|
Peter Müller, LEAD, Newsletter der SDA-Gruppe, 12. 2007
|
Varianten sind in der grafischen Industrie unbeliebt. Sie sind kostentreibend, weil sie zu Unsicherheit führen, weil Hausorthographien erstellt werden müssen, die naturgemäss unterschiedlich ausfallen. Schon früh in der Geschichte der Vereinheitlichung der Rechtschreibung drängten die Buchdrucker auf Festlegung auch der schwierigen Bereiche Gross- und Kleinschreibung und Getrennt- und Zusammenschreibung. Konrad Duden tat ihnen den Gefallen und brachte 1903 den Buchdrucker-Duden heraus, der 1915 mit Dudens Orthographischem Wörterbuch zum Duden vereinigt wurde.
|
|
|
Jan Fleischhauer und Christoph Schmitz: Hit und Top, Tipp und Stopp. Der Spiegel, 2. 1. 2006
|
[…] zwei Schreibweisen für ein und dasselbe Wort führen zur Verwirrung. Dass Schüler entscheiden können zwischen Portemonnaie (alt) oder Portmonee (neu), macht es ihnen nicht leichter. „Schreibt einfach Geldbeutel“, rät die Lehrerin der Klasse.
|
|
|
Ralf Osterwinter, Sprachspiegel, 2. 2002
|
Grundsätzlich gegen Schreibvarianten spricht vor allem das bei Lesenden und Schreibenden gleichermassen weit verbreitete Bedürfnis nach Einheitlichkeit und Eindeutigkeit, das die Reformkommission vermutlich unterschätzt hat. Dass die neue Variantenvielfalt vom Gros der Sprachteilhaber keineswegs als Erweiterung ihrer sprachlichen Ausdrucksmöglichkeiten begrüsst wird, zeigt sich in vielen der täglich rund 180 Anrufe in der Duden-Sprachberatung. Die gewachsene Wahlfreiheit wird offensichtlich nicht selten als Qual der Wahl empfunden und deshalb rundweg abgelehnt.
|
|
|
Redaktion und Verlag, Die Welt, 1. 8. 2006
|
Die im März 2006 endgültig beschlossene Reform erlaubt nun eine solche Vielzahl von Schreibvarianten, dass die Einheitlichkeit der deutschen Rechtschreibung gefährdet ist.
|
|
|
Deutschlandradio, Deutschlandfunk, 1. 8. 2007
|
Nach Ansicht von Fritz Elster, Leiter der Schlussredaktion der "Süddeutschen Zeitung", hat der "Duden" durch die Angabe von drei Schreibmöglichkeiten die Einheitlichkeit der deutschen Schriftsprache zerstört.
|
|
|
neu Alois Grichting, Walliser Bote, 6. 5. 2011
|
Mit der Zulassung von «Es tut mir leid» als «Variante», verdeckten die Politiker nur die ihnen vom «Volk» aufgezwungene und peinliche Rückkehr zur herkömmlichen Schreibweise. […] Dieses durch die heuchlerische «Varianterei» entstandene Chaos ist auch noch 2011 gewaltig. Es verleitet die Schüler zur Meinung, Rechtschreibung sei gar nicht wichtig, ja beliebig.
|
|
|
Edgar Haberthür, NZZ am Sonntag, 26. 10. 2003
|
Adieu, Gämse.
|
|
|
Klaus Reichert, Junge Freiheit, 10. 10. 2003
|
Rechtschreibreform rückgängig machen? Pro und Contra II.
|
|
|
neu Jürg Amann, Schweizer Monatshefte, 11. 2010
|
Und ich - als Beispiel, das ich aus der eigenen Erfahrung kenne - aus Verlegenheit ins Impressum meiner neuen Bücher, die in meinem österreichischen Verlag erscheinen, Erklärungsnotsätze wie "Die Schreibweise des Autors orientiert sich an der schweizerischen moderaten neuen Rechtschreibung der Neuen Zürcher Zeitung» oder zuletzt "Die Rechtschreibung des Autors orientiert sich an den Empfehlungen der Schweizer Orthographischen Konferenz SOK» drucken lassen muss; während die Bücher, die in meinem Hamburger Verlag erscheinen, undeklariert einer moderaten deutschen neuen Rechtschreibung verpflichtet sind. Von den verschiedensten Schreibweisen in den verschiedensten Anthologien und den Nachdrucken in Schulbüchern gar nicht zu sprechen. Ein Unding natürlich.
Natürlich. Besser wäre: "Die schreibweise des autors orientiert sich am moderaten vorschlag des Bundes für vereinfachte rechtschreibung.
|
|
|
neu Der Spiegel, 19. 6. 1995, s. 107
|
Könnten Sie nicht gelegentlich sagen: Das stellen wir frei? Der Gedanke, Freiheit zu gewähren, ist der Dudenredaktion völlig fremd, wie uns scheint. Drosdowski: Ja, der ist uns fremd, und der muß uns fremd bleiben. Wenn die Reformer ratlos und uneinig sind - eine für sie ziemlich typische Situation - und sich nicht für die eine oder andere Regelung entscheiden können, meldet sich immer irgend jemand zu Wort und ruft: Liberalisieren! Das ist Gift für die Rechtschreibung. Wir brauchen Klarheit. Aber je stärker man das Schreiben liberalisiert, desto schwerer macht man das Lesen. Der Leser erwartet eine gleiche Schreibweise, kein Neben- und schon gar kein Durcheinander. Und was soll der Lehrer tun? Den Schülern sagen, schreibt, wie ihr wollt?
|
|
|
neu Elisabeth Leiss, Die regulierte §chrift, 1997, s. 98
|
Lesende müssen […] ein Wort nicht Buchstabe für Buchstabe wie ein Scanner abtasten. Es werden nur soviele Grapheme dekodiert als für das Verständnis nötig sind, dann wird der Dekodierungsprozeß abgebrochen – es sei denn, man stellt auf den 'Korrekturlesemodus' um und arbeitet jedes Wort linear ab. Die Leser der Moderne, die auf einer total normierten Orthographie bestehen, weil sie sich sonst gestört fühlen, haben sich unnötigerweise dauerhaft in den primitiveren 'Korrekturlesemodus' gezwungen. Einen funktionellen Vorteil hat diese Selbstdisziplinierungsmaßnahme nicht.
|
|