Deutsch­land die Recht­schreibreform. Das eine gehört für die meisten längst zum all­täglichen Standard – und die Schlachten um „dass“ oder „daß“, um „Stengel“ oder „Stängel“ sind längst geschlagen. […] Manches bleibt wohl weiter unklar: Warum schreiben wir Ortho­grafie und Foto­grafie, obgleich es dann eigentlich auch „Filosofie“ heißen müsste? Sieht halt gar zu doof aus.

13. 8. 2016

: Gut für die Leserschaft. Die Germanistin Dagmar Hüpper über Rechtschreibung und Rechtschreibreform. (Westfälische Nachrichten), , Münster
Die Sprach­wissenschaftlerin Dr. Dagmar Hüpper vom Germanisti­schen Institut der Uni­versität plädiert im Gespräch mit Redakteur Lukas Speckmann für mehr Gelassen­heit.

12. 8. 2016

: "Neue" Rechtschreibung ist für manche noch immer ein Gräuel. , , Wissen
Herr Eichinger, der Beginn der Rechtschreib­reform liegt 20 Jahre zurück und noch immer haben viele nicht ihren Frieden mit den „neuen“ Schreib­weisen gemacht. Über­rascht Sie das? [Eichinger:] Recht­schreibung ist ja etwas, das wir uns in be­stimmter Weise ange­eignet haben und mit dem wir uns lebenslang beschäftigen. Da tut man sich mit Ver­änderungen schwer. Die Reform von 1996 wurde auch nicht sehr glücklich durch­geführt. Es gab anfangs zu wenige Kompromisse mit dem bisherigen Schreib­gebrauch.

Es gab von anfang zu viele kompromisse.

11. 8. 2016

: Küchendienst für Wutbürger. GQ, , s. 101, Living, Küchenchef
Ach ja, das hier ist eine Koch­kolumne […]. Aber keine Sorge, Sie kriegen Ihr Rezept. Zusammen mit einem Selbst­optimierungs­tipp (verfckte Rechtschreib­reform, die zwei „p“ haben will, weil sich das kultur- und raumfremde Wort gefälligst zu integrieren hat im Reich der Dichter und Henker!): Kochen hilft super gegen Wut.

10. 8. 2016

: "Rechtschreibkenntnisse haben nachgelassen." Studie zur Rechtschreibreform. , , Campus & Karriere
Auf Rechtschreibung werde in der Schule weniger Wert gelegt als früher, darüber sind sich Heinz-Peter Meidinger vom Deutschen Philologen­verband und Josef Lange vom Rat für Deutsche Recht­schreibung einig. In diesem Punkt stimmen sie auch der Studie des Bildungs­forschers Uwe Grund zu. Doch die Behauptung, dass die Rechtschreib­reform ein Flop sei, sei eine polemische Über­treibung, sagte Lange im DLF.
: Rechtschreibreform – ein kulturelles Fiasko? Spiegel Online (), , Forum: Schule
Seit ich Spiegel Online lese […] schreiben viele Foristen/ Kommentatoren bei den immer wiederkehrenden Themen im Bereich Bildung, Schule und neue Recht­schreibung, dass früher alles besser gewesen sei. Nur wann der Ausgangs­punkt dieses „früher“ gewesen sein soll, sagt niemand. Ab wann ging es in unserem Bildungs­system bergab? Schon 1964, also vor über fünfzig Jahren, beklagte sich der Deutsche Industrie- und Handels­tag (DIHT) nach einer groß angelegten Studie bei jungen Lehrlingen, dass viele (Berufs-)Schüler eklatante Rechtschreib­schwächen hätten. Mit Graus wurde das Faksimile eines Diktates voller Fehler in der damaligen Schriften­reihe des DIHT abgebildet, neben einem guten. Die damals getesteten Schüler im Alter von ca. 15 Jahren sind jetzt alle im Renten­alter. Und Deutschland ist nicht unter­gegangen.

9. 8. 2016

: Bildungsexperten für mehr Deutschunterricht. , , Gesellschaft
Der CDU/CSU-Bildungs­obmann im Bundestag, Stefan Kaufmann (CDU), hält hin­gegen "kleine Korrekturen" an der Rechtschreib-Reform für möglich. Kaufmann kritisiert, die Reform habe "nicht überall zur Ver­einfachung beigetragen".
: Babylonische Rechtschreibverwirrung. (Neue Osnabrücker Zeitung), , Deutschland & Welt
Auch wenn die Rechtschreib­reform nur eine von vielen Ursachen der sich stetig ver­schlechternden Rechtschreib­leistung von Jugend­lichen ist, ihre Folgen sind für alle spürbar. […] Trotzdem ist die Forderung nach einer Rücknahme aber mindestens so unsinnig, wie es die Reform selbst vor zwanzig Jahren war. Der Grad der Ver­wirrung würde dann vermutlich schon bald fast babylonische Ausmaße annehmen.
: Macht die Reform die Schüler schlecht? Spiegel Online (), , SchulSPIEGEL
Schüler in Deutsch­land haben ihre liebe Not mit der Recht­schreibung. Nun streiten sich Experten, ob der wichtigste Grund die Reform der Schreib­regeln ist.

7. 8. 2016

: Die Murks-Reform. , , Bild-Kommentar
Was bleibt: ein 20 Jahre währender Skandal. Ein Verbrechen an unseren Schülern und unserer Sprache!
: Professor: Regelwerk ist klarer geworden. (Remscheider General-Anzeiger), , Lokales, Remscheid
Dr. Christian Efing ist Professor für Didaktik der Deutschen Sprache an der Bergischen Uni­versität und bewertet die Rechtschreib­reform auf wissen­schaftlicher Basis. […] Efing: Die Reform hat Ver­unsicherung ausgelöst, vor allem durch die Nach­besserungen, wie Rück­nahmen von Regeln und Zulassung von Varianten. Beispiels­weise die Komma-Regeln sind für Erwachsene zum Teil nicht nach­zuvollziehen. So war vor der Reform klar geregelt, dass erweiterte Infinitiv­sätze mit „um zu“ immer ein Komma vor dem „um“ haben mussten. Das wurde 1996 dann aufgehoben und das Komma verboten. Später aber wurde das Komma wieder ver­pflichtend ein­geführt. Wenn man die Entwicklung der Recht­schreibung nicht die ganze Zeit verfolgt hat, macht man automatisch Fehler - da sie zeit­weise die korrekte Recht­schreibung waren.

Dass das komma vor «um zu» «verboten» war, ist übertrieben; es war immer zuässig.

5. 8. 2016

: Netzenten. Walliser Bote, , s. 24, Wallis
Der TV-Sender MDR ver­breitete zum 20-Jahr-Jubiläum der Rechtschreib­reform die Meldung, dass mit dem leidigen Unter­schied zwischen seid und seit jetzt Schluss sei und ab dem neuen Schul­jahr ein ein­heitliches «seidt» eingeführt werde. […] Es handelte sich um eine echte Zeitungs-, pardon, Blog­ente.

4. 8. 2016

: MDR-Fail: Sender tappt in Satire-Falle. (Mitteldeutscher Rundfunk), , News, Panorama
Die Rechtschreib­reform wird 20 Jahre alt - Grund genug für den MDR, einen Blick in die Zukunft zu wagen. Blöd nur, dass man mit dem Postillon nicht unbedingt die glaub­würdigste Quelle dafür erwischte.
: Ausgepresst: Gradwanderung mit finalem Plosiv. Leipziger Volkszeitung, , s. 9, Kultur
[…] die öffendlich-rechdlichen Informierer sind einer so frei wie grandios erfundenen Meldung des „Postillon“ vom Mai aufgesessen, die sie, das ist man seinem Namens­zusatz „aktuell“ schuldig, über Monate reifen ließen, bis entlich – am Montag beginnd in Sachsen das neue Schuljahr – die Relevanz über­mächtig wurde. Nun hat der Postillon seinen Triumph und der MDR den Spot – und keiner schaudt mehr auf den ernsten Hinter­grunt dieser Geschichte. Denn die Rechtschreib­reform zielte seinerzeid wirklich zu kurz.

