Bund für vereinfachte rechtschreibung (BVR)

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2017

Der aktuelle widerspruch

Siehe auch: das aktuelle zitat, die aktuelle losung

Klaus Reichert, Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung, Je näher …, 2007, s. 9

Die Rechtschreibreform lief auf eine Zerstörung von Semantik und Gram­matik hinaus und hatte eine totale Ver­unsicherung der deutsch Schreibenden zur Folge.

Autorinnen und Autoren der Schweiz AdS, Eingabe, 20. 8. 2009

Nach dreizehn Jahren versuchter Verbesserung gibt die neue Recht­schreibung unseren Texten noch immer keine feste Gestalt.

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Roman Bucheli, Neue Zürcher Zeitung, 27. 7. 2018

Im Grunde aber kann uns gar nichts Besseres passieren als eine Zunahme der Ver­unsicherung. Das ist die eine gute Nachricht. Natürlich wird das Leben dadurch etwas komplizierter, es wird auch weniger bequem und erscheint schliesslich so komplex, wie es in der Tat auch ist. […] Das Denken wird dadurch schärfer und präziser, die Vernunft wacher, und die Selbst­widersprüche, in denen wir es uns so schön ein­gerichtet haben, treten deutlicher hervor. Als Folge davon nehmen die Dispute eher zu als ab. Aber auch das kann nur zur Klärung von lange und grosszügig ignorierten Konflikten beitragen. Mit solchem Gewinn sollte sich doch durchaus leben lassen, auch wenn einiges an Ungemach damit verbunden ist. […] die Kunst […] muss dann erst recht und umso mehr auf ihren Prämissen bestehen: Einübung in die Freiheit des Denkens. Das wäre die andere gute Nachricht. In Zeiten, da alles unsicher wird, da alle wahren Ab­sichten verwischt werden und kaum ein Wort mehr meint, was es gemeinhin bedeutet, da kann das künstleri­sche Remedium nicht heissen: noch mehr vermeintlicher Klartext im Brustton der Über­zeugung. Dann gilt es erst recht, alles infrage zu stellen, sämtliche verbliebenen Gewiss­heiten zu prüfen und allen Wider­sprüchen auf den Grund zu gehen, indem sie zu Ende gedacht und also verschärft werden. Die Kunst könnte dann wieder werden, was sie ihrem eigenen Selbst­verständnis nach sein sollte: Ein Labor für eine grosse Ver­unsicherung, die uns freilich heraus­fordert, da sie den Möglichkeits­raum öffnet ins Un­absehbare, da sie Denk- wie Atemwege freimacht, da sie angeblich Ein­deutigem das Privileg der Mehr­deutigkeit und Offenheit zurückgibt. Ver­unsicherung müsste unter solchen Auspizien auch als Form einer anspruchs­vollen Befreiung verstanden werden können. Sie stösst dann Denk­gewohn­heiten um und schafft also Freiräume, die das Vorstellungs­vermögen ebenso in Schwingung bringen, wie sie eine kreative Unruhe zu stiften vermögen.

Prof. Peter Eisenberg, Frank­furter All­gemeine Zeitung, 17. 4. 2009

Die Orthographie […] ist, wie sie ist. […] Jede noch so gut­willige, gut­gemeinte Mani­pulation am Gegen­stand hat zu unter­bleiben.

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Arthur Schnitzler

Die Welt ist über­haupt nur dadurch weiter­gekommen, dass irgend jemand die Courage gehabt hat, an Dinge zu rühren, von denen die Leute, in deren In­teresse das lag, durch Jahr­hunderte be­hauptet haben, dass man nicht an sie rühren darf.

Es muss nicht sein, wie es ist.

Stefan Aust, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. 6. 2014 über Frank Schirrmacher, journalist, FAZ-herausgeber und reformgegner, gestorben am 12. 6. 2014

Ohne Frank Schirrmachers Sturheit, seinen Wider­willen gegen die Ver­hunzung der deutschen Schrift­sprache, würde der Duden heute anders aus­sehen.

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Hanns Joachim Friedrichs, fernsehjournalist, hanns-joachim-friedrichs.de

Einen guten Journa­listen erkennt man daran, dass er sich nicht gemein macht mit einer Sache, auch nicht mit einer guten Sache.

Theodor Ickler, nzzfolio.ch, 18. 7. 2011

Reformschreibliche Texte, in welcher Fassung auch immer, sind ein Ärgernis.

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Walther Rathenau, zitiert nach Robert Nef, Sprüche und Widersprüche zur Planung.

Es ist mehr Positives in die Welt gekommen durch die, welche Ärgernis gegeben, als durch die, die Ärgernis genommen haben.

