Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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nachgeführt 2015-12-15

norm

Peter Eisenberg, Sprach­nachrichten, 1. 2014

Bitte vergessen Sie nicht, dass die orthographische Norm bis heute die einzig verbind­liche Sprachnorm ist, die es im Bil­dungssystem des Deutschen gibt. Nur hier war es auch möglich, dass der Staat in die Sprache eingriff und eine Neuregelung durch­setzte.

Logisch; die alte regelung hat der staat ja auch durchgesetzt.

Martin Walser, Der Spiegel, 14. 10. 1996

Rechtschreibnormen sind Zentralismus­blüten, Haupteffekt: Fehler­produktion.

Gerhard Augst in Ment­rup, Recht­schreib­reform in der Dis­kussion, 1979

Da aber eine normierte Recht­schreibung sich kaum von selbst im gesellschaft­lichen Wandel ändern kann, muss die Normierung in gewissen Zeit­abständen der neuesten Entwicklung durch Erlass angepasst werden.

Walter Porstmann, zit. nach Hermann Tietze, verbessere die normen! Steno­grafische Rund­schau. 21. jg., 9. 1978

die zielbewusste normung muss immer auf dem sprung sein, die normen neuen verhältnissen anzupassen - eben zu verbessern.

Elisabeth Leiss, Die regulierte §chrift, 1997, s. 73

Normieren geht nicht ohne Reformieren.

Leo Weisgerber, Erziehung und Unter­richt, 1956, nr. IV

Für die Verantwortlichen bleibt eine unabdingbare Folgerung. Wer im Bereich der Schrift eine Norm setzt, eine bestimmte "Recht"schreibung ver­bindlich macht, der muß gleich­zeitig bereits die nächste Rechtschreib­reform vorbereiten. […] Man mag in Zeit­räumen von fünfzig Jahren denken, - die Über­prüfung der Norm muß von Anfang an mitgewollt sein. Eine Sprach­gemeinschaft, die ohne diese Sicherung die Herrschaft der Schrift fördert, wird sich zum Schluß der Diktatur des von ihr selbst geschaffenen Hilfs­mittels nicht mehr erwehren können.

Otto Back, Zur Klein- und Groß-Schreibung im Deutschen, 1978

Eine etablierte Norm und eine Neuregelung, die an deren Stelle treten soll, stehen zueinander nicht in demselben Verhältnis wie zwei miteinander wetteifernde, gleichermassen noch unverwirklichte Normvorschläge. - Die Tatsache des Schon-Eingeführt-Seins macht einen Bonus aus - so mangelhaft die Regelung auch sein mag; und eine neu vorgeschlagene Norm muss mit ihren Vorteilen nicht nur die etablierte Norm übertreffen, sondern zusätzlich auch noch die Mühen einer Umstellung aufwiegen.

Manfred Papst, NZZ-Folio, 2. 2005

Die Mherhiet hat imemr rhcet.

Marcus Pindur, Deutschland­radio, 1. 8. 2011, 14:09

Der Schriftsteller Peter Schneider meint, dass die Deutschen gut ohne eine verbindliche Recht­schreibung leben könnten. Deren "Ordnungs­funktion" ver­bindlicher Recht­schreibung sei weder dringlich noch wünschens­wert.

Reinhard Kahl, Erziehung und Wissen­schaft, 5. 10. 2004, s. 33

Die durchregulierte Recht­schreibung, zumal in ihrer engen und ängstlichen Aus­legung, so­zialisierte für die Massen­produktion. Diese brauchte strikte Normen. Kreativität und Ideen hin­gegen brauchen Spiel­räume. Auch die jüngste, eher zahme Rechtschreib­reform lebt noch von dem Traum einer alle Zweifels­fälle berück­sichtigenden und ordnenden zentralistischen Regelungs­kraft.