3. 8. 2016

: Und jetzt sind wir alle mal nett zueinander! Berliner Morgenpost (), , s. 2, Meinung, Mein Berlin
Ansonsten finde ich immer nur Schrott und stoße über die ganzen un­nützen Dinge, die die Menschen vor ihre Tür stellen und gönner­haft „zu ver­schenken“ darauf schreiben. Kaputte Tintenstrahl­drucker zum Beispiel, olle Klamotten, Telefon­kabel, VHS-Kassetten, Bücher. Juhu! Bei mir um die Ecke steht gerade der Welt­bestseller „Früchte ein­kochen und kandieren“ auf einem Fenster­brett […] sowie der Duden von 1980. 1980! Damals macht man noch Photos statt Fotos und gab seinen Liebsten einen Kuß. Toll, dass jemand diesen Duden so selbstlos an die All­gemeinheit abgibt. Übrigens: Die neue Recht­schreibung feiert gerade zehn­jähriges Jubiläum – seit 1. August 2006 gilt das wirklich neueste Regel­werk in der gesamten Bundes­republik. Ja, dann Glück­wunsch, liebe neue Recht­schreibung, du Reform der Reform der Reform. Ohne dich wäre meine Schulzeit sicherlich nur halb so lustig gewesen.
20 Jahre Rechtschreibreform: MDR fällt auf plumpen Postillon-Witz herein und hält „seidt“ für neues Wort. , , Buzzer
Ja, schon oft wurden Medien und ahnungs­lose Leser des Satire-Blogs hinters Licht geführt […]. Nun hat es auch den MDR erwischt: In einem Radio-Beitrag zum Thema „20 Jahre Rechtschreib­reform“ zitiert der Mittel­deutsche Rund­funk (offen­sichtlich un­geprüft) eine Meldung des Postillon. Die Nach­richt: Aus „seit“ und „seid“ werde zu Beginn des neuen Schuljahres im Herbst einheitlich „seidt“. […] In dem knapp zwei­minütigen Sound­clip wird noch einmal die Rechtschreib­reform aufgerollt und etwa von einem 60-jährigen Hörer kommentiert, der eine „Verrohung der Sprache“ darin sehe – ihm tue „der Delfin mit ‚f‘ immer noch in den Ohren weh“. Und trotz zahl­reicher, immer noch ver­wirrender Änderungen wie dieser werde weiter an der Sprache geschraubt. Stichwort: „seidt“.
Korrekturen. (Mitteldeutscher Rundfunk), , Service
Im Programm von MDR 1 RADIO SACHSEN lief am Montag, 1. August 2016, um 16:47 Uhr ein Bericht zu "20 Jahre Rechtschreib­reform". Dieser wurde am selben Tag um 21:54 Uhr von MDR AKTUELL – Das Nachrichten­radio gesendet. In diesem Beitrag ist uns ein Fehler unterlaufen. Darin hieß es: "Die beiden Wörtchen seid und seit sollen ab dem neuen Schul­jahr zusammen­gelegt werden in seidt - also hinten mit d und t. […]"  Dies trifft nicht zu. Die Redaktion von MDR 1 RADIO SACHSEN und die Autorin bedauern den Fehler.

2. 8. 2016

: Komma! Mannheimer Morgen, , s. 32, Kultur
Das Ding hieß früher Beistrich, was aber auch niemand mehr weiß. Weist man jemanden auf einen falschen solchen hin, kommt das Argument, dass man seit der Rechtschreib­reform nun ja gar nicht mehr wisse, wie es sich mit der korrekten Komma­setzung verhalte. Diese Aus­rede kommt, um im schulischen Vergleichs­milieu zu bleiben, gleich nach den seiner­zeit noch vom Hund gefressenen Haus­aufgaben […].
Reformgegner auch am zehnten Jahrestag kritisch. , , Kultur
Zehn Jahre nachdem das amtliche Regelwerk – die re­formierte Reform – als verbindliche Grund­lage für den Unterricht erklärt worden ist, wird sie auch „über­wiegend angewandt“. Das ergab eine Studie des deutschen Rechtschreib­rates, die jetzt in Mann­heim ver­öffentlicht wurde. Die Reform­gegner jedoch sind auch nach zehn Jahren nicht verstummt.

21. 7. 2016

: Lieber Herr Landoldt , , Familie, Lernen
nein, es ist eben nicht so, daß die Älteren normales Deutsch schreiben dürfen. Ämter, Unis, Groß­unternehmen usw. fordern die Kinder­rechtschreibung. Allen­falls dürfen Sie sich noch im privaten Tage­buch oder im Brief Ihres privaten Deutsch bedienen.

Was man zu dürfen glaubt, hängt davon ab, wie obrigkeitshörig man ist.

16. 7. 2016

: Keine Grundlage für unsere Sprache (II). , , Leserbriefe
Bis 1996 existierte die Ein­heitlichkeit der deutschen Ortho­grafie, die für eine Sprach­gemeinschaft von unschätz­barem Wert ist. Von falschem Ehrgeiz getriebene Sprach­wissenschaftler und Kultus­bürokraten sowie Wörterbuch­verleger, die das Duden-Monopol brechen wollten, haben diese Ein­heitlichkeit mit einem Schlag zerstört.
: Keine Grundlage für unsere Sprache (I). , , Leserbriefe
Die ganze Rechtschreibreform, die Millionen Arbeits­stunden vergeudet, Milliarden gekostet und eine jahrzehnte­lange und noch an­haltende Ver­wirrung bewirkt hat, war nichts anderes als ein Schreib­diktat.

12. 7. 2016

: "Gämse" statt "Gemse": Wie die deutsche Rechtschreibung die Tierwelt veränderte. , , Familie, Lernen
Vor 20 Jahren wurde die "Gemse" zur "Gämse" ... und das "Känguruh" kurzer­hand zum "Känguru". Damals wurde die Absichts­erklärung zur Neu­regelung der deutschen Recht­schreibung unter­zeichnet, bei der auch einige Tiere ihre Federn lassen mussten – um im Bilde zu bleiben.

11. 7. 2016

20 Jahre Rechtschreibreform – und (k)ein bisschen weise. , , Blog
Bereits die ersten An­regungen von 1988 stießen auf große Empörung. Sprach­experten schlugen vor, das „a“ des Kaisers nach mittelhoch­deutscher Art durch ein „e“ zu substituieren, dem Boot das zweite „o“ zu entwenden und die all­gemeine Klein­schreibung ein­zuführen. Die neue Ortho­grafie sollte vor allem Schulen und Behörden über­gestülpt werden. Der Groß­teil der Gesell­schaft werde sich wohl oder übel den neuen Rechtschreib­regeln anpassen müssen – so hoffte man.

9. 7. 2016

: Ein erregendes Gehirnlabsal. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 158, s. 25, Briefe an die Herausgeber
Die F.A.Z. versprach Mitte 2000 vollmundig: Wir kehren zur alten Schreibe zurück. Sie hat es nicht gehalten. Ver­sprechen gebrochen. Recht­schreibung, Inter­punktion und Silben­trennung sind chaotisch. Die tägliche Korrektur der F.A.Z. mit dem Rot­stift ist ein erregendes Gehirnlabsal.

6. 7. 2016

: Politik als Abenteurertum. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 155, s. 13, Briefe an die Herausgeber
Jürgen Kaube […] meint […], wer in der Politik zu einer Option aufrufe, müsse Wege und Kosten dieser seiner Option skizzieren, das wäre seine „verdammte politische Pflicht“. […] Recht hat er! […] Sind Mario Draghis EZB-Politik und die bühnen­reife „Griechen­land-Rettung“ nicht reinstes Abenteurertum? Und […] BER, Berliner Staats­oper, die von den Kultus­ministern durch­geboxte Rechtschreib­reform, überhaupt die drauflos experi­mentierende Schul­politik der letzten Jahr­zehnte, der Bologna-Prozess – wo war und ist da die zu Recht geforderte Ausübung der „verdammten politischen Pflicht“?

5. 7. 2016

: Deutschstunde: Als ein Tollpatsch durch die Straßen wankte. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung
Als wenn es nichts Wichtigeres gegeben hätte, wurde die Änderung von „belemmert“ in belämmert von den Reform­gegnern zum ortho­grafischen Welt­untergang hoch­stilisiert. Schließlich stamme die Schreib­weise mit „e“ vom niederd. Verb be­lemmeren (hindern, lähmen) […]. Sicher, diese etymo­logische Erklärung ist All­gemeingut … Wir werden Klein Fritzchen erst in ein alt­sächsisches Proseminar schicken, damit er die Schul­reife für die 1. Klasse erlangt. Belämmert, in der Tat!

3. 7. 2016

: Weißrusslands doppelter Rubel. Welt am Sonntag, , s. 50, Finanzen
Mehr als sieben Jahre lang schlummerten die Scheine in irgendwelchen Schließ­fächern. Denn eigentlich wollte Weiß­russland schon 2008 neue Bank­noten ein­führen. Doch dann kam die Finanz­krise dazwischen, und an­schließend eine galoppierende Inflation. Seit 1. Juli aber sind die neuen Rubel in Umlauf. […] Dass die neuen Scheine bereits sieben Jahre auf ihren Einsatz warteten, hat nun eine besonders absurde Folge. Denn in der Zwischen­zeit gab es in Weiß­russland eine Rechtschreib­reform, die auch das Wort für „fünfzig“ betrifft: Ein Buchstabe wurde darin durch einen anderen ersetzt. 2011 hatte die Notenbank daher die damals in Umlauf befindlichen 50- und 50.000-Rubel-Scheine neu gedruckt. Die neuen Bank­noten, die jetzt aus­gegeben werden, enthalten das Wort dagegen wieder in der alten Schreib­weise.