 

Dies gelesen:

Resolution der tagung der «Schweizer Ortho­graphischen Konferenz» in Zürich am 4. 6. 2009

Die Unzufriedenheit mit dem mittlerweile dritten amtlichen Regel­werk ist in den ver­gangenen Jahren stetig gewachsen.

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Und dies gehört:

Gisela Widmer, referentin an der tagung der «Schweizer Orthographischen Konferenz» in Zürich am 4. 6. 2009

Die Rechtschreibreform ist ein Riesen­debakel, aber meinen Journalisten­schülern am Medien­ausbildungs­zentrum ist sie egal, sie ist kein Thema mehr.

Und dies gedacht: Ist das die definition von «wachsen»?

Stellungnahme des schweizerischen bundesrates zu einem postulat von Kathy Riklin, 24. 11. 2004.

Der Bundesrat […] teilt […] die Ansicht der Postulantin, dass die deutsche Recht­schreibung unbedingt konsensfähig gemacht werden muss.

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Beda M. Stadler, professor für immunologie, universität Bern. Migros-Magazin, 2. 10. 2006

Konsens führt immer zu Mittel­mässigkeit. Wenn wir glauben, der Konsens sei der Weg unserer Gemeinschaft, dann schaffen wir am besten gleich die Demokratie ab und sagen: 50 Prozent sind dafür und 50 Prozent dagegen.

Wahrig, Die deutsche Recht­schreibung, streifbandwerbung

Endlich Sicherheit!

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Joachim C. Fest

Die Deutschen würden — vor die Wahl gestellt — sich eher für Sicherheit als für Freiheit ent­scheiden.

Udo Jürgens, star-entertainer, am 30. 9. 70, Bild, 10. 8. 2004

Bei der neuen Rechtschreibung sehe ich bis heute nicht durch. Es wäre mir lieb, wenn wir zur klassischen Recht­schreibung zurückkehren würden.

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Udo Jürgens, star-entertainer, lied «Wer hat meine Zeit gefunden», 1971

Ich lernte Lesen, Schreiben, Rechnen, nur das Wesentliche nicht. Ich lernte alle alten Normen, doch nicht, wie man sie zerbricht.

Angela Merkel, B.Z. Berlin, 25. 7. 2004

Ich persönlich werde in meinem Leben nicht mehr zur vollen Beherrschung der neuen Recht­schreibung vorstoßen.

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Martin Ebel, Tages-Anzeiger, 29. 7. 2004

Angela Merkel ist gerade 50 geworden. Um ihre Lern­fähigkeit scheint es nicht gut zu stehen. Wie steht es aber um die «volle Beherrschung» der alten, der früher geltenden Recht­schreibung, zu der Merkel und viele ihrer Partei­freunde gern zurück­kehren würden? Das hat die CDU-Vor­sitzende nicht gesagt. Wohlweislich.

Thomas Steinfeld, Süd­deutsche Zeitung, 5. 2. 2004

Kriege werden geführt, Volks­wirtschaften zugrunde gerichtet, die Renten­kasse ist leer, und auch sonst gibt es wenig Grund zur Zuversicht. Doch die Empörung, die sich gegen die Besetzung des Irak, die Gebühr für den Arzt­besuch oder den Ausfall der Maut für Lastwagen richtet, fällt gering aus gegen die Irritation, die sich unter den Deutschen jedes Mal verbreitet, wenn die Reform der Recht­schreibung in eine neue Etappe geht. […] Die neue Recht­schreibung weckt auch deshalb immer wieder so große Verärgerung, weil hinter ihr die Fratze einer sich im Nutzlosen, ja Schädlichen ver­schwendenden Obrigkeit, der puren Schikane erscheint.

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Prof. Michael Wolffsohn, München, Bild, 27. 3. 1998

Warum sind «die Deutschen» so hysterisch? Warum ist hier alles so verbissen?

Max Flückiger, chefkorrektor der FDP-nahen Neuen Zürcher Zeitung, 1974

Den Ungewißheiten zukünftiger Versuche ist die Gewißheit der heutigen Regelung bei weitem vorzu­ziehen.

Hans Weidner, Basel, korrektor, 1974

Sicherheit steht vor jeglicher Verunsicherung!

