Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

willkommenstichwort → akzeptanz
nachgeführt 2017-6-22

akzeptanz

«Bereitschaft, einen Sachverhalt billigend hin­zunehmen. Akzeptanz gegenüber einem Gegenstand wird als Teilaspekt der Konformität im Spektrum zwischen Gehorsam, Anpassung und Ver­innerlichung gesehen. […] Die Diffusions­theorie unter­scheidet Neuerer, frühe Annehmer, frühe Mehrheit, späte Mehrheit und Nachzügler. Das Akzeptanz­verhalten wird durch Verhaltens­merkmale (z. B. Risiko­bereitschaft, Neugierde) geprägt. […] Starke Brüche mit bisher Gewohntem erschweren die Akzeptanz.»

stellenwert

In anbetracht der schwachen rechtlichen ver­ankerung der orto­grafischen norm spielen akzeptanz­überlegungen eine ent­scheidende rolle in der dis­kussion.

messung

kritik

Gegner einer neuregelung gehen von der annahme aus, dass der status quo akzeptiert ist («bewährte recht­schreibung»). Reformer dagegen inter­pretieren die mangelhaften kompetenzen in schreiben und lesen als fehlende akzeptanz. Vgl. unten das zitat Roman Bucheli.

Die selbsteinschätzung (die sich in umfragen nieder­schlägt) und das verhalten passen oft nicht zusammen: «[…] dass ich z.B. die Reform immer noch ablehne und in der alten Weise weiter­schreibe.» (faz.net, Bartkowiak und faz.net, Körner.)

Ein konkreter vorschlag, der das resultat eines politischen prozesses darstellt – beispiels­weise die neu­regelung von 1996 –, stösst auch bei konsequenteren reformern auf wider­stand. Wie oft in der politik gibt es unheilige allianzen.

Zitate

Konrad Duden, Rechtschreibung, in: Encyklo­pädisches Hand­buch der Pädagogik, 1898, band 5, s. 760

Ja, kein Geringerer als Jacob Grimm, der später die herrschende Ortho­graphie mit den kräf­tigsten und derbsten Aus­drücken bekämpft und sie zu ändern versucht hat, spricht in der Vorrede zu seiner Grammatik Zweifel darüber aus, ob sie […] noch für Änderungen empfänglich sei.

Rainer Tenhaef, Das Parlament, 13. 6. 1997

Augst räumte ein, daß/dass die Reformer an den Grenzen der Durch­setzbarkeit stehen­geblieben seien. Beispiel Stamm­prinzip: „›Ältern‹ haben wir uns nicht getraut.“

Schleswig-hol­steinisches ober­verwaltungs­gericht, Der Tages­spiegel, 14. 8. 1997

Sprachliche Normen hängen … nicht vom Willen – unter Umständen kurz­fristig wech­selnder – Mehr­heiten in Par­lamenten ab, sondern lang­fristig – von all­gemeiner Akzeptanz.

Hans-Dieter Von­tobel, verwaltungs­rats­präsident, an der general­versammlung der Vontobel Holding AG, Neue Zürcher Zeitung 2. 8. 1995

Politisiert wird nach den Kriterien der Akzeptanz. Akzeptabel ist an­geblich nur noch, was geringst­möglichen poli­tischen Wider­stand weckt. Richtig ist einzig noch, was Polit-Marke­ting als mehrheits­fähig erachtet. Andere Kriterien sind nicht mehr ge­fragt.

Rolf Landolt, 1997

Zu «Karren im Dreck»

Roman Bucheli, Neue Zür­cher Zeitung, 9. 8. 2004

Bedenklich stimmt es, wenn die genannten Gross­verlage [chronik, 6. 8. 2004] die Ab­kehr von der neuen Re­gelung nun unter die etwas demagogische Begründung stellen, die Mehrheit der Be­völkerung sei gegen die neue Ortho­graphie. Denn ginge es danach, so wäre vermutlich jede Rechtschreib­regelung über­flüssig.

Helmut Kindler, 1973

Ich bin für die Kleinschreibung — aber ich werde dafür nicht auf die Barrikaden gehen.

Akzeptanz, aber nicht ausdrückliche befürwortung.