2. 7. 2016

Unterstützung durch Pappkamerad Lutz. Pädagoge H.D. Nicolay kämpft gegen Legasthenie. Münchner Merkur, , s. 45, Leserthema „Schule & Bildung“
„Die Methode, nach Gehör und mit Anlaut­tabelle und Silben­lehre schreiben zu lernen, wurde mit der Rechtschreib­reform im Jahr 2000 ein­geführt. […] Das Scheitern dieser Methode belegt auch die 2014 bundes­weit durch­geführte Studie ,Vera 3‘.
: Keine Regeln von oben herab. , , Interview
Der ehemalige niedersächsische Staatssekretär (68) hält den Rat nach wie vor für erforderlich. Es bestehe die Sorge, sagt er, dass in den Schulen immer weniger Wert auf korrekte Recht­schreibung gelegt werde. […] Der Rat und die Reformer von damals haben be­griffen, dass sich Sprache entwickelt und man nicht von oben herab vorgeben darf, wie zu schreiben ist.

Dass sich sprache entwickelt, haben wir auch vorher gewusst. Ob man von oben herab vorgeben darf, wie zu schreiben ist, wissen wir immer noch nicht. Gibt es keine amtliche rechtschreibung mehr?

1. 7. 2016

Orthographie. Wettbewerb zur Buchmesse. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 151, s. 9, Feuilleton (154 wörter)
Zum zwanzigsten Jahres­tag der Rechtschreib­reform, die am 1. Juli 1996 durch die "Wiener Absichts­erklärung zur Neur­egelung der deutschen Recht­schreibung" in Gang gesetzt wurde, schreibt der Arbeits­kreis "Lesen und Recht­schreiben heute" einen mit 20 000 Euro dotierten Schreib­wettbewerb um den Frank­furter Ortho­graphie-Preis aus.
: Die neue Rechtschreibung ist 20 Jahre alt. An der Grundschule im Holderstöckle erinnern sich die Lehrer noch gut an die Schwierigkeiten der Reform. Gränzbote (), , nr. 150, s. 19, Tuttlingen
Helgrid Kager-Kunze, Rektorin und Deutsch­lehrerin im Holder­stöckle, unter­richtete vor ihrer Zeit an der Grund­schule auch höhere Klassen­stufen. „Wegen Un­klarheiten, wie ein Wort nun richtig ge­schrieben wird, galt drei Jahre nach der Rechtschreib­reform sowohl die alte als auch die neue Recht­schreibung in Auf­sätzen und Diktaten“, erzählt Kager-Kunze. […] Sichtlich länger an der Umgewöhnung hatten laut Kager-Kunze die Eltern der Schüler zu nagen: „Im Prinzip sind die Eltern der Kinder noch jung, haben jedoch zu ihrer Schul­zeit die alte Rechtschreib­weise gelehrt bekommen. Und das ist der Knack­punkt. Sie sind immer noch über manche Schreib­weisen von Wörtern verunsichert und das kann ziemlich verwirrend sein.“
: Sturm im Wasserglas. Vor 20 Jahren trat die Rechtschreib­reform in Kraft; heute erscheint die Aufregung absurd. Kölner Stadtanzeiger, , s. 12, Report
Hätten die Reform­gegner geahnt, was künftige Generationen im digitalen Zeitalter mit der Recht­schreibung an­stellen werden - sie hätten sich wohl besser für ein Ende des Internets eingesetzt. […] Dabei war das Ansinnen der Reformer ursprünglich durchaus demokratisch: Richtiges Schreiben sollte nicht unnötig kompliziert und für jeden leicht zu lernen sein. Warum nicht „Kaiser“ mit „ei“ schreiben und „Boot“ mit nur einem „o“? Eben so, wie die meisten Kinder es intuitiv tun. Am Ende ist davon nur eine zweifel­hafte Spar­version übrig geblieben. Wie (fast) immer, wenn aus gewagten Utopien konkrete Politik wird.
: „Schüler schreiben nur noch klein.“ Internet und Smartphones verändern mehr als die Reform von 1996. Kölner Stadtanzeiger, , s. 12, Report
Sibylle Wagner absolvierte 1992-1994 ihr Referendariat in Köln und ist Lehrerin für die Fächer Deutsch und Geschichte. […] Rück­blickend würde ich sogar sagen, dass die Reform zu kurz gegriffen hat. Sie ist, von Schüler­seite aus gesehen, einfach nicht radikal genug gewesen […]. Früher haben die Kinder telefoniert, heute schreiben sie sich ständig Nach­richten, und zwar so, wie sie reden, und konsequent klein. […] Der Unterschied zwischen geschriebener und gesprochener Sprache verschwindet zunehmend […]. Ich glaube, dass sich die geschriebene Sprache dadurch irgendwann verändern wird. Dann setzt sich sicher auch die Klein­schreibung durch.
: „Zwei Duden für alle Fälle.“ Redaktion der Rechtschreib-Bibel hatte vor der Reform Riesenstress. Kölner Stadtanzeiger, , s. 12, Report
Am Ende ist die Sache tatsächlich bis vor das Bundesverfassungsgericht gegangen. Insofern haben wir den Duden dann zwar in der neuen Rechtschreibung veröffentlicht, waren aber gleichzeitig für eine Ausgabe in alter Form gewappnet. Wir haben also tatsächlich mit zwei Teams an einem Duden in der alten und an einem Duden in der neuen Rechtschreibung gearbeitet.
: Rechtschreibung ist wichtig für dich. Der Sprachwissenschaftler Günther Thomé erklärt, wie die Regeln fürs Schreiben entstanden sind. Kölner Stadtanzeiger, , s. 13, Kinder, Duda News
Insgesamt gibt es heute immer noch einige Menschen, die mit den Änderungen nicht ein­verstanden sind. „Aber ich finde, dass viele der neuen Regeln klarer sind“, sagt Günther Thomé.
: Liebe Leser. Münchner Merkur, , nr. 150, s. 13, Leserbriefe
Standard-Antwort bei uns in der Redaktion auf die Frage eines Kol­legen, wie ein Wort ge­schrieben wird — so oder so? „Ich glaub“, das geht beides.“
: Herr Minister, zum Diktat! Münchner Merkur (), , nr. 150, s. 3, Im Blickpunkt
Sein letztes Diktat hat er in den 1970er-Jahren geschrieben, aber als bayerischer Schul­minister ist Ludwig Spaenle, CSU, der Chef aller Lehrer und Schüler im Freistaat. Zum Jubiläum der deutschen Rechtschreib­reform, die vor 20 Jahren be­schlossen worden ist […], haben wir Spaenle, 55 Jahre alt, zum Diktat gebeten.
: „Mit Sprache wird schludrig umgegangen.“ Der Rat für Rechtschreibung hat einen neuen Chef; im Interview fordert er eine strengere Korrektur in der Schule. Münchner Merkur, , nr. 150, s. 3, Im Blickpunkt
Wir sprachen mit Josef Lange über 20 Jahre Rechtschreib­reform. […] [Lange:] Ich kann mir auf absehbare Zeit keine Großreform wie 1996 und 2006 vorstellen.

Wir können uns eine grossreform vorstellen. (1996/2006 war keine.)

Alte und neue Schreibweise. Münchner Merkur, , nr. 150, s. 3, Im Blickpunkt
In Friedrich Denks Worten: „Im neuesten Du­den wimmelt es nur so von Varianten.“
: Rechtschreibreform: Die Lieblings-Fehler der Schüler. , , Vermischtes
Ein Lehrer aus NRW hat uns erklärt, welche Wörter Schüler immer noch falsch schreiben, woran er sich nicht gewöhnen kann und wie Handys die Recht­schreibung beein­flussen. […] Welche Wörter werden von Ihren Schülern immer wieder falsch geschrieben? Der Klassiker: "dass" und "das". Seit der Rechtschreib­reform wird "dass" zwar nicht mehr mit "ß" geschrieben; daran, dass Schüler oft trotzdem nicht wissen, welches Wort sich an welcher Stelle gehört, hat sich aber nichts geändert. Kommata werden auch gerne nach Gefühl gesetzt - so wie es gerade Sinn macht. So schlimm finde ich das aber über­haupt nicht, schließlich hat die Rechtschreib­reform gerade das getan: Die Komma-Setzung so vereinfacht, das sie Sinn macht und nicht einfach nur strikten Regeln folgt. Aller­dings ist es trotz­dem nicht optimal, wenn die Schüler das Gefühl haben, dass Sie Kommata einfach setzen können, wie sie wollen.
: Warum die deutsche Sprache die Gesellschaft spaltet und Emojis bald im Duden stehen. (Pinneberger Tageblatt), , Lokales
Manfred Schwarz vom Verein Deutsche Sprache erklärt im Interview, wie er die Reform damals bewertet hat, was der deutschen Sprache 2016 zu schaffen macht und wie sie die Gesellschaft spaltet. […] Es gibt auch Verbesserungen dahin­gehend, dass einige Wörter jetzt groß geschrieben werden. Und das völlig zu Recht. Zum Bei­spiel Rad fahren. Negativ ist die Mög­lichkeit, offiziell ver­schiedene Varianten der Recht­schreibung an­zuwenden. Es gibt häufig keine klaren, nach­vollziehbaren Regelungen.
: Schlossstraße oder Schloßstraße? , , Mülheim
Wir haben mit Annika Renker, Geschäfts­führerin des Verlags an der Ruhr, über die Reform gesprochen. […] 20 Jahre ist die Rechtschreib­reform schon alt – trotzdem fragen sich viele Mülheimer noch immer, ob es Schloß ­Broich oder Schloss Broich heißt […]. Renker: Eigen­namen haben eine Sonder­stellung und müssen die all­gemein geltenden Regeln nicht berück­sichtigen. Das „Schloss“ wird mit Doppel-S geschrieben, weil es auf einen kurzen Vokal folgt. Wenn Ihr Nachname aber „Schloß“ ist, dann wird dieser natürlich nicht zwingend geändert, nur weil es eine Rechtschreib­reform gab. Gleiches gilt für Orts- und Straßen­namen. Die Stadt Mülheim nutzt auf ihrer Homepage für das Schloß Broich nach wie vor die alte Schreibung […].