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Neue Zürcher Zeitung, 16. 8. 2003, s. 69, Zeitfragen

Erstaunlich: Die Freisinnig-Demokratische Partei der Schweiz (FDP) wirbt auf den Wahlplakaten mit dem Versprechen, für «Sicher­heit» im Lande zu sorgen […]. Zugegeben, die Zeiten sind unsicherer als auch schon […]. Doch einer liberalen Partei, als die sich die FDP noch immer versteht, sollte nicht an erster Stelle die Sicherheit am Herzen liegen. Es ist die Freiheit, für die sich Liberale zualler­erst einsetzen. […] Die Betonung der Sicherheit durch die FDP hängt nicht nur mit dem Wahlkampf zusammen […], sondern auch mit einem Denken und einer mentalen Stimmung, die im Neuen, im Wechselhaften und im Fremden eher Bedrohliches denn Chancen Bietendes erkennen — obwohl sich gerade im Wandel die Fenster zur Freiheit öffnen. Bürgerlich-Liberale sollten daher vom Grundgefühl der Zuversicht und nicht der Ängstlich­keit getragen sein […]. Die Konservativ-Bürgerlichen sollten bedenken, dass sie den nachfolgenden Generationen zwar etwas hinter­lassen sollten, das zu bewahren wert ist, doch sollten die Liberalen darauf drängen, dieses nur unter dem Vorbehalt ständiger Veränderung zu akzeptieren.

Süddeutsche Zeitung, 7. 8. 2000

Der Literaturnobelpreisträger Günter Grass fordert die Zeitungen dazu auf, „zur be­währten und besseren Recht­schreibung zurück­zukehren." Das entspreche dem Willen der Mehrheit.

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Apropos «bewährt» und «besser»:

Zürich-Express, 7. 9. 2000

Theodor Ickler (leserbrief, Die Woche, 11. 8. 2000)

In der Schweiz und vor allem in Öster­reich gibt es eine mächtige Widerstands­bewegung gegen die Reform. Wie ist es möglich, dass Sie davon nichts wissen?

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Ralph Pöhner (Facts, 10. 8. 2000)

Auffällig etwa, wie wenig Nieder­schlag die neue deutsche Debatte in der Schweiz fand.

Eigenwerbung der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

bild eines lesers hinter einer zeitung

Dahinter steckt immer ein kluger Kopf.

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die tageszeitung, 28. 7. 2000

Dahinter steckt immer ein schlaues Trotzköpfchen.

Ganzseitige werbung des Dudenverlags für die am 25. august erscheinende neuauflage des rechtschreib­dudens, u. a. Frankfurter All­gemeine Zeitung, 5. 8. 2000

Dahinter stecken viele kluge Köpfe.

20 minuten (Zürich), 26. 6. 2000

Der Zürcher Bildungsdirektor [= kultusminister] Ernst Buschor will an Schule und Uni mehr Natur­wissenschaften und Informations­technologie.

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Alfons Müller-Marzohl, Sprach­spiegel. 1988, nr. 2

Eine [echte] ortografiereform bietet die einzig­artige gelegenheit, den schul­stoff schlagartig zu entlasten, ohne dass dadurch der geringste schaden entsteht.

Wilhelm Friedrich Schubert, Ueber den gebrauch der grossen buchstaben vor den haupt­wörtern der deutschen sprache, 1817, s. 48

Wie viele unnöthige mühe und plage nähmen wir unseren schreibeschülern ab, wie vielen verdruss und wider­willen ersparten wir ihnen, wie leicht und angenehm machten wir ihnen die ganze schreiberei, wenn wir sie mit den grossen buch­staben verschonten.

 

Dies gelesen:

Profil, 31. 12. 1999, nr. 1/2000, seiten 57 bis 159

Was bleibt vom 20. Jahrhundert.

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Und das gedacht: Auf den 102 seiten listet das öster­reichische nachrichten­magazin viel gutes und schlechtes auf; die rechtschreib­reform ist nicht dabei. Schon vergessen:

Der Tagesspiegel vom 28. 12. 1994

Und doch war es ein Jahrhundert­ereignis, als sich 17 Experten auf neue Rechtschreib­regeln einigten; ähnliches ist zuletzt 1901 geschehen. […] Die Recht­schreibung, dieses scheinbar so trockene Thema, weckt heiße Emotionen.

Albrecht Nürnberger, arbeitsgruppe der nachrichten­agenturen zur umsetzung der rechtschreib­reform, als begründung für möglichst geringe veränderungen (Stutt­garter Nachrichten, 28. 7. 1999)

Wir wollten den Leser nicht verunsichern, vor allem soll seine Zeitungs­lektüre ein sinnliches Vergnügen bleiben.

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H. C. Artmann, österreichischer schriftsteller (profil, 7. 6. 1999)

die kleinschreibung ist viel sinnlicher.

Der Spiegel, 14. 10. 1996, nr. 42, s. 3, Hausmitteilung

Für den SPIEGEL ist klar: Er wird die Reform ignorieren, es bleibt beim gewohnten Deutsch.

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Agenturmeldung, 7. 4. 1999

Die neue Rechtschreibung wird es bei dem Nachrichten­magazin «Der Spiegel» und den Blättern des Hamburger Verlages Gruner + Jahr ab 1. August geben.