Eine sonder­stellung haben natürliche und juristische personen, nicht aber strassen, gebäude usw. Gewiss kann Mülheim «Schloßstraße» schreiben – sie kann auch «Thür» schreiben oder gar wie wir «tür».

: 20 Jahre neue Rechtschreibung: Sprache bewusst machen. , , Kultur
Zäh müssen die Verhandlungen der Reform­kommission gewesen sein, galt es doch, radikale Positionen, die eine generelle Klein­schreibung sowie die Abschaffung des scharfen S vor­sahen, mit jenen der Bewahrer zu vereinen. Wie in allen demo­kratischen Pro­zessen ist ein Kompromiss geblieben, der nun laufend angepasst wird. Und das ist gut so.
: 20 Jahre Rechtschreibreform: Wie war das noch mal? , , User, Mitmachen
Testen Sie Ihr Wissen! […] Während des National­sozialismus wurde die Rück­kehr zur gemäßigten Klein­schreibung erwogen, aus den Ver­handlungen um die Rechtschreib­reform blieb die Frage aus­geklammert.

Die kleinschreibung wurde hauptsächlich vor dem nationalsozialismus, nach dem nationalsozialismus und ausserhalb des nationalsozialismus (in der Schweiz) erwogen.

7. 2016

Deutsche Rechtschreibreform: Beinahe ein Kulturkampf. , , Deutsche Sprache
Seit dem 1. August 2006 gilt in Deutsch­land die neue Recht­schreibung. Voraus­gegangen war ein erbitterter Streit: Befür­worter der Reform wollten die Schreib­regeln ver­einfachen, Kritiker fürchteten eine Ver­flachung der Sprache. […] „Was man in acht oder neun Schuljahren lernen kann, soll reichen, um richtig zu schreiben“, so eines der Haupt­argumente von Augst. […] „Die Rechtschreib­reform ist über­flüssig wie eine Warze am Fuß“, sagt Friedrich Denk. Der heute 73-Jährige klingt dabei kampfes­lustig wie eh und je. […] „Man kann die Rechtschreib­reform jetzt mal abhaken“, sagt Peter Schlobinski, Professor für Germanistik an der Uni­versität Hannover und Vor­sitzender der Gesellschaft für deutsche Sprache (Gfd).

30. 6. 2016

: Wenn Sprache auf Beamte trifft. , , Aus Kultur- und Sozialwissenschaften
Vor 20 Jahren, am 1. Juli 1996, verpflichteten sich die deutsch­sprachigen Länder zur Neu­regelung der Recht­schreibung. Die Devise hieß: 'Ein­facher schreiben', doch statt­dessen wurde vieles komplizierter. Nach heftigem Streit folgte 2006 die Teil­rücknahme der Reform - was für noch mehr Ver­wirrung sorgen sollte.
: 20 Jahre Rechtschreibreform: Arbeitskreis lobt 20.000-Euro-Preis aus. , , Kultur
Zum 20-jährigen Bestehen der Rechtschreib­reform lobt ein Arbeits­kreis einen hoch­dotierten Preis aus. […] Dem Arbeits­kreis gehört unter anderem Friedrich Denk an, der als einer der schärfsten Kritiker der Rechtschreib­reform gilt.
: Korrekturlesen: Warum trotzdem manchmal was durchrutscht. , , Bamberg
Sebastian Bischof ist einer dieser Korrektur­leser unserer Zeitung. […] Mit der Rechtschreib­reform vor 20 Jahren hatte Bischof nie ein Problem. "Ich hab's ja nur so gelernt", sagt der 28-Jährige […].
: "Die Reform hätte mehr gekonnt." , , Lokales, Region Dillenburg
Im Interview schildert Reinhard Hamel vom Institut für indi­viduelle Lern­förderung in Dillen­burg und Herborn, warum die Rechtschreib­reform sinn­voll war und welche Chancen damals möglicher­weise ver­passt wurden. […] Hamel: Meiner Meinung nach war die Reform unvoll­kommen, sie hätte mehr gekonnt. […] Aber mein ganz persönliches Anliegen - Sie werden es kaum glauben - wäre die Abschaffung der […] Groß- und Klein­schreibung gewesen.

27. 6. 2016

: Ausgepresst: Kriek und Friehden. Leipziger Volkszeitung, , s. 7, Kultur
Josef Lange, Jahrgang 1948, ist ein Vermittler. „Es ist offen­kundig, dass Sprache lebendig ist und sich weiter­entwickelt“, räumt er ein. Die Deutsche Presse-Agentur aber führt das Wort „Sprach­frieden“ im Munde, den Lange „bewahren“ werde und der – nach den Scharmützeln der Rechtschreib­reform – nun wieder her­gestellt zu sein scheint.

25. 6. 2016

: Ein neuer Chef für unsere Sprache. Der ehemalige Staatssekretär Josef Lange wird Vorsitzender des Rates für deutsche Rechtschreibung. Göttinger Tageblatt, , s. 8, Niedersachsen
„Mr. Rechtschreibung“ Hans Zehetmair […] nimmt nun seinen Hut – doch sein Nach­folger steht schon parat: Der ehemalige nieder­sächsische Staats­sekretär Josef Lange wird neuer Chef des Gremiums. Der 68-Jährige wurde am Freitag in Vaduz (Liechten­stein) ein­stimmig gewählt.

24. 6. 2016

: Wer braucht noch Rechtschreibregeln? Sprache Im digitalen Zeitalter scheint korrektes Schreiben überflüssig zu sein; ein Trugschluss. Augsburger Allgemeine, , s. 16, Feuilleton
Lange vorbei sind aber die Zeiten, in denen in Deutschland ein regel­rechter Krieg um die richtige Schreib­weise von Delfin oder Delphin, Fuss oder Fuß, Schifffahrt oder Schiffahrt tobte und die Rechtschreib­reform landauf, landab zu leiden­schaftlichen, wenn nicht gar aggressiven Debatten führte.
: „Streit fast beigelegt.“ Mannheimer Morgen, , s. 32, Kultur
Hans Zehetmair (79) sieht den Sprach­frieden zum Ende seiner Amtszeit wieder­hergestellt. […] „Ich bin dankbar und rechne es – bescheiden gesagt – zu meinem Erfolg mit dem Gremium, dass wir aus diesen wirren und schwierigen Situationen jetzt doch in ruhige Ge­wässer gekommen sind.“
: Das Streiflicht. Süddeutsche Zeitung, , s. 1, Politik
Zehetmair […] sieht den Sprach­frieden gesichert. Im ersten Präliminar­artikel zu der Schrift „Zum ewigen Frieden“ schreibt Immanuel Kant, dass es diesen Frieden nur geben könne, wenn kein geheimer Vorbehalt für weitere Kriege vorliege. Was einen weiteren Rechtschreib­krieg anginge, so ist zu sagen, dass Vorbehalte dieser Art nicht existieren, ja dass man, um es nach Landsknechts­art zu sagen, die Schnauze gestrichen voll hat.

Wer ist «man»?

: Anhaltender Ärger über das neue orthografische Weltbild. Ein Gespräch mit dem Jenaer „Rechtschreibrebellen" Rolf Gröschner 20 Jahre nach der umstrittenen Reform. Thüringische Landeszeitung (), , s. 12, Kultur
[Gröschner:] Die Normativität der Recht­schreibung ist keine, die von staatlicher Seite verordnet werden darf. Schreib­normen entwickeln sich in der Gesell­schaft, und wir sollten diese Normalität, wie sie von kompetenten Schreibern praktiziert wird, als Grund­lage unserer Schreibung nehmen. Das hat bis zur Rechtschreib­reform in Deutsch­land aus­gezeichnet funktioniert.

Gab es vor 1996 keine amtliche rechtschreibung?

22. 6. 2016

: Ein Akkreditierungsmonster ist doch kein Grund zum Fürchten! Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 143, s. N4, Natur und Wissenschaft
Karlsruhe ruft die Länder zur Reform der Zu­lassung von Studien­gängen auf. Die Kultus­minister stellen sich taub. […] Aus­sitzen wie bei der Rechtschreib­reform scheint die Devise der KMK zu sein.

18. 6. 2016

: Katholisch und kulturpessimistisch. Der CSU-Politiker Hans Zehetmair verlässt den Rechtschreibrat. Neues Deutschland, , s. 20, Die Woche
Es hatte schon etwas Skurriles, als der heute 79-Jährige 2004 in dieses Amt befördert wurde. […] Den Rat für Recht­schreibung leitete Zehet­mair […] im Sinne der Kultus­bürokratie; das 40-köpfige Experten­gremium sollte mit ihm an der Spitze den »Sprach­frieden« sichern. […] Die Neu­regelung sei über­flüssig gewesen, sagte er in einem Zeitungs­interview. […] Und kultur­pessimistisch merkte er an: »Sprache ist verkommen. Sprache ist zu sehr dem Konsum gewichen, der Passivität, und ist zu wenig schöpferisch.« sry, lieber hzm, imo heißt das, du hast kA.

16. 6. 2016

: Katzenjammer. Die Rechtschreib­reform ist zwanzig Jahre alt. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 138, s. 6, Bildungswelten
Geht es denn bloß ums Schreiben? Sind wir nicht in erster Linie Leser des Deutschen und außer uns noch viele Millionen in der ganzen Welt? Ihnen allen bietet das gedruckte Deutsch der Gegenwart ein lächerliches Chaos. Dies hat seinen Ursprung in den zahlreichen Ent­stellungen, welche die amtlich ver­ordneten Schreib­regeln der deutschen Sprache bescherten.

Stellungnahme

4. 6. 2016

: Sprachlabor. Süddeutsche Zeitung, , s. 16, Forum & Leserbriefe
Dass Standard­komposita wie stachel­drahtbewehrt immer wieder auseinander­geschrieben werden, ist der Rechtschreib­reform anzurechnen, obwohl deren § 36 (1.1) an der Zusammen­schreibung keinen Zweifel auf­kommen lässt.

2. 6. 2016

: Die richtige Schreibe. Josef Lange soll Zehetmair ablösen. Augsburger Allgemeine, , s. 15, Feuilleton
Der ehemalige nieder­sächsische Staats­sekretär Josef Lange, 68, soll den Rat für deutsche Recht­schreibung leiten.

1. 6. 2016

: Reise geht zum Mittelpunkt des Waldes. Für die jungen Zuschauer gibt es tolle „Reuber“-Tipps. Gränzbote, , s. 10, Veranstaltungen
Tief drinnen im unendlichen Wald wohnt eine geheimnis­umwitterte Person. […] Einmal aufgestöbert wird der „Reuber“, wie er sich nach der Räuber-Rechtschreib­reform nennt, nun ein einziges Mal vom Reuber­dasein berichten. […] Das Ein-Personen-Schauspiel „Die Reise zum Mittel­punkt des Waldes“ schrieb Autor Finn-Ole Heinrich als Auftrags­werk für die Württem­bergische Landes­bühne Esslingen „”.

20. 5. 2016

Kampf ums Dach. Später Protest: Frankreichs Intellektuelle stemmen sich gegen die Rechtschreib­reform. Geo, , nr. 6, s. 26, Horizonte (138 wörter)
Die Reform soll die Bildungs­chancen von Schülern aus nicht akademischen Haus­halten und Ein­wanderer­familien erhöhen. Kon­servative Intel­lektuelle dagegen sehen sich ihrer Sprache beraubt.

18. 5. 2016

Wer weiss, wo der „Meeessberg“ ist? Hamburger Morgenpost, , nr. 134/20, s. 6, Hamburg (100 wörter)
So sagen Wands­beker Kids wahr­scheinlich „Schloooß­straße“, wenn sie durch die Straße laufen, die eigentlich „Schloss­straße“ heißen müsste. Zeit, dass Hoch­bahn und Bezirke die nicht mehr ganz so neue Rechtschreib­reform an­erkennen.

13. 5. 2016

: „Streamingdienste sind pure Enteignung.“ Rockmusiker Heinz Rudolf Kunze erzählt, wie man heute noch mit Liedern Geld verdienen kann, warum ihn der Tod immer begleitet hat und seine Frau das wirkliche Leben von ihm fernhält. Süddeutsche Zeitung, , s. 26, Wirtschaft
Ich bin sogar wegen der Rechtschreib­reform aus der SPD aus­getreten. Ich hatte das Gefühl, mir vergiftet jemand das Trink­wasser. Wem steht es zu, zu bestimmen, wie ich schreibe? Ich fand das anmaßend. Heute sieht man doch, dass das in einem heil­losen Durch­einander endete und ein katastrophaler Schuss in den Ofen war. Jetzt haben wir den Salat: Keiner weiß mehr, wie das geht.

Niemand bestimmt, wie Kunze zu schreiben hat; die kultus­minister bestimmen, wie die schüler zu schreiben haben. Das kann man gut oder schlecht finden, aber sicher ist, dass ein 60-jähriger rockmusiker kein schüler ist.

9. 5. 2016

: Auf die Mitarbeiter kommt es an. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 107, s. 33, Rhein-Main-Zeitung, Posteingang
May konnte namhafte Architekten als enge Mitarbeiter gewinnen - dem Politik­wissenschaftler und Partei­karrieristen Josef wird auch zu empfehlen sein, eine Auswahl ohne Ansehen des Partei­buchs zu treffen, damit die Stadt nicht in einen Zustand gerät wie die deutsche Sprache nach der Mitwirkung sozial­demokratischer Lehrer an der Rechtschreib­reform.

8. 5. 2016

: Wer liest, hört die Stimme des Autors. Auftakt der Lesewoche in der Schillerschule mit Friedrich Denk vor Achtklässlern. , , Lokales (Augsburg)
Er ist beseelt von seiner Mission: Das ist spürbar, wenn Friedrich Denk (73) vor Schülern von seiner Leiden­schaft, dem Lesen, spricht. […] Der ehemalige Gymnasial­lehrer Friedrich Denk, manchen vielleicht noch in Erinnerung als feder­führender Kritiker der Rechtschreib­reform, ist auch selbst Autor. „Wer liest, kommt weiter“, heißt eines seiner jüngsten Bücher.

6. 5. 2016

: Seh’ ich nicht ein! Leipziger Volkszeitung, , s. 17, Leipzig, Hallo Leipzig
Auf der Buchmesse habe ich Heinz-Rudolf Kunze mal gefragt, warum er „daß“ oder „wußte“ immer noch mit ß schreibt, obwohl seit dem Jahr 2006 die Rechtschreib­reform verbindlich ist. Er boykottiere die Zer­störung der deutschen Sprache, sehe die Regel nicht ein, antwortete der studierte Germanist. Mein Einwand, Regeln seien dazu da, dass alle sich darauf verlassen können und der Alltag für alle über­sichtlicher wird, interessierte ihn nicht.

Stellungnahme

: Deutsches Schiffahrtsmuseum in schwerer See. Immer weniger Menschen wollen sich die Ausstellungen in Bremerhaven ansehen; nun soll die Forschung in dem Haus stärker gefördert werden. Neues Deutschland, , Inland
In Bremerhaven, das direkt an der Weser­mündung in die Nord­see liegt, ist […] auch das Deutsche Schiffahrts­museum (DSM) angesiedelt. Das übrigens tatsächlich mit nur zwei »f« geschrieben wird, weil es ein Eigen­name ist, der nach der Rechtschreib­reform vor zehn Jahren nicht geändert wurde.
neu : Die Endeffektive. die tageszeitung, , nr. 11011, Die Wahrheit
Schurken, die die Welt beherrschen wollen. Heute: Bundes­bildungs­ministerin Johanna „Janka“ Wanka. […] 2005 hatte sie als Prä­sidentin der Kultus­minister­konferenz die Rechtschreib­reform bis zum Anschlag durch­gedrückt – an den Folgen leidet sie noch heute.

4. 5. 2016

: Bauhaus Dessau zeigt „Große Pläne!“. Ostthüringer Zeitung, , s. 12, Kultur
Welche Visionen Gestalter, Techniker, Architekten und Künstler vor knapp 100 Jahren auf dem heutigen Gebiet von Sachsen-Anhalt hatten, zeigt eine neue Aus­stellung im Bauhaus Dessau. […] „Insgesamt haben wir rund 100 Protagonisten recherchiert“, sagt Bauhaus-Chefin Perren. […] Darunter ist neben viele Künstlern auch Gustav Nagel (1874-1952) aus Arendsee […]. Der religiöse Wander­prediger setzte sich für Abhärtung durch Winter­baden, Barfuß­gehen und gesunde Ernährung ein. Er schuf aber auch eine neue Recht­schreibung.

3. 5. 2016

: Deutschstunde: Sie wartete vergeblich an der Litfaßsäule. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Wenn es nicht so genau auf die Minute ankommt, wird die Helferin am Telefon vielleicht sagen: "Kommen Sie Freitag Morgen." Oder Freitag "morgen"? Nein, seit der Rechtschreib­reform werden die früher als Adverbien angesehenen Bezeichnungen für die Tages­zeiten in Verbindung mit einem Wochen­tag jetzt den Substantiven zugeordnet und groß­geschrieben […]. Das sieht für ältere Leser etwas ungewohnt aus, sollte aber als Beweis eines gewissen Rechtschreib­niveaus beachtet werden.

28. 4. 2016

: WOZ News. Die Wochenzeitung, , nr. 17, s. 32, Die Letzte
Bei Einführung der deutschen Rechtschreib­reform wurde versprochen, vieles werde ver­einfacht; so wurde zum Beispiel «nummerieren» mit zwei m endlich legalisiert, wie es zuvor schon Generationen von SchülerInnen ge­schrieben hatten. Doch weil diese elende Grammatik nun mal nicht ganz ohne Fall­stricke auskommt, stolperte die «Sonntags­Zeitung» über die «nummerische Aus­gewogenheit».

«Nummerisch» ist (auch) korrekt.

21. 4. 2016

: Abgeschrieben. Frankfurter Allgemeine Zeitung (), , nr. 42, s. 11, Feuilleton
Es wird in Frankreich keine linke Rechtschreibung geben. […] Mit ihrer Rechtschreib­ereform wollte die Ministerin ihr ange­schlagenes Image verbessern und geriet vom Regen in die Traufe. Dass auch diese Reform offen­sichtlich klang- und sanglos beerdigt wird, erwähnte Hélène Carrère d’En­causse, Sekretärin der Académie Fran­çaise, in einem Interview mit dem West­schweizer Fernsehen. […] Ihrer Kenntnis nach würden die Schulbuch­verleger auf den Kleber „Neue Recht­schreibung“ verzichten, und in der Folge werde auch dieser Ver­such einer Reform dem Vergessen an­heimfallen […]. Aus dem Ministerium gibt es noch keine Stellung­nahme.

18. 4. 2016

: Reformversuche. Gränzbote, , s. 15, Tuttlingen
Wenn sogar der Bildungsguru vhs sich minuskulös gibt — vielleicht ist es Zeit für eine neue Rechtschreib­reform. Dann darf ein­fach jeder schreiben, wie er will. Oder, Moment, wurde das nicht schon bei der letzten Reform erlaubt?

Oder, moment, war das nicht schon immer erlaubt?

15. 4. 2016

: Sprachplauderei: Die Jungfrau und die Rechtschreib­reform. , , Panorama, Kultur
Als sich der Rechtschreibrat vor 2006 Gedanken über eine effektive Reform machen sollte, wäre der Kontakt mit den Anwendern – also Otto Normal­schreiber – das Wichtigste gewesen. Statt­dessen erging man sich in professoraler Selbst­genügsamkeit und reformierte spitz­findig an der Allgemein­heit vorbei. Wie sieht das dann aus? Die Treppe hoch steigen schreibt man getrennt, die Ärmel hochkrempeln schreibt man zusammen, und bei hoch achten oder hochachten hat man die Wahl… Was hochgradig (nur so!) gewöhnungs­bedürftig ist, weil hoch­kompliziert beziehungs­weise hoch kompliziert (beides möglich!) Da ist nur eines sicher: Auf solche Reformatoren singt niemand das Hohe­lied.

2. 4. 2016

: Genf sucht den Staranwalt von morgen. , , Schweiz, Aktuelle Themen
Insgesamt 15 schwarz gewandete Gestalten zählt die aufmerksame Beobachterin. Sie schauen mit strenger Miene in Richtung Redner­pult, hinter dem normaler­weise der Staats­anwalt steht, um im Namen der Öffentlichkeit Anklage gegen Mörder und Betrüger zu erheben. Heute aber gehört dieser prestige­trächtige Platz den Anwälten von morgen. Sie sind gekommen, um vor den Augen einer Jury, die aus der Crème de la Crème der hiesigen Anwaltsszene besteht, ein Plädoyer zu einem fiktiven Thema zu halten. Willkommen am «Concours d'art oratoire Michel Nançoz», dem Redekunst-Wettbewerb des Genfer Anwalts­verbandes. […] Zehn Tage vor dem Wett­bewerb werden die zehn Kandidaten der diesjährigen Ausführung […] vorgeladen, um per Los das Sujet für ihre zehn­minütige Rede zu ziehen. «Sie plädieren für die Bei­behaltung der Syntax in der französischen Sprache», steht etwa auf einem der Zettel. Der Bezug zur aktuellen französischen Rechtschreibe­reform ist offensichtlich.
: Rechtschreibung ist keine Verpflichtung. ,
Die heutige deutsche Recht­schreibung richtet sich nach politischen Entscheidungen, die 2006 beschlossen worden sind. Daran sollte (muss?) ich mich halten, wenn ich im Unterricht Rechtschreib­technik vermittele, wenn das Verfassen deutsch­sprachiger Texte zu meinen Aufgaben gehört, sei es als Beamter, Journalist, Schriftsteller, usw.

Daran muss ich mich halten, wenn ich nicht mein eigener chef bin. Das gilt sicher für beamte, aber sicher nicht für schriftsteller (und blogger).

: Wörtertausch und Netzjargon. Neues Deutschland, , s. 22, Wochenende
Veränderungen der Sprache erfolgen heute vermehrt von unten nach oben. Das heißt: Normative Standards werden von der akademischen Sprach­wissenschaft nicht mehr nur einfach gesetzt (wie im Fall der Rechtschreib­reform), sondern resultieren häufig aus den alltäglichen Sprach­gewohnheiten der Menschen.

29. 3. 2016

: Deutschstunde: Das Fremdwort ist ein rein deutsches Wort. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Die Rechtschreib­reformer unternahmen 1996 den gut gemeinten Versuch, schwierigen Fremd­wörtern ein deutsches Mäntelchen umzulegen. Dieser Versuch entpuppte sich als Rohr­krepierer. […] Ich gehe einmal davon aus, dass Klein Fritzchen nicht in der Lage sein wird, das Wort Portemonnaie aus dem Kopf richtig zu schreiben. Das gilt jedoch auch für den Ersatz­vorschlag „Portmonee“. Wenn Fritzchen jedoch ohnehin im Wörter­buch nach­schlagen muss, kann er ja gleich beim Original bleiben.

20. 3. 2016

: Überraschend nüchtern. , , Ebersberg
Bastian Sick, Retter des vom Tode bedrohten Genitivs, erweist sich im Alten Speicher eher als be­lehrend denn als be­geisternd. […] Die Gedanken über Getrennt- und Zusammen­schreibung hat er - genauso wie die Attacke auf "Denglisch" und die Kritik an der Sprache der "political correctness" - schon zu oft und zu aus­führlich formuliert, als dass er damit noch Aha-Effekte erzielen sollte. Er erzielt sie trotz­dem, weil ein von schlechtem Sprach­gebrauch um­brandetes und von der Rechtschreib­reform verun­sichertes Publikum sich darüber freut, dass das eigene Miss­trauen und Un­behagen offenbar doch begründet ist.

16. 3. 2016

: Atomkonzerne wollen Milliarden-Entschädigung. Prozess Unternehmen klagen in Karlsruhe auf Schadensersatz. Rhein-Zeitung, , s. 7, Wirtschaft
Eine Verfassungs­klage kann jederzeit zurück­genommen werden, selbst nach einer auf­wendigen zwei­tägigen Ver­handlung. Es gibt aber auch Beispiele für Fälle, die Karls­ruhe trotzdem einfach ent­schieden hat: 1998 erklärte der erste Senat die umstrittene Rechtschreib­reform für rechtens, obwohl die Kläger einen Rück­zieher machten – unter Verweis auf die all­gemeine Bedeutung der Frage.

15. 3. 2016

: Deutschstunde: Manche setzen ein Komma, wenn sie Luft holen. Berliner Morgenpost, , s. 4, Meinung
Ich kann in einer Folge der „Deutsch­stunde“ unmöglich alle Beispiele zur Zeichen­setzung auf­führen. Des­halb beginnen wir mit einer guten Nachricht an die Älteren: Trotz der Rechtschreib­reform können Sie 99 Prozent der früheren Interpunktions­regeln weiter­hin anwenden.

8. 3. 2016

: Schlossplatz oder Schloßplatz? (Kieler Nachrichten), , Nachrichten aus Kiel
In vielen Städten schreiben sich Schloß­plätze und -straßen noch mit Buckel-S. Und auch in Kiel hat die Schloß­straße, die vom besagten Platz an der Ecke der heutigen Eggerstedt­straße/Burg­straße in Richtung Alter Markt führt, nach wie vor ein Eszett im Namen – als hätte es die Rechtschreib­reform von 1996 nie gegeben. Ins Feld geführt werden können hier ästhetische Gründe, wie Uwe König vom Förder­kreis Kieler Alt­stadt bemerkt. Eine „Schloss­straße“ mit einem Drei­fach-S sieht eigen­artig aus.

4. 3. 2016

: «Das Hütchen auf dem Vokal» (I). Neue Zürcher Zeitung, , 237. jg., nr. 53, s. 9, Zuschriften
Doch Jürgen Ritte hat in seiner Glosse (NZZ 29. 2. 16) den ent­sprechenden Erlass leider falsch wieder­gegeben: Der Zirkum­flex bleibt auf «a», «e», «o», ver­schwindet aber auf «i» und «u» (und nicht umge­kehrt!), mit wenigen Aus­nahmen, wo er einen Bedeutungs­unterschied bewirkt (du/dû, sur/sûr, jeune/jeûne usw.) sowie bei be­stimmten Formen (passé simple, sub­jonctif de l'imparfait u. a.).
: «Das Hütchen auf dem Vokal» (II). Neue Zürcher Zeitung, , 237. jg., nr. 53, s. 9, Zuschriften
Bezüglich der unseligen deutschen Sprach­reform bemerkt er richtig die Schwierig­keit der praktischen Um­setzung. Hier hätte er ruhig noch anfügen können, dass das Ganze zu 80 Prozent einen elenden Murks darstellte […].

2. 3. 2016

: Waffenruhe im Wörterkrieg. , , Hintergrund
Dabei hätte doch alles so viel einfacher werden sollen – mit der Rechtschreib­reform. Doch Ausnahmen, Unter­regeln und Varianten gibt noch immer ziemlich viele, weiß Melanie Kunkel, die auf einige Jahre Erfahrung in der Sprach­beratung zurück­blicken kann: "Also natürlich werden uns weiterhin viele Fragen zur Recht­schreibung gestellt. Ins­gesamt haben wir aber den Eindruck, dass die Diskussion um die Rechtschreib­reform stark nachgelassen hat und die Regeln heute ins­gesamt gut ange­nommen worden sind."

29. 2. 2016

: Das Hütchen auf dem Vokal. Frankreich streitet um den «accent circonflexe». Neue Zürcher Zeitung (), , 237. jg., nr. 49, s. 29, Feuilleton
Und nun geschieht das doppelt Unerhörte. Denn nicht nur soll zum nächsten Schuljahr­beginn aus den Fibeln der «accent du souvenir» von «a», «o» und «u» ver­schwinden (und nur da und dort ein «i» oder «u» behüten - unter die liebens­werten Details fallen natürlich auch die Aus­nahmen in allen Regel­werken), zu dem ver­brecherischen Unter­nehmen soll gar die Académie fran­çaise angestiftet haben, die seit über 380 Jahren dazu da ist, über das Wohl der franzö­sischen Sprache zu wachen[,] und darob immer wieder bei Anti­traditionalisten, Anti­konformisten und anderen jungen Wilden Gegen­stand beissenden Spottes ist.
: Die Rechtschreibreform hat mit vielem Unsinn aufgeräumt. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung, Leserbriefe
Ja, die Rechtschreib­reform fand ich klasse, vor allem weil sie mit dem Unsinn von „Schiffahrt“ […] aufräumte. Was ich aller­dings nicht begriffen habe, ist die der Reform zu ver­dankende neue Doppelung bei „Tipp“ und „Stopp“.

28. 2. 2016

: Und ewig spinnen die Gallier. NZZ am Sonntag, , s. 69, In Kürze, Zugabe
Derzeit aber erhitzen sich die Gemüter in der Grande Nation über ein ganz anderes Thema: nämlich über die Rechtschreib­reform […]. Das alles kommt uns bekannt vor. Auch wir haben eine Rechtschreib­reform hinter uns. Sie hat ein altes wider­sprüchliches Regel­werk durch einen neuen Flicken­teppich ersetzt. Gewettert haben wir damals gegen sie, weil sie uns zum Umlernen zwang und de facto eine Rechts­unsicherheit schuf, die bis heute anhält und mit der wir mehr schlecht als recht leben.

27. 2. 2016

: «Nehmt Dampf aus der Flüchtlingsdebatte.» Der Ökonom Straubhaar warnt vor Dramatisierung und vor falschen Hoffnungen. Neue Zürcher Zeitung, , 237. jg., nr. 48, s. 31, Wirtschaft
Ich habe mir meinen Berner Akzent bewahrt. Da ist auch etwas Trotz dabei. […] Auch wer wie ich nicht weiss, wann das «ß» kommt, auch wer Hüseli­papier statt kariertes Papier sagt, kann in Deutsch­land erfolg­reich sein.

25. 2. 2016

: Nach „Negerkuss“-Posting: Netz lästert über Höckes Facebook-Foto. , , Leipzig
Vor allem, dass der ehemalige Gymnasial­lehrer Kuß mit „ß“ statt nach neuer Recht­schreibung mit „ss“ schreibt, erheitert die Netz-Gemeinde. [… Höcke:] „Privat verwende ich die alte Recht­schreibung, weil die Rechtschreib­reform eine Schlechtschreib­reform ist“, ließ er auf BILD-Anfrage ausrichten. „Sie war überflüssig und eine von oben herab aufge­zwungene Verwaltungs­entscheidung.“

20. 2. 2016

: Diktat und Dschihad. , , Feuilleton
Die Regierung will, dass ich schreibe, wie sie es sich vorstellt“, protestiert François Bayrou im „Journal du Dimanche“ gegen die Reform der französischen Recht­schreibung. […] Gegen ihre Verein­fachung kündigt Bayrou, der wie die meisten Politiker über das Selbst- und Sprach­bewusstsein eines Schrift­stellers verfügt, trotzigen Wider­stand an: „Ich werde weiter schreiben, wie es meinen Vor­stellungen entspricht.“ […] Die Franzosen frönen ihrer Sprache und der Ortho­graphie fast so leiden­schaftlich wie dem guten Essen. Die Diktate, die der Literatur­papst Bernard Pivot veranstaltet, sind National­sport. „Wie Pivots Diktate unsere Dschihadisten fabriziert haben“, versuchte zwei Tage nach den An­schlägen auf „Charlie Hebdo“ im Januar 2015 ein Artikel in der Online­zeitung „Médiapart“ den Franzosen zu erklären.

18. 2. 2016

: Sprache: Ketschup und Bravur haben sich nicht durchgesetzt. , , Bildung
Dies ergab ein Forschungs­projekt, das am Donnerstag im Institut für Deutsche Sprache (IDS) in Mann­heim vorgestellt wurde. […] Die Rechtschreib­reform von 1996 habe zwar einge­deutschte Varianten wie Ketschup (neben Ketchup) und Bravur (neben Bravour) zuge­lassen, dies habe sich aber auch nach 20 Jahren nicht durchgesetzt. Genauso schreibt heute niemand mehr Schofför, […] und wer mag bitte Majonäse? Dabei schrieb Kurt Tucholsky sie noch so.

16. 2. 2016

: Deutschstunde: Von jedem Buchstaben gibt es ein Pärchen. Berliner Morgenpost, , s. 2, Meinung
Unsere Lehrerin […] hatte eine praktische und kind­gerechte Erklärung für diese Buchstaben­form parat. „Alles, was ihr an­fassen könnt, müsst ihr großvschreiben“, erklärte sie. Das klang einleuchtend – das Haus, die Wand, die Tür oder die Bank konnte man anfassen, und diese Wörter bekamen demnach einen großen Buch­staben am Anfang. Selbst die Lehrerin mit großem „L“ hätte man anfassen können, was wir natürlich nicht taten und durften, denn damals ging es im Unterricht noch diszipliniert und respekt­voll zu. Aller­dings beein­flusste diese Anfass-Regel die Rechtschreib­kenntnisse bis zum Abitur, und das nicht unbedingt zum Guten.

13. 2. 2016

: Sprachwandel: Welchen Einfluss hat die Zuwanderung? , , Deutschland
Die […] Linguistin Damaris Nübling von der Universität Mainz hält die Sorgen vor dem Verfall der deutschen Sprache für völlig unbegründet. "Die Sprache optimiert sich ständig und passt sich ideal den Verhältnissen an […]", sagt sie. […] Viele Menschen hätten in der Schule ein Deutsch gelernt, das sie für das beste halten, und mit dem sie meinten, sich über andere erheben zu können, die nicht genau dasselbe Deutsch sprechen und schreiben. Sprache diene also der sozialen Distinktion, wozu eben auch die Definitions­hoheit gehöre, was man für richtiges Deutsch hält. "Vor diesem Hinter­grund ist jeder Wandel eine Katastrophe, weil er diesen Menschen den ver­meintlich festen Boden unter den Füßen wegzieht", sagt sie. Das gilt erst recht für Menschen, die sich die gültige Recht­schreibung mit großer Mühe aneigneten. Ihnen geben die Regeln Halt, jede Abweichung wird als Bruch wahr­genommen.

12. 2. 2016

: Abschied vom „Dächelchen“. Frankreich verzichtet künftig auf den Akzent auf i und u. Saarbrücker Zeitung, , nr. 36, s. A3, Themen des Tages
Die Académie française hatte die Änderungen 1990 mit einer Ent­wicklung der Sprache begründet, wie sie auch in den Nachbar­ländern wie Deutsch­land üblich ist. Es sei wichtig, die Recht­schreibung mit „dosierten und kohärenten Berichti­gungen an­zupassen, die ihre Nutzung sicherer machen“, hieß es damals. Die renommierte Akademie […] sparte auch nicht mit Kritik am Zirkum­flex: der „chapeau“ sei eine „große Schwierig­keit der französi­schen Recht­schreibung“. Sogar Gelehrte hätten Schwierig­keiten, den Akzent zu setzen, der „will­kürlich und unzusammen­hängend“ gebraucht werde.
: „Reform macht Französisch attraktiver.“ Saar-Bildungsminister Commerçon begrüßt neue Schreibweise. Saarbrücker Zeitung, , nr. 36, s. A3, Themen des Tages
Auch für Christoph Vatter, Romanisitik-Junior­professor an der Saar-Uni, geht die Reform in die richtige Richtung: „Regeln, die nicht gut nachvoll­ziehbar sind, zu ver­einfachen, ist sinn­voll.“ Interes­santer als die Rechtsschreib­reform selbst ist für ihn die Debatte darüber.
: Viel Lärm um nichts. Saarbrücker Zeitung, , nr. 36, s. A3, Themen des Tages, Meinung
Ob Rente, Uni oder Recht­schreibung – Reformen durch­zuziehen, ist in Frank­reich nie eine leichte Sache. Zu denken, dass die Änderungen an rund 2000 Wörtern die franzö­sische Kultur in große Gefahr bringen, ist blanker Unsinn.

11. 2. 2016

Inuktitut translators vote to adopt unified roman orthography system. , , Canada, North
Inuktitut language inter­preters and translators from across the country have voted to adopt a unified roman ortho­graphy system in hopes of saving and modernizing their language.

8. 2. 2016

: Der Accent circonflexe macht perplex. , , Panorama
Eine 1990 beschlossene Orthographiereform soll im Herbst im Schul­alltag Einzug halten. […] Manche Verein­fachungen sind denn auch kaum umstritten. […] Für oder wider Accent circonflexe?, lautet vereinfacht die wichtigste Streit­frage. […] Von den deutsch­sprachigen Nachbarn hätten die französischen Sprach­reformer lernen können, wie leicht es ist, eine neue Schreib­weise zu beschliessen, aber wie schwer es danach ist, sie in der Praxis durch­zusetzen.

6. 2. 2016

neu : Ich bin Circonflexe. Protest gegen Frankreichs Rechtschreibreform. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 31, s. 6, Politik (614 wörter)
Der Schriftsteller Jean d'Ormesson bezeichnete die Entscheidung der Bildungs­ministerin als "skandalös". Der "Unsterbliche" war vor 26 Jahren dabei, als die Regeln aus­gearbeitet wurden. Doch der Kontext habe sich heute gewandelt. "Damals waren die Leute nicht un­glücklich wie heute und das Land nicht in einem solchen Zustand", sagte d'Ormesson im "Le Figaro". Es gebe heute wichtigere Reform­baustellen. Der Recht­schreibung solle man sich widmen, wenn der Wohlstand zurückgekehrt sei. Besonders empöre ihn, dass die deutsche Rechtschreib­reform als Vorbild angeführt werde. "Dabei war sie eine Katastrophe", sagte der Schrift­steller.
: Das Dach kommt weg. Rechtschreibreform in Frankreich: „Accent circonflexe“ wird ausgemustert – teilweise. Schwäbische Zeitung, , nr. 30, s. 9, Journal
Beim Microblogging­dienst Twitter fand sich bereits eine Menge Menschen zu­sammen, die den vom Aus­sterben be­drohten „accent circon­flexe“ in den Weiten des Netzes ver­teidigt. Das Stich­wort lautet in – einiger­maßen un­passender – An­lehnung an die Solidaritäts­bewegung für die Opfer der Terror­anschläge in Paris #JeSuisCirconflexe.
: Clarté gefragt. Schwäbische Zeitung, , nr. 30, s. 9, Journal
Nun hätte es die vatika­nische Lösung ge­geben: wie bei der Papst­wahl die Türe ver­riegeln und erst wieder öffnen, wenn weißer Rauch auf­steigt. Aber nein, bei Un­einigkeit ent­schied man sich stets zur Varianten­schreibung, bis sich eine Prä­ferenz für eine Schreib­weise erkennen lässt. Ein Bei­spiel für das daraus resultierende Durch­einander soll hier genügen: Bei Formen wie grüner Tee, grüne Minna und grüne Welle schreiben wir grün ver­bindlich klein; bei Grüne Insel, Grüne Woche und Grünes Gewölbe ist das Grün ver­bindlich groß; die Wahl haben wir bei der grünen oder Grünen Lunge, bei der grünen oder Grünen Grenze sowie bei dem Grünen oder grünen Trikot

Die wahlfreiheit gibt es seit 2006; die übrigen beispiele wurden durch die reform nicht verändert. Dem durch­einander kann man nur durch eine echte reform – kleinschreibung – entrinnen.

5. 2. 2016

: Not the oignon: fury as France changes 2,000 spellings and drops some accents. , , World news
#JeSuisCirconflexe campaigners fight back against decision by the Académie Française to ‘fix anomalies’ – although decision was originally made in 1990. […] Some pointed out that the i-less ognon sounds less like a vegetable and more like ‘oh non’, which pretty much summed up France’s reaction to the changes.

4. 2. 2016

: Bernard Pivot : « Les professeurs risquent d'être perturbés par la réforme de l'orthographe » , , Actualité, Société
Le vrai problème est la distorsion entre ce que les enfants vont apprendre et ce qu'ils vont lire dans les journaux ou les romans.

Dass die kinder noch ganz anderes lesen, worüber auch in Frankreich grosses wehklagen herrscht, ist dem professor entgangen.

3. 2. 2016

: Adieu accent circonflexe, la réforme de l’orthographe va s’appliquer en septembre. , , Société, Éducation
Votée il y a 26 ans, la réforme ortho­graphique va s’appliquer à la rentrée prochaine. En tout, 2.400 mots subissent un lifting pour simplifier la langue; l’accent circon­flexe doit quant à lui disparaître sur certains mots.

2. 2. 2016

: Ihr tut mir Leid. 20 Jahre Rechtschreib­reform. , , Telepolis, Kultur (1838 wörter)
Sind wir schon bei Fehlern, möchte ich die Bemerkung wagen, auch so manche GegnerInnen der Rechtschreib­reform waren und sind nicht gegen sie gefeit. So berufen sie sich auf­fällig oft auf die "Logik". Friedrich Georg Jünger (Sprache und Denken, 1962) hat mir jedoch schon vor Jahren ein­gebläut, Sprache habe keine Logik. […] Eignet aber der Sprache keine Logik, dann auch deren Schreibung nicht. Das ist nur logisch. […] Für mein Empfinden handelt es sich sowohl bei der Sprache wie beim Problem ihrer Schreibung um ein derart komplexes und letztlich unbe­greifliches Phänomen, daß es sterblichen Menschen niemals gelingen wird, sie auf eine Weise hand­habbar zu machen, die sogar Computer und Roboter begreifen.

Wurde die schrift nicht von sterblichen menschen erfunden?

28. 1. 2016

: Erlaubt ist, was gefällt? , , Panorama
Die Rechtschreib­reform von 1996 feiert ihr 20jähriges Jubiläum. Anlass zum Jubeln aber gab es seit ihrer Ein­führung nicht.

26. 1. 2016

: Rechtschreibung – Martin Luther setzen, sechs! , , Kultur
Mit der Ortho­grafie haperte es beim Reformator aber zunächst. Die musste er erst lernen. […] In Überein­stimmung mit den Druckereien bemühte sich der Reformator selbst zunehmend um die Verein­heitlichung seiner Recht­schreibung: Konsonanten­häufungen wie bei zeytt, die typisch für den früh­neuhochdeutschen Wild­wuchs waren, wurden seltener. Er schrieb kaum noch tzehen oder czehen, sondern fast nur noch zehen. […] Mit seiner Groß- und Klein­schreibung näherte sich Luther übrigens ebenfalls den heutigen Regeln an. Er unterschied dabei jedoch zwischen Druck und Briefen: In einer Hand­schrift aus dem Jahre 1520 sind nur etwa drei Prozent aller Substantive mit großen Anfangs­buchstaben aus­gezeichnet, während es im Druck bereits 17 Prozent sind. Aller­dings ging es ihm – im Einklang mit den Regeln und dem Sprach­gefühl der Zeit – vor allem darum, Wörter innerhalb des Satzes hervor­zuheben. Deshalb schrieb er auch Artikel, Adjektive und sogar Verben groß.

19. 1. 2016

: Deutschstunde: Man schreibt zusammen, was zusammengehört. Hamburger Abendblatt (), , s. 2, Meinung
Um gleich die Standard­ausrede älterer Mit­bürger zurück­zuweisen: Vor der Rechtschreib­reform gab es weitaus mehr Stolper­steine und unlogische Aus­nahmen bei der Ortho­grafie als heute.

4. 1. 2016

: Der König der Reklame: Ernst Litfaß. Frankfurter Allgemeine Zeitung, , nr. 2, s. 20, Unternehmen
Die Litfaßsäule kommt auch 200 Jahre nach dem Geburtstag ihres Erfinders Ernst Litfaß nicht aus der Mode. […] Den Namen ihres Erfinders trägt sie noch immer in alter Schreib­weise: Da es sich um einen Eigen­namen handelt, schreibt sich die Litfaß­säule laut Duden auch nach der Rechtschreib­reform noch immer mit ß.